Diese kühnen Hoffnungen haben Club-Bosse bei einem Trainerwechsel

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Wenn es bei einem Fußballclub sportlich nicht so läuft wie gewünscht, kommt es häufig zu einem Trainerwechsel. Bereits in der letzten Woche haben wir uns angeschaut, was im Falle eines Abstiegs mit einem Bundesligisten passiert.

Um diese verheerenden Folgen zu vermeiden, scheint ein Trainerwechsel häufig das Mittel der Wahl zu sein. Wir schauen uns in diesem Beitrag an, warum immer zuerst der Trainerstuhl wackelt.

Ich bin auf die Idee zu diesem Beitrag gekommen, weil ich häufig von Lesern höre:

„Die Mannschaft ist einfach schlecht. Da bringt auch ein neuer Trainer nichts!“

Natürlich verrate ich jetzt nicht, welcher Bundesligist bei dieser Aussage gemeint war. So viel sei aber verraten: Es geht nicht nur um einen, wie Du jetzt vielleicht denken magst :-).

Trainerwechsel in der Bundesliga

Seitdem ich diesen Blog im Sommer 2016 gestartet habe, schrieb ich sowohl zum Ende des Jahres 2016 als auch 2017 einen kleinen Rückblick.

Im Jahr 2016 haben zwei von drei Bundesligisten den Trainer gewechselt. Somit blieben nur die Trainer von sechs Clubs im ganzen Jahr 2016 im Amt.

Das darauffolgende Jahr war in Bezug auf Trainerwechsel etwas ruhiger: Während eine Hälfte der Bundesligisten ihren Trainer austauschte, blieben die Coaches der anderen neun Clubs im Amt.

In diesem Beitrag möchte ich mehrere Fragen beantworten:

  • Warum wird zuerst immer der Trainer entlassen?
  • Welche sportlichen Folgen hat ein Trainerwechsel?
  • Hat ein Trainerwechsel emotionale Folgen?
  • Welche finanziellen Folgen hat ein Trainerwechsel?
  • Was bedeutet die fehlende Konstanz beim Trainerwechsel?

Damit möchte ich jetzt gleich loslegen.

Trainerwechsel als logische Option

Wenn ein Unternehmen in der freien Wirtschaft enttäuschende Zahlen vorlegt, wird in den meisten Fällen der oberste Chef ausgetauscht. Dies kann einfach nur ein Geschäftsführer, Vorstandsvorsitzender oder in internationalen Firmen ein CEO (Chief Executive Officer) sein.

Mit diesen hohen Positionen gehen nicht nur ein hohes Gehalt und viele Entscheidungsfreiheiten einher. Dabei ist mit diesen Stellungen eine hohe Verantwortung verbunden.

Wenn es gut läuft, sind besagte Personen meistens die gefeierten Helden. Siehe Elon Musk (Tesla), Steve Jobs (Apple), Jeff Bezos (Amazon) oder Mark Zuckerberg (Facebook).

In schlechten Zeiten werden genau diese Positionen jedoch auch für den Misserfolg verantwortlich gemacht und werden ausgetauscht. Und das, obwohl die eigentliche Arbeit vermutlich eher von den Tausenden Angestellten gemacht wird.

Genau so ist es auch im Fußball. Unterschiedlich ist nur die Position. Anstatt des Managements muss häufig der Trainer zuerst dran glauben. Das liegt allerdings daran, dass der Fußball nochmal viel schnelllebiger ist als andere Branchen.

In der freien Wirtschaft kann bis zur nächsten Hauptversammlung gewartet werden, bis ein Vorstand entlassen wird. Hinzu kommt, dass klassische Unternehmen nicht so häufig ihre Zahlen vorlegen. Die Bundesligisten messen sich jede Woche aufs Neue mit ihren Wettbewerbern und Erfolg bzw. Versagen wird offensichtlich.

Wenn die elf Feldspieler mehrere Spieltage hintereinander eine desolate Leistung gezeigt und verloren haben, muss der Trainer gehen. Das hat im Wesentlichen einen Grund.

Pragmatismus.

Die Vereinsführung ist unzufrieden mit der Leistung des Team und möchte einen Impuls geben. Neue Spieler dürfen nur innerhalb der Transferperiode verpflichtet werden. Außerdem wäre es teuer, den gesamten Kader auszutauschen. Deshalb ist der Trainerwechsel die logische Lösung.

Das Management erhofft sich dadurch einen neuen Impuls auf die Mannschaft. Dieser könnte sportlicher Natur sein.

Sportliche Folgen beim Trainerwechsel

Ein Trainerwechsel kann auf verschiedensten Ebenen Auswirkungen im sportlichen Bereich nach sich ziehen.

Einflüsse auf den sportlichen Bereich beim Trainerwechsel
Einflüsse auf den sportlichen Bereich beim Trainerwechsel

Kader

Beispielsweise könnte ein neuer Trainer andere Spieler für den Kader nominieren. Drastische Auswirkungen sind hier jedoch in den seltensten Fällen zu erwarten. Dafür sind die Kader der Bundesligisten auch zu klein, als dass es auf einmal große Überraschungen gibt.

Dennoch ist in der Vergangenheit immer wieder zu beobachten, dass beim Trainerwechsel der Kampf um Stammplätze erneut eröffnet wird.

Spieler, die bisher eine Stammplatzgarantie hatten, müssen sich auf einmal neu beweisen. Dies sollte zu einem Anstieg des Einsatzes und am Ende auch der sportlichen Leistung führen.

Philosophie

Jeder Trainer hat seine eigene Philosophie. Pep Guardiola steht beispielsweise für Ballbesitz-Fußball. Es ist deshalb nicht zu erwarten, dass ein vom Spanier trainiertes Team auf einmal zur Brechstangen-Taktik wechselt.

Dementsprechend wird Pep sich seine Teams genau aussuchen und lediglich solche Mannschaften trainieren, die in ihrer Anlage fähig sind, seine Taktik umzusetzen.

Dies macht deutlich, wie sorgfältig der neue Trainer ausgewählt werden muss.

Training

Der Altersunterschied zwischen Jupp Heynckes (72 Jahre) und Julian Nagelsmann (30 Jahre) beträgt schlappe 42 Jahre.

Es ist kaum verwunderlich, dass beide das Trainer-Handwerk vermutlich komplett unterschiedlich gelernt haben. Bereits im Beitrag mit Peter Jaeger – dem Ex-Microsoft Innovations-Chef – in dem es um Technologie im Fußball geht, habe ich hervorgehoben, wie entscheidend die Rolle des Trainers ist.

Möchte dieser Technologie nicht im Trainingsalltag einsetzen, wird das auch nicht passieren.

Durch einen Trainerwechsel wird es somit mit Sicherheit zu einer Änderung des Trainingsalltags kommen. Manchmal wird mehr trainiert, manchmal weniger. In jedem Fall werden andere Schwerpunkte gesetzt, denn eines ist klar:

Ein neuer Trainer wird Dinge anders machen als sein Vorgänger. Sonst hätte man ihn ja nicht ersetzen müssen!

Emotionale Folgen beim Trainerwechsel

Es steht außer Frage, dass der Fußball in der Bundesliga ein absolutes Top-Niveau hat. Wir könnten jetzt drüber diskutieren, welche europäische Liga derzeit führend ist, darum geht es aber in diesem Beitrag nicht.

Je höher der Leistungsanspruch im Sport ist, desto größer wird der Einfluss von psychischen Komponenten. Anders ist es nicht zu erklären, dass eine vermeintlich schlechte Mannschaft über mehrere Wochen hinweg mehr leistet als man von ihr erwarten kann.

Oder aber, dass eine Mannschaft, die eigentlich ins Mittelfeld der Bundesliga gehört auf einmal stark abstiegsgefährdet ist.

Genau deshalb ist es wichtig, dass ein Trainer (und sein Stab) die Mannschaft auch emotional bzw. psychisch weiterentwickelt. In vielen Fällen kommt es nur in einer Krise zum Trainerwechsel. Gerade dann ist es enorm wichtig, der Mannschaft neues Selbstvertrauen einzuhauchen.

Wahrnehmung der letzten Trainerwechsel

Darüber hinaus kann ich aus Fan-Sicht sagen, dass ein Trainerwechsel auch mich emotional beeinflusst. Wann immer der Hamburger SV einen neuen Trainer einstellt, erhoffe ich mir beim kommenden Spieltag einen positiven Effekt.

Seitdem ich auf der Welt bin, ist das laut dem Portal weltfussball.de immerhin schon 25 Mal (also einmal pro Jahr) passiert. Ohne dieses Phänomen zahlenbasiert umfangreich ausgewertet zu haben, habe ich auch den Eindruck, dass die Stimmung im Stadion nach einem Trainerwechsel ebenfalls euphorisierter ist als zuvor.

Vorausgesetzt ist dabei natürlich, dass die Fans mit dem Trainer zufrieden sind. Bruno Labbadia und Tayfun Korkut wurden bei ihrem Heim-Debüt in dieser Saison 2017/18 beim VfL Wolfsburg und VfB Stuttgart eher weniger positiv empfangen.

Wie wichtig dieser Faktor ist, zeigt auch die Tatsache, dass ich in einem Bewerbungsgespräch gefragt wurde, wie ich einen neuen Trainer vorstellen würde.

Frage im Bewerbungsgespräch bei einem Bundesligisten

Vor etwa dreieinhalb Jahren hatte ich ein Bewerbungsgespräch bei einem Bundesligisten. Weder die Stelle noch der Club sind an dieser Stelle relevant.

Am Tag des Gesprächs stellte mein Gegenüber der Mannschaft einen neuen Trainer vor. Der damalige Vorstandsvorsitzende (und Sportvorstand) fragte mich, wie ich diesen der Mannschaft vorgestellt hätte.

Nach kurzer Zeit waren wir uns einig:

Stellen wir uns vor, wir säßen mit der Mannschaft in der Kabine. Wir würden zuerst ein paar Worte über die letzten (erfolglosen) Spiele an das Team richten.

Dann würden wir eine spürbare Unterbrechung initiieren und den neuen Trainer dazu holen. Wichtig ist hierbei, dass dieser beim Rückblick noch nicht dabei ist. Es soll spürbar werden, dass nun ein neuer Abschnitt beginnt.

Im Idealfall startet der Trainer dann mit ein paar motivierenden Worten und erklärt den Spielern seine Vision, bevor es zum ersten gemeinsamen Training auf den Rasen geht.

Nun scheint es so als habe ein Trainerwechsel ausschließlich positive Effekte. Wenn dies so wäre, sollten die Bundesligisten ihren Trainer recht häufig wechseln. Es gibt aber auch ein paar Nachteile beim Trainerwechsel.

Finanzielle Folgen beim Trainerwechsel

Einer der wesentlichen Nachteile ist finanzieller Natur. Die Trainer haben – genau wie die Spieler – einen Vertrag mit einer fest definierten Laufzeit unterschrieben.

Kommt es nun vor Ablauf dieses Vertrags zu einem Trainerwechsel, bekommt der alte Trainer entweder eine hohe Abfindung oder aber bis zum Ende der Laufzeit weiterhin sein Gehalt gezahlt.

Trainer verdienen in der Regel zwar nicht ganz so viel wie etablierte Bundesliga-Stars. Trotzdem ist es ärgerlich, wenn ein Club Geld für einen Trainer zahlt, der nicht mehr für den eigenen Club arbeitet.

Deshalb bin ich dafür, dass Clubs, die ihre Trainer recht häufig entlassen, eher kurzfristige Verträge mit diesen abschließen sollten. Die Ableitung dieser Empfehlung ist natürlich recht einfach.

Problematisch ist nur, dass die Trainer in der Regel kein Interesse daran haben, kurzfristige Verträge zu unterschreiben. Ein Club, der gerade in einer Krise ist, hat es eh schon schwer, geeigneten Ersatz zu finden.

Wenn dieser Bundesligist dann nur bereit ist, einen Einjahres-Vertrag zu unterzeichnen, wird die Auswahl an potenziellen Kandidaten weiter eingeschränkt.

Fehlende Konstanz beim Trainerwechsel

Ein weiterer Nachteil beim Trainerwechsel ist die fehlende Konstanz. Etwas weiter oben hatte ich geschrieben, dass jeder Trainer seine eigenen Methoden bzw. seine eigene Philosophie mitbringt.

Dabei ist es unmöglich, dass diese von einem auf den anderen Tag auf die Mannschaft übertragen werden kann.

Wir erinnern uns: In der Regel kommt es im Krisenfall zu einem Trainerwechsel. Gerade dann müssen alle Beteiligten sich erst einmal kennenlernen. Der Tainer muss die Mannschaft emotional und psychisch aufbauen.

Gleichzeitig möchte das Umfeld schnelle Erfolge sehen. Es wird erwartet, dass die Spielphilosophie möglichst schnell implementiert wird. Das ist hochgradig herausfordernd. Und dieser Prozess braucht einfach Zeit.

Zeit, die im schnelllebigen Fußballgeschäft nicht immer da ist. Genau deshalb ist die Trainerposition meiner Meinung nach auch so spannend und die Entscheidung dafür bzw. dagegen mit Sicherheit keine leichte.


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2 thoughts on “Diese kühnen Hoffnungen haben Club-Bosse bei einem Trainerwechsel

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