Investor bei Hertha BSC – Alte Dame setzt alles auf eine Karte

Investor bei Hertha BSC – Alte Dame setzt alles auf eine Karte

In diesem Beitrag geht es um den neuen Investor bei Hertha BSC. Dieses sehr spezifische Thema habe ich ausgewählt, weil es die Medien in der letzten Woche sehr beschäftigt hat.

Ich habe schon häufiger die These geäußert, dass das Thema Investoren in der Bundesliga immer relevanter wird.

Der größere der beiden Hauptstadt-Clubs hat in der vergangenen Woche (27. Juni 2019) Informationen zu einer strategischen Zusammenarbeit veröffentlicht.

In diesem Beitrag erfährst Du wie immer nicht nur die Details des Deals zum Investor bei Hertha BSC, sondern auch meine Interpretation.

Investoren bei Hertha BSC

Der aktuelle Investor bei Hertha BSC ist nicht der erste seiner Art. Bereits 2014 hatte der angesehene Finanzinvestor KKR in den Club aus der Hauptstadt investiert.

Die Amerikaner überwiesen damals 61,2 Millionen Euro und erhielten dafür unter anderem knapp 10 % von Hertha BSC.

Diese Anteile hat der Club Ende 2018 zurückgekauft und sich dies 71,2 Millionen Euro kosten lassen. Besonders interessant ist, wie kreativ dieser Rückkauf finanziert wurde.

Neben einer eigenen Anleihe hierfür, stammte Geld aus einem Kredit und im Vorfeld gezahlten Sponsoring-Einnahmen. Einen Überblick über die kreativen Formen zur Finanzierung von Fußballclubs sowie deren Bedeutung habe ich erst vor Kurzem veröffentlicht.

Investor bei Hertha BSC: Details zu KKR

Letzte Woche wurden diese Anteile dann wiederverkauft. Der Preis betrug diesmal für 37,5 % der Anteile allerdings 125 Millionen Euro. Außerdem hat der Investor bei Hertha BSC noch eine Option zur Aufstockung auf 49,9 %.

Für die restlichen 12,49 % der Anteile müssten dann allerdings nochmals 100 Millionen Euro gezahlt werden. Mit diesem Volumen ist der vorliegende Deal die größte Zusammenarbeit mit einem Investor innerhalb der Bundesliga.

Neuer Investor bei Hertha BSC

Da es sich um keinen bekannten Fußball-Investor handelt, müssen wir uns den Geldgeber genauer anschauen. Hinter der Zusammenarbeit steht die Investmentfirma Tennor Holding B.V.

Diese wiederum wird von Lars Windhorst gesteuert, der insbesondere als Jungunternehmer in den 90er Jahren bekannt war. Dabei war der Ostwestfahle nie unumstritten.

Ich gehe auf die Person Lars Windhorst ein, da die Zusammenarbeit mit einem privaten Investor immer eine sehr enge Beziehung bedeutet.

Aus diesem Grund ist es enorm wichtig, dass alle Beteiligten sich bestens verstehen. Das kann zu demselben Problem führen wie ein Top-Spieler mit einem schlechten Charakter.

Jegliche Leistung auf dem Platz ist wertlos, wenn der Zusammenhalt im Team und die Einstellung des Einzelnen nicht stimmt. Umso mehr wundert es mich, dass der neue Investor bei Hertha BSC ein Mann mit so einer verzwickten Vergangenheit ist.

Insbesondere während des Platzens der Dotcom Blase um die Jahrtausendwende hatten Windhorsts Unternehmen sehr große Probleme.

Lösen wir uns nun aber hiervon und schauen uns den Deal etwas genauer an.

Kontrolle des neuen Investors

Neben dem Kaufpreis und der Option für weitere Anteile gibt es noch ein interessantes Detail beim Investoren-Deal. Dieses wird in der Berichterstattung eher seltener erwähnt.

Die meisten interessiert schließlich der gezahlte Preis.

Es ist klar, dass kein Investor in der Bundesliga mehr als 50% der Anteile eines Proficlubs halten darf ohne gegen die 50+1-Regel zu verstoßen. Ausnahmen bestätigen hierbei natürlich die Regel.

Bei der Frage um die Kontrolle über einen Fußballclub geht es jedoch um mehr als nur die bloße Verteilung der Anteile.

Am Ende treffen schließlich die Gremien der Geschäftsführung und des Aufsichtsrats die Entscheidungen.

Nach dem Deal mit dem neuen Investor bei Hertha BSC bleibt die Geschäftsführung unverändert.

Anders ist es allerdings im Aufsichtsrat. In dem achtköpfigen Gremium stellt die Investmentgesellschaft zukünftig zwei Personen.

Das sind lediglich 25% der zur Verfügung stehenden Sitze. Damit ist der Unternehmer im Kontrollgremium unterrepräsentiert.

Aktiv gestalten können die beiden Aufsichtsräte nämlich nicht. Selbst eine 75%ige Mehrheit kann in dem Kontrollgremium noch ohne die Zustimmung des Investors erreicht werden.

Ich würde als Investor definitiv versuchen, eine größere Kontrolle zu bekommen, wenn ich schon so viel Geld in einen Fußballclub investiere.

Auch wenn Lars Windhorst keine formelle Kontrolle über Hertha BSC hat, hat er noch ein Druckmittel. Natürlich kenne ich die Details der Option für die weiteren 12,49% der Anteile nicht.

Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass diese Option ein gewisses Druckmittel darstellt. Wenn die Herthaner die 100 Millionen Euro für die restlichen Anteile erhalten wollen, werden sie dafür Zugeständnisse machen müssen.

Wir dürfen schließlich nicht vergessen, dass hinter der Option ein kalkulatorischer Unternehmenswert von 800 Millionen Euro liegt.

Damit wäre die Hertha übrigens höher bewertet als der FC Schalke 04 in dem neuesten Report des KPMG Football Benchmarks zu den wertvollsten Fußballclubs Europas.

Verwendung des Geldes

Ich habe schon häufig gesagt, dass ich das Geld aus einem Anteilsverkauf ausschließlich langfristig investieren würde. Hierfür kommen beispielsweise Investitionen in das Stadion oder das Nachwuchsleistungszentrum oder die Digitalisierung beziehungsweise Internationalisierung in Frage.

Mit dem neuen Investor bei Hertha BSC möchte der Club jedoch die oberen Tabellenregionen angreifen. Hierfür soll massiv in den Kader investiert werden.

Ich persönlich finde das total gefährlich. Neben hohen Ablösesummen werden die Berliner somit vermutlich die Gehälter und damit die Personalkostenquote in die Höhe treiben.

Somit setzen die Herthaner alles auf eine Karte. Gelingt ihnen die Qualifikation für die internationalen Wettbewerbe, können alle Beteiligten zufrieden sein.

Bleibt der sportliche Erfolg jedoch aus, ist das komplette operative Geschäft gefährdet.

Mit diesem Ansatz kann der Effekt des Anteilsverkaufs über ein, zwei Fehlgriffe und / oder Verletzungen schnell verpuffen. Auch wenn sich sportlich dann nichts ändern würde, wären die Anteile verkauft.

Bei dem Anteilsverkauf handelt es sich somit um eine Art Lucky Shot. Mir persönlich wäre dies als Manager zu riskant.

Differenzierung gegenüber Hoffenheim und Leipzig

Du könntest jetzt argumentieren, dass die Hertha mit dem neuen Investor einen ähnlichen Ansatz fährt, wie die Clubs aus Hoffenheim und Leipzig.

Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beurteilen. Der größte Unterschied ist jedoch, dass bei den anderen beiden Clubs strategische Partner mit langfristigem Interesse am Club beteiligt sind.

Diese stützen ihre jeweiligen Investments nicht nur durch die Übernahme von Anteilen, sondern auch durch Sponsoring. Insofern sehe ich massive Unterschiede zwischen den Ansätzen.

Fazit zum neuen Investor bei Hertha

Ich persönlich finde, die Zusammenarbeit zwischen Lars Windhorst und der Hertha gleicht einem Spiel mit dem Feuer.

Sie kann funktionieren und der Schlüssel für Europa sein. Allerdings kann die Partnerschaft auch nach hinten losgehen und zu einem Teufelskreis aus ausbleibendem sportlichen Erfolg sowie wirtschaftlichen Problemen werden.

Ich drücke der Hertha und dem neuen Investor die Daumen, dass die Zusammenarbeit die Lage des Hauptstadt-Clubs nicht verschlechtert. Sollte dies nämlich passieren, ist das für alle Kommerzialisierungs-Gegner ein gefundenes Fressen.

Schließlich möchte ich nicht, dass Investoren im Fußball verteufelt werden. Abschließend empfehle ich Dir noch meinen Beitrag zu den verschiedenen Investoren-Typen im Fußball.

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