eSports-Events sind fantastisch, brauchen aber noch Zeit zur Entwicklung

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Ich habe schön häufiger eSports-Events besucht. Letztes Jahr war ich bei den EU LCS (League of Legends), bei der ESL One (Dota 2) und bei der eBundesliga in Österreich (FIFA 18).

Dabei würde ich mich definitiv nicht als Zocker bezeichnen. Ich spiele ab und zu FIFA. Gelegentlich auch mal andere Spiele, aber weder League of Legends, noch Dota 2 habe ich je gespielt.

Dass mich eSports-Events trotzdem begeistern, habe ich schon häufiger geschrieben. Ich sehe eSports nicht nur als Gefahr beziehungsweise Chance für den traditionellen Sport. Zusätzlich sehe ich nämlich auch eine Gefahr für den eSports selbst.

In diesem Beitrag zeige ich Dir, was diese Gefahr ist und wie der eSports in meinen Augen damit umgehen sollte.

Erneuter Besuch der ESL One

Ende September war ich bei der ESL One in Hamburg. Über drei Tage wurde in der großen Multifunktionshalle (Barclaycard-Arena) das beste Team in Dota 2 gesucht. Wie bereits beschrieben, kenne ich mich mit dem Spiel kein bisschen aus. Und ich habe viele Gäste getroffen, denen es ähnlich geht.

Verkleidungen: In diesem Zusammenhang sind eSports-Events anders als der Stadionbesuch im Fußball
Verkleidungen: In diesem Zusammenhang sind eSports-Events anders als der Stadionbesuch im Fußball

Trotzdem befürworte ich es sehr, wenn etablierte Personen aus dem Sport sich eSports-Turniere anschauen. Ich bin schließlich schon häufiger darauf eingegangen, was andere Sportarten vom elektronischen Sport lernen können. Dies wird nirgendwo deutlicher als bei eSports-Events.

In diesem Zusammenhang möchte ich Dir zwei Zahlen vorstellen:

Auffallende Demographie bei Zuschauern eines eSports-Events
Auffallende Demographie bei Zuschauern eines eSports-Events

Vergleiche diese Zusammensetzung des Publikums mal mit Deinen Erfahrungen im Fußballstadion. Zugegeben, beim VfL Wolfsburg hatte ich auch das Gefühl, dass das Durchschnittsalter recht niedrig ist. International war das Publikum aber nicht.

In den anderen Stadien sieht es nicht anders aus. Zwar liegen mir die genauen Zahlen nicht vor, aber nach meinem persönlichen Eindruck ist der Fußball sowohl älter als auch weniger international.

Das ist an sich gar nicht schlimm. Aufgrund der regelmäßigen Bundesliga-Spiele ist es unrealistisch jedes Mal einen Ansturm aus dem Ausland zu erwarten. Trotzdem macht mir das Alter ein bisschen Sorge.

Nur weil die Zuschauer der eSports-Events zukünftig älter werden, werden sie nicht plötzlich die ESL One gegen die Bundesliga eintauschen wollen. Deshalb befürchte ich, dass der Fußball es verpasst, junge Fans zu gewinnen.

Hype als Gefahr

Viele Entscheider im klassischen Sport ignorieren diese Tatsache und distanzieren sich von eSports und eSports-Events. Als Begründung führen sie an, dass dieser Trend nur einen Hype durchlebt. Ich würde dieser Aussage bedingt zustimmen.

eSports wird gerade von vielen Seiten als „das nächste große Ding“ bezeichnet. Wie groß es genau wird, kann ich dabei nicht sagen. Außerdem befürchte ich auch, dass die Erwartungen in Teilen zu groß sind.

Dennoch bin ich davon überzeugt, dass der Trend noch viele überraschen wird, die gerade versuchen, ihn als Hype abzutun. Ich habe versucht, in diesem Bild einzufangen, wie beeindruckend die Atmosphäre heute schon ist.

Atemberaubende Atmosphäre bei eSports-Events (ESL One in Hamburg)
Atemberaubende Atmosphäre bei eSports-Events (ESL One in Hamburg)

Doch genau dieser Verdacht eines „Hypes“ stellt das Problem dar. Einen Hype kannst Du Dir vorstellen wie eine Blase. Alle sprechen von etwas, die wenigsten haben es jedoch jemals live erlebt. Dennoch prognostizieren alle Beteiligten eine grandiose Zukunft.

Dabei hat das Wort „Hype“ viele Synonyme. Zum Beispiel:

„(Künstliche) Aufregung, (inszenierte) Begeisterung, Hysterie, Masseneuphorie oder Medienrummel.“

Während ein Hype in meinem Verständnis noch durchaus positiv belegt sein kann, haben die Synonyme einen etwas negativen Beigeschmack.

Nachteile des Hypes

Der größte Nachteil eines Hypes ist jedoch, dass dieser nur selten hinterfragt wird. Das würde bedeuten, dass sich die gesamte Sportbusiness-Branche auf eSports stürzt, als gäbe es keinen Morgen mehr.

Dadurch, dass der Sport insbesondere in Deutschland jedoch eher zurückhaltend auf Trends reagiert, ist das nicht der Fall.

Ein weiterer Nachteil ist, dass die Erwartungen ins schier Unermessliche steigen. Das betrifft die Verantwortlichen, die eine eigene eSports-Abteilung etablieren. Diese Einführung wird nicht dazu führen, dass sich die Fan-Basis im Laufe der nächsten drei Jahre verdoppelt oder die erste Mannschaft auf einmal in der Champions League spielt.

Ich weiß, dass diese Vergleiche absurd sind. Mir ist nur wichtig, dass hinter dem eSports nicht die Lösung aller Probleme vermutet wird. Natürlich kann die Einführung einer eigenen eSports-Abteilung massive Vorteile haben. Aber auch diese werden nur bei sehr guter Umsetzung erreicht.

Deshalb plädiere ich dafür, dass wir dem elektronischen Sport und den dazugehörigen eSports-Events noch etwas mehr Zeit geben.

Hierfür brauchen eSports-Events Zeit

In meinen Augen braucht eSports Zeit für zwei Dinge:

Hierfür brauchen eSports-Events und die ganze Branche Zeit
Hierfür brauchen eSports-Events und die ganze Branche Zeit

Bildung für eSports-Events

Hast Du Dich schon mal mehrere Stunden mit etwas beschäftigt ohne auch nur im Geringsten zu verstehen, worum es geht?

Genauso habe ich mich beim erneuten Besuch des eSports-Events der ESL One gefühlt. Dota 2 ist hoch komplex. Mir wurde im Laufe des Nachmittags mehrfach bestätigt, dass es sich bei dem Spiel um „das Schach des eSports“ handelt.

Für Schach ist Dota 2 jedoch sehr schnell und recht unübersichtlich. Dennoch ist es hochgradig strategisch.

Obwohl ich mich grundsätzlich schnell in neue Themen einarbeiten und hineindenken kann, kann ich Spielszenen in Dota 2 keineswegs deuten. Dafür ist das Spiel zu schnell und zu unübersichtlich.

In meinen Augen benötigen eSports-Event und die gesamte eSports-Branche aus diesem Grund noch Zeit. Zeit, um auch die etwas innovativere breite Masse (zu der ich mich jetzt zählen würde) zu bilden. Ich möchte gar nicht abstreiten, dass ich nicht jetzt schon viel Spaß bei den eSports-Events hatte, die ich besucht habe.

Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass ich noch mehr Spaß hätte, wenn ich verstehen würde, was ich sehe. Bisher ziehe ich meine gute Laune vor allem aus der Atmosphäre in den Arenen. Durch die Reaktionen der Zuschauer kann ich recht schnell ableiten, ob gerade etwas Gutes oder Schlechtes passiert ist.

Ich hoffe sehr, dass die Entwickler der Spiele und Organisatoren von eSports-Events sich dieser Herausforderung annehmen. Nur dann kann eSports in meinen Augen nämlich noch größer werden.

Professionalisierung von eSports-Events

Beim diesjährigen Besuch der ESL One wurde mir und meinem Kollegen sofort klar, dass eSports-Events noch nicht 100%ig perfekt ablaufen können. Am Eingang gab es nämlich nicht mehr genug Bänder zur Befestigung der Tickets.

Anders als beispielsweise im Fußballstadion hängt man sich das Ticket für eSports-Events nämlich um den Hals. Zumindest sofern genug Bänder da sind.

Das ist natürlich überhaupt kein kritisches Problem. Trotzdem wird dadurch deutlich, dass die Veranstalter für das perfekte eSports-Event noch etwas Zeit benötigen. Ich persönlich finde das überhaupt nicht schlimm.

Wir haben uns schon häufiger damit beschäftigt, dass der traditionelle Sport einiges vom eSports lernen kann, wenn es um die Aktivierung und Einbindung von Partnern geht.

Rund um die ESL One in Hamburg waren verschiedene Partner mit eigenen Ständen vor Ort. Dazu gehören unter anderem: Pringles, McDonald´s, Intel, SAP, Mercedes und DHL.

Alle Partner haben sich so innovativ wie möglich inszeniert. Dazu gehörten VR-Brillen, zahlreiche Gaming PCs und sogar Roboter. Ich habe mich dabei leicht an die Medientage 2018 in München in der vorletzten Woche zurückerinnert gefühlt.

Typisch für eSports-Events: Ein Partner präsentiert sich sehr innovativ (VR-Spiel + Roboter-Arm)
Typisch für eSports-Events: Ein Partner präsentiert sich sehr innovativ (VR-Spiel + Roboter-Arm)

Der Auftritt der Partner hatte nur einen Nachteil: Sie waren in der angegliederten Arena und nur über einen Außenweg zu erreichen.

Das klingt erstmal nicht schlimm (ist es auch nicht), aber wenn es regnet, nehmen nur wenig Besucher den Weg auf sich. Und natürlich hat es an dem Tag geregnet und war bitterkalt.

Auch hier brauchen eSports-Events in meinen Augen noch ein bisschen Zeit.

Fazit zum eSports-Event (ESL One)

Trotz dieser kleinen „Kinderkrankheiten“ hatte ich einen richtig spannenden und unterhaltsamen Nachmittag bei der ESL One in Hamburg und freue mich jetzt schon aufs nächste Jahr.

Bis dahin würde ich gerne mal ein Counter Strike-Turnier besuchen. Ich habe das Spiel zwar selbst nicht gespielt, bin aber überzeugt davon, dass es leichter zu verstehen ist, da im Spiel Menschen gegen Menschen spielen.

Solltest Du hierzu Tipps für mich haben, gib mir gerne Bescheid 🙂

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3 thoughts on “eSports-Events sind fantastisch, brauchen aber noch Zeit zur Entwicklung

  • 8. November 2018 um 14:51
    Permalink

    Deine Reiseberichte sind immer sehr bildhaft beschrieben – I really like.
    Eine von den genannten Firmen in der Nebenhalle hat mich „schwer“ angelacht 😉

    Antwort
  • 9. November 2018 um 13:34
    Permalink

    Hallo Ralf,

    sehr treffend formuliert, TOP-Bericht! Genauso habe ich es auch empfunden. Tolle Atmosphäre, auch wenn ich das Gaming und die dahinter stehenden Strategien kaum bis gar nicht verstanden habe.

    Vielen Dank nochmal für die Einladung.

    YNWA

    Holger

    Antwort
    • 14. November 2018 um 20:40
      Permalink

      Danke fürs Feedback, Holger! Ich freue mich schon auf unser nächstes gemeinsames Event!

      Liebe Grüße
      Ralf

      Antwort

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