Aufwendungen der Bundesliga: Wofür geben die Clubs ihr Geld aus?

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Der letzte Beitrag beantwortete die Frage: Womit verdienen Fußballclubs ihr Geld? In diesem Artikel geht es um die Frage: Wofür geben Fußballclubs ihr Geld aus? Wir werden sehen, dass es auch im Hinblick auf die Aufwendungen der Bundesliga einige Besonderheiten gibt.

Diese Grafik zeigt die Relevanz der einzelnen Treiber der Aufwendungen der Bundesliga in der Saison 2015/16 und ist Grundlage für diesen Beitrag.

Aufwendungen der Bundesliga nach Kategorien gemäß des Bundesligareports 2017
Aufwendungen der Bundesliga nach Kategorien gemäß des Bundesligareports 2017

Nachfolgend werden die einzelnen Kategorien der Aufwendungen der Bundesliga näher erläutert.

Personal Spielbetrieb

Die mit Abstand größte Aufwands-Kategorie der Bundesliga ist Personal Spielbetrieb. Ihr Anteil beträgt 35 % (= 1.059 Millionen €) der Aufwendungen der Bundesliga. Hierunter fallen alle wiederkehrenden Zahlungen (Gehälter, Boni & Prämien) an die direkt am Spielbetrieb beteiligten Personen, also die Spieler und den Trainerstab.

Ebenfalls enthalten in dieser Kategorie sind Abfindungen. Diese sind immer dann fällig, wenn ein Fußballclub das Arbeitsverhältnis mit einem Angestellten von sich aus vorzeitig beendet. Die Abfindung dient der Entschädigung des freigestellten Mitarbeiters. Dieser Fall tritt in der Praxis häufig bei Trainern (und Sportdirektoren) ein.

Nicht berücksichtigt sind die Zahlungen potentieller Ablösesummen oder die Gehälter der weiteren Arbeitnehmer z.B. aus den Bereichen Marketing, Vertrieb und Personal. Beide Posten sind jeweils einer separaten Kategorie zugeordnet.

Personalkostenquote I – Konzept

Die absolute und relative Höhe dieser Kategorie macht deutlich, welche Rolle diese Aufwendungen für die Fußballclubs spielt. Um unterschiedliche absolute Höhen der Aufwendungen dieser Kategorie miteinander zu vergleichen, bietet sich eine Kennzahl an, die so genannte Personalkostenquote.

Diese Kennzahl beschreibt den Anteil der Personalkosten an den Gesamterlösen. Sie lässt sich sowohl für den Vergleich einzelner Fußballclubs, als auch für ganze Ligen verwenden.

Personalkostenquote I – Berechnung

In Bezug auf die Bundesliga beträgt die Personalkostenquote I somit 1.059 Millionen € (Personalaufwendungen Spielbetrieb) geteilt durch 3,24 Milliarden € (Gesamterlöse). Als Ergebnis erhalten wir 32,7 %.

Anmerkung: Wir teilen in dieser Rechnung durch die Erlöse und nicht durch die Aufwendungen, deshalb erhalten wir nicht wie in der Grafik 35 %.

Aufwendungen der Bundesliga: Berechnung Personalkostenquote I
Aufwendungen der Bundesliga: Berechnung Personalkostenquote I

In der Literatur spricht man ab einer Quote von > 50% von einem personalintensiven Unternehmen. Dies bringt für das jeweilige Unternehmen den Nachteil hoher Fixkosten mit sich.

Fixkosten sind hierbei Kosten, die das Unternehmen nur mit längerer Vorlaufzeit z.B. durch Kündigung laufender Verträge innerhalb einer bestimmten Frist, abbauen kann.

Die Konsequenz ist, dass das Unternehmen die Kosten im Fall einer Krise und ausbleibender Umsätze nur langsam abbauen kann. Kurzfristig ist somit die Profitabilität und langfristig gegebenenfalls die Existenz des Unternehmens gefährdet.

Im Durchschnitt können wir in Bezug auf die Aufwendungen des am Spielbetrieb beteiligten Personals für die Bundesliga nicht von zu hohen Fixkosten sprechen.

Im Laufe dieses Beitrags werden wir darüber hinaus die Personalkostenquote II (unter Berücksichtigung aller Angestellten) kennen lernen.

Transfer

Wie bereits im Artikel über die Umsätze der Bundesliga aufgeführt, werden Ablösesummen insbesondere für Spieler, aber auch für Trainer und Manager gezahlt.

Sie werden immer dann fällig, wenn es trotz eines laufenden Vertrages zu einem Wechsel kommt. Ablösesummen stellen in diesem Zusammenhang eine Entschädigung für den abgebenden Club dar.

Aufwendungen für die Käufe von Spielern/Trainern/Managern tragen zu 17 % (= 512 Millionen €) der Aufwendungen der Bundesliga bei.

In der abgelaufenen Saison haben die Transfereinnahmen die -aufwendungen das erste Mal seit langer Zeit übertroffen. Während 533 Mio. € eingenommen wurden, gaben die Clubs im selben Zeitraum „nur“ 512 Mio. € aus.

Somit wurde ein Transferplus von 21 Mio. € erwirtschaftet.

Hier findest Du detaillierte Analysen zu den Transferperioden im Sommer 2016, Winter 2017 sowie für die gesamte Saison 2015/16.

Spielbetrieb

Die Kosten für den Spielbetrieb haben einen Anteil von 12 % (= 373 Millionen €) an den Aufwendungen der Bundesliga. Hierbei handelt es sich um jegliche Kosten, die die einzelnen Clubs tragen müssen, um den Spielbetrieb zu organisieren.

Ein großer Kostenblock in diesem Bereich ist das Stadion. Dessen Ausbau, Instandhaltung und Betrieb fordert regelmäßige Investitionen. Darüber hinaus sind diesem Block die Kosten für Aushilfen an Spieltagen zuzurechnen.

Zu nennen ist an dieser Stelle das Personal für die zusätzliche Sicherheit, die Infrastruktur (Transfer auf Hin- & Rückweg) sowie das an Spieltagen beschäftigte Verkaufspersonal.

Personal Handel / Verwaltung

Die Ausgaben für das Personal in Handel & Verwaltung führen zu 7 % (= 206 Millionen €) der Aufwendungen der Bundesliga. In diese Kategorie fallen die Gehälter, Abfindungen, Boni und Prämien für die Angestellten der Verwaltung. Außerdem können in diese Kategorie ebenfalls Abfindungen fallen.

Personalkostenquote II – Konzept

Wie bereits angekündigt, können wir unter Berücksichtigung dieser Kategorie das Konzept der Personalkostenquote I erweitern. Zusätzlich zu den Personalaufwendungen für den Spielbetrieb (siehe oben) addieren wir die Höhe der Aufwendungen für das Personal in Handel & Verwaltung, bevor wir durch die Gesamterlöse teilen.

Wenn wir diese Summe nun ins Verhältnis zu den Gesamterlösen setzen, erhalten wir die Personalkostenquote II.

Personalkostenquote II – Berechnung

In der Kalkulation addieren wir also 1.059 Mio. € (Personal Spielbetrieb) und 206 Mio. € (Personal Handel & Verwaltung). Als Ergebnis erhalten wir Personalausgaben in Höhe von 1.265 Millionen €. Teilen wir diese durch die Gesamtumsätze von 3,24 Milliarden €, ergibt dies eine Personalkostenquote II von 39 %.

Aufwendungen der Bundesliga: Berechnung Personalkostenquote II
Aufwendungen der Bundesliga: Berechnung Personalkostenquote II

Selbst nach der Hinzunahme der Kosten für das Personal in Handel & Verwaltung wird die Grenze von 50 % nicht überschritten. Somit können wir auch unter Berücksichtigung aller Personalkosten festhalten: Die Bundesliga ist nach Maßgabe der Wissenschaft nicht zu personalintensiv.

Im nächsten Beitrag folgt eine Analyse der Personalkostenquoten der Bundesliga. Hierbei schauen wir uns sowohl deren historischen Verlauf für die Bundesliga, als auch die Personalkostenquoten der einzelnen Fußballcubs an.

Jugend

Die Kategorie Jugend umfasst sämtliche Ausgaben für den Nachwuchs und die Amateure eines Fußballclubs. Wie im Beitrag zur Kommerzialisierung der Bundesliga angesprochen, tragen die Profiabteilungen eine große Verantwortung hinsichtlich der Amateurabteilungen.

In diesem Kostenblock, der zu 4 % (= 110 Millionen €) der Aufwendungen der Bundesliga beiträgt, geht es jedoch vorwiegend um den Nachwuchs der Profiabteilung. Der Hintergrund dieser Investitionen findet sich in der Lizenzierungsordnung.

Die Lizenzierungsordnung ist die Basis für die Lizenzierung. In diesem Prozess bewertet die Deutsche Fußball Liga (DFL) die einzelnen Fußballclubs nach einem standardisierten Raster.

Neben Kriterien der Wirtschaftlichkeit, Sportlichkeit und der Organisation ist hierbei auch die Jugendarbeit ein wichtiger Punkt. So sieht die Lizenzierungsordnung den Betrieb eines Jugendleistungszentrums vor.

„Als sportlicher Unterbau wird verlangt, dass der Bewerber an seinem Sitz oder in seiner Region als Fördereinrichtung des Juniorenfußballs ein Leistungszentrum führt, das den Anforderungen der Richtlinien für die Errichtung und Unterhaltung von Leistungszentren der Teilnehmer der Lizenzligen entspricht.“ [§ 3 Nr. 2 Lizenzierungsordnung]

Sonstiges

Analog zu den Umsätzen der Bundesliga gibt es auch hinsichtlich der Aufwendungen eine Kategorie, die Sonstiges berücksichtigt. Dieser Posten umfasst 26 % (= 779 Millionen €) der Aufwendungen der Bundesliga.

Beispiele für Aufwendungen dieser Kategorie sind vielfältig und bilden die komplette Wertschöpfungskette ab. Sie umfassen Werbung, Vertrieb (beispielsweise den Betrieb eigener Fanshops), Einkauf (der Fanartikel) und viele weitere.

Außerdem werden in dieser Kategorie Aufwendungen für Mitglieder (beispielsweise auf Mitgliederversammlungen) berücksichtigt.

Darüber hinaus fallen in diese Kategorie ebenfalls nicht zahlungswirksame Aufwendungen wie beispielsweise Abschreibungen auf das Anlage- oder Umlaufvermögen.

Abschreibungen bilden hierbei planmäßige oder außerplanmäßige Wertminderungen ab. Der Verschleiß eines Laptops, Autos etc. dient als Beispiel für eine planmäßige Wertminderung.

Außerplanmäßige Wertminderungen fallen für die Fußballclubs insbesondere bei der Bilanzierung der Lizenzspieler an. Wird beispielsweise ein für viel Geld verpflichteter Spieler nach einem Jahr verschenkt, muss der Anschaffungswert (außerplanmäßig) abgeschrieben werden.

Eine Aufschlüsselung dieses Postens in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) der Fußballclubs bzw. im Bundesligareport wäre sehr interessant.

Fazit zu Aufwendungen der Bundesliga

Mein Fazit des letztes Beitrags lautete: Der Profifußball lebt davon, dass wir ihn schauen.

Dementsprechend verteilen die Fußballclubs ihre Aufwendungen und geben 35 % für das am Spielbetrieb beteiligte Personal aus. Nichtsdestotrotz können wir gemessen an den wissenschaftlichen Kriterien nicht von einem personalintensiven Unternehmen Bundesliga sprechen.

Selbst unter Hinzunahme der Personalaufwendungen für Handel & Verwaltung übersteigt die Personalkostenquote (II) nicht die 50 %.

Auch weitere Aufwands-Kategorien wie beispielsweise der Spielbetrieb oder die Transfers richten sich (kurzfristig) nach den Bedürfnissen des Sportbereichs. Langfristig können wir diese Ausrichtung an den sportlichen Bedürfnissen auch der Aufwands-Kategorie Jugend nachsagen.

Lediglich die Kategorie Sonstiges umfasst Aufwendungen, die wir klassischen betriebswirtschaftlichen Kategorien wie Marketing, Vertrieb etc. zuordnen können.

Ausblick

Umso interessanter wird die Analyse im kommenden Beitrag. Wir schauen uns den historischen Verlauf der Personalaufwendungen für die Bundesliga insgesamt an.

Außerdem betrachten wir die Personalkostenquoten der einzelnen Bundesligisten in der Saison 2014/15 an. Spannend wird sein, ob einzelne Fußballclubs den Status eines personalintensiven Unternehmens durch den hohen Anteil ihrer Personalaufwendungen an den Gesamterlösen erreichen.


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5 thoughts on “Aufwendungen der Bundesliga: Wofür geben die Clubs ihr Geld aus?

  • 10. August 2016 um 22:19
    Permalink

    Haben Vereine wie Hoffenheim oder RB auch eine Personalkostenquote II von unter 50%? Könnte mir vorstellen, dass die hier viel höher liegt, weil die Umsätze durch Merchandising und Stadion doch viel geringer sind als bei Traditionsvereinen, oder? Kann somit nicht auch die Abhängigkeit von einem Investor belegt, bzw. die zukünftige Notwendigkeit eines Investors vorhergesagt werden?

    Antwort
    • 11. August 2016 um 8:32
      Permalink

      Guten Morgen HSVer,

      das ist natürlich eine steile These. Da ich aber bereits in den Recherchen für den kommenden Artikel bin, kann ich soviel bereits sagen: Die Personalkostenquote II von 1899 Hoffenheim übertrifft die 50 %. Damit sind sie allerdings kein Einzelfall. Weitere Clubs übersteigen diese Marke ebenfalls. RB Leipzig ist (noch) nicht dabei.

      Es bleibt jedoch abzuwarten, wie sich die Quoten für RB Leipzig entwickeln, wenn sie sich in der Bundesliga etabliert haben und höhere Ansprüche anmelden. Hier vermute ich ebenfalls, dass die Personalkosten signifikant ansteigen. Sollten die Umsätze nicht (so rasant) ansteigen, wie geplant, dürfte RB Leipzig ebenfalls die 50 % Hürde übersteigen.

      Mit Deinem Kommentar hast Du mich auf eine Idee für einen weiteren Beitrag gebracht: Durch Clusterung der Fußballclubs bspw. nach „Tradition“ und „Werksclubs“ (oder so ähnlich) könnten wir uns die Relevanz der einzelnen → Umsatztreiber anschauen und so Deine These hinsichtlich der geringeren Höhe von Merchandising & Co. für die Werksclubs prüfen.

      Was meinst Du?

      Vielen Dank für Deinen spannenden Kommentar 🙂

      Antwort
      • 11. August 2016 um 19:13
        Permalink

        Das klingt spannend. Da wäre ja auch interessant zu sehen, ob sich in der 2. Liga ein paar Vereine „verstecken“ von denen man nicht gedacht hätte, dass sie so eine starke Fanbasis haben. Bin gespannt auf Deine Analyse!

        Antwort
  • 18. August 2016 um 9:25
    Permalink

    Klingt äußerst spannend und interessant. Der Hinweis auf die zweite Liga hat Potenzial. Habe sofort einige Kandidaten im Kopf, wo eure Vermutungen wahrscheinlich bestätigt werden.

    Antwort
    • 18. August 2016 um 10:21
      Permalink

      Das freut mich, Andreas! Ich bin auch schon ganz gespannt auf die Ergebnisse der nächsten Analyse. Dabei schaue ich mir ausgewählte Fußballclubs an und setze die Personalkosten in den Kontext des sportlichen Erfolgs.

      Antwort

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