Was Du über den Neymar Wechsel bisher noch nicht wusstest

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Über den Neymar Wechsel wurde unglaublich viel geschrieben. Das fing bereits lange Zeit vor dem eigentlichen Transfer an. Wie Ihr wisst, bin ich kein Fan von Gerüchten.

Umso mehr bevorzuge ich Zahlen & Fakten. Diese habe ich mit etwas Abstand zu dem Wechsel analysiert und möchte mit Euch einen Blick in die Zahlenwelt abseits der astronomischen Ablösesumme werfen.

Bevor wir in die Details wie Social-Media- & Merchandising-Auswirkungen abtauchen, habe ich noch einmal die Details des Wechsels zusammengefasst. In aller Kürze. Versprochen.

Neymar Wechsel – die Details

Am 3. August 2017 wechselte Neymar vom FC Barcelona aus der spanischen La Liga nach Paris. Sein neuer Club FC Paris Saint-Germain überwies für die Dienste des 25-Jährigen Brasilianers 222 Millionen Euro nach Spanien.

Die Ablösesumme liegt damit mehr als doppelt so hoch wie die des bisherigen Rekordtransfers von Paul Pogba in der Sommer-Transferperiode 2016 zu Manchester United.

Zusätzlich zu dieser durchaus stolzen Summe überwiesen die Pariser weitere 40 Millionen Euro an die Familie Neymar, da der Vater des Superstars diesem als Berater zur Seite steht. Damit ist aber noch lange nicht genug Geld geflossen, denn der teuerste Fußballer der Welt bezieht natürlich auch noch ein Gehalt.

Über 5 Jahre hinweg wird der Brasilianer ca. 150 Millionen Euro Gehalt einstreichen. Das macht in etwa 30 Millionen Euro pro Jahr – netto versteht sich.

Auswirkungen in sozialen Medien

Abgesehen davon, dass sämtliche Social-Media-Streams wochenlang nur von Gerüchten, Bildern und Dementi befüllt waren, ist nach dem Neymar Wechsel einiges zu beobachten.

Entwicklung Facebook-Anhänger

Alleine am Beispiel Facebook können wir sehen, wie der Wechsel die Fans beeinflusst. Aus diesem Grund habe ich mir die Entwicklung der Likes im größten sozialen Netzwerk für die beiden beteiligten Clubs und Neymar selbst angeschaut. Zusätzlich habe ich als Vergleichswert die Entwicklung vom FC Bayern München herangezogen.

Neymar Wechsel Social Media_1
Auswirkung des Neymar Wechsels bei Facebook

Ich finde die Ergebnisse beeindruckend. Alle Clubs können ihre Anhängerschaft bei Facebook kräftig ausbauen. Sowohl Neymar, als auch PSG können in der letzten Woche – innerhalb der der Transfer bestätigt wurde – außerordentlich zulegen.

Einzeln haben beide Parteien jeweils über eine halbe Million Follower in wenigen Tagen gewonnen. Gemeinsam überschreiten sie somit sogar die Grenze von einer Million zusätzlichen Anhängern.

Der FC Barcelona schafft es im selben Zeitraum lediglich seine Anhängerschaft um ca. die Hälfte auszubauen. Der deutsche Rekordmeister hingegen ist komplett abgeschlagen und erreicht „noch nicht einmal“ die Hälfte des Zuwachses der Katalanen.

Wirtschaftlicher Effekt des Zuwachses

Selbstverständlich ist es schwer, diesen Anstieg finanziell messbar zu machen. Auch wenn der Vergleich nicht 100%ig passend ist, bedienen wir uns einer Analyse des Marktes für Influencer. Für alle, die den Begriff zum ersten Mal lesen bzw. einfach gerne mal definiert haben wollen, folgt eine kurze Erklärung.

Influencer ist ein um 2007 entstandener Begriff für eine Person, die aufgrund ihrer starken Präsenz und hohen Ansehens in einem oder mehreren sozialen Netzwerken eines kommerzialisierten Internets für Werbung und Vermarktung in Frage kommt. [Wikipedia]

Je nach sozialem Netzwerk unterscheiden sich die Verdienstmöglichkeiten dieser Internetstars. Computer Bild hat die Verdienstmöglichkeiten für einen Post in Abhängigkeit des sozialen Netzwerks und der Follower-Zahl untersucht.

Bei Facebook bringt eine Anhängerschaft zwischen 500 Tausend und 1 Million Fans im Durchschnitt 12.500 $. Auch wenn es sich im obigen Fall um einen Zuwachs handelt, geben diese Zahlen eine erste Indikation für die Größenordnung.

Besonders wichtig ist hierbei der Hinweis, dass sich die Summe auf einen Post bezieht. In den letzten 30 Tagen hat PSG 6,77 Posts pro Tag abgesetzt.

Hier kommt ein spannendes und extra provokantes Gedankenspiel: Wenn ein Post den Wert von 12.500 $ hat und der Club weiterhin 6,77 Mal pro Tag etwas bei Facebook postet, macht das einen Wert von knapp 85.000 $ pro Tag und über 30 Millionen $ pro Jahr.

Wenn wir davon ausgehen, dass dieser massive Anstieg der PSG-Follower ausschließlich mit dem Neymar Wechsel zusammenhängt, könnten wir folgende Behauptung aufstellen:

Einzig und allein mit der zusätzlichen Anhängerschaft bei Facebook könnte PSG das (Netto-)Gehalt ihres neuen Superstars refinanzieren.

Der zusätzliche Brutto-Anteil ist aufgrund des Spitzensteuersatzes in Höhe von 49% nochmal genauso hoch. Dieser könnte jedoch eventuell über die anderen sozialen Netzwerke ebenfalls refinanziert werden. Das schauen wir uns an dieser Stelle jedoch nicht an.

Natürlich nehme ich hier stark vereinfachte Zustände an. Das ist nur bedingt real, da PSG seine Reichweite in den sozialen Medien (noch) nicht vermarktet, wie ein Influencer. Trotzdem deuten die Zahlen an, in welche Richtung es geht.

Merchandising Effekt

Meine HSV-Trikots sind schon seit langer Zeit nicht mehr mit Spielernamen bedruckt. Obwohl ich mich selbst als leidenschaftlichen Fan bezeichnen würde, gibt es keinen Hamburger Spieler, dessen Namen ich auf dem Rücken tragen möchte.

Anders sehen das definitiv die Fans von Paris Saint-Germain. Bereits am ersten Tag sollen über 10.000 Trikots mit dem Namen des neuen Pariser Superstars über die Ladentheke gegangen sein. Bei einem durchschnittlichen Preis von ca. 100 € wurden so 1 Million Euro eingenommen.

Diese Summe müssen die Club-Verantwortlichen jedoch mit dem Ausrüster Nike teilen. Dennoch ist der Effekt der Rekord-Verpflichtung auch in den Fan-Shops spürbar. Zeitweise wurde maximal ein Trikot pro Fan verkauft.

Auch wenn die Ablösesumme sicherlich nicht komplett über Trikotverkäufe refinanziert wird, können die Verantwortlichen die zusätzlichen Einnahmen durch Fan-Artikel durchaus mit den 222 Millionen Euro verrechnen, sodass der „Neymar Case“ etwas positiver wird.

Maximal kann ein PSG-Fan für ein Trikot bis zu 150 € ausgeben. Zum Vergleich: Ein Trikot des Bayern Neuzugangs James Rodríguez kostet hingegen „nur“ 85 €.

Fazit zum Neymar Wechsel

Der Neymar Wechsel ging wie ein Erdbeben durch die Fußball-Branche. Meine Gedanken zur Höhe, Sinnhaftigkeit und Zerstörungskraft der Ablösesumme werde erstmal für mich behalten, bis ich explizit danach gefragt werde. Trotzdem hat der Wechsel für PSG viele positive Effekte.

Einige davon habe ich an dieser Stelle noch nicht beleuchtet, weil es ansonsten entweder zu viel wird oder aber auch schlichtweg nicht messbar ist. Denkbar ist beispielsweise Folgendes:

Weitere Potenziale durch den Neymar Wechsel
Weitere Potenziale durch den Neymar Wechsel

Inwiefern der Neymar Wechsel sportlich einschlägt oder nicht, wage ich nicht zu prognostizieren. Dass PSG französischer Meister und vermutlich auch Pokalsieger wird, ist für mich allerdings fast sicher.

Ich werde insbesondere in der Champions League auf die Pariser schauen – sofern sie nicht wegen eines Verstoßes gegen das Financial Fairplay von der Königsklasse ausgeschlossen werden.


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4 thoughts on “Was Du über den Neymar Wechsel bisher noch nicht wusstest

  • 17. August 2017 um 7:54
    Permalink

    Interessante Überlegungen, meiner Meinung aber nicht alle ganz zu Ende gedacht.
    Gerade bei den Facebook-Postings sehe ich das kritisch: auch wenn PSG 6,5 Posts pro Tag bringt, die bringen nicht alle Geld.
    Auch die Zuwachsberechnung relativiert sich, die muss man mit der gesamten Fanbase der Seiten in Relation setzen. Zudem wachsen die Facebookpages der Vereine durchgehend – auch ohne Neymar 😉

    Von den Trikoteinnahmen ganz zu schweigen. Angenommen PSG macht 50€ Gewinn pro Trikot: so müsste man sage und schreibe eine Million Trikots verkaufen um 50 Millionen einzunehmen. Wäre immernoch nur ein Viertel der Ablösesumme (Beratergage und Gehalt kommen ja auch noch).
    Nicht zu vergessen, dass entsprechend weniger Trikots anderer Spieler verkauft werden. Soll heißen: ein Fan der sich die Saison sowieso ein Shirt geholt hätte, nimmt jetzt eines von Neymar anstatt zB Silva.

    Antwort
    • 18. August 2017 um 7:52
      Permalink

      Guten Morgen edmiro,

      vielen Dank für Deinen Kommentar! Ich stimme Dir zu. Bei dem Facebook-Beispiel habe ich die Annahmen absichtlich hoch gesteckt. Trotzdem liegen sie grundsätzlich im Bereich des Möglichen. Natürlich vermarketet PSG seinen Facebook-Kanal aber nicht wie ein typischer Influencer. Dass der Vergleich etwas hinkt, ist mir klar und das habe ich ja auch bereits im Text geschrieben.

      Zur den Trikots: In Diskussionen zu diesem Beitrag auf anderen Kanälen habe ich schon mitgenommen, dass der Einfluss von Trikotverkäufen häufig zu hoch eingeschätzt wird. Das werde ich zu gegebener Zeit in einem Beitrag mal etwas näher beleuchten :-). Der angesprochene Kannibalisierungs-Effekt ist natürlich nicht auszuschließen. Dennoch wird es vermutlich viele Neymar-Fans geben, die vorher keine PSG-Fans waren (siehe Zuwachs der Facebook-Follower), die sich ohne den Transfer evtl. kein Trikot gekauft hätten.

      Alleine sind die Auswirkungen dieser „wirtschaftlichen Kompensationen“ sicherlich ein Witz verglichen mit Ablösesumme, Berater-Gage und Gehalt. In Summe ist so ein Transfer-Case aber sicherlich vielschichtiger als wir auf den ersten Blick meinen könnten.

      Liebe Grüße
      Ralf

      Antwort
  • 17. August 2017 um 7:55
    Permalink

    Hallo Ralf,

    ein sehr interessanter Artikel zum Neymar Wechsel!

    Mich persönlich würde deine Meinung hierzu sehr wohl interessieren. Klar wurde mir bereits, dass einige Aspekte bei der wirtschaftlichen Betrachtung bisher nicht berücksichtigt wurden (Trikots, Facebook-Werbung) etc. Dennoch interessiert mich gerade die Perspektive im Vergleich zu unserer Gesellschaft. Nach dem Motto „ist das noch normal“. Oder auch die Frage, muss das überhaupt normal sein oder ist es nicht völlig legitim so zu handeln, da ein Fußball Club nichts anderes mehr ist als ein modernes Wirtschaftsunternehmen? Wie können wir hier noch differenzieren? Gibt es eine Grenze und wo liegt diese? Und wieso bietet Financial Fair Play hier offensichtlich Möglichkeiten es zu umgehen?

    Besten Dank vorab und sportliche Grüße

    Nicolas Winter

    Antwort
    • 18. August 2017 um 8:10
      Permalink

      Guten Morgen Nicolas,

      vielen Dank für Deinen Kommentar! Die von Dir gestellten Fragen könnten vermutlich einen eigenen Beitrag füllen, aber ich gebe mir Mühe, sie in aller Kürze zu beantworten:

      Fußballclubs sind Wirtschaftsunternehmen, ja. Ich formuliere das jetzt absichtlich etwas theoretischer, aber meiner Meinung nach gibt es zwei Dinge, die diesen Transfers einen negativen Beigeschmack geben:

      1. Obwohl es sich trocken gesprochen um den Handel mit dem wichtigsten Produktionsfaktor handelt, geht es im Fußball immer noch um Menschen. In jeder anderen Branche – außer evtl. in der Automobil-Branche 🙂 – werden Preise von Produktionsfaktoren über Angebot und Nachfrage definiert. Grundsätzlich ist das auch beim Fußball so. Mit einer Ausnahme: Das Angebot ist immer auf einen einzigen Spieler beschränkt, da es nur einen Neymar gibt. Und so reicht es ebenfalls, wenn ein Clubs auf der Nachfrage-Seite auftritt und bereit ist astronomische Ablösesummen zu zahlen. Es gibt somit eine gewisse Logik, die aber selbst mir als Kommerzialisierungs-Sympathisant in der Höhe ihrer Auswirkung etwas unheimlich ist.

      2. Dass Fußballprofis so gut bezahlt werden, liegt an dem oben genannten Grund. Sie sind dafür verantwortlich, dass die Fans in die Stadien strömen und für das Sky-Abo bezahlen. Insofern finde ich es logisch nachvollziehbar, dass sie den größten Teil dieser Einnahmen unter sich verteilen. Am Ende des Tages spielen diese Männer ja aber auch „nur“ Fußball. Hier könnte ein Kritiker fragen: Wem ist denn damit geholfen? Oder: Welchen Mehrwert schaffen die Fußballer? Das ist zugegebenermaßen auf den ersten Blick schwer zu erkennen, aber am Ende ist Fußball ein emotional stark involvierendes Unterhaltungsprodukt. Wir zahlen für unseren Netflix-Account genauso wie für Sky. Wir können einen unterhaltsamen Tag in einem Freizeitpark, im Zoo oder eben im Fußballstadion verbringen. Mit der Ausnahme, dass wir beim Fußball noch stärker involviert sind und nicht wissen, was rauskommt. Das führt zu Nervenkitzel. Ein Vergleich der Fußballergehälter mit denen von uns Normalsterblichen ist zwar immer spannend, aber etwas, bei dem wir nur „verlieren“ können.

      Ob das so sein muss? Ich glaube nicht. Diese Transferperiode ist durch das viele Geld sicherlich ruiniert. Ich könnte mir aber vorstellen, dass sich der Markt bis zum Winter wieder etwas abkühlt. Sofern PSG dann nicht wieder auf dem Markt so zuschlägt, könnte ich mir vorstellen, dass der Rekord länger bestehen bleibt, als der von Paul Pogba aus dem vergangenen Jahr. Wenn einzelne Top-Clubs oder Ligen sich dieser Inflation entziehen, führt das zu den von mir beschriebenen Effekten des Rattenrennens. Auf lange Sicht werden die Player weniger wettbewerbsfähig. Zu einer Begrenzung von Gehalt und / oder Ablösesumme kann es nur auf europäischer Ebene kommen. Da bin ich gespannt, wie die Verantwortlichen reagieren.

      Warum das Financial Fairplay so „offen“ ausgelegt wird, kann ich Dir leider nicht beantworten. Die Grauzone ist jedoch für mich – als Nicht-Juristen – zu groß, als dass die Regelung genug Wirksamkeit entfaltet.

      Ganz so kurz ist es jetzt doch nicht geworden. Sorry :-). Ich hoffe, ich konnte Dir die Fragen beantworten und bedanke mich für die super Redaktionsideen!

      Liebe Grüße
      Ralf

      Antwort

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