Was kostet Erfolg auf dem Bundesliga Transfermarkt?

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Ich habe bereits darüber geschrieben, dass die Sommerpause dieses Jahr nicht langweilig wird. Wenn es etwas an ihr gibt, was ich nicht mag, sind es die zahlreichen Gerüchte zum Bundesliga Transfermarkt.

Dies fängt heutzutage bei den Top-Stars jedes Bundesligisten an. So habe ich beispielsweise schon von zahlreichen millionenschweren Angeboten für Pierre-Emerick Aubameyang gelesen. Trotzdem ist er nach wie vor bei der Borussia aus Dortmund unter Vertrag. Bei den Spielern hört es aber mittlerweile nicht mehr auf.

Auch auf dem Trainerposten habe ich von zahlreichen Kandidaten gelesen, die in der engeren Auswahl beim BVB sind, bis die Verpflichtung von Peter Bosz vermeldet wurde. Für Hardcore-Fans mag die Trainersuche interessant sein, aber für den allgemeinen Fußballfan eher nicht, oder?

Deshalb schaue ich mal wieder auf ein paar Zahlen. Nach der Saison möchte ich ein Fazit ziehen und mir anschauen, welcher Club wie viel Geld für neue Spieler ausgegeben hat und ob es sich sportlich gelohnt hat.

Ziel dieser Analyse

Bereits nach den Transferperioden im Sommer 2016 und im Winter 2017 habe ich ein ähnliches Fazit gezogen. Dabei hatte ich allerdings noch keine sportlichen Daten, die ich als Benchmark heranziehen konnte, um zu beurteilen, ob sich die Investitionen gelohnt haben oder nicht. Das hat sich nach Ablauf der Saison jetzt geändert.

Mit dieser Analyse möchte ich mir ein Kriterium für die Effizienz der sportlichen Arbeit der Bundesligisten anschauen. Natürlich beschränkt sich diese Analyse auf das Transfergeschäft und stellt somit nur einen Ausschnitt dar.

Trotzdem können die eher schlecht abschneidenden Clubs erkennen, dass sie ihre Mittel durchaus noch effizienter einsetzen könnten. Genug Vorgeplänkel. Los geht´s!

Was kostet sportliche Verbesserung?

Die Clubs versuchen sich durch ihr Handeln auf dem Transfermarkt für die kommende Spielzeit sportlich stärker aufzustellen. Spannend ist natürlich nun der Vergleich zwischen den Transfersalden in der Spielzeit 2016/17 und der Verbesserung der sportlichen Performance im selben Zeitraum.

Natürlich können sich nicht alle Clubs verbessert haben. Hintergrund ist hier der positionale Wettbewerb.

Rein theoretisch könnten natürlich alle Clubs genauso abschneiden, wie im Vorjahr, aber das ist ziemlich unwahrscheinlich. Sobald sich also ein Club verbessert, muss ein anderer sich zwangsläufig verschlechtern.

Sportliche Veränderungen je Club

Wir nähern uns der Antwort auf diese Frage langsam. Deshalb siehst Du hier erst einmal die sportliche Veränderung je Club von 2015/16 auf 2016/17. Als Kriterien schauen wir uns hierbei die Punktedifferenz zur vorherigen Saison sowie die Platzierung in der Abschlusstabelle an.

Bundesliga Transfermarkt
Sportlicher Erfolg der Bundesligisten im Vergleich zum Vorjahr

Anmerkungen zur Fußnote 1: RB Leipzig & der SC Freiburg waren die Aufsteiger der vergangenen Saison. In der Punktewertung wurden beide Saisons direkt (1:1) miteinander vergleichen.

Die Breisgauer erzielen hier so einen schlechten Wert (-24), da sie in der 2. Bundesliga mit 72 Punkten Meister wurden und jetzt als 7. „nur“ 48 Zähler erspielten .

Im Hinblick auf die Platzierung habe ich bspw. den Leipzigern eine Verbesserung von 18 Plätzen zugeschrieben (Verbesserung vom Platz zwei der 2. Bundesliga (= 20. beste Mannschaft in Deutschland) auf den zweiten Platz der Bundesliga).

Die Breisgauer verbesserten sich quasi vom 19. Platz (Meister der 2. Bundesliga) auf den 7. Platz in der Bundesliga (+12).

Lediglich 5 Erstligisten verbessern sich

Ich finde es beeindruckend, dass lediglich 5 Bundesligisten es geschafft haben, ihre Platzierung aus dem Vorjahr zu übertreffen. Allen voran ist hier die Überraschungsmannschaft der TSG Hoffenheim zu nennen.

Mit der stark positiven Punktedifferenz (+25) schafften sie als einziger Nicht-Aufsteiger eine Verbesserung von über 10 Plätzen (11) vom 15. auf den 4. Platz.

Diese Verbesserung konnten die Sinsheimer nur über eine konstant gute Saisonleistung erzielen. Aber auch weniger konstante Clubs schafften einen starke Verbesserung gegenüber der Vor-Saison.

Während Eintracht Frankfurt vor allem in der Hinrunde überraschte, konnte Werder Bremen in der Rückrunde konstant punkten. Die genauere Entwicklung beider Teams habe ich bereits in meinen 10 Gründen, warum ich die Bundesligasaison 2016/17 nicht vergesse erläutert.

Auch die Kölner und Berliner können mit ihrer Verbesserung zufrieden sein. Beide Clubs werden in der kommenden Saison in der Europa League antreten.

RB Leipzig hält das Punkteniveau

Dass die beiden Aufsteiger aus Leipzig und Freiburg sich im Platzierungs-Kriterium im Vergleich zur vorherigen Saison verbessern, war klar. RB Leipzig schaffte es jedoch direkt in der ersten Saison im Fußball-Oberhaus auf den zweiten Platz zum ersten Bayern-Verfolger zu werden.

Dementsprechend beeindruckend finde ich es, dass sie 2016/17 genau dieselbe Punktzahl (67 Punkte) erreichten, wie in der 2. Bundesliga ein Jahr zuvor.

In der Saison 2000/2001 hätte diese Punktzahl übrigens für den Meistertitel gereicht. Fans des FC Schalke und des FC Bayern München werden sich erinnern :-).

Darüber hinaus haben auch die Augsburger ihr Punkteniveau der Vor-Saison gehalten. Das war jedoch keinesfalls so schwierig, wie die Leistung der Leipziger, da der FC Augsburg auch in der Saison 2015/16 bereits im Oberhaus spielte.

Außerdem war das Punkteniveau mit 38 Zählern etwas niedriger. Dementsprechend spielten die Augsburger auch nicht um die Champions League mit, sondern gegen den Abstieg.

FC Bayern auf den ersten Blick nur Mittelmaß

Natürlich kommen wir nicht umhin, uns den deutschen Rekordmeister einmal anzuschauen.

Als einziger Club erreicht der FC Bayern München dieselbe Platzierung wie im Vorjahr und feierte somit zum Saisonabschluss die 5. Meisterschaft im Folge.

Dass die Münchener sich im Hinblick auf ihre Platzierung nicht verbessern können, ist ja klar :-). Da dürfte es höchstens die ganz Ambitionierten stören, dass man 6 Punkte weniger holte als im Vorjahr.

Darüber hinaus möchte ich noch auf die größten Verlierer eingehen.

Leverkusen verliert 19 Punkte

Eigentlich hätte ich nach meinem Bauchgefühl den VfL Wolfsburg am Ende des Rankings erwartet. Schließlich haben die Niedersachsen sich lediglich durch zwei wenig glanzvolle Auftritte in der Relegation retten können.

Laut Platzierungs-Kriterium sind sie mit einem Minus von 8 Plätzen Differenz zur vorherigen Saison (bei -8 Punkten) nicht der schlechteste Club der Bundesliga.

Die Werkself aus Leverkusen hat ganze 19 Punkte im Vergleich zum Vorjahr verloren. In meiner Lieblingswährung Spiele die es gebraucht hätte, um diese Differenz aufzuholen sind das immerhin knapp 7 Spiele.

Damit verlor Bayer Leverkusen insgesamt 9 Plätze und ist gemeinsam mit Mainz 05 negativer Spitzenreiter.

Die Verhältnisse der beiden Clubs, die durch DAX-Konzerne gestützt werden, zeigen, wie eng die Bundesliga teilweise ist. Während die Leverkusener mit 19 Punkten 9 Plätze verloren, haben die Wolfsburger wie beschrieben mit 8 Punkten auch 8 Plätze verloren.

So ärgerlich das insbesondere für die Wolfsburger ist, so gut ist die Spannung im Mittelfeld der Tabelle für die Bundesliga.

Obwohl dieser Vergleich schon sehr spannend ist, ziehen wir jetzt noch einen Ausschnitt zur finanziellen Perspektive hinzu: Die Aktivitäten auf dem Transfermarkt in den vergangenen beiden Transferperioden.

Bundesliga Transfermarkt: Überschuss oder Defizit?

Ich habe lange darüber nachgedacht, welche finanziellen Kennzahlen des Bundesliga Transfermarkts wir zuerst gegen den sportlichen Erfolg legen sollten. In einer früheren Version dieses Beitrags habe ich mir zuerst die Transferausgaben angeschaut. Anschließend habe ich diese mit den Transfereinnahmen kombiniert, um so den Transfersaldo herzuleiten.

Dieser Transfersaldo ist jedoch meiner Ansicht nach die aussagekräftigste und relevanteste Größe.

Lange Rede, kurzer Sinn. Die unten stehende Grafik zeigt das sehr heterogene Feld der Bundesligisten im Hinblick auf deren Transfersalden der Saison 2016/17. Daraus können wir entnehmen, ob ein Club auf dem Bundesliga Transfermarkt unterm Strich Geld eingenommen oder ausgegeben hat.

Bundesliga Transfermarkt

Die Details zu dieser Grafik und somit den Transfers der Bundesliga in der Saison 2016/17 findest Du hier.

Diese Analyse werde ich hier nicht groß beschreiben, da ich das jeweils für die Sommer- bzw. Winter-Transferperiode dieser Saison bereits getan habe und hier niemanden langweilen möchte :-).

Spannend wird es, wenn wir die beiden Grafiken miteinander vergleichen.


Digitalisierung des Fußballs


Das kostet sportliche Verbesserung auf dem Bundesliga Transfermarkt

Wenn Fußball und Geld 1:1 zusammenhängen würden, könnten wir vermuten, dass alle Clubs, die sich im Vergleich zum Vorjahr sportlich verbessert haben, auf dem Bundesliga Transfermarkt investiert haben.

Hintergrund dieser Annahme wäre, dass eine bessere sportliche Performance einen höherwertigen Kader benötigt, den sich der Club zusammen gekauft hat.

Andersrum würde es bedeuten, dass alle Clubs, die sich sportlich verschlechtert haben, vermutlich viele Spieler abgegeben haben und somit Transferüberschüsse erzielten.

Natürlich ist der Fußball nicht so berechenbar. Zum Glück. Hier sind die Ergebnisse und der Vergleich zwischen der Aktivität auf dem Bundesliga Transfermarkt und der sportlichen Veränderung zum Vorjahr.

Bundesliga Transfermarkt

Anmerkung zu den Aufsteigern: Es gilt dieselbe Aussage zu den Aufsteigern, wie schon in der ersten Grafik.

Ich gebe zu, dass diese Grafik auf den ersten Blick nicht ganz so eingängig ist. Genau deshalb habe ich zuvor beide Kriterien einzeln aufgezeigt. Ein paar interessante Ableitungen lassen sich jedoch treffen.

Verbesserung über Transferüberschüsse

Im Vergleich zur vorherigen Saison haben sich neben den beiden Aufsteigern fünf Clubs in Bezug auf die Tabellenplatzierung verbessert. TSG Hoffenheim, Werder Bremen, FC Köln, Eintracht Frankfurt und Hertha BSC haben dies geschafft.

Entgegen der möglichen These, dass sportliche Verbesserung vor allem Geld (und somit Transferdefizit) kostet, haben vier dieser Clubs einen positiven Transfersaldo erwirtschaftet. Bis auf die Berliner (und die Aufsteiger) erzielten die Clubs, die sich stark verbessert haben, einen Transferüberschuss.

Diese vier Clubs haben es darüber hinaus geschafft, ihre Punktzahl im Vergleich zum Vorjahr zu übertreffen. Die Hauptstädter haben dies nicht geschafft.

Als ich das während meiner Analyse festgestellt habe, musste ich schmunzeln und genau deshalb macht mir diese Arbeit so viel Spaß. Ich hätte damit nicht gerechnet und hoffe, auch Dich damit überrascht zu haben :-).

Lediglich 4 Clubs verkaufen sportlichen Erfolg

Die eingangs formulierte These, dass sportliche Verbesserung vermutlich Transferdefizit kostet, trifft jedoch auch für einige Clubs zu. Die beiden Aufsteiger aus Leipzig und Freiburg sowie der Hauptstadtclub aus Berlin investieren auf dem Transfermarkt und verbessern sich.

Dieses Investitionsverhalten ist objektiv absolut vertretbar. Würden die Aufsteiger nicht gezielt investieren, wird der Klassenerhalt vermutlich schwierig. Auch die Berliner hatten hohe Ziele und haben diese mit der Qualifikation für die Europa League erreicht.

Es geht jedoch auch anders. Einige Clubs geben vermehrt Geld auf dem Transfermarkt aus und verschlechtertn sich trotzdem. Davon sind sechs Clubs betroffen: FC Augsburg, Borussia Dortmund, Hamburger SV, FC Ingolstadt, Mainz 05, Bayer Leverkusen.

Das finde ich ebenfalls beeindruckend, weil es bedeutet, dass finanzielle Investition im Form von Transfersaldo in 10 Fällen einen anderen Trend aufweist, als der sportliche Erfolg.

Auf der anderen Seite sind noch die Clubs zu nennen, die sich quasi „geplant verschlechtern“. Natürlich ist dieser Satz mit Vorsicht zu genießen, da sich vermutlich keiner der Clubs verschlechtern wollte.

Durch die Erzielung von Transferüberschüssen kann jedoch davon ausgegangen werden, dass der Kader objektiv an Qualität verloren hat. Hierunter fallen: SV Darmstadt, FC Schalke 04, Borussia Mönchengladbach & VfL Wolfsburg.

Das schaue ich mir aber nächste Woche noch genauer an. Dann heißt es nämlich: Was uns ein tiefer Blick in die Bundesliga Kader verrät.

Und mit diesen Erkenntnissen schließe ich den heutigen Beitrag zum Bundesliga Transfermarkt nachdenklich und frage mich, was die Club-Verantwortlichen wohl über diese Zusammenhänge denken.


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