Zerstört die UEFA Reform den europäischen Fußball endgültig?

Zerstört die UEFA Reform den europäischen Fußball endgültig?

Letzte Woche habe ich in meinem Beitrag zur Spielmacherkonferenz 2019 bereits angekündigt, dass es heute um die UEFA Reform geht.

Bereits die letzte Champions League Reform, die ab 2018 gilt, habe ich scharf kritisiert und als ungerecht bezeichnet.

Der neue Vorschlag für die Reformierung der internationalen Wettbewerbe ab 2024/25 geht allerdings noch einige Schritte weiter und könnte den europäischen Fußball komplett zerstören.

In diesem Beitrag erfährst Du, was die wichtigsten Eckpunkte des Reformvorschlags sind und, warum ich sie für wenig solidarisch halte.

Details der UEFA Reform

Die wesentlichen Veränderungen der vorgeschlagenem Reform lassen sich in meinen Augen in drei Themenbereiche zusammenfassen.

UEFA Reform
Wichtigste Eckpunkte für die Analyse der UEFA Reform

Diese möchte ich nach und nach mit Dir durchgehen.

Anzahl der Ligen nach UEFA Reform

Bisher gibt es zwei große Europäische Wettbewerbe: Die Champions League und die Europa League.

Zukünftig soll es laut der UEFA Reform ab 2024/25 drei internationale Club-Wettbewerbe geben. Diese heißen dann League 1, League 2 und League 3.

Eine Namensänderung an sich wäre ja nicht schlimm. Im Prinzip ist die League 1 weiterhin die Champions und League 2 nach wie vor die Europa League.

Die größte und wesentlichste Neuerung in diesem Bereich würde demnach ein weiterer internationaler Wettbewerb sein.

Du könntest jetzt zurecht sagen:

Das ist doch nicht schlimm! Schließlich bekommen so auch die kleineren Clubs die Chance, sich international zu präsentieren oder?

Möglicher Einwand zur UEFA Reform bei bloßer Betrachtung der Anzahl der Ligen

Die Frage ist natürlich absolut berechtigt. Grundsätzlich spricht nichts gegen eine Umbenennung und die Etablierung eines dritten Wettbewerbs.

Kommen wir nun aber zu den wichtigeren Themen.

Qualifikation zu den Europäischen Wettbewerben

Bisher qualifizieren sich 30 der 32 Teams für die Champions League über die nationalen Ligen. Den genauen Modus habe ich in einem meiner ersten Beiträge erläutert.

Lediglich der Vorjahressieger sowie der Gewinner der Europa League sind für die nächste Saison in der Champions League gesetzt.

Laut den Reformplänen sollen sich zukünftig jedoch nur noch vier von 32 Teams über die nationalen Ligen für die Champions League qualifizieren.

Alle anderen 28 Clubs wären auf Basis des Abschneidens in der League 1 bzw. League 2 gesetzt.

Die Durchnummerierung der drei Wettbewerbe folgt nämlich einer gewissen Logik. Anders als zuvor soll es nämlich die Möglichkeit von Auf- und Abstiegen im internationalen Fußball geben.

Mit den Folgen dieser Änderungen setzten wir uns auseinander nachdem ich auf den letzten Eckpunkt der UEFA Reform eingegangen bin.

Spielmodus laut UEFA Reform

Auch der Spielmodus würde sich laut UEFA Reform ändern. Anstatt in acht Gruppen mit je vier Teams würden zukünftig vier Gruppen mit je acht Teams gegeneinander antreten.

Die ersten vier Teams einer jeden Gruppe wären demnach für das Achtelfinale qualifiziert. Der Sieger wird dann nach dem altbekannten System ausgespielt.

Die Plätze fünf bis acht müssten gegen den Abstieg in die League 2 (Europa League) spielen. Dieses Konzept ist grundsätzlich mit dem Spielmodus in der Österreichischen Bundesliga vergleichbar.

Konsequenzen der UEFA Reform

Auch bei der Betrachtung der Konsequenzen möchte ich drei Themen mit Dir durchgehen, nämlich die Konsequenzen für:

  • Top-Clubs
  • Kleinere Clubs
  • Nationale Ligen
Spielmacherkonferenz 2019
Diskussion zur Zukunft des Europäischen Fußballs bei der Spielmacherkonferenz 2019 [Foto: Felix Liebel]

Konsequenzen der UEFA Reform für Top-Clubs

Ich habe das Gefühl, dass die Spitze des Europäischen Fußballs durch die UEFA Reform zu einem immer stärker geschlossenen System würde.

Dabei stelle ich die These auf, dass vor allem der Status des „Top-Clubs“ für die aktuell besten Teams festgeschrieben wird.

Zukünftig müssten sich also die Top-Clubs einer jeden Liga kaum noch Gedanken über die Qualifikation zur Champions League machen.

Stell Dir nur mal vor, der FC Bayern München würde sich ein Jahr nicht für die Champions League qualifizieren. Das wäre wirtschaftlich eine große Katastrophe, da die massiven Einnahmen dringend benötigt werden.

Durch die UEFA Reform könnte jeder Top-Club, der nicht zu den schlechtesten Teams in der neuen Champions League gehört, sicher mit den Einnahmen planen.

Konsequenzen für die kleineren Clubs

Auch die kleineren Clubs hätten durch die UEFA Reform eine größere Planungssicherheit. Sie könnten sich nämlich ziemlich sicher sein, dass sie es nicht in die Champions League schaffen.

Einzige Ausnahme stellt die noch zu definierende Qualifikation über die nationalen Ligen (vier Startplätze) oder aber über den Aufstieg aus der League 2 (Europa League) dar. Beides ist aber sehr unwahrscheinlich.

Mit der UEFA Reform würden die kleineren Clubs demnach klein gehalten werden. Für mich ist das ein ganz klarer Verstoß gegen das Solidaritätsprinzip im Sport.

Deshalb haben sich die kleinen Clubs Europa-weit gegen die UEFA Reform ausgesprochen. Die großen Clubs haben übrigens überwiegend geschwiegen.

Konsequenzen für die nationalen Ligen

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat sich in der Diskussion über die Zukunft des Europäischen Fußballs klar gegen die UEFA Reform positioniert.

Hintergrund ist, dass die Verantwortlichen sich vor einer Abwertung der nationalen Wettbewerbe fürchten.

Schließlich würden die Top-Clubs sich vor allem auf die Spiele in der neuen Champions League konzentrieren, um sich für das kommende Jahr zu qualifizieren.

Durch diese Abwertung würde das öffentliche Interesse und damit auch die Einnahmen aus der TV-Vermarktung, Sponsoring und dem Ticketverkauf sinken.

Die Ligen würden sich in einer Abwärtsspirale wiederfinden und die Schere zwischen armen und reichen Clubs würde weiter auseinanderdriften.

Fazit zur UEFA Reform

Zuerst möchte ich die übergeordnete Frage des Beitrags beantworten.

Ja, ich glaube, dass die UEFA Reform den Europäischen Fußball, wie wir ihn kennen, zerstören würde!

Mein Fazit zur UEFA Reform

Normalerweise bin ich kein Fan davon, einen Vorschlag einfach nur zu kritisieren, ohne einen Gegenvorschlag zu unterbreiten.

Im vorliegenden Fall mache ich aber eine Ausnahme. Das liegt daran, dass ich zurzeit keinen wirklich guten Vorschlag präsentieren kann, der allen Interessen gerecht wird.

Außerdem müssen meiner Meinung nach alle Parteien gemeinsam einen Vorschlag erarbeiten.

Ob es dazu kommt, bleibt offen. Auch wenn die Top-Clubs insgesamt in der Unterzahl gegenüber den kleineren Clubs sind, haben sie aufgrund ihrer wirtschaftlichen Relevanz großes Gewicht.

Außerdem haben sie das Droh-Szenario der Super League in der Hinterhand.


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