Rattenrennen in der Bundesliga

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Im letzten Beitrag ging es um das → Rattenrennen im Profifußball. Heute wollen wir die Frage beantworten, inwiefern die Bundesliga von dessen negativen Konsequenzen (Überinvestition & Überschuldung) betroffen ist.

Um diese Frage zu beantworten, führe ich drei einfache Analysen auf. Alle drei beleuchten für sich einen Teilaspekt des Rattenrennens. Insgesamt ergibt sich somit ein gutes Bild über den Zustand und die vergangene Entwicklung der Bundesliga in den letzten Jahren.

Wir analysieren die Gewinnsituation, die Entwicklung der Transfers sowie die Fremdkapitalquote der Bundesliga. Alle recherchierten Zahlen stammen aus den von der DFL veröffentlichten Bundesliga Reports verschiedener Jahre (→ 2016→ 2013, → 2010, → 2009). Demnach unterliegt die Analyse erneut dem Effekt der Auf- & Abstiege der Bundesliga und somit einer wechselnden Zusammenstellung.

Bei allen Analysen schauen wir uns lediglich vorwiegend relative Kennzahlen an, da diese um das Wachstum der gesamten Branche bereinigt sind. Absolute Werte würden demnach unser Urteil verzerren.

Nähere Erläuterungen zu den einzelnen Untersuchungen erfahrt Ihr in dem entsprechenden Abschnitt.

Gewinnsituation der Bundesliga

Wir schauen uns die Gewinnsituation der Bundesliga an, da eine negative Konsequenz des Rattenrennens die so genannte Überinvestition ist. Käme es in der Bundesliga wirklich zu Überinvestitionen, müssten wir dies an immer schlechter werdenden (negativen) Ergebnissen erkennen können.

Die folgende Grafik zeigt einerseits die Entwicklung der Umsatzrendite basierend auf den Gewinnen nach Steuern (engl. Earnings after taxes – EAT). Diese berechnet sich wie folgt:

Berechnung der Umsatzrendite (EAT)

Andererseits stellt sie die Anzahl der Clubs dar, die die jeweilige Saison mit einem positiven Ergebnis beendet haben.

Rattenrennen
Entwicklung der Gewinne in der Bundesliga sowie Clubs mit positivem Ergebnis von 2005/06 bis 2014/15

Schwankende Gewinne

Wie im Beitrag zur → Kommerzialisierung der Bundesliga stellen wir auch hier fest, dass die Gewinne in der Bundesliga stark schwanken. Dies ist auf den Fokus auf die sportliche Leistungsfähigkeit der Clubs zurückzuführen.

Lediglich in zwei von zehn Jahren erzielten die Clubs in der Bundesliga unterm Strich ein negatives Ergebnis. Spannend finde ich, dass die These je weniger Clubs ein positives Ergebnis erreichen, desto niedriger die Rendite in einigen Jahren nicht stimmt.

Daraus können wir ableiten, dass wenige Clubs die (immer höheren) Gewinne für sich beanspruchen, während die restlichen Clubs weiterhin Verluste erzielen.

Erstes Zwischenfazit

Aus der ersten Analyse ist erkennbar, dass die Clubs ihren Fokus nicht auf finanzielle Gewinne setzen. Nichts desto trotz können wir nicht belegen, dass sie ihre Finanzen komplett aus den Augen verlieren.

Basierend auf dieser Analyse können wir behaupten, dass die Bundesliga als Ganzes nicht von den negativen Konsequenzen des Rattenrennens betroffen ist.

Entwicklung der Transfers

Im letzten Beitrag habe ich erläutert, warum die Ratten den Ausgang des Rennens kurzfristig lediglich über den variablen Faktor Energie beeinflussen können. Erinnern wir uns nochmal an die verschiedenen → Aufwendungen der Bundesliga.

Neben den Personalaufwendungen für den Spielbetrieb sowie Handel & Verwaltung, geben Fußballclubs Geld für die Jugend, Transfers, den Spielbetrieb und Sonstiges aus.

Lediglich einer dieser Faktoren ist kurzfristig beeinflussbar und somit ein guter Indikator, ob die Fußballclubs ihre Investitionen erhöhen: Die Transferaufwendungen.

Aus diesem Grund stellt die folgende Grafik die Entwicklung der Transfererlöse (relativ zu den Gesamteinnahmen) und der Transferaufwendungen (relativ zum gesamten Aufwand) dar.

Rattenrennen
Entwicklung der Transfers in der Bundesliga von 2005/06 bis 2014/15

Aufwendungen > Erlöse

Die Transfers spielen auf der Aufwands-Seite eine größere Rolle, als auf der Erlös-Seite. Dieses Ungleichgewicht sagt vorerst nicht viel über den Zustand der Bundesliga im Hinblick auf das Rattenrennen aus.

Ein Vergleich beider Kurven ist für unsere Analyse unerlässlich. Es ist kein Geheimnis, dass die Ablösesummen auf dem Transfermarkt immer weiter steigen. Unter dieser Entwicklung können die Fußballclubs entweder leiden (wenn sie teure Spieler kaufen) oder von ihr profitieren (beim teuren Verkauf eigener Spieler).

Für uns ist somit die Entwicklung der beiden Kurven am interessantesten. Hierbei können wir feststellen, dass beide Kurven einen langsamen Aufwärtstrend erfahren.

Zweites Zwischenfazit

Von einem fortschreitenden Rattenrennen in Bezug auf die Bundesliga könnten wir sprechen, wenn der Abstand beider Kurven immer größer würde. Dies können wir nicht beobachten, weshalb ich auch nach der zweiten Analyse zu dem Schluss komme: Die Bundesliga als Ganzes befindet sich nicht im fortgeschrittenen Rattenrennen.

Fremdkapitalquote

Neben der Überinvestition leiden die Ratten in der Methapher von George Akerlof an Überschuldung. Um diese im Hinblick auf die Bundesliga zu untersuchen, stellt die folgende Grafik die Fremdkapitalquote dar. Diese berechnet sich wie folgt:

Berechnung der Fremdkapitalquote
Berechnung der Fremdkapitalquote

Um ein weiteres Mal eine Vorstellung von dem massiven Wachstum der Fußball-Branche zu bekommen, enthält die Grafik ebenfalls die absoluten Werte für die Bilanzsumme.

Rattenrennen
Bilanzsumme & Fremdkapitalquote der Bundesliga von 2006 bis 2015

Ein Hinweis für alle Buchhaltungs-Experten unter uns:

Im Gegensatz zu den beiden vorherigen Analysen beziehen sich die hier dargestellten Zahlen auf einen Stichtag (30.06. des jeweiligen Jahres). Der Grund liegt darin, dass es sich um Bilanzzahlen und nicht um Daten aus der Gewinn- & Verlustrechnung handelt. Diese wiederum beziehen sich immer auf eine bestimmte Periode.

Wachstum & relative Entschuldung

Die Bilanzsumme der Bundesliga stieg innerhalb der letzten zehn Jahre von ~ 1 Mrd. € auf über 2,5 Mrd. € (+ 150%). In derselben Zeit konnten die Fußballclubs der Bundesliga ihre relative Verschuldung reduzieren. Diese sank von ~ 62% auf unter 50% (~47%).

Drittes Zwischenfazit

Würde die Bundesliga unter dem Effekt der Überschuldung leiden, würde die Fremdkapitalquote immer weiter ansteigen. Wir können in der dritten Analyse das genaue Gegenteil beobachten. Aus diesem Grund komme ich auch in unserer letzten Untersuchung zu dem Schluss: Die negativen Konsequenzen des Rattenrennens wirken nicht auf die Bundesliga als Ganzes.

Abschließendes Fazit

Wenig überraschend komme ich abschließend zu dem Schluss, dass die Bundesliga weder von Überinvestition, noch von Überschuldung betroffen ist. Alle drei durchgeführten Analysen führen zu diesem Fazit.

Ich vermute, dass es das Phänomen des Rattenrennens in der Bundesliga dennoch gibt. Aller Voraussicht nach sind die Rahmenbedingungen nicht so ungerecht, wie in der Metapher. In dieser gab es weniger Energie zu gewinnen, als in Summe investiert wurde.

Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass das Rattenrennen in der Bundesliga etwas anders abläuft. Die guten Ratten, die an den internationalen Rattenrennen teilnehmen dürfen oder unerwartet gut abschneiden, nehmen mehr ein als sie ausgeben.

Die nicht erfolgreichen Ratten wiederum trifft genau das, was ich im letzten Beitrag beschrieben habe: Überinvestition & Überschuldung.

Was haltet Ihr von der These?

Ausblick

In der kommenden Woche widme ich mich genau dieser These und analysiere die → Überinvestitions- & Überschuldungstendenzen einzelner Clubs.


Digitalisierung des Fußballs

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4 thoughts on “Rattenrennen in der Bundesliga

  • 9. November 2016 um 20:47
    Permalink

    Moin Ralf,

    dieser und auch der vorherige Beitrag sind sehr aufschlussreich und ein spannendes Thema. Hast du sehr ausführlich recherchiert und nachvollziehbar aufgerissen. Klasse Arbeit. Ich hoffe die Krise des HSV erfährt noch vor der Winterpause eine kleine Trendwende. Es würde mich freuen, wenn es so kommt und der Faktor Zufall etwas unterstützt. Für den Brauseklub aus meiner Heimat läuft dagegen momentan vieles weit über den eigenen Erwartungen und auch der Chemnitzer FC scheint sportlich stabiler zu werden. Die 3. Liga ist irre eng beeinander. Im Unterhaus der Bundesliga ist es ähnlich spannend im Rennen um die begehrten oberen Plätze. Komm‘ gut durch die grauen Herbsttage.

    Antwort
    • 9. November 2016 um 21:41
      Permalink

      Lieber Andreas,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich freue mich immer so sehr über Dein Feedback! Wann immer Du Ideen oder Anmerkungen hast, freue ich mich darüber.

      Gerade im Aufbau würde es mir sehr helfen, wenn Du meinen Blog mit weiteren Interessenten teilst.

      Ich finde die Entwicklungen in den Ligen ebenfalls sehr spannend und hoffe als Hamburger, dass es irgendwann mal wieder Berg auf geht.

      Liebe Grüße und einen schönen Abend
      Ralf

      Antwort
      • 10. November 2016 um 11:38
        Permalink

        Hallo, Moin Ralf,
        die Auswertung finde ich sehr interessant – bisher hatte ich (ohne den statistischen Beleg) immer angenommen, dass diese Überfinanzierung & Überschuldung tatsächlich schon besteht … ich halte Dein Fazit allerdings für sehr plausibel. Die Schere zwischen arm und reich klafft immer weiter auseinander. Die, die an den internationalen Fleischtöpfen teilhaben, sind finanziell gut ausgestattet, andere haben kaum noch Chancen im Preis-Bieter-Wettbewerb im Transfermarkt mitzuhalten. – und dies wirkt sich auf die sportlichen Ergebnisse aus. Wobei Bayern München bisher der einzige war, der finanzielle Potenz auch wirklich 1:1 in sportliche Leistung umsetzen konnte – Konsequenz: in den vergangenen Jahren haben sie die BL beherrscht und sportlich langweilig gemacht.
        Aufgrund der Sondersituation RB Leipzig und einem gewissen Umbruch bei Bayern könnte in diesem Jahr eine Änderung eintreten – man darf nur gespannt sein, ob RB sich langfristig der Bayern-Strategie erwehren kann, Gegner durch Spieler-Transfers zu schwächen, die im Fall Dortmund in den vergangenen Jahren immer wieder gewirkt hat (Lewandowski, Götze). – hierbei sind natürlich auch noch auswärtige Einfluss, der gerade in diesem Jahr in Dortmund groß war (Gündogan, Mhkhitaryan), durch die immense Finanzkraft der englischen Clubs nicht zu verachten.

        Antwort
        • 12. November 2016 um 1:50
          Permalink

          Guten Abend Ralf,

          vielen Dank für Deinen tollen Kommentar! Ich kann Dir nur absolut zustimmen. Umso gespannter bin ich auf die Ergebnisse der Analyse in der kommenden Woche. Dann schaue ich mir verschiedene „Club-Cluster“ genauer an.

          Ich wünsche allen FuWi-Lesern ein schönes Wochenende!

          Antwort

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