8 Überraschungen zwischen den Zeilen beim DFL Wirtschaftsreport 2019

8 Überraschungen zwischen den Zeilen beim DFL Wirtschaftsreport 2019

Mitte Februar wurde der DFL Wirtschaftsreport 2019 veröffentlicht. Jedes Jahr gibt die Dachorganisation der Bundesligisten einen detaillierten Bericht über die abgelaufene Saison.

Auch der diesjährige DFL Wirtschaftsreport hat wieder einige Überraschungen für uns bereit, die zum Teil zwischen den Zeilen zu finden sind. Genau diese Überraschungen möchte ich hier mit Dir teilen.

Vorweg sei jedoch gesagt, dass der Report umbenannt wurde. Während wir letztes Jahr noch über den DFL Report 2018 gesprochen haben, geht es dieses Jahr um den DFL Wirtschaftsreport 2019.

Bereits beim Namen wird somit also deutlich: Fußball ist mehr als nur ein Sport. Fußball ist ein Wirtschaftsfaktor. Genau aus diesem Grund finde ich die Umbenennung auch hochgradig sinnvoll.

Kommen wir nun aber zu den Inhalten und 8 Überraschungen aus dem DFL Wirtschaftsreport 2019.

Die Zahlen im DFL Wirtschaftsreport 2019 und somit auch die Highlights in diesem Beitrag, beziehen sich auf die Saison 2017/18.

Mal wieder neuer Umsatzrekord

Umsatzrekorde gehören beim DFL Wirtschaftsreport 2019 genauso dazu, wie Tore zum Fußball. So schafft es die Bundesliga zum 14. Mal in Folge, ihren Vorjahresumsatz zu erhöhen.

Insgesamt erwirtschafteten die 18 Bundesligisten 3,8 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es noch 3,4 Milliarden Euro. Im nachfolgenden Bild siehst Du die Umsatzentwicklung der Bundesliga seit der Saison 2003/04.

DFL Wirtschaftsreport 2019
DFL Wirtschaftsreport 2019: Umsatzentwicklung der Bundesliga in den letzten 15 Jahren

Die Entwicklung kennt in diesem Zeitraum nur eine Richtung: Nach oben.

Noch beeindruckender ist es, dass die Bundesliga es schafft, über so einen langen Zeitraum im Durchschnitt mit 9 % zu wachsen.

Dass das Wachstum sich dabei in den Jahren unterscheidet, ist vollkommen normal. Einerseits liegt das an der sich durch Auf- und Abstiege ändernden Zusammensetzung der Bundesliga.

DFL Wirtschaftsreport 2019
DFL Wirtschaftsreport 2019: Wachstum der Bundesliga von Saison zu Saison

Andererseits gibt es größere Makro-Effekte, die die Bundesliga in ausgewählten Jahren beeinflussen. Dazu zählen unter anderem die Rechteperioden für die Mediale Verwertung, also die Vermarktung im Fernsehen.

Zur Saison 2017/18 ist wieder ein neuer Vertrag angelaufen, weshalb die Medienerlöse sehr sprunghaft (um 30 %) gestiegen sind. Dazu aber an anderer Stelle in diesem Beitrag mehr.

Natürlich verteilen sich die Umsätze unter den Clubs sehr unterschiedlich. Während der FC Bayern München in der Saison 2016/17 ungefähr 624 Millionen Euro erwirtschaftete, lag ein Bundesligist sogar unterhalb der Schwelle von 100 Millionen Euro.

Umsatzrückgang in 2. Bundesliga

Teilweise scheint es so, als kenne das Wachstum des Profifußballs in Deutschland kein Halten. Die 2. Bundesliga widerlegt diese These allerdings. Die Umsätze fielen von 635 Millionen auf 608 Millionen Euro.

DFL Wirtschaftsreport 2019
DFL Wirtschaftsreport 2019: Umsatzentwicklung in der 2. Bundesliga

Somit ist die 2. Bundesliga erneut auf dem Umsatzniveau der Saison 2015/16. Dabei möchte ich aber betonen, dass die zweithöchste Spielklasse durch die Auf- und Abstiege noch stärker beeinflusst wird, als die erste Bundesliga.

Im Gegensatz zur 1. Bundesliga werden pro Saison bis zu sechs Teams und somit ein Drittel aller Mannschaften ausgetauscht.

In der Saison 2016/17 waren mit Hannover 96 und dem VfB Stuttgart zwei Traditionsclubs in der 2. Bundesliga. Diese spielten im darauffolgenden Jahr nach dem Aufstieg wieder erstklassig und wurden durch den SV Darmstadt und den FC Ingolstadt ersetzt.

Beide Clubs haben auch Ihre Daseinsberechtigung, sind aber sowohl finanziell schlechter aufgestellt, als auch sportlich weniger bedeutend als die beiden Aufsteiger.

Der Umsatzrückgang sollte somit nicht als Anzeichen für den Abgesang des Profifußballs gesehen werden. Ich bin mir sicher, dass die Umsätze in der 2. Bundesliga in der aktuellen Saison 2018/19 wieder deutlich steigen.

Neben der Entwicklung des Unterhauses an sich, tragen hierzu mit Sicherheit vor allem die Absteiger (FC Köln und der Hamburger SV) bei.

Effekte des neuen Medien-Deals

Schauen wir nun etwas konkreter auf das Umsatzwachstum. Wie oben bereits angedeutet, wurde dieses vor allem durch den neuen Medien-Deal gestützt. Die Pay-TV Anbieter wie Sky und DAZN haben sich also die Rechte für die Bundesliga erneut für vier Jahre zu festen Konditionen gesichert.

Aufgrund der Vertragslaufzeit und der Preisbindung, entwickeln sich die Medienerlöse sprunghaft. Zur Saison 2017/18 sind sie um 30 % gestiegen. Sie legten somit um ein Drittel zu.

Auch die anderen Umsatztreiber blieben nicht unverändert. Nachfolgend findest Du die sechs größten Umsatzhebel im Sprungvergleich zur Saison 2016/17.

DFL Wirtschaftsreport 2019
DFL Wirtschaftsreport 2019: Sprungvergleich der Umsatztreiber zur Vorsaison

Dabei fällt auf, dass die Medienerlöse nicht nur größter Umsatztreiber sind, sondern auch am stärksten wachsen. Insgesamt machen sie nun schon ein Drittel der gesamten Umsätze aus.

Von einer Abhängigkeit würde ich trotzdem (noch) nicht sprechen.

Darüber hinaus entwickeln sich die Transfererlöse ebenfalls sehr stark und legten um 11 % zu. Bei bloßer Betrachtung dieser Zahl könnte man die Vermutung anstellen, dass die Bundesliga eine Ausblildungsliga ist und ihre Stars verkauft.

Das ist aber nicht so. Vielmehr zeigt dieses Wachstum die Entwicklung der Ablösesummen. In den letzten Jahren kam es zu einem starken Anstieg der gezahlten Entschädigungen für abgebende Clubs.

Insgesamt gab die Bundesliga in der Saison 2017/18 mehr für Spieler aus, als sie einnahm und erzielte laut DFL Wirtschaftsreport 2019 einen Saldo von knapp 200 Millionen Euro.

Krise im Merchandising?

Die obige Abbildung zeigt, dass die Erlöse im Merchandising um 4 % gesunken sind. Das ist nun wirklich nicht viel. Im Vorjahr fielen die Umsätze mit den Fanartikeln ebenfalls – um 5 %.

Mit 183 Millionen Euro sind die Umsätze aus dem Merchandising somit wieder unter dem Niveau der Saison 2013/14.

Dies ist meiner Meinung nach nicht mehr mit der sich ändernden Zusammensetzung zu begründen. Hier würde ich schon von einem Trend sprechen, den ich mir als Verantwortlicher in der Liga beziehungsweise in einem Club anschauen würde.

Bundesligisten sind konservativ

Schauen wir nun einmal auf die Seite der Ausgaben. In diesem Zusammenhang schaue ich mir immer sehr gerne die Personalkostenquoten an. Diese geben an, welchen Anteil die Clubs vom Umsatz für Personalkosten ausgeben.

Diese Kennzahl bezieht sich entweder nur auf das am Spielbetrieb beteiligte Personal (Personalkostenquote I) oder auf alle Angestellte (Personalkostenquote II).

DFL Wirtschaftsreport 2019
DFL Wirtschaftsreport 2019: Entwicklung der Personalkostenquote(n)

Mit einem Wert von 34,6 % (Personalkostenquote I) konnte seit der Saison 2004/05 der zweitniedrigste Wert erzielt werden.

Zur Erinnerung:

Eine Personalkostenquote von ungefähr 50 % wird als nachhaltig ambitioniert angesehen.

Die Bundesligisten liegen weit darunter. Besonders brisant ist, dass die anderen Top-Ligen allesamt Personalkostenquoten von jenseits der 60 % haben. Gegen Clubs aus diesen Ligen müssen die Bundesligisten international antreten. Das wiederum ist unter den Voraussetzungen keine leichte Aufgabe. 

Clubs bauen Backoffice aus

Im Gegensatz zur Personalkostenquote I bleibt die Personalkostenquote II konstant. Das bedeutet, dass die Kosten für Angestellte in Handel & Verwaltung stark wachsen.

Ich begrüße diesen Trend. Schließlich sind Fußballclubs Wirtschaftsunternehmen. Aufgrund der immer komplexer werdenden Welt, müssen die Clubs verstärkt Experten einstellen.

Das gilt sowohl für die originär sportlichen Bereiche wie Scouting und Spielanalyse, als auch für die kaufmännischen Bereiche rund um das Thema der Digitalisierung

Gewinne der Bundesligisten

Nachdem wir uns die Umsätze und Aufwendungen angeschaut haben, fehlen nur noch die Gewinne. In der Saison 2017/18 erzielten 13 von 18 Bundesligisten ein positives Ergebnis. In der 2. Bundesliga waren es sogar 15 der 18 Clubs.

Insgesamt erwirtschafteten von dem 36 Proficlubs in Deutschland somit 28 einen Gewinn. Das finde ich beeindruckend und ein schönes Signal.

Unterm Strich erwirtschafteten die 36 Clubs ein Ergebnis von ungefähr 128 Millionen Euro.

Marketing im DFL Wirtschaftsreport 2019

Der DFL Wirtschaftsreport 2019 ist nicht nur ein Bericht über die wirtschaftliche Entwicklung. Als Herausgeber nimmt sich die Deutsche Fußball Liga natürlich auch das Recht, ein bisschen Werbung für sich zu machen.

 Auf vielen Seiten mit eindrucksvollen Bildern werden deshalb verschiedene Initiativen beschrieben. Es geht unter anderem um:

  • Die Internationalisierung und Eröffnung von Büros in den USA (2018) und China (2019).
  • Aktivitäten der DFL Stiftung und die damit einhergehende sozialen und gesellschaftliche Verantwortung, die die Bundesliga übernimmt.
  • eSports Aktivitäten rund um die TAG Heuer Virtual Bundesliga (VBL).

Fazit zum DFL Wirtschaftsreport 2019

Insgesamt ist der DFL Wirtschaftsreport 2019 ein Muss für jeden Verantwortlichen sowie Interessierten der Fußballbranche. Er gibt spannende Einblicke in die wirtschaftliche Entwicklung und beschreibt die Aktivitäten der DFL detailreich.

Deshalb möchte ich Dir zum Abschluss noch verraten, wo Du den DFL Wirtschaftsreport 2019 kostenlos abrufen kannst. Klicke dazu einfach hier.


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