Personalkostenquote Gladbach & Hoffenheim

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Serie Personalkostenquote III / III: Borussia Mönchengladbach und TSG 1899 Hoffenheim

In den letzten Beiträgen widmeten wir uns der → Champions League Reform, dem  → Themengebiet Zufall im Profifußball sowie einem Bericht zum → Vortrag von Joachim Hilke. Heute wollen wir die Serie zu Personalkostenquoten der Bundesligisten abschließen. Wir schauen uns Borussia Mönchengladbach und die TSG 1899 Hoffenheim an.

Vorwort zur Serie

Nachdem wir uns die → Personalkostenquote der Bundesliga und Fußballclubs angeschaut haben, widmen wir uns einer tiefer gehenden Analyse. Aufgrund der inhaltlichen Tiefe umfasst diese Analyse mehrere Beiträge.

In diesen drei Artikeln schauen wir uns die Personalaufwendungen für ausgewählte Fußballclubs an und setzen diese in den Kontext ihrer sportlichen Leistung. Zusätzlich zu der vergleichenden → Analyse zwischen Bayern München und Borussia Dortmund erfolgte bereits eine Gegenüberstellung von → Schalke 04 und dem Hamburger SV.

Da ich den Spagat zwischen Grundlagen- und Experten-Wissen schaffen möchte, habe ich zwischenzeitlich Beiträge zu anderen Themen veröffentlicht. Nun aber zum Inhaltlichen.

Borussia Mönchengladbach

Die unten stehende Grafik bildet drei Entwicklungen ab. (1) Die Umsatzerlöse, (2) die Personalkostenquote II (berücksichtigt werden somit die Personalaufwendungen für Spieler & Trainer (Spielbetrieb) und für Handel & Verwaltung) sowie (3) den Tabellenplatz am Ende der Saison.

Personalkostenquote
Umsatzerlöse, Personalkostenquote und sportlicher Erfolg Borussia Mönchengladbach

Besonderheiten

Bei Borussia Mönchengladbach treffen wir hinsichtlich der Berichterstattung auf zwei Besonderheiten.

  1. Geschäftsjahr = Kalenderjahr: Wie bereits in dem Beitrag zu den → Personalkostenquoten der Bundesliga erläutert, richten einige Fußballclubs ihre Berichterstattung nach dem Kalenderjahr. Borussia Mönchengladbach ist einer dieser Clubs.
  2. Erste Daten aus 2006: Vor dem Jahr 2006 hat die Borussia keine einheitlichen Geschäftsberichte veröffentlicht, die heute noch verfügbar sind.

Abstieg reduziert Personalkostenquote

Nach dem Abstieg in die 2. Bundesliga schafften die Borussen den sofortigen Wiederaufstieg in die höchste Deutsche Spielklasse. Da sie nur ein Jahr zweitklassig waren, blieben die Umsatzerlöse nahezu auf demselben Niveau.

Aufgrund des Abstiegs sank der Gehaltsetat erheblich. Dies ist typisch, da die Star-Spieler eines nahezu jeden Clubs einen Wechsel innerhalb der Bundesliga oder in eine andere Top-Liga der 2. Bundesliga vorziehen.

Mit den Stars verlassen somit auch häufig die Großverdiener die abgestiegenen Clubs und reduzieren im Ergebnis die Personalkostenquote II.

Weg ins internationale Geschäft

Je stärker sich die Borussen nach ihrem Wiederaufstieg in der Bundesliga etablierten, desto höher stieg die Personalkostenquote II. Gemäß meiner Thesen aus den vorherigen Beiträgen dieser Serie erhöhten sich damit auch die (bis dahin) nicht erreichten Ansprüche.

Zwei Jahre lag die Personalkostenquote II der Borussia über der Grenze von 50 % (2011 & 2012). Dann erfolgten über das Erreichen des 4. Platzes die Qualifikationsspiele für die Champions League die Teilnahme an der Europa League. Damit ging ein enormer Anstieg der Umsatzerlöse einher. Dieser wiederum führte dazu, dass die Personalkostenquote II auf ihren Tiefstwert von ~ 37 % fiel, obwohl die Personalkosten absolut um knapp 6 Mio. € anstiegen.

Dieser starke Effekt der Qualifikation für die internationalen Wettbewerbe verdeutlicht dessen Wichtigkeit für die Clubs und erklärt, warum ein Großteil der Bundesligisten diese anstrebt.

Internationale Wettbewerbe sind Pflicht

Wir haben gesehen, dass die Personalkostenquote II durch die Qualifikation für die internationalen Wettbewerbe aufgrund der enormen Umsatzanstiege stark sinkt. Bleibt diese Qualifikation in den Folgejahren jedoch aus (bspw. wie bei Gladbach im Jahr 2014) steigt sie wiederum durch das niedrigere Umsatzniveau rapide an.

Im vorliegenden Fall übersteigt sie die Grenze von 50 % bis auf ~ 52 %. Das ist eine Steigerung von 15 %punkten gegenüber dem Vorjahr.

Daraus lese ich, dass sich Borussia Mönchengladbach langfristig als ein Top-Club in der Bundesliga etablieren möchte. Dazu gehört die regelmäßige Teilnahme an den internationalen Wettbewerben.

TSG 1899 Hoffenheim

Die folgende Grafik bildet erneut die Entwicklungen der (1) Umsatzerlöse, (2) Personalkostenquote II und (3) den sportlichen Erfolg ab. In diesem Fall für den die TSG 1899 Hoffenheim.

Personalkostenquote
Umsatzerlöse, Personalkostenquote und sportlicher Erfolg TSG Hoffenheim

Die Sinsheimer berichten im Gegensatz zu den Borussen aus Gladbach auf Basis der Bundesliga-Saison (Juli – Juni). Einheitliche Jahresabschlüsse liefert die TSG erst ab der Saison 2007/08.

Geplanter Aufstieg

Unter allen betrachteten Bundesligisten im Rahmen dieser Serie ist die TSG Hoffenheim der Club mit der höchsten Personalkostenquote. In der Saison 2007/2008 gaben die Sinsheimer 19 Mio. € an Personalkosten aus und erzielten im selben Zeitraum Umsätze in Höhe von gut 12,4 Mio. €. Das führte zu einer Personalkostenquote II von 153 %.

Mit diesen Zahlen machen die Verantwortlichen deutlich, dass die 2. Bundesliga auf dem Weg aus der Kreisliga nur eine Zwischenstation war. Geplant war die langfristige Etablierung in der Bundesliga.

Verdopplung der Umsätze in 3 Jahren

Die Umsätze der Sinsheimer verdoppelten sich von ~ 42 Mio. € (2008/09) bis auf ~ 85 Mio. € (2011/12) innerhalb kürzester Zeit. Obwohl die TSG in diesem Zeitraum nicht international spielte, stiegen die Umsätze aufgrund des Verteilungsschlüssels für die TV-Gelder der Bundesliga so massiv an.

Dieser Schlüssel berücksichtigt die Performance der Clubs in der Bundesliga innerhalb der letzten 5 Jahre. Da 2008/09 die erste Hoffenheimer Bundesligasaison war, konnten die Umsätze in der folgenden Saison nur ansteigen. Dieser Vorgang wiederholte sich bis 2011/12.

Aufgrund der durchwachsenen Saison 2012/13 und dem späten Klassenerhalt in der Relegation wurde dieser Trend gestoppt.

Hohe Ansprüche

Als einziger Club hält die TSG Hoffenheim ihre Personalkostenquote II konstant über 50 %. Im Durchschnitt des Beobachtungszeitraums beträgt sie ~ 71 % und aktuell ~ 80 %. Diese Umstände lassen sich natürlich ausschließlich mit externen Investoren – im vorliegenden Fall SAP-Gründer Dietmar Hopp – finanzieren.

Für mich bedeutet das, dass die Hoffenheimer ihr Ziel noch nicht erreicht haben und mindestens von einer regelmäßigen Teilnahme an den internationalen Wettbewerben ausgehen.

Fazit

Vermutlich haben Borussia Mönchengladbach und die TSG 1899 Hoffenheim kurzfristig ähnliche Ziele. Sie wollen sich regelmäßig für die internationalen Wettbewerbe qualifizieren.

Die Borussen sind diesem Ziel wesentlich näher als die Hoffenheimer. Diese wiederum gehen dafür über jegliche finanzielle Vernunft hinaus und weisen in der gesamten Bundesliga die mit Abstand höchste Personalkostenquote II vor.

Ausblick

Im Hinblick auf diese Serie finde ich es besonders spannend, dass der Großteil der Clubs von einer besseren Zukunft ausgeht oder zumindest darauf hin arbeitet. Dieser Umstand hat seinen Ursprung in der besonderen Art des Wettbewerbs im Profifußball:  dem positionalen Wettbewerb

Diesen wollen wir uns im kommenden Beitrag etwas genauer anschauen.

Solltet Ihr noch Fragen oder Anregungen zu dieser Serie haben oder Euch diese Analyse für weitere Clubs wünschen, schreibt mir gerne eine E-Mail oder verfasst einen Kommentar :-).


Digitalisierung des Fußballs

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5 thoughts on “Personalkostenquote Gladbach & Hoffenheim

  • 22. November 2016 um 12:25
    Permalink

    Das Fazit ist bisschen daneben, Hoffenheim ist von den Ambitionen her eher mit Mainz vergleichbar, internationales Geschäft ist nicht eingeplant. Die aktuellen Zahlen (2015/16) geben das gut wieder, genau wie die lukrativen Verkäufe von Leistungsträgern. Die bisherigen Zahlen waren eben auch davon geprägt, dass man sich erst mal in der Bundesliga etablieren muss und auch von der einen oder anderen Fehlentscheidung. Ziel ist Stabilität und Unabhängigkeit.

    Antwort
    • 22. November 2016 um 12:55
      Permalink

      Hallo Ben,

      vielen Dank für Dein Feedback! Es freut mich, auch mal etwas Gegenwind zu bekommen. Gerne würde ich mich mit Dir ausführlicher austauschen. So viel aber in aller Kürze:

      Ich habe in meiner Analyse eine objektive Perspektive eingenommen und ausschließlich auf die Zahlen geschaut.

      In den anderen Analysen und den vergangenen Jahren finde ich die These „hohe Personalkostenquote lässt auf ambitioniertere Ziele schließen“ tragbar.

      Ehrlich gesagt kann ich mir auch kaum vorstellen, dass ein Dietmar Hopp so viel investiert, ohne international spielen zu wollen. Das wiederum ist aber nur ein Bauchgefühl.

      Es kann aber natürlich sein, dass die aktuelleren Zahlen davon abweichen. Das würde dann für mich (genau wie Du sagst) bedeuten, dass man auch ohne die Teilnahme internationalen Wettbewerben zufrieden ist.

      In jedem Fall freut es mich, dass Ihr dort steht, wo Ihr gerade steht. Ihr spielt meiner Meinung nach guten Fußball. Als HSV-Fan freue ich mich aber auch über den einen Punkt vom vergangenen Sonntag 🙂

      Viele Grüße
      Ralf

      Antwort
      • 22. November 2016 um 15:32
        Permalink

        Hallo Ralf,
        komplett daneben ist das ja nicht, in den beobachteten Zeitraum fällt natürlich auch die Zeit unter Babbel, als tatsächlich das internationale Geschäft angestrebt wurde. Seit Gisdol wird aber konsolidiert, wobei da auch noch ein paar Altlasten dabei waren. Mit einem Blick auf die aktuelle Mannschaft kann man aber ziemlich sicher sagen, dass auch in Zukunft eine positive Transferbilanz wahrscheinlich ist (etwas „Zusatzeinkommen“ braucht ja jeder Verein, der nicht international spielt).
        Hoffenheim ist aber auch nicht das beste Beispiel, das war vor paar Jahren quasi noch eine grüne Wiese. Investition wie das Jugendleistungszentrum brauchen da eben etwas Anlaufzeit, mittlerweile kommen da aber regelmäßig Spieler nach, das war vor 5 Jahren eben noch nicht so.
        Hopp wollte einen Fußballverein im Kraichgau haben, das ist die simple Erklärung für die Investition. Da hängen ja auch viele Dinge daran wie die Jugendarbeit und Jugendförderung abseits von Spitzensport (Anpfiff ins Leben). Ist eben sein Ding und er hat ja früher selbst bei Hoffenheim gespielt. Momentan arbeitet er darauf hin, den Verein komplett von Zuschüssen unabhängig zu machen.

        Antwort
        • 22. November 2016 um 19:50
          Permalink

          Und das scheint Hopp wirklich erfolgreich zu machen. Ich habe bei TM bereits geschrieben, dass ich zu gegebener Zeit einen Deep-Dive zur TSG (und der Strategie eines „Ausbildungsvereins“) veröffentlichen werde. Es würde mich freuen, wenn ich Dich spätestens dann (gerne auch vorher) wieder als kritischen Leser begrüßen darf!

          Antwort

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