3 Thesen zur Transferpolitik Deines Lieblingsclubs in der Saison 2017/18

3 Thesen zur Transferpolitik Deines Lieblingsclubs in der Saison 2017/18

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In den 5 beliebtesten Beiträgen aus dem Jahr 2017 ist mir aufgefallen, dass Analysen sehr gerne gelesen werden. Nach einem turbulenten Start in das Jahr 2018 folgt nun der erste Beitrag dieser Art. Es geht um die Transferpolitik und Ziele für die Saison 2017/18 in der Bundesliga.

Mit diesem Beitrag möchte ich auf die konstruktive Kritik zu meinen bisherigen Transferanalysen aus dem Sommer 2016, Winter 2017 und dem Sommer 2017 eingehen.

Deshalb möchte ich von einer bloßen Darstellung der Transfers zu einer Interpretation der Transferpolitik kommen.

Dabei möchte ich die Zielsetzung für die aktuell laufende Bundesliga-Saison 2017/18 aus der Transferpolitik der Bundesligisten ableiten.

Vorgehen zur Ableitung der Ziele

Es ist mal wieder so weit. Ich stelle mir eine Frage und muss mir ein Vorgehen überlegen, um diese zu beantworten. Heute geht es um folgendes:

Welche Ziele verfolgen die einzelnen Bundesligisten in der Saison 2017/18?

Ganz zu Anfang dieses Blogs haben wir uns angeschaut, wofür Fußballclubs Geld ausgeben. Folgende Kostentreiber haben wir damals identifiziert.

[ggf. Bild]

Die meisten dieser Kostentreiber sind dabei kurzfristig kaum von einem jeweiligen Fußballclub zu beeinflussen. Häufig habe ich deshalb schon die These geäußert, dass wir Ambitionen vor allem in der Entwicklung der Gehälter (Personalkostenquote) sowie an den Ausgaben auf dem Transfermarkt erkennen können.

Heute schaue ich mir dafür einzig und allein die Ausgaben auf dem Transfermarkt im Sommer 2017 sowie in der gerade erst geschlossenen Transferperiode des Winters 2018 an.

Daraus erhoffe ich mir Rückschlüsse auf die Zielsetzung der Clubs in der Saison 2017/18 ziehen zu können.

Rückblick: Transferperiode im Sommer 2017

In einem separaten Beitrag ging es schon um die folgenden Fragestellungen:

  1. Arten von Transfers: Welche Arten von Spielerverpflichtungen (Käufe, Leihen etc.) waren zur Bundesliga 2017/18 wie stark vertreten?
  2. Transfersalden: Welcher Club hat zur Bundesliga 2017/18 unterm Strich wie viel Geld auf dem Transfermarkt eingenommen bzw. ausgegeben?
  3. Transferaktivität: Wie aktiv waren die einzelnen Clubs zur Bundesliga 2017/18 auf dem Transfermarkt?
  4. Durchschnittsalter: Wie alt waren die Zu- & Abgänge aller Clubs zur Bundesliga 2017/18 durchschnittlich?

Heute geht es uns um eine Kombination der zweiten Fragestellung mit dem tatsächlichen sportlichen Erfolg.

Transfersalden vor der Saison 2017/18

Das sieht dann in etwa so aus.

Transfersalden der Bundesligisten vor der Saison 2017/18 - geordnet nach Tabellenplatz 2016/17
Transfersalden der Bundesligisten vor der Saison 2017/18 – geordnet nach Tabellenplatz 2016/17

Die Daten hierfür habe ich mal wieder von Transfermarkt.

Hier können wir ablesen, welche Clubs nach Verrechnung von Transfereinnahmen und -ausgaben vor Beginn der Saison 2017/18 wie viel Geld ausgegeben hat. Die Reihenfolge beruht hierbei auf der Abschlusstabelle 2016/17.

Die Aufsteiger VfB Stuttgart und Hannover 96 habe ich an 17. und 18. Position aufgeführt.

Interpretation für die Zielsetzung zur Saison 2017/18

Hinter der Interpretation dieser Daten liegen folgende Thesen:

1. Wenn ein Club sich sportlich verbessern möchte, wird er auf dem Transfermarkt investieren. Der Transfersaldo wäre demnach negativ.

2. Sollte ein Club in der Saison 2016/17 wesentlich besser abgeschnitten haben als zu erwarten, wird er aufgrund des Big Push-Effektes Spieler abgeben müssen. Der Transfersaldo wäre somit positiv.

Soweit so gut.

Diese Clubs investieren für die Saison 2017/18

Folgende Clubs fallen unter die erste These, nach derer sie auf dem Transfermarkt investieren, um ihre sportliche Leistung zu verbessern: Bayern München, RB Leipzig, Werder Bremen, Borussia Mönchengladbach, Schalke 04, Eintracht Frankfurt, Hamburger SV, VfL Wolfsburg, VfB Stuttgart, Hannover 96 und der FC Köln.

Natürlich investieren die Aufsteiger, um in der ersten Bundesliga mithalten zu können und nicht sofort wieder abzusteigen. Gleiches gilt für die Niedersachsen aus Wolfsburg. Nach einem katastrophalen Jahr 2016/17 soll es in der Saison 2017/18 wieder etwas ruhiger werden.

Der HSV läuft seinem sportlichen Anspruch schon seit Jahren hinterher.

Beeindruckend finde ich, dass sowohl der Meister als auch der Vizemeister kräftig investieren. Auf der einen Seite haben diese Clubs nach einer erfolgreichen Saison natürlich einige finanzielle Mittel zur Verfügung.

Auf der anderen Seite zeigt dies aber auch, dass unermüdlicher Ehrgeiz sowohl den Rekordmeister als auch RB Leipzig erst an die Spitze gebracht haben. Und dort wollen beide Clubs augenscheinlich bleiben. Zumal die roten Bullen dieses Jahr zum ersten Mal international antreten durften.

Zum FC Köln möchte ich noch eine ausführlichere Anmerkung machen.

Wir wissen schließlich alle, wie katastrophal die Saison 2017/18 für die Kölner verlaufen ist (Stand 22. Spieltag). Allerdings trügen die Zahlen hier auch. Anthony Modeste wechselte nach der Saison 2016/17 vom FC in die Chinese Super League zum TJ Quanjian. 

Dafür bekam der FC Köln lediglich eine Leihgebühr in Höhe von 5,7 Millionen €. Die Ablösesumme wird erst am 01. Juli 2018 fällig. Dann fließen erneut 29 Millionen € in die Kassen des FC. Würden wir diese jetzt schon mit einberechnen, wäre der Transfersaldo der Kölner definitiv positiv. Und sie wären der zweiten These zuzuordnen.

Diese Clubs verdienen Geld auf dem Transfermarkt

Genau wie die folgenden Clubs: Borussia Dortmund, TSG Hoffenheim, Hertha BSC Berlin, SC Freiburg, Bayer 04 Leverkusen und der FSV Mainz 05. 

Bei der Borussia aus Dortmund wird natürlich deutlich, wie stark Einmaleffekte die Auswertung beeinflussen. Für 105 Millionen € wechselte Ousmane Dembélé im Sommer 2017 zum FC Barcelona.

Damit ist dieser eine Transfer natürlich für den positiven Transfersaldo verantwortlich. Diesen Umstand könnte man als Anlass zur Kritik an meiner Auswertung nehmen. Einerseits stimme ich da zu. Andererseits zeigt dieser Transfer, dass der Kader der Borussen nach dem Transfer vermutlich weniger attraktiv war als vorher.

Sowohl sportlich als auch finanziell / wirtschaftlich. Wir wissen schließlich alle, dass ein Spieler den Unterschied in einer Partie machen und diese entscheiden kann.

Bei allen anderen eben genannten Clubs sind jedoch mehrere Transfers für das positive Ergebnis verantwortlich.

Zu der Entwicklung bei der Werkself aus Leverkusen möchte ich allerdings auch noch ein paar Worte verlieren. Trotz des positiven Transfersaldos würde ich die Entwicklung vor der Saison 2017/18 nicht als Beweis für den Big Push sehen.

Schließlich waren die Leverkusener alles andere als zufrieden mit ihrer Saison. Die Abgänge von Hakan Calhanoglu, Kevin Kampl, Chicharito und Ömer Toprak würde ich nicht darauf zurückführen, dass der Club sportlich so gut abgeschnitten hat. Im Gegenteil.

Ich könnte mir vorstellen, dass alle Spieler sich zu sportlich Höherem berufen fühlten und es nicht nur darum ging, dass die Gehaltsvorstellungen bei Bayer nicht erfüllt werden konnten (was der Big Push-Effekt besagt).

Die Effekte der Transferpolitik

Das Aufstellen von Thesen ist ja schön und gut. Ich möchte mir jetzt aber mit Dir gemeinsam anschauen, was diese Transferpolitik zur Saison 2017/18 bewirkt hat.

Deshalb stelle ich eine dritte These auf.

3. Ein negativer Transfersaldo (= Investition in den Kader) führt zu einer qualitativen Verbesserung des Teams und somit wahrscheinlich zu einem besseren Tabellenplatz. Beim positiven Transfersaldo ist es genau umgekehrt.

Nachfolgend stelle ich diese These auf die Probe. Du siehst nahezu die gleiche Darstellung wie oben. Nur diesmal mit der Veränderung des Tabellenplatzes. Als Stichtag habe ich den 20. Spieltag gewählt, da direkt im Anschluss das Transferfenster im Winter 2018 geschlossen wurde und noch eine weitere Analyse folgt.

Transfersalden zur Saison 2017/18 und Veränderung im Tabellenplatz bis zum 20. Spieltag
Transfersalden zur Saison 2017/18 und Veränderung im Tabellenplatz bis zum 20. Spieltag

Jetzt möchte ich einmal prüfen, bei welchen Clubs meine 3. These stimmt und bei welchen nicht.

3. These trifft bei 11 (bzw. 13) Clubs zu

Bei 11 Clubs (Borussia Dortmund, TSG Hoffenheim, Herthe BSC Berlin, SC Freiburg, Borussia Mönchengladbach, Schalke 04, Eintracht Frankfurt, FC Augsburg, VfL Wolfsburg, VfB Stuttgart und Hannover 96) trifft die dritte These zu.

Diese Clubs erzielen einen negativen (positiven) Transfersaldo und schaffen es, sich zu verbessern (verschlechtern).

Zwei Hinweise sind mir hierzu noch wichtig.

  1. Der FC Bayern hat sich trotz massiver Investitionen in den Kader in Bezug auf die Platzierung in der Bundesliga nicht verbessert. Das ist als Meister auch schwierig, weshalb ich den Rekordmeister auch in die Kategorie „3. These trifft zu“ einordne.
  2. Auch den FC Köln würde ich aus oben genannten Gründen mit hinzuzählen. Auch wenn der Abgang des ehemaligen französischen Topstürmers sich noch nicht im Transfersaldo bemerkbar macht, ist es eindeutig, dass die Qualität des Kaders darunter gelitten hat.

Insofern trifft meine These bei 13 von 18 Bundesligisten zu. Keine schlechte Quote, wie ich finde :-).

Entwicklungen von 5 Clubs lassen sich so nicht erklären

Bei RB Leipzig, Werder Bremen, Bayer 04 Leverkusen, dem Hamburger SV und Mainz 05 trifft meine These nicht zu. Dementsprechend schwer fällt es mir, die Entwicklungen zu erklären.

Am beeindruckensten ist sicherlich die Entwicklung der Werkself. Obwohl diese mit einem Plus von knapp 26 Millionen € den zweitgrößten Transfersaldo erwirtschaften konnte, hat sie sich sportlich massiv verbessert.

Dieses Beispiel zeigt, dass man sich sportlichen Erfolg eben doch nicht nur auf dem Transfermarkt kaufen kann. Oder aber, dass Bayer Leverkusen in der vergangenen Saison einfach nur weit unter seinen Möglichkeiten geblieben ist.

Weitere mögliche Erklärungen sind klassische Fehlinvestitionen (getätigte Investitionen zahlen sich nicht aus) bzw. ein verzögerter Effekt (Investitionen zahlen sich zu späterem Zeitpunkt aus).

Ausblick: Transfersalden im Winter 2018

Abschließend möchte ich mir mit Dir noch einmal die Investitionen der 18 Bundesligisten mitten in der laufenden Saison 2017/18 anschauen. Hierzu habe ich die gleiche Auswertung angewendet, wie weiter oben und mir die Daten für die Winter-Transferperiode (ebenfalls von Transfermarkt) besorgt.

Das Bild sieht wie folgt aus.

Transfersalden im Winter der Saison 2017/18 und sportliche Entwicklung zur Vorsaison
Transfersalden im Winter der Saison 2017/18 und sportliche Entwicklung zur Vorsaison

Auffallend sind hierbei aus meiner Sicht mehrere Dinge:

  1. FC Bayern München investiert erneut am stärksten. Die Münchener entwickeln ihren Kader somit stetig weiter. Es bleibt abzuwarten, inwieweit diese Effekte sich auch international bemerkbar machen.
  2. Borussia Dortmund ist erneut der Club mit dem größten (positiven) Transfersaldo. Genau wie im Sommer ist mit dem Abgang von Pierre-Emerick Aubameyang ein Einmaleffekt dafür verantwortlich. Es bleibt abzuwarten, ob die Borussen diesen weiteren Abgang langfristig kompensieren können.
  3. Im Abstiegskampf wird investiert. Zumindest bei Werder Bremen, FC Köln, VfL Wolfsburg und dem VfB Stuttgart. Der HSV konnte sich keine Transfers leisten und Mainz 05 erwirtschaftet sogar einen positiven Transfersaldo.

Abschließend noch ein paar Worte zum Rekordmeister

Da die Münchener in dieser Analyse mehrfach aufgefallen sind, möchte ich abschließend noch ein paar Worte zum Rekordmeister verlieren.

Die stetige Weiterentwicklung und Investition in den Kader zeigt, wie hart der Club daran arbeitet, immer besser zu werden. Somit wird auch deutlich, dass die eigentlichen Ziele des Rekordmeisters im internationalen Geschäft liegen. Andernfalls könnte der FC Bayern München sich nach 5 Meisterschaften in Folge etwas zurückhalten.

Tun sie aber nicht und genau diese Mentalität (zusammen mit etwas Glück und viel Verstand) macht den Erfolg auf und neben dem Platz aus.

Außerdem geht es bei neuen Verpflichtungen nicht immer nur um Soforthilfen der aktuellen ersten Elf. Darüber hinaus haben Neuverpflichtungen noch drei weitere positive Effekte.

  1. Erhöhung des Konkurrenzkampfes im Kader: Im positiven Sinne werden die vorhandenen Spieler durch mögliche Konkurrenten auf der eigenen Position gezwungen, sich selbst stetig weiter zu entwickeln.
  2. Langfristige Kaderentwicklung: Durch die frühzeitige Verpflichtung von Talenten kann der Kader für die Zukunft – wesentlich günstiger – aufgestellt werden.
  3. Ermöglichung von Rotation: Gerade der FC Bayern spielt meistens bis zum Ende der Saison um drei Titel mit. Durch die zahlreichen Spiele werden alle Spieler enorm beansprucht. Deshalb ist es unerlässlich, einen breiten Kader zum Rotieren zur Verfügung zu haben.

Insgesamt können wir also festhalten, dass die Bundesligisten zur Saison 2017/18 ganz unterschiedlich auf dem Transfermarkt agiert haben. Das gilt sowohl für den Sommer 2017, als auch für die gerade erst abgeschlossene Winter-Transferperiode.

Dabei verfolgen die Clubs natürlich unterschiedliche Zielsetzungen. Auch die finanziellen Ausgangssituationen lassen sich nicht eins zu eins vergleichen.

Bis zu einem kompletten Verständnis der Transfer- bzw. Vereinspolitik ist es somit noch ein weiter Weg. Ich hoffe, mit diesem Beitrag einen Grundstein dafür gelegt zu haben.


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