Ist dieser komplexe Liga-Spielmodus auch für die Bundesliga interessant?

Ist dieser komplexe Liga-Spielmodus auch für die Bundesliga interessant?

Inspiriert durch meine Reise nach Wien möchte ich mit Dir über den Liga-Spielmodus der Österreichischen Bundesliga sprechen.

Es geht mir nicht nur darum, den Spielmodus dort zu verstehen. Vielmehr möchte ich hinterfragen, ob der Modus nicht auch in Deutschland funktionieren könnte.

Kannst Du Dir einen komplett neuartigen Liga-Spielmodus vorstellen?

In Österreich ist dieser schon Realität. Es gibt zwar kein K.o.-System, aber der Liga-Spielmodus hat es trotzdem in sich. Und er erhöht die Spannung für alle Beteiligten.

Wenn Du also offen für neue Ansätze im Deutschen Profifußball bist, solltest Du unbedingt weiterlesen.

Neben meiner eigenen Meinung bringe ich auch verschiedene Perspektiven aus Österreich (Club-Verantwortliche & Fan) mit ein.

Vergangenheit (bis 2017/18)

Bisher waren in der Österreichischen Bundesliga, die offiziell Tipico Bundesliga heißt, zehn Clubs vertreten. Dies gilt auch für die zweite Liga in Österreich.

Das ist einfach der Tatsache geschuldet, dass in der Breite kein spannender Wettkampf wie in anderen Ligen zustande käme. Hierzu ist der Österreichische Markt zu klein beziehungsweise zu heterogen.

Auf der einen Seite spielen die besten Clubs Österreichs international in der Champions und / oder Europa League.

Auf der anderen Seite werden die Clubs teilweise nur von sehr kleinen Städten beziehungsweise Gemeinden unterstützt.

Diese spielten in dem uns bekannten Liga-Spielmodus den Meister aus. Mit einer Ausnahme: Die Clubs spielten jeweils vier Mal gegeneinander. Zwei Mal zuhause und zwei Mal auswärts.

Diese Tatsache ist der niedrigen Anzahl an Clubs geschuldet. Bei einfachem Hin- und Rückspiel käme die Tipico Bundesliga nur auf 18 Spieltage. Wenn wir dies verdoppeln, sind wir schon bei 36.

Am Ende gewinnt der Club die Meisterschaft, der die meisten Punkte hat. Das Prinzip kennen wir demnach aus Deutschland.

Anlass für die Reform

Die erste Frage, die ich mir gestellt habe, ist:

Warum haben die Österreicher den Liga-Spielmodus zur Saison 2018/19 angepasst?

Wie auch beim FUSSBALL KONGRESS Österreich erkennbar wurde, haben die Verantwortlichen einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit.

Auch in der Tipico Bundesliga etablierte sich über die letzten Jahre eine dominierende Mannschaft.

Red Bull Salzburg wurde in der letzten Saison 2017/18 zum fünften Mal in Serie Meister.

Das sind ähnliche Verhältnisse wie hier in Deutschland. Hierzulande hat der FC Bayern München sechs Mal hintereinander die Meisterschaft für sich entschieden.

Dieser Eintönigkeit wollten die Verantwortlichen der Tipico Bundesliga entgegenwirken. Der Wettbewerb sollte einerseits für die Clubs ausgeglichener und für die Fans spannender werden.

Diese Ziele möchte ich unterstützen, indem ich das Ergebnis der Überlegungen hier mit Dir teile.

Liga-Spielmodus ab 2018/19

Eine grundlegende Änderung am Liga-Spielmodus ist die Anzahl der Teams in den Ligen. In der Tipico Bundesliga werden anstatt zehn zukünftig 12 Teams gegeneinander antreten.

Auch die zweite Liga wird aufgestockt. Innerhalb der zweithöchsten Spielklasse Österreichs treten zukünftig 16 Teams an.

Die komplizierte Übergangsphase von der Saison 2017/18 auf 2018/19 möchte ich Dir ersparen. Im Wesentlich gilt aber: Es stiegen nach der Saison 2017/18 mehr Clubs auf als ab, um den Zuwachs in den Ligen zu gewährleisten.

Wirklich spannend wird es aber nun beim eigentlichen Liga-Spielmodus. Dabei fokussieren wir uns wieder auf die Tipico Bundesliga. Der Spielmodus der zweiten Liga ist nämlich genau wie hier in Deutschland:

Alle Teams spielen in Hin- & Rückspiel gegeneinander den Meister sowie die Abstiegskandidaten aus.

In der Tipico Bundesliga treten nun in einer ersten Runde – Grunddurchgang genannt – alle Teams mit Hin- & Rückspiel gegeneinander an. Nach 22 Spieltagen ist also erstmal noch nichts aufregend Neues passiert.

Anschließend werden die 12 Teams in zwei Gruppen eingeteilt:

In der Meistergruppe spielen die besten sechs Teams, während in der Qualifikationsgruppe die anderen sechs Mannschaften gegeneinander antreten.

Bevor es allerdings mit der nächsten Runde weitergeht, werden die Punkte aller Mannschaften halbiert. An der Reihenfolge ändert sich dadurch nichts, allerdings werden die Abstände geringer. Der Wettbewerb wird spannender.

Erneut spielen die sechs Teams jeweils einmal zuhause und auswärts gegeneinander. Zu den 22 Spieltagen kommen demnach zehn weitere hinzu.

Die Meistergruppe spielt dabei den Österreichischen Meister aus. Das letzte Team der Qualifikationsgruppe steigt ab.

Hier bekommst Du die Änderungen nochmal in einem Video anschaulich erklärt.

Vergabe der internationalen Startplätze

Etwas komplizierter wird es bei der Vergabe der internationalen Startplätze. Die je nach Platzierung im UEFA-Ranking variierende Anzahl an Plätzen für die Champions und Europa League ergibt sich aus den Abschlusstabellen beider Gruppen.

Der Österreichische Meister sowie der Zweitplatzierte sind sicher für die internationalen Wettbewerbe qualifiziert. Selbiges gilt für den Pokalsieger. Je nach Anzahl der verfügbaren Plätze ist auch der Drittplatzierte sicher qualifiziert.

Als Anreiz für die Qualifikationsgruppe darf der Sieger dieser Gruppe gemeinsam mit Vertretern der Meistergruppe um die Qualifikation für die Europa League spielen.

Wie üblich steckt der Teufel im Detail, aber das soll es in aller Kürze zum neuen Liga-Spielmodus in Österreich gewesen sein. Schauen wir uns nun die Reaktionen an.

Reaktionen aus Österreich

Aktuell ist der neue Liga-Spielmodus in der Testphase. Die erste Saison läuft. Deshalb können wir noch kein finales Urteil fällen.

Bevor ich meine Meinung äußere, möchte ich ein paar Österreich Experten zu Wort kommen lassen.

Offizielle Reaktionen

Beginnen wir mit einer offiziellen Meinung der Österreichischen Fußball Bundesliga.

Die Reform ist eine riesige Chance, den Österreichischen Fußball sportlich und wirtschaftlich weiterzuentwickeln. Insbesondere der neue Spielmodus bringt Entwicklungspotential mit sich.

Sportlich verspricht der Modus Spannung bis zum Schluss und eine Konzentration von vielen Entscheidungsspielen zu gleich drei Zeitpunkten einer Saison: zum Ende des Grunddurchgangs, im Finaldurchgang und im Europa League-Play-off. Wirtschaftlich ergeben sich dadurch zusätzliche Erlöspotentiale: durch die Spannungselemente sind mehr Zuschauer in den Stadien sowie auch zusätzliche Vermarktungsmöglichkeiten zu erwarten.

Christian Ebenbauer – Vorstand Österreichische Fußball-Bundesliga

Auch die Rolle der zweiten Liga ist durch die Reform klar definiert.

Die neue 2. Liga nimmt eine Drehscheibenfunktion zwischen dem Profi- und dem Amateurfußball ein. Die Klubs können viel stärker als bisher im Rahmen ihrer Möglichkeiten entscheiden, wie sie ihren Spielbetrieb ausrichten, sie müssen nicht zwingend einen Profibetrieb aufrechterhalten.

In der 2. Liga wird Fußball pur geboten. Die Klubs sollen authentisch, regional verankert und ambitioniert auftreten. Sie sollen das Gesprächsthema in ihrer jeweiligen Region sein.

Reinhard Herovits – Vorstand Österreichische Fußball-Bundesliga

Weitere Reaktionen aus Österreich

Wenn ich schon über Österreich schreibe, muss ich auch meinen guten Freund Thomas Maurer zu Wort kommen lassen. Er organisiert unter anderem die FUTURE OF FOOTBALL BUSINESS Conference.

Die Bundesliga hat durch die Veränderungen – mehr Klubs, weniger Spiele gegen die gleichen Gegner, starke Aufwertung der Berichterstattung durch Sky – für mich an Wertigkeit gewonnen.

Der ominöse Strich, der die Liga in wenigen Wochen in zwei Hälften teilt, sorgt für Spannung und auch Wirbel. Auf jeden Fall aber für Emotion und genau darum geht es im Sport.

Thomas Maurer – Gründer von FOOTBALL BUSINESS INSIDE

Lassen wir zum Abschluss einen Fan von Austria Wien und Sportmanagement-Studenten, den ich bei der Summer School vom International Football Institute kennengelernt habe, zu Wort kommen:

Das neue Format birgt durchaus einiges an Spannungs- und Zuschauerpotenzial, aber auch nur wenn die sogenannten „großen“ Vereine ihren Teil dazu beitragen und alle das Meisterplayoff erreichen.

Dies gestaltet sich allerdings bereits jetzt im ersten Jahr schon schwierig und ob dadurch trotzdem auf lange Sicht die gewünschte Abwechslung entsteht wird man erst in den kommenden Jahren beurteilen können.

Rudi Kollar

Die Befragten sind sich also alle einig: Die Reform ist eine große Chance für den Österreichischen Fußball. Ich bin gespannt, wie der erste Finaldurchgang ankommt.

Übertragbarkeit auf Deutschland

Ich persönlich finde den Vorstoß unser Österreichischen Nachbarn sehr interessant und unterstütze die angestrebten Ziele. Dass Spannung der Bundesliga gut tut, zeigt die aktuelle Saison.

Im Gegensatz zu den Vorjahren ist der Meisterschaftskampf sehr spannend.

Rein logisch betrachtet, wäre das Österreichische Modell sofort auch hierzulande einsetzbar. Ich kann mir vorstellen, dass eine Anpassung des Liga-Spielmodus sofort zu noch mehr Spannung führen würde.

Abgesehen davon, dass der Kampf um Europa und den Abstieg durch die Halbierung der Punkte enger wird, gibt es einen weiteren Spannungsfaktor.

Auch die Mitte der Tabelle wird auf einmal hoch interessant, wenn es um die Zugehörigkeit zur Meisterschafts- oder Qualifikationsgruppe geht.

Auch wenn der Ruf nach einer Strukturreform beim FUSSBALL KONGRESS Österreich laut und unüberhörbar war, glaube ich nicht, dass es dazu in Deutschland kommt.

Dafür wird hier viel zu wenig darüber gesprochen. Neben dem Widerstand auf Club- und Verbands-Seite, kann ich mir nämlich auch nicht vorstellen, dass viele Fans die Anpassung des Liga-Spielmodus gut finden würden.

Fangen wir mit einer kleinen Umfrage an: Schreibe jetzt einen Kommentar und verrate mir, was Du von dem Liga-Spielmodus in der Deutschen Bundesliga halten würdest.

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