Egal ob sympathisch oder nicht: Das kann die Bundesliga von PSG lernen

Egal ob sympathisch oder nicht: Das kann die Bundesliga von PSG lernen

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Es gibt wenig Clubs in Europa, die so umstritten sind wie PSG. Das wollte ich mir aus nächster Nähe anschauen und habe das vergangene Wochenende in der französischen Hauptstadt verbracht. Am Samstag (12. Mai 2018) habe ich dann das erste Mal ein Fußballspiel außerhalb von Deutschland besucht. Der französische Meister traf auf Stade Rennes.

Genau wie bei meinen ersten Eindrücken von eSports-Turnieren (EU LCS Spring Finals 2017 und ESL One 2017) sowie dem Besuch der Österreichischen eBundesliga möchte ich Dich an dem Fan-Erlebnis teilhaben lassen.

Dabei kann die Bundesliga im Hinblick auf das Fan-Erlebnis von PSG einiges lernen.

Ich das erste Mal im Prinzenpark beim letzten Heimspiel 2017/18 von PSG
Zum ersten Mal im Prinzenpark: Beim letzten Heimspiel 2017/18 von PSG

Customer Journey bei PSG

Um das Fan-Erlebnis zu beschreiben, bedienen wir uns bei einem Konzept aus dem Marketing – der Customer Journey – und übertragen dieses auf das Fan-Erlebnis bei PSG.

„Aus Sicht des Marketing bezeichnet die Customer Journey alle Berührungspunkte (Touchpoints) eines Konsumenten mit einer Marke, einem Produkt oder einer Dienstleistung.“ [Wikipedia]

Ganz grob könnten wir die Customer Journey beim Stadionbesuch in diese vier Schritte unterteilen.

Customer Journey zur Analyse des Stadionerlebnisses bei PSG
Customer Journey zur Analyse des Stadionerlebnisses bei PSG

Im Folgenden gehen wir jeden dieser Schritte einzeln durch.

Ticketkauf bei PSG

Bei diesem Schritt bin ich auf die Erzählungen meiner Freundin angewiesen. Ich habe die Karten nämlich nicht selbst gekauft, sondern (zum Geburtstag) geschenkt bekommen.

Nichtsdestotrotz konnte sie problemlos auf einer gut funktionierenden Webseite bestellen. Im Nachhinein habe ich überprüft, ob die Tickets auch über die App bestellbar wären. Ohne, dass ich irgendetwas einstellen musste, war die PSG App sofort auf englisch auf meinem Smartphone verfügbar.

Die PSG App

Die mobile App von PSG hat im Menü einen Reiter „Tickets“. Wenn ich diesen auswähle, erfolgt die Weiterleitung auf eine separate Webseite. Zum Zeitpunkt meines Tests, gab es eine erhöhte Nachfrage nach Tickets, weshalb ich in einer virtuellen Warteschlange gelandet bin. Nach circa drei Minuten Wartezeit hätte ich ganz problemlos Tickets bestellen können. Zumindest machte die Nutzer-Oberfläche diesen Eindruck.

Dabei wurde sogar auf der mobilen Version eine 3D-Vorschau der Sicht des ausgewählten Sitzplatzes zur Verfügung gestellt. Das hat mir gefallen.

Vergleich zur Bundesliga

Wenn Du ein regelmäßiger Online-Shopper bist, dürfte es Dich nicht verwundern, dass man heutzutage Dinge übers Smartphone bestellen kann. In der Bundesliga ist dies jedoch bei Weitem nicht Gang und Gebe.

Nicht jede Vereins-App hat eine gut funktionierende Shopping-Funktion. In der Bundesliga hat nicht mal jeder Club eine eigene App. In diesem Zusammenhang könnte der durchschnittliche Bundesligist demnach noch viel von PSG lernen.

Ticketerhalt bei PSG

Bei meinen bisherigen Ausflügen in die Bundesliga-Stadien hatte ich immer eine Karte in Papierform. Diese wurde einige Tage vor dem Spiel per Post – gegen die Erhebung einer Gebühr für den Versand – verschickt.

Es ist kein Geheimnis, dass die Clubs bei dieser Art der Zustellung eine gewisse Gewinn-Marge vereinnahmen. PSG macht das jedoch etwas anders.

Seit der Ticketbestellung versendet PSG regelmäßige Newsletter. Diese sind leider auf Französisch und dementsprechend nur für Sprach-Genies zu verstehen. Mit rudimentären Französischkenntnissen ließ sich jedoch entschlüsseln, dass unter Angabe der Kundennummer und eines Passwortes auf der PSG-Homepage die Tickets heruntergeladen werden können.

Neben dem Download als klassisches PDF konnten die Tickets auch direkt aufs Smartphone geschickt werden (über die Mailadresse oder Handynummer). Alternativ gäbe es auch im App-Bereich die Möglichkeit das Ticket herunterzuladen.

Demnach war ich am Wochenende das erste Mal mit einem mobile Ticket in einem Fußballstadion und alles hat reibungslos funktioniert. In der Bundesliga zählt diese Form des Ticketerhalts noch zur absoluten Ausnahme. Einzelne Clubs – darunter der FC Köln und Mainz 05 – befinden sich gerade in einer Experimentier-Phase. Weitere Clubs haben auf den großen Konferenzen zudem angekündigt, zukünftig ebenfalls das mobile Ticket anzubieten.

Ich freue mich schon darauf und befürworte die Einführung dieser Innovation, die in anderen Bereichen des Lebens (Bahn, Flugzeug & Kino) für mich bereits zum Standard geworden ist.

Information & Entertainment bei PSG

Wie ich weiter oben schon beschrieben habe, habe ich mir die App von PSG heruntergeladen. Dabei habe ich nicht nur den möglichen Ticketkauf einmal simuliert, sondern die App auch als Entertainment Applikation getestet.

Ab und an verirren sich französischsprachige Inhalte in die englische Version der App. Ansonsten fällt diese aber vor allem durch ein meiner Meinung nach sehr innovatives und ansehnliches Design (ich mag die Farbe blau aber auch einfach sehr) auf.

Hinzu kommt die Verwendung von Bild- und Video-Content. In diesem Zusammenhang hat PSG gegenüber allen Bundesligisten massive Vorteile. Im Gegensatz zu den deutschen Fußballclubs, kann der französische Meister Zusammenfassungen der eigenen Spiele in der App zur Verfügung stellen.

Aufgrund der Rechtesituation ist dies in Deutschland nicht möglich. Das führte in jedem Fall dazu, dass ich die App mehrmals und vor allem für eine längere Zeit geöffnet hatte. Die Bundesliga-Apps, die ich bisher ausprobiert habe, haben es nicht geschafft, so viel Zeit meiner Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Hinzu kommt, dass PSG versucht, Gamification Elemente in die App mit einzubauen.

„Als Gamification wird die Anwendung spiel­typischer Elemente in einem spielfremden Kontext bezeichnet.“ [Wikipedia]

Somit möchte der Club die App für Fans spielerischer gestalten, damit diese die Anwendung noch häufiger – und vor allem während des Spiels – verwenden. Im Rahmen einer Quiz-Funktion können die Fans live gegeneinander antreten.

Hier findest Du ausgewählte Screenshots der App. Ich kann Dir nur empfehlen, diese bei Interesse selbst auszuprobieren.

Ausgewählte Impressionen aus der App von PSG
Ausgewählte Impressionen aus der App von PSG
  • A: Hier siehst Du den Home-Screen also den Startbildschirm, wenn Du die App aufrufst.
  • B: Auf diesem Bildschirm kannst Du Dir einen Sitzplatz aussuchen.
  • C: Diese Ansicht simuliert den Blick von Deinem ausgewählten Sitzplatz. Du kannst das Sichtfenster spielerisch anpassen.
  • D: Hier siehst Du den Log-In Bereich für das Live-Quiz während des Spiels.
  • E: Das mobile Ticket von PSG ist binnen Sekunden auf Deinem Smartphone.

Stadionerlebnis bei PSG

Das Stadionerlebnis bei PSG war etwas wirklich Besonderes. Nach einem Sightseeing-Tag ging es in den Prinzenpark im Pariser Westen. Die Anreise war unkompliziert. Anders, als ich es aus Hamburg gewohnt bin.

Drei Dinge sind mir dabei jedoch aufgefallen. Diese möchte ich einmal kurz mit Dir durchgehen.

Das Stadion an sich

Zugegeben, von außen ist der Prinzenpark nicht sonderlich schön.

Der Prinzenpark von PSG von außen
Der Prinzenpark von PSG von außen

Das Stadioninnere hat mich dafür umso mehr beeindruckt. Und das, obwohl ich tagsüber schon von Paris Sehenswürdigkeiten immer wieder zum Staunen gebracht wurde.

Das Innere vom Prinzenpark bei PSG
Das Innere vom Prinzenpark bei PSG

Das lag einerseits an der technischen Ausstattung. Im Prinzenpark ist rundum eine LED-Bande, angebracht, wie ich es sonst nur aus Multifunktions-Arenen kenne.

Andererseits war die Atmosphäre unter den Fans wirklich atemberaubend.

Die Atmosphäre

Viele Gegner von PSG mutmaßen, dass der Club keine Fanbasis hat. Das stimmt aber absolut nicht. Erstens war das Stadion restlos ausverkauft. Zweitens war die Stimmung im Stadion super.

Ich spreche zwar kein Wort französisch, habe PSG jedoch trotzdem irgendwie anfeuern können. Fußball verbindet. Und genau das liebe ich so an diesem Sport.

Am Ende hat das Star Ensemble leider verloren. Der Ausflug hat sich trotzdem allemal gelohnt.

Kontrollen, Kontrollen und nochmal Kontrollen

Ich habe noch nie so häufig meine Eintrittskarte vorzeigen müssen. Insgesamt musste ich sie vier Mal herausholen. Dafür werden die Gäste im Stadion persönlich an ihren Platz gebracht. Und das sogar in den ganz normalen Sitzplatz-Kategorien, in denen ich Platz genommen habe.

Besonders spannend fand ich zudem zwei Anekdoten, die an den Kontrollen stattfanden.

Einerseits durften meine Freundin und ich unseren Selfie-Stick nicht mit ins Stadion nehmen. Regenschirm und Trinkflasche waren hingegen erlaubt. Das kenne ich aus deutschen Stadien anders, war jedoch durchaus überrascht.

Andererseits wurde ein Vater mit seinen zwei kleinen Kindern (in voller PSG-Montur) an der Sicherheitskontrolle aufgehalten. Er wurde recht bestimmend gebeten, seine Jacke mit dem Emblem von Olympique Marseille auszuziehen. Zu Erinnerung: Der Gegner an diesem Tag hieß Stade Rennes.

Fazit zum Stadionbesuch bei PSG

Die Pariser machen einiges richtig. Einerseits machen sie es den Fans durch das mobile Ticket so einfach wie möglich ins Stadion zu gehen. Andererseits kann jeder Fan außerhalb von Paris über die sehr gelungene App auf dem Laufenden bleiben.

Darüber hinaus nutzt der Club die Stadt Paris im Hintergrund für das eigene Branding. Angefangen beim Logo bis hin zu verschiedenen Videos im Stadion: Immer wieder sind Eiffelturm & Co zu sehen.

Dies stützt meine These, dass das Einzugsgebiet beziehungsweise die Stadt einen enormen Einfluss auf das Image eines Clubs hat.

Außerdem ist der Club in Paris überall präsent. Von einem atemberaubend gut besuchten Flagship-Store auf der Champs Elysee bis hin zum Duty Free Shop am Flughafen. Überall lachten mich Neymar und seine Mannschaftskollegen an.

Ich freue mich schon auf meine weiteren internationalen Stadionbesuche und halte Dich auf dem Laufenden!


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