Personalkostenquote FCB & BVB

Personalkostenquote FCB & BVB

Facebook
Twitter
Instagram

Serie Personalkostenquote I / III: FC Bayern München & Borussia Dortmund

Nachdem wir uns die → Personalkostenquote der Bundesliga und Fußballclubs angeschaut haben, widmen wir uns einer tiefer gehenden Analyse. Aufgrund der inhaltlichen Tiefe wird diese Analyse mehrere Beiträge umfassen. In der drei Beiträge umfassenden Serie schauen wir uns die Personalaufwendungen für ausgewählte Fußballclubs an und setzen diese in den Kontext ihrer sportlichen Leistung.

Da ich den Spagat zwischen Grundlagen- und Experten-Wissen schaffen möchte, werde ich zwischenzeitlich Beiträge zu anderen Themen veröffentlichen.

Bei unserer Analyse der Personalkostenquoten einzelner Fußballclubs verfolgen wir das Ziel, ein tieferes Verständnis für den Zusammenhang zwischen der sportlichen Leistung und der Personalkostenquote zu erlangen.

Um dieses Ziel zu erreichen, analysieren wir die fünf beliebtesten Fußballclubs in Deutschland. Die Auswahl basiert auf dem Statistik Portal Statista. Wir berücksichtigen demnach den FC Bayern München, Borussia Dortmund, den → Hamburger SV, FC Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach. Zur Statistik gehts → hier.

Da ich zusätzlich noch einen Werksclub in dieser Analyse berücksichtigen möchte, nehmen wir einen sechsten Club – 1899 Hoffenheim – mit auf. Hoffenheim können wir aufgrund der Struktur und des Einflusses eines externen Investors (Dietmar Hopp) guten Gewissens mit den Werksclubs vergleichen. Wie im Beitrag zur → Personalkostenquote der Bundesliga und Fußballclubs bereits erwähnt, scheiden Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg aus, da beide Clubs leider keine Zahlen veröffentlichen.

FC Bayern München

Die unten stehende Grafik bildet drei Entwicklungen ab. (1) Die Umsatzerlöse, (2) die Personalkostenquote II (berücksichtigt werden somit die Personalaufwendungen für Spieler & Trainer (Spielbetrieb) und für Handel & Verwaltung) sowie (3) den Tabellenplatz am Ende der Saison.

Umsatzerlöse, Personalkostenquote und sportlicher Erfolg FC Bayern München
Umsatzerlöse, Personalkostenquote und sportlicher Erfolg FC Bayern München

Positiver Trend in der Umsatzentwicklung

Trotz kleinerer Unregelmäßigkeiten können wir im Hinblick auf die Entwicklung der Umsatzerlöse des FC Bayern München von einem langfristig positiven Trend sprechen. Die Ausnahmen lassen sich vermutlich auf die unterschiedliche Performance in den internationalen Wettbewerben (in dieser Grafik nicht abgebildet) zurückführen.

Vom nationalen zum internationalen Top-Club

Obwohl es in Anbetracht der Meisterschaften in den vergangenen Jahren unvorstellbar scheint, war der FC Bayern München nicht immer so dominant. In vier der abgebildeten elf Saisons konnte der Fußballclub aus München das Ziel der Meisterschaft nicht erreichen.

Besonders interessant finde ich, dass die Personalkostenquote (II) bis zur Saison 2013/14 durchgehend über der Grenze von 50 % lag. Im Beitrag zu den → Personalkostenquoten der Bundesliga und Fußballclubs habe ich verschiedene Erklärungen für Personalkostenquoten > 50 % gegeben.

Eine dieser Begründungen bezog sich darauf, dass der Kader eines Fußballclubs bisher die sportlichen (und somit finanziellen) Erwartungen nicht erfüllen konnte. Im Hinblick auf den FC Bayern München sollten wir diese Aussage auf die Champions League und nicht zu sehr auf die Bundesliga beziehen.

Die Champions League erfährt in der gesamten Organisation des FC Bayern Münchens eine große Aufmerksamkeit und Wichtigkeit. Eine erfolgreiche Teilnahme am DFB-Pokal sowie der Gewinn der Meisterschaft in der Bundesliga sind nahezu selbstverständlich. Vor Spielen in der Champions League werden jedoch regelmäßig gewisse Spieler „geschont“, um in den wichtigsten Spielen ihre Leistung abzurufen.

Die oben dargestellten Entwicklungen interpretiere ich folgendermaßen: Um seine Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und langfristig dem Anspruch eines internationalen Top-Clubs gerecht zu werden, musste der FC Bayern München einige Jahre lang den Status eines personalintensiven Unternehmens auf sich nehmen. So wie es derzeit aussieht, ist der Schritt gelungen. Während der FC Bayern München die Bundesliga in den letzten Jahren dominiert, erreichten sie in der Champions League ab der Saison 2011/12 immer mindestens das Halbfinale.

Was dem FC Bayern München geglückt ist, haben einige andere Fußballclubs nicht geschafft. Auch diese Beispiele werden wir im Laufe dieser Serie noch analysieren.

Borussia Dortmund

Die folgende Grafik bildet die Entwicklungen der (1) Umsatzerlöse, (2) Personalkostenquote II und (3) den sportlichen Erfolg für Borussia Dortmund ab.

Umsatzerlöse, Personalkostenquote und sportlicher Erfolg Borussia Dortmund
Umsatzerlöse, Personalkostenquote und sportlicher Erfolg Borussia Dortmund

Sprunghafte Umsatzentwicklung

Auch die Umsatzerlöse von Borussia Dortmund entwickeln sich im langfristigen Trend positiv. Auffallend ist jedoch, dass sich dieser Trend ab der Saison 2010/11 verstärkt hat. Dies ist auf die zunehmende Präsenz in der Champions League zurückzuführen, wodurch Borussia Dortmund – genau wie der FC Bayern München – Prämien in Millionenhöhe erhalten hat.

Darüber hinaus ist erkennbar, dass die Saison 2012/2013 einen Ausreißer in dieser Entwicklung darstellt. In diesem Jahr hat Borussia Dortmund das Champions League Finale erreicht (und gegen den FC Bayern München verloren). Nichtsdestotrotz führte dies zu einem Rekordumsatz für den BVB. Obwohl Borussia Dortmund sich weiterhin für die Champions League qualifizierte, konnten die Dortmunder nicht an diese Leistungen anknüpfen und schieden immer spätestens im Viertelfinale aus.

Moderate Personalkostenquote

Borussia Dortmund gehört in der Bundesliga zweifellos zu den Top-Clubs und gilt als erster Bayern-Verfolger. Auch international spielt der BVB eine Rolle, obwohl die Teilnahme am Champions League Finale 2012/13 ein positiver Ausreißer ist.

Dass die Personalkostenquote seit 2005/06 durchgehend unter der Grenze von 50 % liegt, sagt mir, dass die Dortmunder mit ihrer Leistung zufrieden sind. Wollte der BVB nachhaltig die internationalen Top-Clubs angreifen, führte vermutlich kein Weg an einer leicht überhöhten Personalkostenquote vorbei. Diese Entwicklung haben wir bereits oben beim FC Bayern München festgestellt.

Unabhängig von den dargestellten Zahlen, ist dieser Umstand auch aus den Transferbewegungen ableitbar. Während regelmäßig Top-Spieler den BVB verlassen (Lewandowski, Hummels, Mkhitaryan), gibt der FC Bayern Spieler nur ab, wenn er es möchte (Kroos, Schweinsteiger).

Besondere Bedeutung bekommt dies, wenn diese Top-Spieler (Lewandowski, Hummels und 2013/14 Götze) vom BVB zum national dominanteren Konkurrenten – dem FC Bayern wechseln.

Mögliche Wege an Europas Spitze

Borussia Dortmund müsste demnach genau solche Top-Spieler halten, um national und international einen weiteren Schritt nach vorne zu machen. Dies ist jedoch vermutlich nur möglich, indem die Dortmunder die Gehälter ihrer Stars auf das Niveau der Bezüge internationaler Top-Spieler anhebt.

Damit verbunden wäre vorerst ein Anstieg der Personalkostenquote II. Langfristig könnte sich dieser Anstieg ausgleichen, sofern die Mannschaft dadurch noch erfolgreicher wird. Dann würden dementsprechend auch die Umsätze stärker ansteigen.

Denkbar wäre ebenfalls, dass die Dortmunder in einem Jahr eine außergewöhnliche Leistung in den internationalen Wettbewerben erreichen – wie in der Saison 2012/13. Durch die erhöhten Umsatzerlöse bliebe ein gewisser Anstieg der absoluten Personalaufwendungen ohne merkliche Auswirkungen auf die Personalkostenquote.

Ich vermute, dass der BVB genau dies nach seiner Final-Teilnahme in der Champions League versucht hat. Aus Dortmunder-Sicht müssen wir jedoch festhalten, dass die Investitionen vermutlich leider nicht gereicht haben. Obwohl die Personalkostenquote II in der kommenden Saison angestiegen ist, konnte Borussia Dortmund nicht an die Erfolge aus der Vorsaison anknüpfen.

So viel zur Theorie. Es bleibt spannend abzuwarten, wie der BVB agiert und was die kommende Saison bringt.

Fazit

Obwohl wir in diesem Beitrag die beiden deutschen Top-Clubs miteinander vergleichen, können die Unterschiede kaum deutlicher sein. Während der FC Bayern München seine Wettbewerbsfähigkeit aktiv durch Investments in das Personal erhöht hat, erscheint der BVB auf den ersten Blick wirtschaftlicher. Nichtsdestotrotz haben die Münchener es durch eine Personalkostenquote II über 50% geschafft, sich international als Top-Club zu etablieren und bauen so ihren Vorsprung vor ihren nationalen Wettbewerbern – und dem BVB weiter aus.

Ausblick

Heute gibt es zum ersten Mal einen zweigeteilten Ausblick:

  1. Im nächsten Teil dieser Serie geht es um die Traditionsclubs → FC Schalke 04 und den Hamburger SV. Der letzte Beitrag dieser Kurz-Serie widmet sich → Borussia Mönchengladbach und 1899 Hoffenheim.
  2. Der kommende Beitrag beschäftigt sich zur Abwechslung mit einem komplett neuen Thema. Damit möchte ich vor allem meinen neuen Lesern den Einstieg erleichtern. Aufgrund der endenden Transferperiode dieses Sommers dreht sich im nächsten Artikel alles rund um das Thema → Spielerverpflichtungen.

Digitalisierung des Fußballs

Facebook
Twitter
Instagram

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.