Gründung der Bundesliga im Jahr 1963

Gründung der Bundesliga im Jahr 1963

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Bevor wir uns in Zukunft aktuellen wirtschaftlichen Fragestellungen und Zusammenhängen widmen, möchte ich eine kleine Zeitreise machen. Diese soll ein Gefühl dafür geben, wo der Profifußball in Deutschland herkommt. Sie führt uns in das Jahr 1963 als die Bundesliga in ihre erste Saison startete.

Gleichziehen mit England, Spanien & Co.

Bis zur Gründung der Bundesliga im Jahr 1963 gab es in Deutschland fünf Oberligen (4 Westdeutsche und eine Ostdeutsche in Berlin). Die (Vize-)Meister der vier Westdeutschen Ligen spielten am Ende der Saison den Deutschen Meister aus. Bereits mehrmals hatten einzelne Funktionäre versucht, den Start einer übergreifenden Liga zu initiieren. Einer von ihnen war der damalige Bundestrainer Sepp Herberger, der um die internationale Wettbewerbsfähigkeit bangte.

England, Spanien, Italien und weitere Länder hatten bereits eine nationale Elite-Liga. Die positiven Auswirkungen auf den Kader und die Spielweise der Nationalmannschaften bemerkte Sepp Herberger in den internationalen Vergleichen. Er setzte sich bereits im Jahr 1936 für den Start einer gesamtdeutschen Liga ein.

Vorbehalte gegen eine nationale Elite-Liga

Die Entscheidung für die Gründung der Bundesliga brachte aus Sicht ihrer Gegner zahlreiche Gefahren mit sich.

Während die Vereine Angst vor zu zahlenden Steuern, Renten- & Krankenversicherung hatten, entwickelte die deutsche Bevölkerung nach dem zweiten Weltkrieg verstärkte Moralvorstellungen. Sie sah Gefahren in dem Materialismus des Profitums. Eine Änderung der bisherigen Zustände (die Spieler trainierten 3 Mal unter der Woche nach Feierabend und trugen Bälle und Torstangen selbst auf den Platz) sollten verhindert werden.

Entscheidung zur Gründung der Bundesliga 1963

Nichtsdestotrotz wurde am 28. Juli 1962 die Entscheidung für die Gründung der Bundesliga 1963 entschieden. Die Gegner in der Bevölkerung beruhigte man damit, dass in Zukunft keine Profis, sondern Lizenzspieler beschäftigt werden. Einen Unterschied gibt es zwischen beiden Begriffen nicht.

Vor dem Start der Bundesliga 1963 musste die Zuordnung der 46 Bewerber auf die 16 Plätze gemeistert werden. Man entschied sich dagegen, die bisher besten 16 Vereine in die Bundesliga aufzunehmen. Die Liga wäre in diesem Fall sehr Süd-lastig geworden. Es wurde darauf geachtet, dass jede Region einen Vertreter in die Bundesliga entsandte.

Nach weiteren Regelungen zur Bekämpfung der negativen Folgen des Profitums, startete die Bundesliga wie geplant im August 1963.

Wirtschaftliche Regelungen zur Gründung der Bundesliga 1963

Unter anderem um die Gegner der Bundesliga vor ihrer Einführung zu besänftigen, wurden einzelne Regelungen bzgl. der Wirtschaftlichkeit von Fußballvereinen getroffen.

  • Ablösesummen: Bei Vereinswechsel – sowohl während der Vertragslaufzeit, als auch danach – musste eine Ablöse an den abgebenden Verein gezahlt werden. Konnten sich die beiden Vereine über die Höhe der Summe nicht einigen, wurde diese mit Hilfe einer komplexen Formel durch die DFL bestimmt. Die Höhe wurde auf 50.000 Mark gedeckelt.
  • Gehälter: Auch die Gehälter wurden gedeckelt, um den Materialismus auf Seiten der Spieler zu begrenzen. Die Grenze lag bei monatlich 1.200 Mark. Daraufhin wurde relativ viel Handgeld (Schwarzgeld) an die Spieler gezahlt.
  • Eintrittsgelder: Die einzige Möglichkeit, die Spiele der Bundesliga 1963 zu sehen, bestand im Stadionbesuch. An Werbung, Fanartikel und TV-Vermarktung ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu denken. Aus diesem Grund machten die Eintrittsgelder über 95 % der Einnahmen der Bundesligisten aus. Eine „Vermarktung“ im Fernsehen erfolgte ab dem Jahr 1965, als ARD und ZDF der Bundesliga 650.000 Mark für die Übertragungsrechte zahlten.

Weitere Eindrücke der ersten Bundesligasaison 1963/64

Neben den vorgestellten Regelungen gab es weitere Zustände, die aus heutiger Sicht undenkbar sind. Einige sollen hier kurz beleuchtet werden.

  • Kader: Der Kader für Bundesligaspiele bestand meist aus 14 Spielern. Neben einem Ersatztorhüter wurden ein defensiver und ein offensiver Spieler in den Kader berufen. Auswechslungen waren zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Natur des sportlichen Wettkampfes verboten. Sollte jedoch jemand unerwartet krank werden, konnte einer der Reservisten vor Spielbeginn einspringen. Insgesamt spielten in der Bundesliga 1963/64 sieben Ausländer.
  • Mannschaftsarzt: Zu den Auswärtsspielen ist der Mannschaftsarzt ebenfalls nicht mitgereist. Im Falle einer Verletzung hat der Arzt der Heimmannschaft die Spieler der Gäste betreut.
  • Rauchen & Alkohol: In der Pause wurden die Spieler in verrauchten Umkleiden empfangen. Für die Spieler gehörte das Bier nach dem Feierabend und nach dem Training genau so sehr dazu, wie der Ball aus Leder, wie wir ihn von der WM 1954 noch kennen.

Fazit

Die Gründung der Bundesliga im Jahr 1963 war vorerst nur ein Kompromiss zwischen zahlreichen Gegnern und einflussreichen Befürwortern. Eingeführte Regelungen sollten die negativen Konsequenzen der Elite-Liga dämmen. Diese Regelungen sind aus heutiger Sicht nette Anekdoten, weshalb ich sie an dieser Stelle erwähnen wollte.

Mich würde interessieren: Welche der Regelungen findet Ihr am unterhaltsamsten? Kennt ihr noch weitere Regelungen? Ich freue mich über Kommentare!

Ausblick

Ab dem kommenden Artikel widmen wir uns den Geschehnissen in der heutigen Fußball-Welt. Der nächste Artikel beschäftigt sich mit der → Kommerzialisierung der Bundesliga.


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2 thoughts on “Gründung der Bundesliga im Jahr 1963

  • 23. Juli 2016 um 18:42
    Permalink

    Hallo Ralf,

    wünsche dir viel Spaß und einen guten Start mit deinem Blog. Klas hat mir den Link dazu geschickt. Freue mich auf spannende Fragestellungen und Artikel von dir. Zu den Themen Fußball, Wirtschaft und/oder Sport im Allgemeinen fällt mir sofort das Bundesliga-Projekt RB Leipzig ein, eSports mit Schalke 04 oder das Projekt FC Bayern Basketball.

    Sportliche Grüße aus Berlin!

    Antwort
    • 24. Juli 2016 um 15:01
      Permalink

      Hallo Andreas,

      vielen Dank für Deinen Kommentar, über den ich mich sehr gefreut habe!

      Das Thema FC Bayern Basketball werde ich in meinen Planungen mit einbauen. Zu allen drei Themen wird es in Zukunft auf jeden Fall Beiträge geben.

      Sportliche Grüße zurück
      Ralf

      Antwort

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