Was die Bundesliga von den Swim Race Days lernen kann

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Vorletzte Woche habe ich ein Plädoyer für mehr Experimentierfreude in der Bundesliga verfasst. Daraufhin entstand mein Kontakt zum SV Westfalen, der die Swim Race Days veranstaltet.

Heute möchte ich Euch von meinem Gespräch mit dem ersten Vorsitzenden berichten. Dabei bin ich ebenfalls etwas experimentierfreudig, da wir mit diesem Beitrag erstmals die Erkenntnisse aus einer anderen Sportart auf den Fußball beziehen.

Darüber hinaus wird eine meiner 8 Fragen, die über die Zukunft des Fußballs entscheiden in diesem Beitrag ebenfalls beantwortet. Los geht’s.

Begeisterung der Fans als Erfolgsfaktor

Einmal jährlich veranstaltet der SV Westfalen einen Schwimmwettkampf. Ich kenne diese Veranstaltungen aus meiner Jugend zu gut, denn ich bin selbst jahrelang leistungsbezogen geschwommen. Ein Turnier fühlt sich in etwa so an:

Früh aufstehen, lange Anreise, den ganzen Tag im Schwimmbad mit Hunderten weiteren Schwimmern und deren Eltern, ungefähr fünf Wettkämpfe mit einer Länge von je einer Minute, dementsprechend langen Wartezeiten, kaum Sauerstoff und Kopfschmerzpotenzial.

Wenn es gut läuft, kann zum Ende des Tages wenigstens der ein oder andere Erfolg gefeiert werden.

Zugegeben, ich habe die Wettkämpfe gerade sehr unattraktiv dargestellt. Das Ziel zur Begeisterung der Fans scheint in weiter Ferne.

Trotzdem können wir in diesem Beitrag eine der 8 Fragen, die über die Zukunft des Fußballs entscheiden beantworten.

„7. Wie begeistere ich meine Fans zukünftig?“

Dabei schauen wir uns an, was der SV Westfalen gemacht hat. Die Verantwortlichen haben gemerkt, dass ihr Wettkampf an Attraktivität verliert. So wurden die Swim Race Days ins Leben gerufen.

Aus alt mach neu

Viele der oben beschriebenen vermeintlich negativen Eigenschaften eines Schwimmwettkampfes lassen sich nur schwer bekämpfen. Die Veranstalter haben es trotzdem teilweise geschafft.

Halbierung der Hallenzeit

Bestimmt hast Du Dich noch nicht allzu häufig gefragt, wie ein Schwimmwettkampf organisiert ist, oder? Wie so häufig im Leben, gibt es dafür mehrere Möglichkeiten.

Traditionell werden die Wettkampftage anhand der vier Lagen (Delfin bzw. Schmetterling, Rücken, Brust und Freistil) sowie Staffeln organisiert. Ein Schwimmer, der sich in allen Lagen mit seinem Jahrgang messen möchte, muss somit zwangsläufig den ganzen Tag in der Halle sein.

Bei den Swim Race Days wurde es bewusst anders gemacht. Statt der bisherigen Organisation anhand der Lagen stellte der SV Westfalen die Organisation auf die Jahrgänge um.

Üblicherweise messen sich die ambitionierten Schwimmer während eines Wettkampfes lediglich mit ihren Altersgenossen. Teilnehmer von Schwimmwettkämpfen warten dadurch lange auf ihre Starts, da jede Strecke von allen Jahrgängen geschwommen wird – das dauert je nach Schwimmlage mehrere Stunden.

Um die Wartezeiten zu verkürzen, trennte der SV Westfalen die Jahrgänge: Morgens schwimmen die jüngeren Teilnehmer die gleichen Strecken wie die älteren Teilnehmer am Nachmittag. Somit bekommt auch der Nachwuchs eigene Finalläufe und eine Bühne, um erste Erfahrungen im Rampenlicht zu sammeln.

Ersparnis: ein halber Tag und jede Menge zusätzlicher Sauerstoff, da es in den Hallen wirklich stickig werden kann.

Branding der Swim Race Days

Normalerweise messen sich Schwimmer über Schwimmwettkämpfe. Klingt der Name Swim Race Days für Dich nach einem Wettkampf? Für mich klingt es nach einem Event. Bereits die Namensgebung zeigt und daher, dass der SV Westfalen nach Größerem strebt.

Das lässt auch der Webauftritt sowie die Profile in den sozialen Netzwerken (bspw. Facebook) vermuten.

Während der Webauftritt des dahinterliegenden Vereins mich als Betrachter nicht gerade umhaut, beeindruckt mich die Bildhaftigkeit der Auftritte für die Swim Race Days.

Natürlich könnte man sich jetzt fragen: Warum braucht es eigene Webpräsenzen für einen Schwimmwettkampf?

Die Antwort ist ganz einfach:

  1. Die Swim Race Days sind kein einfacher Schwimmwettkampf, sondern ein Event.
  2. Mit separaten Präsenzen lässt sich viel besser Marketing betreiben.

Marketing-Experiment

In meinem Beitrag für mehr Experimentierfreude in der Bundesliga habe ich mich – inspiriert durch die Online Marketing Konferenz 2017 in Lüneburg – unter anderem für mehr Facebook-Werbung ausgesprochen.

Nicht, weil ich Werbung so mag, sondern weil das Potenzial riesig ist.

Das hat auch der SV Westfalen erkannt und ein dreistelliges Budget innerhalb von vier Wochen ausgegeben. Fazit:

„Damit erreichst Du jede Menge Interessenten“ [Uwe Weckelmann – 1. Vorsitzender des SV Westfalen]

Bei Facebook wird aber nicht nur Geld ausgegeben.

Begeisterung der Fans über Facebook Live

So ein Schwimm-Event dauert wie bereits geschrieben ziemlich lange. Es ist ähnlich wie in der Leichtathletik. Die wirklich spannenden Rennen finden erst nach einer Vielzahl an Vorrunden und Qualifikations-Rennen statt.

Diese spannenden Rennen – die Finals – werden allerdings während der Swim Race Days live bei Facebook übertragen. So kann wirklich jeder Interessierte (Facebook-Nutzer) die Entscheide verfolgen. Sollte ich im März nicht live dabei sein können, werde ich mir auf jeden Fall das eine oder andere Rennen im Stream anschauen.

Insbesondere das Elimination Race möchte ich gerne miterleben.

Jedes Event braucht ein Highlight

Um den Swim Race Days ein geeignetes Finale zu geben, haben sich die Verantwortlichen von ihren Kollegen aus den USA inspirieren lassen und ein neues Format eingeführt: Das Elimination Race.

Normalerweise läuft ein Schwimmwettkampf so ab, dass die Vorrundenläufe auf das Finale zulaufen. In einem Rennen wird dann der Sieger ermittelt. Beim Elimination Race ist es etwas anders.

Die Qualifikation erfolgt Jahrgangsübergreifend (zumindest für die älteren Teilnehmer, die nachmittags dran sind) über die jeweilige Zeit in 200 Meter Lagen. Dabei werden alle Stile hintereinander und ohne Unterbrechung geschwommen.

Das Elimination Race hat als Abschluss der Swim Race Days jedoch einen anderen Modus. Abgesehen davon, dass die gesamte Halle in eine Disco verwandelt wird, wird beispielsweise der Zufall explizit mit in das Rennen einbezogen.

Die Schwimmer gehen bei größter Partystimmung an den Start und erfahren erst dann über einen Zufallsgenerator, der an einer großen Leinwand ist, welche der vier Lagen nun 50 Meter) geschwommen wird.

Swim Race Days
Gänsehautstimmung beim Elimination Race der Swim Race Days

Nach Abschluss des Rennens mit in der Regel 8 Startern scheiden die schlechtesten zwei aus – sie werden „eliminiert“. Es folgt eine kurze Pause, in der das andere Geschlecht die erste Runde durchführt.

Trotz aller Innovation wird bei dem sportlichen Wettkampf nach wie vor zwischen Männern und Frauen unterschieden. Das macht in diesem Falle aber auch einfach Sinn.

Anschließend machen sich die übriggebliebenen Sechs auf den Weg zu ihren Startblöcken. Aus den drei bisher nicht geschwommenen Lagen wird erneut per Zufall eine ausgewählt, die schlechtesten beiden scheiden aus, usw.

Das Ganze wiederholt sich, bis – je Geschlecht – ein Sieger feststeht.

Nächster Schritt: Sponsoring & YouTube

So viel kann ich sagen: Die Swim Race Days kommen richtig gut an. Im letzten Jahr mussten die Veranstalter 13 Vereinen eine Absage erteilen, weil die Veranstaltung mit 700 Teilnehmern und 3200 Starts an ihrer Belastungsgrenze angekommen ist.

Das mediale Echo war gut, hielt sich aber noch in Grenzen. Um nun den nächsten Schritt zu machen und noch mehr in die Vermarktung von Video-Content zu gehen, müssen ein paar Gelder her.

Dafür haben die Verantwortlichen auf ein uns bekanntes Unternehmen zurückgegriffen. Eine der ersten Kampagnen versuchen die Westfalen über das Hamburger Startup Sponsoo – die ich bereits hier im Interview hatte – abzuschließen.

Den Veranstaltern drücke ich dafür fest die Daumen und habe natürlich für die ein oder andere operative Frage meine Unterstützung angeboten.

Eine davon wird sein, wie die Veranstalter für sich YouTube als Vermarktung für Video-Content nutzen können.

Trotz aller Fragen über die Zukunft, läuft es bereits jetzt ganz gut. Schließlich kann nicht jeder x-beliebige Schwimmwettkampf von sich behaupten, dass die Zuschauer gerne Eintritt zahlen.

Fazit zu den Swim Race Days

In diesem Beitrag ging es nicht wirklich viel um Fußball. In meinen Augen kann allerdings jedes Unternehmen und erst recht jede Organisation im Sport von dem Beispiel der Swim Race Days lernen.

Obwohl es unangenehm ist, haben sich die Verantwortlichen gefragt, was sie anders, was sie besser machen können, um ihre Fans zu begeistern. Dabei haben sie sich nicht nur von amerikanischen Wettkämpfen bzw. Events inspirieren lassen, sondern ihre eigenen Ideen eingebracht.

Kleine Misserfolge gehören hierbei natürlich dazu. Im letzten Jahr haben die Veranstalter versucht über Crowdsourcing ihr Budget zu erhöhen. Das hat nicht funktioniert. Was ist die Erkenntnis daraus?

Richtig. Sollten sie das Thema zukünftig nochmal angehen, müssen sie etwas anders machen. Die Schlussfolgerung war eben nicht: Crowdsourcing funktioniert (bei uns) nicht.

In meinen Augen ist die Transformation von einem normalen Schwimmwettkampf zu den Swim Race Days beispielhaft. Sie zeigt, wie Experimentierfreude und eine Fokussierung auf die Begeisterung der Fans sich auszahlen kann. Davon möchte ich in allen Sportarten mehr sehen!


Digitalisierung des Fußballs

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