Das muss ein Sportmanager im Hinblick auf die Kadergröße beachten

Das muss ein Sportmanager im Hinblick auf die Kadergröße beachten

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Bis vor kurzem habe ich mich nie detaillierter mit der optimalen Kadergröße eines Fußballclubs auseinandergesetzt.

Bei mehreren Recherchen habe ich dann jedoch gesehen, wie unterschiedlich die Bundesligisten an das Thema herangehen.

Zuerst war ich verwundert. Dann habe ich jedoch gemerkt, dass die Frage nach der optimalen Kadergröße durchaus komplex ist.

In diesem Beitrag möchte ich Dir aufzeigen, welche Faktoren ein Sportmanager dabei berücksichtigen muss.

Wie so oft, möchte ich aber mit einer Frage einsteigen und Dich einladen, Dir ein paar eigene Gedanken zu dem Thema zu machen:

Hast Du Dir jemals Gedanken über die optimale Kadergröße gemacht? Und wenn ja, wie groß ist der ideale Kader?

Kadergröße der Bundesliga

Zuerst möchte ich meine Beobachtungen im Hinblick auf die Kadergröße mit Dir teilen. Dazu findest Du nachfolgend eine Abbildung mit der Entwicklung der Kadergröße der gesamten Bundesliga im Zeitverlauf.

Die Zahlen habe ich wie so häufig von Transfermarkt.de.

Kumulierte Kadergröße der Bundesliga im Zeitverlauf
Kumulierte Kadergröße der Bundesliga im Zeitverlauf

In dem Bild wird auf den ersten Blick deutlich, wie stark die kumulierte Kadergröße in der Bundesliga von Saison zu Saison schwankt.

Im Beobachtungszeitraum beträgt die größte Differenz insgesamt 122 Spieler. Diese Differenz wird innerhalb von zwei Saisons (2016/17 vs. 2018/19) erreicht.

Kleiner Fun-Fact noch am Rande:

In der ersten Bundesligasaison 1963/64 war die kumulierte Kadergröße 324.

transfermarkt.de

Im Gründungsjahr der Bundesliga spielten allerdings auch nur 16 Clubs in der höchsten deutschen Spielklasse.

Kadergrößen der Bundesligisten

Wir haben bereits gesehen, dass die kumulierte Kadergröße der Bundesliga im Zeitverlauf stark schwankt. Dabei ist es naheliegend, dass auch die Kadergrößen der einzelnen Bundesligisten stark unterschiedlich sind.

Diesen Vergleich wollen wir uns einmal für die aktuelle Saison 2018/19 anschauen.

Kadergröße der Bundesligisten in der Saison 2018/19
Kadergröße der Bundesligisten in der Saison 2018/19

Die Kadergröße von Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt unterscheidet sich um 9 Spieler.

Besonders interessant finde ich, dass die drei kleinsten Kader alle von Clubs gestellt werden, die von einem externen Gesellschafter kontrolliert werden.

Es scheint, als würden diese externen Gesellschafter aus der Wirtschaft ganz konkrete Vorstellungen in Bezug auf die Kadergröße haben. Lediglich der VfL Wolfsburg fällt aus diesem Raster raus.

Genau diese Interpretationen sollen nun aber folgen. Ich zeige Dir jetzt, welche Faktoren der Sportmanager Deines Lieblingsclubs zusätzlich berücksichtigen muss.

Anzahl der Spiele

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass jeder Bundesligist in einer Saison gleich viele Spiele bestreitet.

Das ist im reinen Wettbewerb der Bundesliga natürlich mit Ausnahme der Relegation genau so.

Hinzu kommen aber weitere Wettbewerbe wie der DFB-Pokal (bis zu sechs weitere Spiele) sowie die internationalen Wettbewerbe.

In der Champions League bestreitet jeder Finalist somit zusätzlich 13 Spiele. gehen wir davon aus, dass der FC Bayern Münchensowohl ins Finale des DFB-Pokals als auch der Champions League kommt, sind das 19 Spiele.

Diese 19 Spiele muss der deutsche Rekordmeister nun mehr spielen als beispielsweise ein mittelmäßiger Bundesligist, der in der ersten Runde des DFB-Pokals ausscheidet.

Das sind dann in Summe 35 vs. 53 Spiele. Oder in Minuten: 3.150 Minuten vs. 4.770 bei Vernachlässigung von Nachspielzeit und möglichen Verlängerungen.

Je mehr Spiele ein Kader bestreitet, desto breiter sollte er meiner Meinung nach aufgestellt sein. Der Hintergrund dieser These ist natürlich, dass die Spieler sich auch mal erholen müssen.

Das gilt sowohl physisch als auch psychisch.

Umso mehr wundert es mich, dass RB Leipzig einen der kleinsten Kader unter allen Bundesligisten hat. Auch der Kader des Rekordmeisters umfasst nur zwei Spieler mehr.

Die Sachsen sind zwar aus der Champions League ausgeschieden, spielen aber dennoch in der Europe League.

Mit einem breiteren Kader hätten sie es vielleicht sogar in der Königsklasse in die nächste Runde geschafft.

Verletzungsanfälligkeit der Spieler

In nahezu jedem Kader gibt es Spieler, die verletzungsanfällig sind. Beim Rekordmeister sind dies zum Beispiel Arjen Robben oder auch Kingsley Coman.

Je mehr dieser Spieler ein Club in seinem Kader hat, desto breiter sollte dieser aufgestellt sein.

Verletzte Spieler müssen schließlich vom Rest des Kaders möglichst qualitativ gleichwertig ersetzt werden.

Dabei ist es schwierig, unter den verletzungsanfälligen Spielern nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Im weitesten Sinne könnten wir uns das Durchschnittsalter anschauen und folgende These aufstellen:

Je älter ein Spieler ist, desto höher ist seine Verletzungsanfälligkeit bzw. desto geringer seine Regenerationsfähigkeit.

Ältere Körper erholen sich langsamer als junge Körper. Das ist phsiologisch sogar nachweisbar. Wenn sich also ein älterer Spieler verletzt, braucht er vermutlich länger bis zum Comeback als ein jüngerer Spieler.

Dies wiederum würde erklären, warum RB Leipzig einen eher schmalen Kader hat: Mit 23,6 Jahren ist der Kader der Sachsen nämlich mit Abstand von einem Jahr am jüngsten.

Variabilität des Spielsystems

Es gibt durchaus Teams, die heute mit einer Dreierkette, morgen im 4-4-2 und übermorgen ohne echten Stürmer spielen.

Jogi Löw experimentiert beispielsweise mit der Aufstellung und Taktik der Nationalmannschaft regelmäßig vor großen Turnieren. Im Gegensatz zum klassischen Bundesligist hat er natürlich einen viel größeren Kader im Hintergrund, da er die Spieler nicht bezahlen muss.

In der Bundesliga gilt aber auch:

Je variabler ein Trainer spielen möchte, desto mehr Spielertypen braucht er im Kader.

Wir können also davon ausgehen, dass ein Trainer, der auf einen großen Kader zurückgreifen kann, eher im Hinblick auf die Aufstellung und Taktik variieren kann als ein Trainer mit einem kleinen Kader.

Einzige Ausnahme in diesem Fall ist, wenn die Spieler an sich sehr variabel einsetzbar sind.

Herkunft der Spieler

Wir führen gerade an vielen Stellen in der Gesellschaft eine Diskussion bezüglich der Herkunft eines Menschen.

Im Fußball ist diese bedingt tatsächlich relevant. Ein Spieler aus Asien muss beispielsweise für Länderspiele wesentlich weiter reisen als ein Spieler der deutschen Nationalmannschaft.

Entsprechend unterschiedlich sind die Reise- und Erholungszeiten beider Spieler.

Hinzu kommt, dass Europa- und Weltmeisterschaften zwar auf den europäischen Ligabetrieb abgestimmt sind, die anderen Kontinental-Turniere allerdings nicht.

Dementsprechend muss jeder Sportmanager sich auch mit der Herkunft und der Nationalmannschaft eines Spielers beschäftigen.

Fazit zur Kadergröße

Über diese Perspektiven in Bezug auf die Kadergröße werde ich zukünftig häufiger nachdenken, wenn ich die Kaderzusammenstellung einzelner Clubs lobe oder kritisiere.

Ich hoffe, dass ich Dir damit die eine oder andere neue Sichtweise vorstellen könnte.


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2 thoughts on “Das muss ein Sportmanager im Hinblick auf die Kadergröße beachten

  • 1. Februar 2019 um 13:57
    Permalink

    Hallo Ralf,
    einen wichtigen Aspekt hast Du im Zusammenhang mit der Kadergröße vergesssen.

    Die Bundesliga-Manager müssen im Rahmen der Lizenzierung die sogenannte Local-Player-Regelung (Lizenzordnung-Spieler §5b) bei der Kaderplanung berücksichtigen.

    Es müssen mindestens acht lokal ausgebildete Spieler bei dem Klub als Lizenzspieler unter Vertrag stehen, wovon mindestens vier vom Klub ausgebildet sein müssen. (Lizenzordnung-Spieler §5b).

    Diese Regelung hat oft zur Folge, dass Nachwuchsspieler einen Lizenzspielervertrag angeboten bekommen, obwohl sie de facto für den Kern-Kader keine wirkliche Rolle spielen. Wenn also sowieso nicht schon genügend Local-Player im Kader sind, kann das ein Grund für einen etwas größeren (aufgeblähten) Kader sein.

    Grüße Sebastian

    Antwort
    • 1. Februar 2019 um 18:33
      Permalink

      Hey Sebastian, vielen Dank für Deinen Hinweis! Natürlich gibt es rechtliche Regelungen dazu. Da hätte ich auch selbst drauf kommen können.

      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
      Ralf

      Antwort

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