Diese Eigenschaft macht Fußballclubs auf und neben dem Platz erfolgreicher

Diese Eigenschaft macht Fußballclubs auf und neben dem Platz erfolgreicher

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Heute wollen wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Mit einer Eigenschaft können Fußballclubs sowohl auf, als auch neben dem Platz viel bewegen: Experimentierfreude.

Während sie abseits des Spielfelds die Chance auf eine erfolgreiche Digitale Transformation erhöht, führt sie auf dem Rasen zu dem einen oder anderen Überraschungseffekt, der ein Spiel entscheiden kann.

Dabei verarbeite ich sowohl meine Erkenntnisse von der Online Marketing Konferenz 2017 in Lüneburg, als auch meinen ganz subjektiven Eindruck der ersten sieben Bundesliga-Spieltage.

Ich zeige Euch, was ich damit meine.

Experimente neben dem Platz

Fangen wir mit den Vorteilen von Risikobereitschaft neben dem Platz an.

Innovationsfähigkeit als Voraussetzung

Wir haben schon häufiger festgestellt, dass Innovationsfähigkeit die Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Digitale Transformation eines jeden Unternehmens ist. Das gilt natürlich auch für Fußballclubs.

Doch was heißt das überhaupt? Für mich heißt Innovationsfähigkeit, dass man alle Abläufe mit dem Ziel diese zu verbessern, hinterfragen muss.

Dinge, die schon immer so gemacht wurden müssen bewusst anders gemacht werden. Nur weil etwas früher gut war, heißt es nämlich nicht, dass es heute gut ist.

Dabei beobachte ich folgendes Verhalten.

Gibt es Neues ohne Risiko?

Am liebsten wollen wir Menschen etwas Neues komplett verstehen, bevor wir es ausprobieren. Wir möchten alle Vor- & Nachteile studieren können ehe wir etwas Altes, Funktionierendes ersetzen.

Ganz oder gar nicht lautet hierbei häufig die Devise. Doch das ist meiner Ansicht nach falsch.

Probieren geht über studieren

In der Startup-Welt wird das genau so umgesetzt. Dieses Verfahren hat dabei verschiedene Namen:

  • Test & Learn
  • Minimum Viable Product (MVP)
  • Lean Startup

Alle Begriffe zielen dabei auf dasselbe ab: Es geht darum, dass die jungen Unternehmen versuchen, schnell Produkte / Lösungen zu entwickeln, die sie auf dem Markt bzw. am Kunden testen können.

Dabei verfolgen sie die Grundannahme, dass nur der Kunde entscheiden kann, ob etwas gut ist oder nicht. Lange Prozesse der Produktentwicklung ohne Kundenfeedback sollten somit der Vergangenheit angehören.

An sich verbirgt sich hinter diesen neumodischen – und häufig englischsprachigen – Begriffen eine gar nicht allzu alte Weisheit.

Probieren geht über studieren.

Zugegeben, das klingt jetzt erstmal nicht nach einer Weltneuheit. Wichtig ist aber Folgendes.

Probieren und zeitgleich studieren

In dieser alten Weisheit klingt es immer so, als könne man nicht beides: Probieren und studieren. Genau das empfehlen die neumodischen Startup-Methoden allerdings.

Ich zeige an einem Beispiel von der Online Marketing Konferenz 2017 in Lüneburg, was ich meine.

Facebook-Anzeigen für Fußballclubs

In einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion zum Sportmarketing wurde u.a. über Facebook-Anzeigen für Fußballclubs gesprochen.

Im zweiten Quartal 2017 hat Facebook gut 9 Milliarden Dollar über Werbung verdient. Über den riesengroßen Datenschatz seiner Nutzer kann das soziale Netzwerk Werbung zielgruppenorientiert ausspielen.

Das nutzen auch Fußballclubs für sich. Zumindest teilweise.

Laut Aussagen eines Facebook Angestellten haben lediglich 14 von 18 Bundesligisten bisher mit Facebook-Anzeigen experimentiert. Der Großteil davon nutzt diese allerdings nicht regelmäßig.

Und das, obwohl bisher nahezu ausschließlich positive Erfahrungen gemacht wurden. Natürlich hat besagter Angestellte kein Interesse daran schlecht über das eigene Unternehmen zu reden, ich bin aber überzeugt davon, dass er nicht übertrieben hat.

Bisherige Kampagnen, die auf den Abverkauf von Tickets abzielen, erzielten demnach einen 15 bis 20-fachen Return on Investment. Das bedeutet, dass das Fünfzehn- bis Zwanzigfache der Ausgaben an Einnahmen erzielt wurde, wenn es um den Ticketverkauf geht.

Abgesehen davon, dass sich das finanziell für einen Club richtig lohnen kann, ist die Atmosphäre im Stadion um Einiges besser, wenn es ausverkauft ist. Zusätzlich würden besagte Clubs in meinen Analysen, die die Stadionauslastung berücksichtigen, besser abschneiden :-).

Vorteile für Fußballclubs durch Experimentierfreude neben dem Platz
Vorteile für Fußballclubs durch Experimentierfreude neben dem Platz

Ich weiß, dass ich bei Facebook noch nie eine Anzeige für den Kauf von Tickets gesehen habe. Natürlich würde sich das bei mir auch nicht für alle Clubs anbieten, da ich HSV-Fan bin.

Deshalb habe ich mit einigen Freunden gesprochen, die natürlich nicht alle HSV-Fans sind (Stichprobe < 10) und keiner von ihnen hat je eine solche Anzeige gesehen.

Das ist hierbei nur ein Beispiel, wie ein bisschen mehr Experimentierfreude neben dem Platz zu größerem Erfolg führen kann. Mit dem Schalten von Facebook-Anzeigen ist natürlich noch kein Fußballclub digitalisiert, aber er ist schon mal näher dran, als wenn er keine Anzeigen schaltet :-).

Experimente auf dem Platz

Fußballclubs denken zuerst immer an ihre Performance auf dem Platz. Das ist auch gut so. Schließlich ist das doch das Kerngeschäft der Bundesliga.

Auch dort kann Experimentierfreude viel bewegen und zum Erfolg führen.

Jugend ist wichtig für Fußballclubs

Die eigene Jugend ist für Fußballclubs wichtig. Sie produziert schließlich die Stars von morgen. Ich habe dabei häufig das Gefühl, dass gewartet wird, bis Jugendspieler ausgebildete Stars sind, ehe man ihnen das Vertrauen schenkt.

Unabhängig davon, welches Fan-Herz in einer Brust schlägt, habe ich von verschiedensten Seiten die Aussage gehört.

„Ich wünschte [setze hier Lieblingsclub ein] würde den Jugendspielern mehr Einsatzzeit schenken“.

oder

„Der soll mal mehr Jugendspieler einsetzen. Die sind wenigstens motiviert“.

Hast Du einen dieser beiden Sätze schon mal gesagt? :-).

Die berühmten jungen Wilden

Häufig spricht man im Zusammenhang mit Jugendspielern von den jungen Wilden. In der heutigen Zeit ist Fußball immer taktischer geprägt. Da ist die Eigenschaft wild zu sein häufig kein Vorteil. Fußball lebt in vielerlei Hinsicht von Disziplin. Gerade im Defensiv-Verbund.

In der Offensive lebt der Fußball jedoch von Kreativität, Spielwitz und dem Moment der Überraschung. In Kombination mit dem Punkt der Disziplin bedeutet dies, dass Verteidiger auf ihre Gegenspieler eingestellt werden.

Sie schauen sich Video-Material an und lernen ihren Gegenspieler so besser kennen. Wenn dieser Gegenspieler plötzlich jedoch kein gestandener Profi mit über 100 Bundesliga-Partien ist und unter Umständen niemand mit seiner Aufstellung gerechnet hat, wird das mit dem Studieren schwierig.

Die Beispiele, bei denen das geklappt hat, sind zahlreich vorhanden.

  • TSG Hoffenheim baut auf Dennis Geiger im defensiven Mittelfeld
  • Bayer 04 Leverkusen zählt immer mehr auf  Kai Havertz
  • Sogar der Hamburger SV bindet – durch Verletzungspech gezwungen – immer mal wieder Jugendspieler wie Bakery Jatta ein.

Dass man in der Innenverteidigung oder im Tor aufgrund der nötigen Konstanz nicht mal eben einen Jugendspieler einbindet, kann ich verstehen. Ein Fehler führt hier schnell zum Gegentor.

Ein Offensivspiel, bei dem eine gewisse Rotation den berühmten Schwung ins Spiel bringen kann, würde ich mir von allen Clubs wünschen. Vielleicht nicht im Champions League-Finale, aber zumindest in einer durchschnittlichen Bundesligapartie.

Hier jetzt noch einen Hinweis für alle, die sich so richtig alt fühlen wollen. Jann-Fiete Arp vom HSV ist seit dem 7. Spieltag der erste Bundesliga-Spieler des Jahrgangs 2000.

Angst vor Versagen

Ich kann verstehen, dass Trainer vor einigen Experimenten zurückschrecken. Häufig wird bereits vor dem Spiel gesagt: „Wenn der Trainer mit dieser Aufstellung verliert, hagelt es Kritik.“ Carlo Ancelotti wurde keine 24 Stunden nach dieser Äußerung entlassen.

Die Gründe lagen jedoch woanders und haben sich nur in der Aufstellung widergespiegelt. Und wie gesagt, diese Experimente würde ich auch nicht zwingend in der Königsklasse durchführen.

Weitere Vorteile von Einsatzzeiten für die Jugend

In der Liga hat der Einsatz von Jugendspielern jedoch mit Sicherheit einen motivierenden Nebeneffekt. Und die Stammspieler können sich ausruhen bzw. bekommen einmal gezeigt, dass sie auch noch Konkurrenz haben.

Darüber hinaus gewinnt der Fußballclub an Attraktivität für weitere talentierte Jugendspieler, die auf Einsatzzeiten hoffen.

Vorteile für Fußballclubs durch Einsatzzeiten für die Jugend
Vorteile für Fußballclubs durch Einsatzzeiten für die Jugend

Die Wichtigkeit der Jugend ist mittlerweile ja sogar im Schlüssel für die Verteilung der TV-Gelder angekommen. Das deutet daraufhin, dass der Einsatz von Jugendspielern in der Bundesliga wirklich nicht so abwegig ist.

In meiner Wahrnehmung wird noch viel zu häufig lediglich aus der Not heraus auf die Jugend gesetzt, weil zu viele Stammspieler fehlen.

Ich bin gespannt, wie sich die Clubs zukünftig verhalten.

Fazit zur Experimentierfreude der Fußballclubs

Ich würde mir auf und neben dem Platz von den Fußballclubs mehr Experimentierfreude wünschen. Neben dem Platz wird das ziemlich sicher funktionieren. Da kenne ich mich sehr gut aus.

Ob ein bisschen mehr Risiko auch auf dem Platz Früchte trägt, lässt sich nicht sicher vorhersagen. Es ist bisher nur eine These, die es aber definitiv zu widerlegen gilt.

Die Voraussetzung für Experimentierfreude ist, dass Fehler zugelassen und nicht verurteilt werden. Ein Trainer, der nach einem misslungenen Experiment gefeuert wird, wird immer auf Sicherheit spielen.

Fehler sind nichts Schlimmes. Man sollte sie nur nicht zwei Mal machen und während man Fehler macht auch immer mal etwas Brauchbares finden. Ich bin mir allerdings sicher, dass das passieren wird.

Fußballclubs sind in diesem Zusammenhang wie Kinder. Wenn etwas klappt, wird es wiederholt, wenn nicht, wird es vermieden. So habe ich es als Kind beispielsweise auch mit der heißen Herdplatte gemacht.

Nachdem ich diese einmal angefasst habe und mich höllisch verbrannt habe, habe ich sprichwörtlich die Finger davon gelassen. Im Idealfall werden beim Experimentieren jedoch positive Erfahrungen gemacht, die in der Zukunft wiederholt werden können.


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4 thoughts on “Diese Eigenschaft macht Fußballclubs auf und neben dem Platz erfolgreicher

  • 4. Oktober 2017 um 22:27
    Permalink

    Lieber Ralf, Du hast ganz sicher Recht mit dem was Du schreibst.
    Die digitale Transformation ist eine enorme Herausfoderung für alle Clubs und erfordert bestimmt eine Riesenportion Experimentierfreude aller Beteiligten.
    Was diese auf dem Rasen betrifft, so wünsche ich sie mir als HSV-Anhängerin
    schon seit langem. Jedoch läuft es immer wieder darauf hinaus, dass Nachwuchs-Spieler beim HSV stets nur aufgrund allerhöchster Personalnot eingesetzt werden oder gewissermaßen einer Alibifunktion dienen, wenn sie kurz vor Spielschluss noch für wenige Minuten eingewechselt werden.
    Ein sehr sinnvolles Experiment der besonderen Art wäre es in Anbetracht der Gesamtsituation des HSV ganz sicher gewesen, in der Sommerpause den Gehaltsetat der Mannschaft wirklich drastisch zu senken, auf erneute Millioneneinkäufe zu verzichten und einfach mal zu versuchen, mit den vorhandenen Spielern einschließlich der Nachwuchskräfte eine Mannschaft aufzubauen. Aber dafür braucht es wohl zunächst den von Dir auch schon zitierten Kulturwandel. 😊

    Antwort
    • 5. Oktober 2017 um 7:12
      Permalink

      Guten Morgen Alegna,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Zu gerne würde ich Dir als HSV-Fan widersprechen, aber Du triffst den Nagel auf den Kopf. Einziger Hoffnungsschimmer: Aus der Not heraus kann ja in wenigen Fällen auch mal etwas Großes entstehen :-).

      Liebe Grüße
      Ralf

      Antwort
  • 6. Oktober 2017 um 7:51
    Permalink

    Hallo,
    sehr interessanter Artikel, der auch auf andere Sportarten übertragbar ist. Wir sind ein Schwimmverein, der Probleme hatte seinen Schwimmwettkampf mit Teilnehmern zu füllen. Wir haben angefangen zu überlegen, was wir im Rahmen der DSV-Regeln verändern können, um unseren Wettkampf für Schwimmer und Zuschauer attraktiver zu gestalten. Wir haben anschließend auch aktiv über die sozialen Medien unsere Veranstaltung beworben. Der Erfolg hat nicht auf sich warten lassen. Gleich im ersten Jahr waren die Teilnehmerzahlen fast an der Obergrenze und im zweiten Jahr mussten wir sogar 13 Vereinen absagen. Die Zuschauerzahlen entwickeln sich etwas langsamer, aber die Presse ist aufmerksam geworden. Wir hoffen auch hier im nächsten Jahr uns steigern zu können.

    Antwort
    • 6. Oktober 2017 um 10:22
      Permalink

      Lieber Uwe,

      vielen Dank für Deinen interessanten Kommentar. Es freut mich, dass Ihr mit ein bisschen mehr Experimentierfreude so positive Erfahrungen machen konntet. Gerne würde ich mehr darüber erfahren und schicke Dir gleich mal eine Mail :-).

      Liebe Grüße
      Ralf

      Antwort

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