Ist OTRO die Revolution des Fußballbusiness oder nur ein Hype?

Ist OTRO die Revolution des Fußballbusiness oder nur ein Hype?

OTRO ist vermutlich aktuell das am meisten diskutierte Startup im Sportbusiness. Dazu muss man sagen, dass Startups in unserer Branche nicht an Bäumen wachsen.

Dabei haben wir schon häufig festgestellt, dass Startups eine gewisse Innovationskraft mit sich bringen. So auch im Beitrag der letzten Woche zu den Football Industry Rockstars.

In diesem Beitrag geht es aber nicht um Startups allgemein, sondern ganz konkret um OTRO. Dabei erkläre ich Dir gleich zu Anfang auch nochmal, warum ich mir dieses Startup herausgepickt habe.

Warum OTRO?

Ich schreibe hier selten über einzelne Unternehmen. Das gebe ich zu. Trotzdem hat OTRO in den vergangenen Tagen so viel Aufmerksamkeit für sich beansprucht, dass ich es mir nicht nehmen lassen kann, den Hype zu untersuchen.

Abschließend möchte ich dabei die Frage beantworten, ob es sich lediglich um einen kurzen Hype oder aber um ein Unternehmen mit richtig viel Potenzial handelt. Hierbei gebe ich allen voran meine Meinung wieder.

Das Unternehmen OTRO hat sich wenige Tage vor dem offiziellen Launch in den sozialen Netzwerken angekündigt. Dabei haben zeitgleich große Weltstars über ihre eigenen Kanäle den Link zur Webseite gepostet.

Unser anderer Club – die besten Fußballer der Welt in einer App.

Unter diesem Motto werben aktuelle Stars wie Lionel Messi, Neymar oder James Rodríguez sowie weitere Ikonen wie David Beckham oder Zinédine Zidane

Das führte natürlich dazu, dass der Kanal binnen weniger Stunden durch die Decke ging. Obwohl die Seite erst am 3. Dezember live ging, kommt Sie heute (Stand 11.12.2018) auf über eine halbe Millionen Follower. 

Erste Erkenntnisse durch OTRO

Der Launch von OTRO zeigt eines ganz deutlich: Instagram ist das dominierende soziale Netzwerk. Gut eine Woche nach dem offiziellen Launch verteilen sich die Follower von OTRO in den sozialen Netzwerken wie folgt.

Social Media Follower von OTRO
Social Media Follower von OTRO

Dabei wird deutlich, wie vernachlässigbar Facebook zukünftig zu sein scheint. Unter 1% seiner Follower hat OTRO bei Facebook gewonnen. Instagram dominiert in diesem Zusammenhang klar (96 %) vor Twitter (4 %)

Darüber hinaus wird beim Besuch der Plattform sofort deutlich, auf welche Formate OTRO setzen wird: Videos.

Schon vor dem Start hat OTRO versucht, möglichst viele E-Mail-Adressen einzusammeln. Wie gut das geklappt hat, weiß ich leider nicht. Meine Mail-Adresse habe ich zu Recherchezwecken natürlich zur Verfügung gestellt. Ich wollte ja wissen, was ich als Nutzer von OTRO bekomme.

Beim ersten Besuch der Kanäle in den sozialen Netzwerken wurde nämlich klar: Hier gibt es nur Teaser zu sehen.

Also habe ich mich angemeldet und möchte Dir kurz von meinen Erfahrungen berichten.

Content bei OTRO

OTRO bietet vor allem eines: Content, Content und nochmal Content. Content ist dabei nur das englische Wort für Inhalte. 

Den Fokus setzt OTRO dabei wie bereits erwähnt vor allem auf Video-Inhalte. Dieser Trend geht stark einher mit den Entwicklungen in den anderen sozialen Netzwerken. Genau aus diesem Grund kam ich ja auch dazu, seit Anfang des Jahres regelmäßig kurze Videos zu meinen Beiträgen zu veröffentlichen.

Die Videoinhalte sind dabei selbst produziert, wobei diese teilweise viele Spielszenen enthalten. So habe ich beispielsweise ein Video mit den besten Freistößen von David Beckham gesehen. Dieses Video könnte ich mir sicherlich auch bei YouTube ansehen.

Darüber hinaus gibt es jedoch auch exklusiven Content zu sehen. Zum Beispiel wurde ein Video produziert, wobei ein paar Stars auf fliegende Drohnen schießen.

Das ist quasi Dosenwerfen für Fortgeschrittene. Die Idee klingt natürlich verrückt, ist aber ganz unterhaltsam. Wenn ich richtig aufgepasst habe, hat Messi am meisten Drohnen getroffen.

Nach 90 Sekunden hatte ich aber keine Lust mehr und auch die anderen Videos wirken auf mich zum Teil albern. Beispielsweise kann ich verschiedenen Stars dabei zugucken, wie sie mit dem Ball auf verschiedene Ziele schießen. 

Darüber hinaus gibt es aber auch anspruchsvolle Videos. Ich kann mir beispielsweise anhören was Zidane über das Thema Teamwork denkt. Mit Sicherheit ist das interessant. Schließlich hat er mit Real Madrid sicherlich nicht ohne Grund die Champions League gewonnen.

Allerdings brauche ich dafür keine neue Plattform. Ich könnte mir das Video auch bei YouTube ansehen. Wenn es denn jemand produzieren würde. Schauen wir uns deshalb mal die finanzielle Seite von OTRO etwas näher an.

Finanzielle Seite von OTRO

Wie viele andere Startups auch, hat OTRO zu Beginn Geld eingesammelt. Häufig ist die sogenannte Series A (erste Finanzierungsrunde) eher klein. Es geht dabei meistens um niedrige einstellige Millionensummen, wenn überhaupt.

OTRO hat es anders gemacht. Laut der Startup-Plattform Crunchbase hat OTRO in einer Finanzierungsrunde etwa 64 Millionen US-Dollar eingesammelt. Das sind umgerechnet 56 Millionen Euro. 

Zum Vergleich: Das 2016 groß angekündigte und seitdem in der Versenkung verschwundene soziale Fußball-Netzwerk dugout hat circa 8,3 Millionen US-Dollar (7,3 Millionen Euro) eingesammelt. Es ist unter anderem von zahlreichen großen Clubs gestützt.

Bei OTRO ist es aber anders. Es geht schließlich um die Spieler, die in einem ganz anderen Club zusammenkommen. Das lässt sich das Unternehmen bezahlen. Bereits das zweite Video, das ich öffnen wollte, ist nur als Trailer verfügbar. In 30 Sekunden bekomme ich viele Stars mit Ball am Fuß zu sehen. Das überzeugt mich nicht.

Trotzdem werde ich gefragt, ob ich für 3,99 Euro alle Inhalte freischalten möchte. Ich habe dankend abgelehnt.

Du hörst vielleicht raus, dass ich von der Plattform nicht sonderlich begeistert bin. Das liegt unter anderem auch daran, dass mich die Vision nicht überzeugt.

Vision von OTRO

Die Macher hinter OTRO wollen den Fans ganz private Einblicke in das Leben der Spieler abseits des Platzes geben. Ich bin mir sicher, dass viele solche Einblicke wollen, dafür braucht es meiner Ansicht nach aber keiner neuen Plattform.

Ich folge beispielsweise David Beckham bei Instagram. Dass sein Leben nach dem Karriereende vor allem neben dem Platz stattfindet, dürfte keine Überraschung sein. Trotzdem hat er viele Inhalte, die er posten kann. Von seiner Familie, Events und vielen anderen vollkommen normalen Dingen. 

Deshalb schätze ich den zusätzlichen Nutzen von OTRO eher gering ein, kann mich aber natürlich täuschen.

Warum OTRO trotzdem groß werden könnte

Letztes Jahr habe ich zwei Monate im Rahmen meines Hauptjobs in der Konzernstrategie der Otto Group in Berlin hospitiert.

In diesen gut acht Wochen habe ich für das global agierende Venture Capital Unternehmen eVentures gearbeitet. Bereits an meinem ersten Tag durfte ich verschiedene Startups nach ihrem Potenzial untersuchen. 

Mit einem selbst definierten Bewertungsraster machte ich mich also auf die Suche nach dem nächsten Facebook. Dabei habe ich meine Kollegen aber sofort gefragt:

Was ist, wenn ich eine Idee für Schwachsinn halte, sie aber durch die Decke geht?

Mit dieser Angst müssen Investoren im Startup Business immer leben. Anhand rein rationaler Kriterien, auf die wir unsere Entscheidung basieren, werden jedoch manche großen Ideen aussortiert.

Mein Lieblingsbeispiel ist Snapchat. Hätte man mir die Idee vorgestellt, hätte ich diese niemals unterstützt. Auch wenn die Entwicklung des Aktienkurses sehr durchwachsen ist, hat es das Unternehmen binnen kürzester Zeit auf die Smartphones auf der ganzen Welt geschafft.

Das ist eine beeindruckende Leistung. Vielleicht gelingt es OTRO ja auch?

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