Alles, was Du über Corporate Governance im Fußball wissen musst

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Das Sportbusiness hat mich schon immer gereizt. Ohne meine Forschungen im Bereich Corporate Governance im Fußball wäre ich jedoch vermutlich nie dazu gekommen, diesen Blog zu starten.

Heute möchte ich Euch in die faszinierende Welt von Corporate Governance entführen und Euch Einblicke in das erste (wissenschaftliche) Forschungsprojekt dieser Art geben. Anlass ist die Veröffentlichung einer Pressemitteilung, die zeitgleich mit diesem Beitrag an zahlreiche Medien versendet wird.

Bereits 2016 wurde unser Projekt unter anderem im Capital, dem Hamburger Abendblatt sowie der Print-Ausgabe des Kickers aufgenommen.

Auch wenn wissenschaftliche Forschungsprojekte häufig sehr komplex sind, haben wir eine leicht verdauliche Tabelle veröffentlicht, die der sportlichen Bundesliga-Tabelle gleicht. Deshalb erfährst Du hier, wie Dein Lieblingsclub organisiert ist. Und ich untertreibe nicht, wenn ich Dir die ein oder andere Überraschung verspreche.

So kommt der Deutsche Meister für Corporate Governance im Fußball nicht aus München und der HSV befindet sich auf Champions League Kurs. Neugierig?

Bevor wir klären, was Corporate Governance im Fußball überhaupt bedeutet, möchte ich Euch noch einmal ganz kurz verraten, wie so ein Forschungsprojekt überhaupt gestartet werden kann. Das ist wesentlich unspektakulärer als Du sicherlich vermuten wirst.

Start eines Forschungsprojektes

Nachdem ich 2014 meine Abschlussarbeit über die Ausgliederung beim Hamburger SV geschrieben habe, wurde ich Teil eines Forschungsprojektes.

Projektteam und Zielsetzung

Gemeinsam mit der Hamburg School of Business Administration (HSBA) und dem Corporate Governance Dienstleister IVOX Glass Lewis (im Verlauf des Projektes durch die SAFE GmbH ersetzt) analysierten wir die Strukturen aller Bundesligisten.

Wir wollten die anspruchsvolle Frage beantworten:

Orientiert sich die Führung der Bundesligisten an den Prinzipien guter Unternehmensführung?

Eine gute und verantwortungsvolle Unternehmensführung wird immer wichtiger. Die fortschreitende Kommerzialisierung der Bundesliga sowie das zunehmende Engagement von Investoren unterstreichen diese Wichtigkeit.

Diese Frage ist alles andere als leicht zu beantworten. Insbesondere, wenn der Begriff Corporate Governance im Fußball noch nicht definiert wurde.

Definition Corporate Governance im Fußball

Es gibt unzählige Definitionen für den Begriff Corporate Governance. Ursprünglich stammt er aus dem wirtschaftswissenschaftlichen Bereich und beschäftigt sich mit Aktiengesellschaften.

Diese haben die Besonderheit, dass die Eigentümer (= Aktionäre) die Kontrolle an das Management abgeben. Corporate Governance wird bei Wikipedia mit Grundsätzen der Unternehmensführung umschrieben.

Es geht also darum, wie die Interessen der Eigentümer von dem Management vertreten werden. Wie gut diese Vertretung der Interessen ist, hängt von zwei Faktoren ab.

Corporate Governance im Fußball: Die zwei Einflussfaktoren auf gute Unternehmensführung
Corporate Governance im Fußball: Die zwei Einflussfaktoren auf gute Unternehmensführung

Unsere Erhebung zielt dabei auf den ersten Faktor – die Strukturen – ab. Dabei gilt: Je besser die Struktur, desto größer die Chance auf gute Unternehmensführung. Sollten jedoch die falschen Personen in einer guten Struktur etabliert sein, könnten diese selbst die beste Struktur aushebeln.

Obwohl wir jetzt wissen, worum es bei Corporate Governance im Fußball geht, ist es schwierig, die oben beschriebene Frage zu beantworten. Zumindest, wenn man sie fundiert angehen möchte. So haben wir es gemacht.

Corporate Governance im Fußball – Ansatz

Ich gebe Dir einen Tipp: Wann immer Du eine scheinbar nur sehr schwer greifbare Frage zu beantworten hast, solltest Du nachforschen, ob sie schon mal jemand anderes beantwortet hat.

Natürlich hat sich vor uns Dreien niemand so intensiv mit der Corporate Governance im Fußball – genauer noch in der Bundesliga – auseinandergesetzt. Zumindest haben wir keine Veröffentlichungen gefunden.

Einer meiner Partner – Dr. Alexander Juschus (früher IVOX Glass Lewis, mittlerweile SAFE GmbH) – analysierte zu diesem Zeitpunkt hauptberuflich die Corporate Governance verschiedener börsennotierter Unternehmen. Der dritte im Bunde – Prof. Dr. Prigge von der HSBA – forscht zusätzlich intensiv im Bereich von Familienunternehmen.

Gepaart mit meiner Leidenschaft für den professionellen Fußball, waren wir das ideale Dreiergespann für das erste Forschungsprojekt zu Corporate Governance im Fußball

Wir haben für die Beantwortung unserer Forschungsfrage auf dem Bewertungsschema von IVOX Glass Lewis aufgesetzt. Dieses ist auf börsennotierte Gesellschaften ausgelegt. Deshalb haben wir es angepasst. Am Ende standen sieben Bereiche mit insgesamt 83 einzelnen Kriterien.

Corporate Governance im Fußball: Analyse-Bereiche
Corporate Governance im Fußball: Analyse-Bereiche

Corporate Governance im Fußball – Recherche

Bei unserer Recherche haben wir uns vollkommen auf öffentlich verfügbare Daten (inklusive Handeslregister) beschränkt. Eine Maxime guter Corporate Governance im Fußball ist nämlich beispielsweise die Transparenz.

Veröffentlicht ein Bundesligist somit die Satzung, ausführliche Geschäftsberichte sowie Lebensläufe des Managements, führt das zu positiven Bewertungen in unserer Erhebung. Gleichzeitig führt ein Zurückhalten von Informationen zu Punktabzug.

Natürlich könnte ich die einzelnen Kriterien sowie die Definition von Plus- bzw. Minuspunkten noch detaillierter erklären. Dabei ging es vor allem um die Frage, ob ein Kriterium als Standard vorausgesetzt werden kann oder nicht.

Wird ein Standard-Kriterium erfüllt, gibt es dafür keine Punkte. Wird es jedoch nicht erfüllt, erhält der Bundesligist Minuspunkte. Bei einem Kriterium, was kein Standard ist, ist es genau andersherum: Für die Erfüllung gibt es Pluspunkte, bei der Nichterfüllung jedoch keine Minuspunkte.

Hier findest Du das Schema noch einmal grafisch erklärt.

Corporate Governance im Fußball: Logik zur Bewertung der einzelnen Kriterien
Corporate Governance im Fußball: Logik zur Bewertung der einzelnen Kriterien

Aufgrund der unterschiedlichen Wichtigkeit der Kriterien variieren die vergebenen (Minus-)Punkte von 1 bis 5. Aus unserer Sicht wichtigere Kriterien gehen demnach stärker in das Endergebnis ein.

Bevor wir die Daten jedoch veröffentlichen, haben wir jedem Bundesligist die Möglichkeit gegeben, uns eine Rückmeldung zu den erhobenen Daten zu geben. Einige Clubs haben sich daraufhin intensiv mit uns ausgetauscht. Andere wiederum überhaupt nicht. Weiter unten erfährst Du, wie viele Clubs sich zurückgemeldet haben. Du kannst ja bis dahin schon einmal schätzen, was Du erwartest.

Jetzt wollen wir uns aber erstmal das Endergebnis anschauen.

Corporate Governance im Fußball – Ergebnisse

Nachfolgend findest Du unsere zweite Tabelle zu Corporate Governance im Fußball. Darin sind sowohl die Ergebnisse der ersten Auswertung (2016), als auch die frisch veröffentlichten von 2018 enthalten.

Corporate Governance im Fußball - Bundesliga Tabelle
Corporate Governance im Fußball: Bundesliga Tabelle

Die Fußnote 1 bezieht sich hierbei auf die Tatsache, dass die Ergebnisse des VfB Stuttgart noch nicht aussagekräftig sind. Die Schwaben haben im Jahr 2017 die Ausgliederung des Lizenzspielerbereichs beschlossen.

Da wir vor allem öffentliche Dokumente (Satzung, Geschäftsbericht etc.) analysiert haben und diese immer mit zeitlicher Verzögerung veröffentlicht werden, ist der Effekt der Ausgliederung noch nicht komplett abgebildet.

Kurze Interpretation der Ergebnisse

Ich möchte jetzt nicht auf jeden einzelnen Club eingehen. Das würde den Rahmen dieses Beitrags sprechen.

Auffallend ist jedoch, dass Borussia Dortmund auf dem ersten Platz landet. Als einziger börsennotierter Bundesligist unterliegt der BVB jedoch gesonderten Publizitätspflichten. Wie bereits eingangs erläutert, wurde der Begriff Corporate Governance quasi für Börsengesellschaften erfunden.

Deshalb ist es wenig verwunderlich, dass die Borussen (wieder) auf dem ersten Platz landen.

Außerdem verwundert es sicherlich viele (Nicht-)HSV Fans, dass die Hamburger auf dem dritten Platz (gemeinsam mit dem FC Bayern München) landen. In Bezug auf Corporate Governance im Fußball können wir demnach festhalten: Der HSV hat seine Hausaufgaben gemacht und eine gute Struktur etabliert.

Trotzdem möchte ich nochmal den bereits zuvor erwähnten Punkt hervorheben, dass gute Corporate Governance im Fußball einerseits von der Struktur, andererseits jedoch auch von den Personen innerhalb dieser besagten Struktur definiert wird.

Auf den hinteren Plätzen finden wir sehr verschwiegene Bundesligisten. Das gilt einerseits für die Vereine (1. FSV Mainz 05 & SC Freiburg), aber auch für die Werksclubs (VfL Wolfsburg Bayer 04 Leverkusen). In die letzt genannte Kategorie könnten wir rein theoretisch auch noch Hannover 96 hinzuzählen.

Mir ist dennoch wichtig, abschließend nochmal zu betonen, dass die Rechtsform an sich keinen Einfluss auf die Bewertung hatte. Mit Schalke 04 schaffte es nämlich ebenfalls ein eingetragener Verein auf den sechsten Platz. Gute Corporate Governance im Fußball ist demnach keine Frage der Rechtsform, sondern eine Frage der Ernsthaftigkeit, mit der das Thema angegangen wird.

Das zeigt beispielsweise auch die Tatsache, dass die acht Bundesligisten, die sich auf unsere Anfrage zurück gemeldet haben, alle in den Top 10 vertreten sind.


Medienecho zu Corporate Governance im Fußball

Ich bin gespannt, in welchen Medien unsere Analyse aufgegriffen wird. Solltest Du einen Beitrag dazu lesen, freue ich mich, wenn Du mir Bescheid gibst. Schreibe dazu einen Kommentar oder melde Dich per Mail (ralf.leister@fussballwirtschaft.de) bei mir. 

Die besten Medienechos zu Corporate Governance im Fußball werde ich natürlich auf meinen Kanälen in den Sozialen Medien veröffentlichen. Klicke auf die Icons unterhalb des Beitrags und folge mir auf dem Kanal Deiner Wahl!

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