Endlich mal so objektiv wie möglich betrachtet: Ausgliederung im Fußball

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Ich werde häufig gefragt, wie ich dazu gekommen bin einen Blog übers Fußballbusiness ins Leben zu rufen. So auch beim Blickpunkt Sportmanagement an der Ostfalia Hochschule vergangene Woche. Diese Geschichte erzähle ich gerne zu Beginn von Vorträgen, möchte hier aber nicht zu sehr abschweifen. Genau genommen bin ich damals über das Thema Ausgliederung im Fußball dazu gekommen.

Konkret habe ich meine Bachelorarbeit über die anstehende Ausgliederung beim Hamburger SV geschrieben. Das war 2014.

Obwohl ich jetzt schon genau 74 Beiträge veröffentlicht habe und das hier der 75. ist, habe ich noch nicht über das Thema Ausgliederung im Fußball geschrieben. Das möchte ich heute nachholen und die Vor- & Nachteile möglichst objektiv und Club-unabhängig gegenüberstellen.

Seit 1998 erlaubt

Zuerst ein wenig Geschichte. Im Jahr 1998 hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) beschlossen, dass neben der Rechtsform eines eingetragenen Vereins (e.V.) auch Kapitalgesellschaften am Spielbetrieb der Bundesliga teilnehmen dürfen.

Das Wort Kapitalgesellschaft steht insgesamt 36 Mal in der Satzung der DFL. Das Wort Verein hingegen 62 Mal und Vereine „nur“ 23 Mal. Dies bestätigt, dass es sich bei der Ausgliederung im Fußball nicht mehr um ein Randphänomen handelt.

Der Blick auf den nachfolgenden Abschnitt bestätigt dies.

Status Quo

Ich möchte an dieser Stelle einen kleinen Test machen.

Schätz doch mal bitte, wie viele Kapitalgesellschaften in der aktuellen Saison (2017/18) in der Bundesliga gegen wie viele eingetragene Vereine spielen.

Hoffentlich hast Du nicht geschummelt. Hier kommt die Auflösung: In der aktuellen Saison spielen 15 Kapitalgesellschaften gegen drei eingetragene Vereine.

Ausgliederung im Fußball: Status Quo 2017/18
Ausgliederung im Fußball: Status Quo 2017/18

Genau das ist der Grund, warum ich immer von Clubs oder Gesellschaften und nicht von Vereinen spreche. Zwar steht hinter jeder Kapitalgesellschaft auch ein eingetragener Verein, der Profifußball findet jedoch meistens in eben dieser Kapitalgesellschaft statt.

Das aber nur kurz als Anmerkung, falls Du Dich das schon mal gefragt hast.

Begriffsklärung

Schauen wir uns noch einmal kurz an, was unter der Ausgliederung im Fußball genau zu verstehen ist.

Wäre ich Jurist, könnte ich die Frage der Begriffsklärung vermutlich nicht so einfach beantworten. Für mich passiert bei einer Ausgliederung Folgendes.

Vor der Ausgliederung liegt die für den Profifußball zuständige Abteilung in der Organisation des eingetragenen Vereins (e.V.). Nach Abschluss der Ausgliederung liegt diese in einer separaten (neu gegründeten) Kapitalgesellschaft.

Das kann beispielsweise eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) oder eine Aktiengesellschaft (AG) sein. Darüber hinaus sind zahlreiche Mischformen zwischen all diesen Rechtsformen denkbar.

Für das grundlegende Verständnis einer Ausgliederung im Fußball ist das jedoch nicht relevant.

Wann immer im Fußball von einer Ausgliederung die Rede ist, geht es somit um die Lizenzspielerabteilung.

Voraussetzungen für eine Ausgliederung im Fußball

Auch wenn es so klingt als wäre die Ausgliederung im Fußball eine Entscheidung des Managements, dürfen die Mitglieder darüber entscheiden.

Hintergrund ist, dass es sich bei der Ausgliederung im Fußball um eine Satzungsänderung handelt. Für diese braucht es in der Regel eine 75% Mehrheit auf der Mitgliederversammlung.

Damit geht ein großes Problem einher: Die Berichterstattung über die Ausgliederung im Fußball ist immer stark einseitig geprägt. Während der Verein in der Regel Werbung für die Ausgliederung macht, gibt es verschiedene Gruppen von Fans, die die Nachteile in den Vordergrund stellen.

Ich möchte das anders machen und die Vor- & Nachteile objektiv gegenüberstellen. Dafür ist dieser Blog ja da :-). Ich hoffe, dass ich dem einen oder anderen unschlüssigen Mitglied mit diesem Beitrag etwas Licht ins Dunkel bringen kann.

Schauen wir uns nun die Vor- und Nachteile der Ausgliederung im Fußball etwas genauer an.

Vorteile der Ausgliederung im Fußball

In diesem Abschnitt möchte ich mich vier wesentlichen Vorteilen der Ausgliederung im Fußball widmen. Diese gehen wir nach und nach durch.

Vorteile einer Ausgliederung im Fußball
Vorteile einer Ausgliederung im Fußball

Money, Money, Money

Im Fußball geht es darum, dass der eigene Club mehr Tore schießt als das gegnerische Team. Dabei hilft finanzielle Stärke. Nicht umsonst wird häufig diskutiert, ob Geld Tore schießt. Diese Diskussion wollen wir an dieser Stelle aber nicht führen.

Aufgrund des positionalen Wettbewerbs im Fußball sind die Clubs gezwungen, besser zu sein als ihre direkten Konkurrenten. Das Geld durch eine Ausgliederung kann dabei hilfreich sein, sofern es richtig eingesetzt wird.

So funktionierts

Der maßgebliche Vorteil einer Ausgliederung im Fußball liegt darin, dass externe Investoren Anteile an der Kapitalgesellschaft erwerben können. Im Rahmen eines eingetragenen Vereins wäre das nicht möglich.

Diese Anteile kann sich die Kapitalgesellschaft teuer bezahlen lassen. Das funktioniert theoretisch so:

Auf Basis von unterschiedlichen Methoden und mit Unterstützung einer renommierten Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft wird ein Unternehmenswert bestimmt. Dieser liegt bei den meisten Bundesligisten im dreistelligen Millionenbereich.

Wenn sich der externe Investor und die Clubführung bzw. -Eigentümer einig sind, was die prozentualen Anteile angeht, ergibt sich somit automatisch auf Basis der gesamten Unternehmensbewertung ein Preis.

Ich vermute allerdings, dass es praktisch zu wesentlich mehr Verhandlungen kommt. Sowohl was die Höhe der Anteile als auch den finalen Preis anbelangt.

Beispiel: VfB Stuttgart

Das hier ist das aktuellste Beispiel in der Bundesliga:

Der VfB Stuttgart hat nach der Ausgliederung seiner Profiabteilung 41,5 Millionen Euro vom Autobauer Daimler bekommen. Dafür mussten die Stuttgarter 11,75 % ihrer Anteile an das Unternehmen abtreten.

Dahinter verbirgt sich eine Unternehmensbewertung von gut 350 Millionen Euro (so viel würde der gesamte VfB Stuttgart theoretisch kosten).

Die gesamte Übernahme eines Clubs ist rechtlich in der Bundesliga offiziell nicht möglich. Dies wird durch die 50+1-Regel verhindert. Details dazu findest Du in meinem Beitrag über die wohl am heftigsten diskutierte Regel im deutschen Profifußball.

Vorsicht

Bei Diskussionen um die Ausgliederung im Fußball warne ich mein Gegenüber gerne. Der VfB Stuttgart könnte für die 41,5 Millionen Euro beispielsweise Corentin Tolisso verpflichten.

Der junge Franzose wechselte für genau diesen Betrag von Olympique Lyon zum FC Bayern München.

Davon würde ich allerdings immer abraten. Die verkauften Anteile bekommt der VfB nicht mehr zurück – es sei denn sie werden zurück gekauft. Aus diesem Grund sollte auch das dadurch eingenommene Geld langfristig investiert werden.

Die Beispiele, die ich am liebsten nenne, sind Jugendarbeit und Infrastruktur. Auch wenn das aktuelle Team dadurch nicht von heute auf morgen besser spielt, sind diese Anlagen wesentlich vernünftiger.

Ein einzelner Spieler kann das eigene Team auf ein neues Level bringen. Er kann aber auch floppen. Und dann wäre der Anteilsverkauf „umsonst“ gewesen.

Professionalisierung

Die Organisation innerhalb der Bundesligisten ist in der Regel historisch gewachsen. Ich habe schon häufiger geschrieben, dass die Liga als Ganzes in den letzten 12 Jahren um sage und schreibe 200% gewachsen ist.

Dabei sind die Organisationen häufig unverändert geblieben, bzw. wurden nicht hinterfragt.

Je größer und mächtiger ein Club wird, desto größer ist auch die damit verbundene Verantwortung der Clubführung (und des Aufsichtsrates).

Leider ist es sehr schwierig, bestehende Strukturen innerhalb einer etablierten Organisation zu verändern. Der Effekt einer Ausgliederung kann dabei helfen. Zumindest für die neue Kapitalgesellschaft, in der der Profifußball dann organisiert ist, müssen die Strukturen komplett neu definiert und ohne Vorbelastungen neu aufgebaut werden.

Das ist eine sehr große Chance und war beispielsweise auch bei der Diskussion um die Ausgliederung beim Hamburger SV eines der vermeintlichen Vorteile. Zuvor wurde vor allem der Aufsichtsrat stark kritisiert und als Machtzentrum bezeichnet.

Auch wenn beim HSV sicher nicht alles gut läuft, wurde dies durch die Ausgliederung im Jahr 2014 geändert.

Aufbruchstimmung – Big Push

An der einen oder anderen Stelle habe ich das Schlagwort Big Push schon einmal erwähnt. Dieses beschreibt das Phänomen, dass es für einzelne Clubs enorm schwierig ist, sich von unten hochzuarbeiten.

Das Konzept

Sobald ein Club erfolgreich ist, werden in der Regel die zentralen Spieler dieses Erfolgs von anderen Teams abgeworben. Dahinter verbirgt sich die Problematik, dass die Umsätze langsamer ansteigen als der sportliche Erfolg.

Für die wechselnden Spieler gibt es zwar eine ordentliche Ablösesumme. Trotzdem ist es schwierig, diese Schlüsselspieler eins zu eins zu ersetzen.

Kommt es nun aber zu einem großen externen Ereignis, das den Club mit der nötigen finanziellen Schlagkraft ausstattet, können zentrale Schlüsselspieler trotz des ansteigenden Erfolges gehalten werden. Ein Club kann somit aus eigener Kraft den nächsten sportlichen Schritt gehen.

Eine langfristige Etablierung in höheren Tabellenregionen oder Ligen ist somit wieder leichter.

Beispiel RB Leipzig

Nehmen wir RB Leipzig als Beispiel. Ich bin mir sicher, dass die Sachsen es nicht ohne das Kapital des Getränkeherstellers Red Bull bis an die obere Spitze der Bundesliga geschafft hätten.

In den letzten Jahren konnte der Effekt der wechselnden Schlüsselspieler durch die Nähe zum Kapital umgangen werden. Jetzt schlägt er allerdings zu und kommt vom FC Liverpool. Nach der Saison 2017/18 wird Naby Keita aus der Bundesliga in die Premier League wechseln.

Dafür bekommen die Leipziger zwar 70 Millionen Euro Ablösesumme. Ein Ersatz für den Guineer (Einwohner aus Guinea) wird trotzdem nur sehr schwierig zu finden sein.

Kommen wir zum letzten Vorteil der Ausgliederung im Fußball. Dieser ist nicht ganz so offensichtlich und dennoch immens wichtig.

Risikotrennung

Ohne die Ausgliederung liegen sowohl Amateur- als auch Profisport in derselben rechtlichen Einheit. Dem eingetragenen Verein.

Absurdität

Warum das absurd sein könnte, zeigt ein Ausschnitt aus der Satzung des FC Bayern München e.V.

„Der Club verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts „steuerbegünstigte Zwecke“ der Abgabenordnung. Zweck und Aufgabe des Clubs ist die Förderung des Sports. Der Club ist frei von politischen, rassischen und konfessionellen Bindungen.“ [§ 2 Absatz I zum Zweck und Aufgaben aus der Satzung des FC Bayern München e.V.]

Diesen oder zumindest einen ähnlich formulierten Abschnitt würden wir in jeder anderen Satzung eines eingetragenen Vereins ebenfalls finden. Der Rekordmeister hat seine Profiabteilung natürlich ausgegliedert.

Es wäre aber auch durchaus ironisch, wenn die gut 640 Millionen Euro Umsatz in einem Verein erwirtschaftet würden, der ausschließlich gemeinnützige Zwecke verfolgt.

Auch wenn alle anderen Bundesligisten sicherlich in anderen Umsatzregionen unterwegs sind, ist es unumstritten, dass jeder Club wirtschaftliche Interessen verfolgt. Anders ist die Teilnahme an der Bundesliga heutzutage nicht mehr zu bewerkstelligen.

Neben dieser Absurdität käme allerdings auch noch ein erhebliches Risiko zum Tragen, wenn Profifußball und Amateursport gemeinsam organisiert sind.

Risiko

In Summe kommen alle 18 Bundesligisten laut Statista gemeinsam auf über eine Million Vereinsmitglieder. Ein Großteil davon ist sicherlich am Profifußball interessiert. Das trifft allerdings nicht auf alle zu.

Diejenigen, die ihren Amateursport ausüben wollen, würden in große Schwierigkeiten kommen, sobald der Profifußball an sich in eine Schieflage gerät. Damit wäre der oben zitierte „gemeinnützige Zweck“ nicht mehr erfüllt und viele Amateursportler müssten sich einen anderen Verein suchen.

Dass es sich hierbei nicht nur um ein Gedankenexperiment, sondern um eine reale Bedrohung handelt, zeigt der Fall vom TSV 1860 München. Der Profifußball wurde zwar ausgegliedert, steht aber immer wieder am Rande des sportlichen und finanziellen Abgrunds. Mittlerweile spielt der einstige Bundesligist in der Regionalliga Bayern.

Nachteile der Ausgliederung im Fußball

In diesem Abschnitt möchte ich mich zwei maßgeblichen Nachteilen bzw. Risiken der Ausgliederung im Fußball widmen.

Nachteile einer Ausgliederung im Fußball
Nachteile einer Ausgliederung im Fußball

Auch wenn ein Vergleich der bloßen Anzahl von Vor- & Nachteilen ein Plus für die positive Seite zeigt, ist die Abwägung komplizierter.

Entmachtung der Mitglieder

Zu Beginn dieses Beitrags habe ich bereits geschrieben, dass die Vereinsmitglieder über die Ausgliederung entscheiden dürfen. Das erste Argument dagegen ist der reduzierte Einfluss der Fans nach der Ausgliederung.

Deshalb verlieren Mitglieder Macht

Sehr gerne würde ich diesen Nachteil entkräften, kann es aber nicht. Fakt ist: Nach einer Ausgliederung werden die Mitglieder in der Regel weniger Einfluss auf den Profifußball haben als vorher. Ich mache das an zwei Gründen fest.

  1. Anzahl der Gremien: Nach der Ausgliederung werden aus einer rechtlichen Einheit zwei. Jede Einheit wird ihre eigenen Gremien haben. Das führt dazu, dass die Mitglieder automatisch weiter weg sind von der Führung der Profiabteilung.
  2. Externe Investoren: Das Hauptargument für die Ausgliederung im Fußball ist wie bereits geschrieben die Einbeziehung von externen Investoren. Zusätzlich zu der größeren Anzahl an Gremien wird die Stimme des Vereins – der weiterhin von den Mitgliedern kontrolliert wird – durch externe Investoren reduziert. Die Mehrheit wird aufgrund der 50+1-Regel allerdings immer beim Verein liegen.

Wie viel Einfluss ist gut?

Wie wir sehen, reduziert sich der Einfluss der Mitglieder durch die Ausgliederung. Bisher gibt es keine Studien und Meinungsführer, die uns sagen können, wie viel Einfluss Mitglieder im Optimalfall haben sollten.

Aus Mitglieder-Sicht ist aber mehr Einfluss erstmal besser als weniger Einfluss. Hier beginnt die gesamte Diskussion um die Ausgliederung im Fußball.

Leider kann auch ich an dieser Stelle nicht sagen, wie viel Mitbestimmung durch die Mitglieder optimal ist. Je nach konkret vorgeschlagener Struktur kann die Mitgliederbasis jedoch durch einzelne Maßnahmen gestärkt werden.

Beispielsweise sollten die Mitglieder vor dem Weiterverkauf von Anteilen zustimmen müssen. Darüber hinaus kann in der Satzung vereinbart werden, dass maximal 24,9 % der Anteile an externe Investoren verkauft werden dürfen.

Der Verein – und somit die Mitglieder – hält somit immer eine 75%-ige Mehrheit und kann alle kritischen Entscheidungen wie zum Beispiel Satzungsänderungen alleine durchführen. Sowohl der VfB Stuttgart als auch der Hamburger SV haben diesen Kniff angewendet.

Unruhe durch bzw. Abhängigkeit von Investoren

Wenn ich mich als HSV-Fan im Allgemeinem für die Ausgliederung im Fußball ausspreche, ernte ich häufig Lacher oder zumindest ein Schmunzeln.

Hier in Hamburg zeigen wir schließlich regelmäßig, wie die Einbindung eines externen Investors nicht funktionieren sollte. Ich habe auch schon einen heiß diskutierten Beitrag über die Dinge, die ich Herrn Kühne gerne persönlich sagen würde, geschrieben.

Sobald es um Diskussionen über die Ausgliederung bei einem konkreten Club geht, würde ich deshalb die Verantwortlichen immer fragen, welche Partner sie denn einbeziehen wollen. Beim VfB Stuttgart war beispielsweise schon vor der Abstimmung klar, dass Daimler sich beteiligen würde.

Der Autobauer hat eine lange und enge Verbindung zum Traditionsclub und ist zudem professionell geführt bzw. aufgrund der Börsennotierung starken Publizitätspflichten unterworfen. Aus diesem Grund würde ich das Risiko der Unruhe bzw. Abhängigkeit im Falle des VfB für gering einschätzen.

Im Idealfall wird bereits vor Verzeichnung der Verträge mit einem externen Investor über die zukünftige Zusammenarbeit gesprochen. Es ist nicht nur störend, wenn ein Investor sich in die Führung des Clubs einmischt, sondern auch verboten.

Trotz aller Fragen, die vor der Ausgliederung gestellt werden können, kann es immer zu unvorhergesehener Unruhe bzw. einer Abhängigkeit kommen. Als Mitglied musst Du nur die Frage beantworten: Traue ich der aktuellen bzw. der potenziellen Clubführung zu, dem Geld eines vermeintlich schlechten Investors zu widerstehen?

Zugegeben, auch diese Frage wird schwierig zu beantworten sein. Kommen wir deshalb zum Fazit.

Fazit zur Ausgliederung im Fußball

Ich bin in diesem Beitrag sehr allgemein unterwegs. Alle Vor- & Nachteile passen hierbei zu jedem Club. Für die finale Entscheidung für oder gegen eine Ausgliederung sollten weitere Kriterien berücksichtigt werden.

Insbesondere die konkret vorgeschlagene Struktur sowie sich abzeichnende potenzielle Investoren sowie deren Gebote können unter Umständen die Entscheidung erleichtern. Genauso war es beispielsweise beim VfB Stuttgart.

Dort habe ich auf dem Blog Vertikalpass kurz vor der Abstimmung über die Ausgliederung die Chancen & Risiken objektiv gegenüber gestellt.

Ich komme heute wie damals zu demselben Fazit: Am Ende müssen die Mitglieder entscheiden, ob sie ihren Einfluss bereitwillig zu Gunsten der finanziellen Chance reduzieren.


Hast Du konkrete Fragen zur Ausgliederung bei Deinem Lieblingsclub? Schreib mir eine Mail an ralf.leister@fussballwirtschaft.de oder verfasse einen Kommentar.

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4 thoughts on “Endlich mal so objektiv wie möglich betrachtet: Ausgliederung im Fußball

  • 13. Dezember 2017 um 10:44
    Permalink

    Herzlichen Dank für den im engeren Wortsinn aufklärenden Artikel. Vereine im Allgemeinen haben ja eine zentrale Bedeutung in der Gesellschaft und tragen eine Menge zum Funktionieren der Zivilgesellschaft bei. Wir denken bei „VfB Stuttgart“ oder „HSV“ immer an 11 Leute auf dem Rasen, aber ein Verein ist eben auch ein strukturelles Element der bürgerlichen Gesellschaft, das Bindung und Sicherheit schafft. Du schreibst zwar (zu Recht), dass es fast ironisch wäre, wenn der FC Bayern keinen Gewinn machen würde. Aber es wäre nicht nur ironisch, sondern nicht mehr rückgängig zu machen, wenn sich die Vereine von ihren Mitgliedern (also: ihrer gesellschaftlichen „Mitte“) dauerhaft entfernen würden. Ich bin mir nicht sicher, wie das zu ersetzen wäre.

    Antwort
    • 17. Dezember 2017 um 14:03
      Permalink

      Hi Chris,

      vielen Dank für Deinen zum Nachdenken anstiftenden Kommentar. Ich finde auch, dass Vereine eine wichtige gesellschaftliche Rolle einnehmen. Gerade deshalb ist die Antwort auf die Frage zur optimalen Struktur nicht schwarz oder weiß. Sondern wie immer irgendwo in der Mitte.

      Durch die 50+1-Regel ist ja aktuell noch gewährleistet, dass die Mitglieder zumindest formal die Mehrheit in einer ausgegliederten Gesellschaft haben.

      Liebe Grüße und einen schönen dritten Advent
      Ralf

      Antwort
  • 21. Januar 2018 um 10:25
    Permalink

    Hallo Ralf,
    ich finde es gut dass Du mal den Status Quo aufgezeigt hast. Ich habe ein paar Anmerkungen zu deinem Artikel:
    1. Ich würde bei dem Thema Ausgliederung zum besseren Verständnis von der „Ausgliederung von Lizenzspielerabteilungen“ sprechen. Da zum Beispiel der FC Schalke 04 als eingetragener Verein auch Vereinsbereiche in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert hat. So ist beim FC Schalke 04 e. V. der Stadionbetrieb in die Arena Management GmbH ausgegliedert. Du beziehst allerdings den Begriff Ausgliederung ausschließlich auf die Lizenzspielerabteilungen. Deshalb ist der Zusatz in dem Zusammenhang wichtig.

    2. Du schreibst, dass eine ausgegliederte Gesellschaft eine Kommandigesellschaft (KG) sein kann. Das ist falsch. Eine Kommanditgesellschaft ist eine Personengesellschaft und kann somit keine Rechtsform für eine ausgegliederte Lizenzspielerabteilung sein.
    Neben der GmbH und AG ist für die Ausgliederung von Lizenzspielerabteilungen hier die übliche Rechtsform (Mischform) die GmbH & Co. KGaA ebenfalls als Kapitalgesellschaft.

    3. Noch eine kleine Anmerkung zu deinem Artikel „8 unverzichtbare Tipps für deine Karriere im Sportmanagement“, indem zu schreibst dass man kein Sportmanagement studieren muss. In einem Sportmanagement-Studium lernt man die wirtschaftlichen Zusammenhänge im Fußball und somit auch die Punkte 1. und 2.
    Aus diesem Grund finde ich ein Sportmanagement-Studium absolut sinnvoll. Aber das ist nur meine persönliche Meinung.

    Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg und gutes Jahr 2018
    Grüße Sebastian

    Antwort
    • 21. Januar 2018 um 11:55
      Permalink

      Lieber Sebastian,

      vielen Dank auch für diesen Kommentar. Ich habe die Punkte 1. und 2. berücksichtigt und eingearbeitet. Danke für diese Hinweise. Wenn ich im Schreibfluss bin, schleicht sich sowas ab und zu ein.

      Zu Deinem dritten Punkt: Es ist genau richtig, dass darüber diskutiert werden kann. Es kommt auch immer darauf an, wie eine Karriere im Sportmanagement genau definiert ist. Zwischen irgendeiner Position in einer Sportorganisation und der konkreten Position eines Sportmanagers liegen ja Welten.

      Ich ziele mit meinem Tipp eher auf die weit gefasste Definition ab. Und da habe ich die Erfahrung gemacht, dass es kein Ausschlusskriterium ist (bzw. sein sollte), wenn man kein Sportmanagement studiert hat.

      Ich wünsche Dir nochmal einen schönen Sonntag und sende Dir liebe Grüße aus Hamburg ✌️

      Antwort

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