Wie steht es um die Spannung im Fußball?

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Die Spannung im Fußball treibt uns regelmäßig ins Stadion und vor die Fernseher. Im letzten Beitrag haben wir gesehen, wie → wichtig die Spannung für unseren Lieblingssport ist.

Heute wollen wir uns anschauen, wie es um die Spannung im Fußball bzw. der Bundesliga bestellt ist. Und wie sich diese in der Vergangenheit entwickelt hat.

Wir untersuchen Spannung auf Saison-Ebene

Die Spannung im Fußball können wir auf verschiedenen Ebenen untersuchen. Neben der Spannung in einzelnen Spielen, können wir uns eine gesamte Saison anschauen.

Aufgrund der Einfachheit entscheide ich mich für den zweiten Weg. Wir untersuchen die Spannung im Fußball für eine gesamte Spielzeit.

Vieles muss möglich sein

Darüber hinaus müssen wir Spannung im Fußball für unsere Untersuchung etwas greifbarer machen.

Spannung bedeutet in diesem Sinne für mich Folgendes: Auch vor Ende der Saison sollte jede Liga so spannend wie möglich sein. Nach wie vor sollte jeder Club – zumindest rein rechnerisch – noch eine große Spannbreite an Endplatzierungen erreichen können.

Demnach ist es für mich als Zuschauer beispielsweise nicht spannend, wenn ich seit dem 25 Spieltag weiß, wer Meister wird und wer absteigt. Je länger diese Entscheidungen offen sind, desto spannender.

Grenzenlose Analysemöglichkeiten

Vor uns breitet sich eine Landschaft voller Ansätze aus, die wir zur Analyse verwenden können. Genannt seien zum Beispiel:

  • Wettquoten: Über die Wettmärkte können wir im Fußball unglaublich viel messen. Beispielsweise haben wir uns in der Vergangenheit dazu der Frage genähert, welche Rolle der → Zufall im Profifußball spielt. Für die heutige Fragestellung könnten wir prüfen, inwiefern die Wettquoten in der Bundesliga sich für verschiedene Clubs annähern (hohe Spannung) oder entfernen (niedrige Spannung).
  • Anzahl geschossener Tore: Meiner Ansicht nach sollte die Summe aller Spiele möglichst knapp ausgehen, damit das Endergebnis (die Tabelle) ebenfalls möglichst spannend bleibt. Je geringer die Tordifferenzen der einzelnen Clubs sind, desto spannender wäre die Liga.
  • Erreichte Punktzahl: Je enger die Abschlusstabelle der Bundesliga ist, desto spannender war vermutlich die Saison.

Der letztgenannte Ansatz ist für die vorliegende Fragestellung (Saisonbetrachtung) am besten geeignet. Schließlich geben Wettquoten nur Erkenntnisse darüber, wie spannend die Spiele / Saison erwartet werden.

Die geschossenen Tore hingegen könnten über die Spieltage so verteilt sein, dass das konsolidierte Bild am Ende der Saison nicht der Wahrheit entspricht.

Status Quo in Deutschland, England & Spanien

Zuerst möchte ich gerne eine Bestandsaufnahme machen. Dazu schauen wir uns die Abschlusstabellen der drei Top-Ligen aus Deutschland, England & Spanien der vergangenen Saison an.

PlatzClubPunkte
1FC Bayern München88
2Borussia Dortmund78
3Bayer 04 Leverkusen60
4Bor. Mönchengladbach55
Analyse zur Spannung im Fußball: Abschlusstabelle Bundesliga 2015/16

 

PlatzClubPunkte
1Leicester City81
2FC Asenal71
3Tottenham Hotspur70
4Manchester City66
Analyse zur Spannung im Fußball: Abschlusstabelle Premier League 2015/16

 

PlatzClubPunkte
1FC Barcelona91
2Real Madrid90
3Athlético Madrid88
4FC Villareal64
Analyse zur Spannung im Fußball: Abschlusstabelle Primera División 2015/16

 

Ich finde es hoch interessant, wenn wir uns die Punktedifferenzen zwischen dem Meister und dem Viertplatzierten anschauen. In England beträgt der Unterschied 15 Punkte. Innerhalb von 5 Spielen könnte der Vierte demnach theoretisch den Ersten einholen.

In Spanien (27 Punkte) und Deutschland (33 Punkte) ist dieser Abstand um einiges größer. Das bedeutet, dass es 9 bzw. 11 Spieltage bräuchte, um die Verhältnisse umzudrehen.

Auf den ersten Blick klingt das wenig spannend. Außerdem überraschte es mich, dass die englische Liga, trotz der fortgeschrittenen Kommerzialisierung, spannender sein soll als die deutsche und spanische. Es handelte sich hierbei jedoch nur um eine Bestandsaufnahme.

Um den Fokus auf die Spannung in der Bundesliga zu konzentrieren, widmen wir uns im Folgenden der Entwicklung der Bundesliga.

Bundesliga im Zeitverlauf

Dazu habe ich über einen Zeitraum von zwölf Saisons die Punktzahl ausgewählter Platzierungen beobachtet.

Punktedifferenz zwischen ausgewählten Platzierungen

Ich entschied mich wie oben für den jeweiligen Meister sowie den Viertplatzierten. Außerdem schaute ich mir an, wie viele Punkte der Letzte, sowie der beste Nichtabsteiger (ungeachtet der Relegation nahm ich Platz 15) erzielen konnte.

Spannung im Fußball
Spannung im Fußball: Punktzahlen ausgewählter Platzierungen der Bundesliga im Zeitverlauf

1. Steigender Trend bei der Punktzahl der Meister

Die erste Erkenntnis, die wir aus dem oben gezeigten Schaubild ziehen können, ist der ansteigende Trend in der Punktzahl der Meister.

Obwohl der erste dargestellte Wert mit 77 Punkten bereits relativ hoch lag, bewegte sich die Punktzahl des Meisters in drei der letzten vier Saisons im Bereich von 90. Der dabei erzielte Höchstwert liegt bei 91 Punkten in der Saison 2012/13.

2. Restliche Punktzahlen ohne klaren Trend

Selbstverständlich sind die Punktzahlen der anderen drei Platzierungen keinesfalls konstant. Über den gesamten Zeitverlauf ließe sich jedoch nur schwer ein klarerer Trend erkennen.

Nach Zick-Zack-Bewegungen sind die drei anderen Platzierungen nach wie vor nah an dem Ausgangsniveau der Saison 2004/05.

3. Spannende Meisterschafts- und Abstiegskämpfe erkennbar

Aus den Schwankungen können wir dennoch lesen, wann es besonders spannend war: Der Meisterschaftskampf muss in der Saison 2008/09 sehr spannend gewesen sein. Lediglich 6 Punkte trennen hierbei den Meister vom Viertplatzierten.

[Natürlich kann es auch in den anderen Jahren besonders spannend gewesen sein. Es ist durchaus denkbar, dass weniger als vier Mannschaften um die Meisterschaft kämpften. Das ist aus den erhobenen Daten jedoch nicht heraus zu lesen.]

In derselben Saison war der Abstiegskampf sehr eng. Lediglich drei Punkte trennten den letzten der Bundesliga vom rettenden Ufer – dem 15. Platz. Wir können demnach davon ausgehen, dass die Entscheidung für oder gegen den Klassenerhalt bzw. Abstieg erst am letzten Spieltag gefallen ist.

Ähnlich spannend war es in der Saison 2014/15. Hier betrug der Abstand vier Punkte.

Fazit: Spannung im Fußball leidet – etwas

Kein Fußballfan mag es, wenn sein Club im Abstiegskampf ist. Aber, dass dieser ein Garant für Spannung ist, unterschreibt womöglich ebenfalls jeder.

Die beiden roten Linien bewegen sich über den Zeitverlauf nicht im Trend voneinander weg. Das bedeutet, der Abstiegskampf war spannend, ist spannend und wird es auch hoffentlich in der Zukunft bleiben.

Anders sieht es im Titelkampf aus. Die Fläche zwischen den beiden blauen Linien wird mit der Zeit immer größer. Demnach wird der Titelkampf einseitiger. Keinesfalls muss aber zwangsläufig frühzeitig klar sein, wer die Meisterschaft gewinnt.

Wir sehen jedoch, dass sich der Kampf um die Meisterschaft auf weniger Clubs verteilt als noch in der Vergangenheit.

Bemerkenswert finde ich ein Zahlenbeispiel aus der vergangenen Saison: Der Viertplatzierte hatte nach dem 34. Spieltag eine größere Punktedifferenz zum Meister (33 Punkte), als zum Letzten der Bundesliga (30 Punkte).


Digitalisierung des Fußballs

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2 thoughts on “Wie steht es um die Spannung im Fußball?

  • 18. Januar 2017 um 12:36
    Permalink

    Moin Ralf,
    die Auswertung der Daten macht das deutlich, was man gefühlt wahrnimmt … die Spannung im Meisterschaftskampf wird geringer, der Meister steht in den letzten 5-6 Jahren recht frühzeitig fest. – noch eklatanter wären die Ergebnisse, wenn man mal den Punktabstand 1. – 2. Platz seit Bundesliga-Gründung vergleicht – ich vermute, ohne es ausgewertet zu haben, dass die letzten 6 Jahre allesamt in der Klasse der 25 größten Abstände vertreten sein werden.
    Anders sieht es bei den Abstiegsentscheidungen aus. -grundsätzlich belegt dies wieder die Ausgeglichenheit der Bundesliga unterhalb der obersten 3-4 Mannschaften.

    Ich habe hier einmal ausgewertet den Zeitraum 5 / 10 Jahre Platz 1-4:
    in den letzten 5 Jahren haben nur 6 Vereine Platz 1-4 belegt, wobei VfL Wolfsburg nur 1x,
    Schalke 04 und Bor. Mönchengladbach 3x, Dortmund und Leverkusen 4x, Bayern München 5x.
    im 10 Jahres-Vergleich sind es 11 Mannschaften, wobei die 4 mit den geringsten Werten zusammen nur auf 5 Platzierungen kommen ( HSV, Hertha BSC, Hannover 96 je 1x, VfB Stuttgart 2x), Werder Bremen, Mönchengladbach und Wolfsburg je 3x – hier zeigt sich aber auch eine Kräfteverschiebung, die Bremen Platzierungen sind allesamt in den ersten 3 Jahren des Zeitraums gewesen, Mönchengladbach nur in den vergangenen 5 Jahren. dann folgen noch Dortmund 5x, Schalke und Leverkusen 6x, sowie Bayern München 10x.
    über den gesamten Zeitraum erreichen die Top4 67.5% der Plätze 1-4, die ja auch die Champions League Plätze sind und damit die Teilhabe an großen finanziellen Möglichkeiten.

    Was heißt das jetzt für die Spannung? ein 2- oder 3-Kampf kann sehr wohl spannend sein, sieht man ja in Spanien, dort sind seit Jahren 3 Teams – Real und Atletico Madrid und FC Barcelona – immer nur wenige Punkte auseinander. Hier sind die Quoten der Plätze 1-4 im 10-Jahres-Vergleich sicher noch höher als in der Bundesliga. Nur diesen Kampf um Platz 1 haben wir in der Bundesliga schon seit Jahren nicht mehr gehabt. in dieser Saison ist es ja erstmals seit 2011/12, als Bayern auch mit 3 Punkten vor Dortmund führte und sogar die Meisterschaft noch um 8 Punkte verlor, nur ein 3 Punkte Abstand zwischen 1. und 2. zur Winterpause.
    Betrachtet man die Bundesliga-Meister seit Gründung hat es in der ersten Dekade von 1963/64 bis 1972/73 8 verschiedene Meister gegeben, am „einseitigsten“ war es von 1993/94-2002/03 mit nur 3 Meistern, wobei Bayern München 6 Titel, Borussia Dortmund 3 und 1.FC Kaiserslautern 1 – den wohl überraschendsten seit Eintracht Braunschweig 1967 – holte. Wobei wir von heute zurückgesehen in den vergangenen 10 Jahren auch nur 4 verschiedene Meister hatten, Stuttgart liegt nun schon 10 Jahre zurück und Wolfsburg auch bereits 8.

    Trotz alle dieser Wahrnehmungen und Berechnungen ist der Zuschauerschnitt in den vergangenen Jahren konstant hoch und immer weiter gestiegen. Warum ist das so?
    Dafür habe ich keine Erklärung – nehme ich doch in meinem Umfeld, mag allerdings eine „Alterserscheinung“ bei Menschen zwischen 40 und 60 sein, abnehmendes Interesse an der Bundesliga wahr … vielleicht ist es aber auch Nostalgie, weil wir uns die weniger kommerzielle Bundesliga unserer Jugend und Kindheit in den 70-ern und 80-ern zurücksehnen. Die jüngere Generation ist sehr wohl nach wie vor voll der Begeisterung und nutzt kommerzielle Angebote im Stadion, TV und Internet.

    Antwort
    • 20. Januar 2017 um 18:14
      Permalink

      Hi Ralf,

      vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Wenn Du magst, können wir uns Deine Daten nochmal etwas detailliert anschauen und sie separat (inkl. grafischer Aufbereitung) hier veröffentlichen. Dann erfahren sie höherer Aufmerksamkeit und sind leichter verdaulich :-). Wenn Du Dich dazu nicht bei mir meldest, schreibe ich Dich demnächst an! Deine Ansätze finde ich jedenfalls super spannend!

      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
      Ralf

      Antwort

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