Was uns die Transferaktivitäten der Clubs zur Bundesliga 2017/18 verraten

Was uns die Transferaktivitäten der Clubs zur Bundesliga 2017/18 verraten

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Nach einiger Zeit möchte ich mich diese Woche mal wieder zahlenseitig etwas ausleben. Deshalb folgt heute meine Analyse zu den Transferaktivitäten aller Clubs zur Bundesliga 2017/18.

Ähnliche Analysen veröffentlichte ich bereits zu den Transferperioden im Sommer 2016 und dem Winter 2017. Aus diesem Grund können wir fast schon von einer Tradition sprechen.

Trotzdem wirst Du in diesem Beitrag viel Neues über Deinen Lieblingsclub erfahren.

Vorwort zur Datenerhebung

Meine Analysen basieren auf den Daten des Portals Transfermarkt.de. Über deren Richtigkeit ließe sich kräftig streiten, aber ich habe bisher keine bessere Quelle gefunden. Wenn Du eine hast, freue ich mich über einen Tipp :-).

Da immer mal wieder Neuigkeiten zu bereits geschlossenen Transfers erscheinen, ist auch der Zeitpunkt der Datenerhebung wichtig. Die nun folgenden Daten stammen vom 10.09.2017 und sind somit zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags hochaktuell.

Komm gerne auf mich zu, wenn Du Fragen oder Anmerkungen zur Methodik hast. Du erreichst mich unter ralf.leister@fussballwirtschaft.de. Jetzt möchte ich aber mit der Analyse aller Clubs der Bundesliga 2017/18 loslegen.

Vier zu beantwortende Fragestellungen

Genau wie in den letzten Jahren möchte ich für diesen Beitrag vier Fragestellungen beantworten.

  1. Arten von Transfers: Welche Arten von Spielerverpflichtungen (Käufe, Leihen etc.) waren zur Bundesliga 2017/18 wie stark vertreten?
  2. Transfersalden: Welcher Club hat zur Bundesliga 2017/18 unterm Strich wie viel Geld auf dem Transfermarkt eingenommen bzw. ausgegeben?
  3. Transferaktivität: Wie aktiv waren die einzelnen Clubs zur Bundesliga 2017/18 auf dem Transfermarkt?
  4. Durchschnittsalter: Wie alt waren die Zu- & Abgänge aller Clubs zur Bundesliga 2017/18 durchschnittlich?

Arten von Transfers zur Bundesliga 2017/18

Beginnen wir mit den Arten von Transfers.

Diese Arten unterscheide ich

Zuerst möchte ich Dir dazu nochmal zeigen, welche verschiedenen Arten ich dabei unterscheide.

Arten von Spielerverpflichtungen
Arten von Spielerverpflichtungen

Verteilung zur Bundesliga 2017/18

Nachfolgend siehst Du, wie die einzelnen Arten von Transfers in der Transferperiode des Sommers 2017 verteilt sind.

Arten von Transfers zur Bundesliga 2017/18
Arten von Transfers zur Bundesliga 2017/18

Einen Hinweis möchte ich für diese Grafik noch ergänzen:

Die Kombination, dass für die Spieler von fremden Jugendabteilungen Ablösesummen gezahlt wurden, kam insgesamt zwei Mal vor. Diese Transfers wurden somit in zwei Kategorien berücksichtigt.

Leihen sehr beliebt

Den größten Block in dieser Analyse machen die Leihen aus. Teilweise sind diese mit einer Gebühr für den aufnehmenden Club verbunden, größtenteils jedoch mit der Übernahme der Gehaltskosten des besagten Spielers abgegolten.

Über 50% der Spielerverpflichtungen sind tatsächliche Vereinswechsel (51%). Davon werden 20% ohne die Zahlung einer Ablösesumme vollzogen. Ein aktuelles Beispiel ist der Wechsel von Sebastian Rudy von 1899 Hoffenheim zum FC Bayern München. 

Der abgebende Club hat im Falle eines auslaufenden Vertrags keinen Anspruch auf eine Ablösesumme. Trotzdem wird in 31% der Transferbewegungen eine Ablösesumme gezahlt, weil die Spieler trotz laufender Verträge den Club wechseln.

Vereinslose Spieler, sowie Fußball-Rentner (Karriereenden) sind in der Kategorie Sonstiges (2%) berücksichtigt. Zusätzlich finden 9% der Wechsel im Zusammenspiel mit der eigenen oder einer fremden Jugendabteilung statt.

Transfersalden zur Bundesliga 2017/18

Die nun folgenden Zahlen sind vermutlich am bekanntesten.

Verständnis des Transfersaldos

Der Transfersaldo ergibt sich aus der Differenz aller Transfereinnahmen sowie der dazugehörigen Ausgaben.

Darin sind somit nicht nur reine Ablösesummen, sondern auch anfallende Leihgebühren berücksichtigt. Nachfolgend siehst Du eine Übersicht zu den Transfersalden aller Clubs zur Bundesliga 2017/18.

Transfersalden je Club zur Bundesliga 2017/18
Transfersaldo je Club zur Bundesliga 2017/18

BVB dank Dembélé vorne

Vermutlich überrascht es Dich nicht, dass Borussia Dortmund diese Kategorie anführt. Das Ende des langen Transferpokers um Dembélé bescherte den Dortmundern schließlich einen Geldregen von 105 Millionen Euro.

Ohne diese Transfersumme hätten nur vier Clubs ein größeres Defizit erwirtschaftet als die Borussen. Darunter ist beispielsweise der Rekordmeister aus München.

Bayern mit dem größten Defizit

Der FC Bayern München hat in diesem Sommer auf dem Transfermarkt tief in die Tasche gegriffen. Für Tolisso, Coman & Süle wurden jeweils mindestens 20 Millionen Euro ausgegeben.

Hinzu kommt die Leihgebühr in Höhe von 13 Millionen Euro für James Rodríguez sowie die vergleichsweise gering wirkenden 8 Millionen Euro Ablöse für Serge Gnabry.

In einer Kategorie sind die Münchener dennoch mit Abstand Spitzenreiter. Für die Leihen von Sanches, Costa & Gnabry kassiert der FC Bayern München insgesamt 15,5 Millionen Euro Leihgebühr.

Der zweite in dieser Kategorie – FC Schalke 04 – kommt lediglich auf 5,5 Millionen Euro für die Leihen von Höwedes & Geis. 

Aufsteiger greifen an

Darüber hinaus ist es wenig verwunderlich, dass auch die beiden Aufsteiger aus Hannover und Stuttgart auf dem Transfermarkt tief in die Tasche greifen. Im Vergleich zur Zweitliga-Saison wollen beide Clubs ihren Kader aufwerten und senden damit ein klares Signal.

Beide planen langfristig für die Bundesliga und wollen keinesfalls direkt wieder absteigen. Auch wenn weder Ingolstadt noch Darmstadt das wollten, waren beide wesentlich zurückhaltender auf dem Transfermarkt.

RB leistet sich erneut Transferdefizit

Die Bullen aus Leipzig verhalten sich ähnlich wie in den vorherigen Transferperioden. Während sie bereits im letzten Jahr ca. 50 Millionen Euro ausgegeben haben, folgt nun erneut ein Defizit von fast 40 Millionen Euro.

Die Leipziger können es sich allerdings leisten. So wurde sehr frühzeitig bekannt, dass der FC Liverpool unter Trainer Jürgen Klopp die Ausstiegsklausel bei Naby Keita aktiviert hat.

RB Leipzig hat demnach etwa 55 Millionen Euro an Transfereinnahmen im kommenden Sommer sicher. Aber auch diese werden sie sicherlich nicht aufs Tagesgeldkonto legen, sondern reinvestieren.

Transferaktivität zur Bundesliga 2017/18

Es gibt zwei Möglichkeiten Geld auf dem Transfermarkt einzunehmen bzw. auszugeben.

Anzahl der Spielerbewegungen

Ein Club kann beispielsweise viele Spieler (ver-)kaufen und dafür eine durchschnittliche Ablösesumme kassieren bzw. zahlen.

Außerdem könnte ein Club aber auch nur wenige Spieler (ver-)kaufen und dafür eine sehr hohe Ablösesumme kassieren bzw. zahlen.

Deshalb schauen wir uns nun an, wie viele Transferbewegungen die einzelnen Clubs zur Bundesliga 2017/18 durchgeführt haben. Die Reihenfolge orientiert sich dabei an der Grafik zu den Transfersalden.

Transferbewegungen zur Bundesliga 2017/18
Transferbewegungen zur Bundesliga 2017/18

Rotation = Unzufriedenheit?

Ich habe zur Interpretation dieser Abbildung immer eine These im Kopf.

Je stärker die Veränderungen im Kader, desto mehr nehmen sich die Verantwortlichen im Vergleich zum Vorjahr vor.

Dahinter verbirgt sich die Annahme, dass Clubs, die mit ihrer Performance zufrieden waren kaum etwas am Kader ändern müssen. Einige Beispiele deuten durchaus daraufhin, dass diese These stimmt.

Köln & Hertha zufrieden

Sowohl der FC Köln, als auch Hertha BSC waren sicherlich zwei Überraschungs-Mannschaften aus der vergangenen Saison. Beide qualifizierten sich für die Europa League. Damit haben die wenigsten zu Beginn der Saison gerechnet.

Dementsprechend schlüssig scheint es, dass die Kölner am wenigsten Abgänge (3) zu verzeichnen hatten. Die Berliner kommen bereits auf doppelt so viele Abgänge, sind aber immer noch weit unter dem Bundesliga-Schnitt von ca. 12 Abgängen.

Gleichzeitig sind die beiden Clubs auch die Bundesligisten mit den wenigsten Zugängen. Köln kommt auf doppelt so viele Zu- wie Abgänge (6) während Hertha zu Beginn der neuen Saison – genau wie Borussia Mönchengladbach – 9 Neue begrüßen konnte.

Schalke & Wolfsburg unzufrieden

Auf der Seite der Unzufriedenen finden wir hingegen Schalke 04 und den VfL Wolfsburg. Im Gegensatz zu den beiden eben betrachteten Clubs haben die Königsblauen sowie die Wolfsburger sicherlich mit dem Erreichen des internationalen Geschäfts geplant.

Beide haben es verfehlt. Die Niedersachsen mussten sogar bis zur Relegation um den Abstieg bangen. Beide Clubs nahmen die Saison 2016/17 zum Anlass, um ihre Kader umzukrempeln.

Die Gelsenkirchener kommen auf 21 Abgänge und 13 Zugänge und haben somit insgesamt 34 Transferbewegungen. Beim VfL Wolfsburg ist das Verhältnis von Zu- & Abgängen ausgeglichener. Die 33 Transferbewegungen setzen sich hierbei aus 16 Zu- und 17 Abgängen zusammen.

Ob diese Rotationen im Kader etwas bringen oder nicht, können wir nach nun drei gespielten Spieltagen nicht beurteilen.

Natürlich gibt es aber auch Gegenbeispiele.

BVB & Hoffenheim unzufrieden?

Natürlich kann von Unzufriedenheit weder bei Borussia Dortmund noch bei 1899 Hoffenheim die Rede sein. Trotzdem kommen beide auf über 30 Transferbewegungen.

Die Borussen weisen hierbei sogar dieselbe Verteilung wie der VfL Wolfsburg aus. Auf 16 Neue kommen 17 Spieler, die den Club verlassen.

Auch die Hoffenheimer sind im Club der 30er und haben insgesamt 17 Zu- und 13 Abgänge zu verzeichnen.

Beide Clubs können trotzdem auf ihre vergangene Saison stolz sein, wobei die Dortmunder dieses Jahr sicherlich noch intensiver um den zweiten Platz kämpfen werden.

Durchschnittsalter der Transferaktivitäten

Kommen wir zur letzten Fragestellung, die ich in dieser Analyse beantworten möchte: Die Frage nach dem Durchschnittsalter der Zu- & Abgänge.

Durchschnittsalter der Zu- & Abgänge zur Bundesliga 2017/18
Durchschnittsalter der Zu- & Abgänge zur Bundesliga 2017/18

Frankfurt & Hannover werden älter

Grundsätzlich geht der Trend zu immer jüngeren Kadern. Aus diesem Grund sind die Abgänge in der Regel älter als die Neuzugänge.

Dieser Trend wird jedoch bei zwei Clubs gebrochen. Sowohl Eintracht Frankfurt, als auch Hannover 96 verpflichten im Durchschnitt ältere Spieler als sie abgeben.

Für beide Clubs fällt mir eine Erklärung ein:

  • Hannover 96 steigt aus der zweiten Bundesliga zurück ins Oberhaus auf. Bei den Niedersachsen hat die sportliche Qualität vermutlich Vorrang vor jeglichen strategischen Überlegungen den Kader zu verjüngen.
  • Eintracht Frankfurt hat in der Saison 2016/17 eine katastrophale Rückrunde gespielt und lediglich 13 Punkte geholt. Auch hier hatte die sportliche Verbesserung unter Umständen Vorrang vor einer Verjüngung des Kaders.

Köln und Hertha auch hier Spitze

Die beiden Clubs aus Köln und Berlin sind uns bereits bei der Analyse der generellen Transferaktivität aufgefallen. Beide Clubs haben den Kader nur wenig verändert.

Hinzu kommt, dass sie bei den Zugängen besonderen Wert auf die Verjüngung ihrer Kader gelegt haben. Während die Kölner zwei Jugendspieler mit Profiverträgen ausstatteten, beförderten die Berliner gleich doppelt so viele Jungspunde.

Fazit zu Transferaktivitäten der Clubs

Hinter uns liegt eine spannende Transferphase. Trotzdem bin ich froh, dass nun wieder Fußball gespielt und nicht über mögliche Wechsel spekuliert wird.

Die Sommer-Transferphasen sind meiner Meinung nach viel aussagekräftiger als die im Winter. In der kalten Jahreszeit werden vor allem ad-hoc Lösungen gesucht, während im Sommer größtenteils strategisch verpflichtet wird.

Insbesondere Hertha BSC und der FC Köln sind in dieser Analyse positiv aufgefallen. Das bedeutet nicht, dass ich beide Clubs als Transfer-Weltmeister bezeichnen würde, aber geringe Änderung sowie die Verjüngung des Kaders wirken auf den ersten Blick sehr nachhaltig.

Entschieden wird die Saison trotzdem auf dem Platz – zum Glück :-).


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