So steht die Bundesliga wirtschaftlich da: Analyse zum DFL Report 2018

So steht die Bundesliga wirtschaftlich da: Analyse zum DFL Report 2018

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Der DFL Report 2018 mit allen Zahlen zur Bundesliga Saison 2016/17 wurde letzte Woche veröffentlicht. Genau wie letztes Jahr – als ich über den DFL Report 2017 geschrieben habe – möchte ich die wichtigsten Highlights für Dich zusammenfassen.

Damit werfen wir einen kritischen Blick auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Bundesliga.

Solltest Du auf der Suche nach einer geeigneten Quelle für (wissenschaftliche) Veröffentlichungen im Umfeld der Bundesliga sein, kommst Du an dem DFL Report 2018 nicht vorbei.

Seit 2003 veröffentlicht die Deutsche Fußball Liga (DFL) einen Report zum Status Quo des Profifußballs in Deutschland. Bisher wurde dieser immer Ende Januar veröffentlicht. Dieses Jahr kam er etwas später (15.02.2018). Ich sage immer: Besser spät als nie :-).

Den gesamten Report findest Du übrigens hier auf der offiziellen Seite der DFL zum kostenlosen Download.

Kurzes Vorwort zum DFL Report 2018

Auch wenn der DFL Report seit mehreren Jahren relativ standardisiert veröffentlicht wird, gibt es immer einen Kritikpunkt, der die Vergleiche über mehrere Jahre hinweg erschwert: Die Zusammensetzung der Liga.

Natürlich ist es nicht neu, dass jedes Jahr (mindestens) zwei Clubs aus der ersten Liga ab- bzw. aus der zweiten Liga aufsteigen. Dadurch ist die sogenannte Grundgesamtheit für die erste Bundesliga allerdings von Jahr zu Jahr unterschiedlich.

Wir lassen uns davon nicht beirren, sondern behalten lediglich im Kopf:

In der Saison 2016/17 haben mit Hannover 96 und dem VfB Stuttgart zwei recht große Clubs nicht in der ersten Bundesliga gespielt.

Wir könnten an dieser Stelle versuchen die Effekte zu normalisieren und beide Clubs aus der Vorjahresbetrachtung herauszurechnen, um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten.

An der komplizierten Formulierung des vorherigen Satzes merkst Du allerdings schon, dass der Beitrag dadurch ungemein kompliziert wird. In meinen Augen ist diese zusätzliche Komplexität das kleine bisschen Genauigkeit nicht wert.

Ich möchte nur, dass Du das im Kopf behältst, wenn wir zusammen den DFL Report 2018 analysieren.

Außerdem stört es mich massiv, dass wir erst im Januar des Folgejahres auf die Zahlen der seit über einem halben Jahr abgelaufenen Saison schauen können. So ist aber das Berichtswesen nun einmal. Etwas langsam. Das gilt auch außerhalb des Fußballs.

Genug Vorgeplänkel. Los geht´s!

Fokus auf den Lizenzfußball

In der gesamten Kommunikation zum DFL Report 2018 (beispielsweise in der dazugehörigen Pressemitteilung) rückt die DFL den Lizenzfußball als Ganzen in den Vordergrund.

Somit bezieht sich die allererste Zahl, die jeder zu lesen bekommt auf die 1. und 2. Bundesliga zusammen.

4 Milliarden €. Oder als Zahl: 4.000.000.000 €. Diesen Umsatz machten die 36 Clubs der beiden Deutschen Profi-Ligen in der Saison 2016/17. Nachdem die 1. Bundesliga ein Jahr zuvor die Grenze von 3 Milliarden € Umsatz übertroffen hat, wirkt die vier vor den neun Nullen sehr beeindruckend.

Ich vermute, dass es dabei vor allem darum geht, das langsame Wachstum der obersten Deutschen Spielklasse zu verstecken. Aber nicht vor mir :-).

Neuer Umsatzrekord

Die 18 Clubs der 1. Bundesliga erwirtschafteten in der Saison 2016/17 einen Umsatz von 3,375 Milliarden €. Im Durchschnitt kommt somit jeder Bundesligist auf einen Umsatz von 187,5 Millionen €. Wobei dies nur eine theoretische Zahl ist.

Nehmen wir die drei (umsatzseitig) größten Bundesligisten zusammen, kommen wir auf einen Umsatz von 1,258 Milliarden €. Dieser setzt sich zusammen aus:

  • FC Bayern München: 640,5 Millionen €
  • Borussia Dortmund: 352,6 Millionen €
  • FC Schalke 04: 265,1 Millionen € (wobei diese Zahl sich auf das Jahr 2016 bezieht)

Nach Abzug dieser drei Schwergewichte bleibt für alle anderen Bundesligisten nur noch ein Umsatz von 2,117 Milliarden €- Natürlich wissen wir hierbei, dass die im Durchschnitt 141 Millionen € pro Club sich auch nicht gleichmäßig auf alle übrig gebliebenen Bundesligisten verteilen.

In Summe sieht die Umsatzentwicklung der Bundesliga so aus.

Umsatzentwicklung der 1. Bundesliga laut DFL Report 2018
Umsatzentwicklung der 1. Bundesliga laut DFL Report 2018

Die Entwicklung kann sich wirklich sehen lassen. Seit 13 Jahren stellt die Bundesliga einen Umsatzrekord nach dem nächsten auf. Im Vergleich zum Vorjahr hält sich das Wachstum diesmal allerdings in Grenzen.

1. Bundesliga wächst um 4 %

Die 1. Bundesliga wächst im Vergleich zur Vorsaison nämlich „nur“ um 4 %. Ich setze die Anführungszeichen dabei absichtlich. Es gibt viele Unternehmen, die sich über ein 4 %iges Wachstum sehr freuen würden. Für die Bundesliga war 2016/17 damit allerdings alles andere als ein Rekordjahr.

Historisch hatte die 1. Bundesliga schon wesentlich stärkere Jahre. Beispielsweise in der Saison 2015/16, als der Umsatz um knapp 24 % gewachsen ist. Ursächlich dafür war ein neuer TV-Deal. Diesen gab es 2016/17 nicht.

Nur in zwei der vergangenen 13 Saisons ist die Bundesliga langsamer gewachsen. Sieh selbst.

Umsatzwachstum der 1. Bundesliga in den vergangenen 13 Saisons laut DFL Report 2018
Umsatzwachstum der 1. Bundesliga in den vergangenen 13 Saisons laut DFL Report 2018

Selbstverständlich kann nicht jedes Jahr ein Rekordjahr sein. In der aktuell laufenden Saison 2017/18 wirkt auch schon ein weiterer neuer TV-Deal und wird dazu führen, dass das Wachstum der 1. Bundesliga wieder anzieht.

Über einen neuen Umsatzrekord werde ich also auch nächstes Jahr schreiben können :-).

2. Bundesliga setzt 645 Millionen € um

An dieser Stelle möchte ich auch die 2. Bundesliga kurz erwähnen. Sie konnte in der Saison 2016/17 laut DFL Report 2018 ebenfalls um gut 4 % wachsen und hat einen Umsatz von 645 Millionen € generiert.

Pro Club sind das knapp 36 Millionen €. Genau wie in der 1. Bundesliga ist die Verteilung auch im Unterhaus nicht gleichmäßig, sodass die Top-Clubs (in der Saison 2016/17 sicherlich der VfB Stuttgart und Hannover 96) das Umsatzranking garantiert anführen.

Kommen wir nun aber wieder zur 1. Bundesliga.

Wachstumstreiber der 1. Bundesliga

Die 18 Clubs der 1. Bundesliga konnten ihren Gesamtumsatz in der Saison 2016/17 laut DFL Report 2018 um 131 Millionen € erhöhen. Dabei entwickelten sich die sechs unterschiedlichen Umsatztreiber der Fußballclubs durchaus unterschiedlich.

Entwicklung der einzelnen Umsatztreiber laut DFL Report 2018
Entwicklung der einzelnen Umsatztreiber laut DFL Report 2018

Anhand dieser Grafik wird deutlich, dass nur drei der sechs Umsatztreiber von der Saison 2015/16 auf 2016/17 wachsen. Die anderen drei schrumpfen demnach.

Sowohl die Mediale Verwertung (insb. TV-Vermarktung) als auch die Werbung (Sponsoring & Co) legten kräftig zu. Die Transferlöse entwickeln sich – wie schon häufiger betrachtet – sehr unregelmäßig. In der letzten Saison konnten sie zulegen.

Anders sieht es offensichtlich bei den Spieltagseinkünften (Tickets & Co), Merchandising (Fanartikel) und Sonstiges (bspw. Catering) aus. Ohne die genauen Zahlen zu kennen, würde ich hier den oben beschriebenen Effekt der sich ändernden Zusammensetzung der Bundesliga vermuten.

Die beiden Clubs aus Stuttgart (60.449 Plätze im Stadion) und Hannover (49.200) dürften – verglichen mit dem SV Darmstadt (17.468) sowie dem FC Ingolstadt (15.800) – wesentlich mehr Tickets verkauft haben.

Einen ähnlichen Effekt würde ich auch beim Merchandising vermuten.

1. Bundesliga macht 150 Millionen € Gewinn

Neben der Umsatzentwicklung schaue ich auch immer auf die Entwicklung der Gewinne. Seit Jahren nehme ich hierfür die Gewinne nach Steuern (English EAT – Earnings after Taxes).

Die Bundesliga kann es hierbei nicht schaffen, die 206 Millionen € Gewinn des Vorjahres zu übertreffen. Mit 150 Millionen € Gewinn steht sie dennoch solide da.

Gewinne nach Steuern der 1. Bundesliga laut DFL Report 2018
Gewinne nach Steuern der 1. Bundesliga laut DFL Report 2018

Im Vergleich mit den letzten 14 Jahren ist das Ergebnis der Saison 2016/17 immerhin das zweithöchste. Mit Ausnahme von drei Jahren (2003/04, 2005/06 und 2009/10) hat sich die Ertragslage der 1. Bundesliga somit stabilisiert.

Personalkostenquote steigt – auf nachhaltigem Niveau

Eine weitere Kennzahl, die wir uns bereits letztes Jahr angeschaut haben, ist die Personalkostenquote. Diese ist laut DFL Report 2018 zur Saison 2016/17 gestiegen, nachdem sie ein Jahr zuvor aufgrund des neuen TV-Deals massiv gesunken ist.

Entwicklung der Personalkostenquoten der 1. Bundesliga laut DFL Report 2018
Entwicklung der Personalkostenquoten der 1. Bundesliga laut DFL Report 2018

Durch die zusätzlichen Mehreinnahmen in der Saison 2015/16 und die sich nur langsam entwickelnde Gehaltsstruktur, ist sogar die Personalkostenquote II (inkl. Gehälter für die Mitarbeiter der Verwaltung) unter 40 % gefallen.

Die Personalkostenquote I (ausschließlich die Spielergehälter) lag lediglich bei 32,6 %. Mittlerweile ist sie auf 35,1 % (bzw. 41,4 % für die Personalkostenquote II) gestiegen. Damit liegt die 1. Bundesliga trotzdem immer noch weit unter der Grenze von 50 %, die als nachhaltig bezeichnet werden, sowie mit großem Abstand hinter den anderen Top-Ligen.

Sowohl die Serie A, die Ligue 1 , die Premier League als auch die Spanische La Liga haben alle Personalkostenquoten jenseits der 60 %.

Kommen wir noch zu einem Effekt für alle Liebhaber von Bilanzen.

Spieler sind fast 1 Milliarde € wert

Ich habe schon häufiger erwähnt, dass die Bilanz eines Fußballclubs anders aussieht als die eines „normalen“ Unternehmens.

Das liegt unter anderem daran, dass die Spieler auf der Aktivseite bilanziert werden. Sie sind also somit ein Anlagegut eines jeden Fußballclubs. Auf den ersten Blick wirkt das merkwürdig. Schließlich handelt es sich ja immer noch um Menschen.

Auf der anderen Seite ist die Bilanzierung der Spieler durchaus nachvollziehbar. Am Ende des Tages sorgt nämlich der Kader für den Erfolg. Zumindest im besten Fall.

Auch in dieser Kategorie hat die 1. Bundesliga einen neuen Rekord verzeichnen können. Der Wert für bilanzierte Spieler stieg zur Saison 2016/17 laut DFL Report 2018 um 36 % auf einen Wert von 947 Millionen €. Die Grenze der 1. Milliarde kommt somit immer näher.

Innovationen im DFL Report 2018

Neben den ganzen Zahlen, Daten und Fakten, die ich hier für Dich aufbereitet habe, enthält der DFL Report 2018 noch zahlreiche qualitative Seiten. Darin berichtet die DFL von verschiedenen Aktivitäten der letzten Jahre.

Es geht vor allem um die Internationalisierung, die gesellschaftliche Verantwortung über die hauseigene Stiftung und natürlich um Innovationen.

Auf den letztgenannten Punkt möchte ich an dieser Stelle noch kurz eingehen. Unter Innovation versteht die DFL unter anderem folgendes:

Im letzten Jahr richtete die Dachorganisation der 1. Bundesliga den 1. Internationalen Spielanalysekongress mit 220 internationalen Gästen in Frankfurt am Main aus. Die Veranstaltung wurde zusammen mit dem DFB organisiert und soll von nun an jährlich stattfinden.

Offensichtlich scheint die DFL auf den Geschmack von Events gekommen zu sein. In einem ähnlichen Format plant sie nämlich für Mai 2018 eine Veranstaltung zum Thema SportsInnovation.

Diese trägt das Motto „MEET THE FUTURE OF SPORT – MEDIA – STADIUM“ und soll in Düsseldorf stattfinden.

Ich finde es gut, dass die DFL sich neue Formate einfallen lässt, um Innovationen in der Bundesliga voranzutreiben! Abschließend sei noch gesagt, dass das Wort „eSports“ nicht ein einziges Mal im gesamten DFL Report 2018 auftaucht.


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4 thoughts on “So steht die Bundesliga wirtschaftlich da: Analyse zum DFL Report 2018

  • 23. Februar 2018 um 10:38
    Permalink

    Hallo Herr Leister,

    mal wieder eine schöne, prägnante Zusammenfassung: Nicht zu tief in den (Bilanz-)Details und dennoch aussagekräftig und für jedermann verständlich geschrieben. TOP!

    Mal schauen, wie es sich weiter entwickeln wird. Ich bleibe da kritisch, was das zukünftige Wachstum angeht, weil:

    1. Die zunehmende Kommerzialisierung überschreitet das erträgliche Maß mehr und mehr und selbst echte Fußballfans wenden sich mittlerweile vom „Produkt“ ab bzw. denken zumindest darüber nach.

    2. Das Umsatzwachstum resultiert aus den wenigen von Ihnen angesprochenen Faktoren, insbesondere den Einnahmen aus der medialen Vermarktung (vornehmlich TV-Rechte). Sollte hier ein Umkehrtrend einsetzen (vgl. Italien), wird sich das direkt auf das Wachstum auswirken.

    3. Ihr Abschlusssatz spricht ein wichtiges Thema an: Die Entwicklungen im Bereich „eSports“ muss man m.E. dringend im Auge behalten, da dieses ganz sicher in der zukünftigen Sportvermarktung als Konkurrenzprodukt eine Rolle spielen wird. Der gesamte Kuchen wird vss. mit einem ernstzunehmenden Player geteilt werden müssen. Die Wachstumsraten sind immens, die Begeisterung für das Produkt ist sehr groß, die Hallen und Stadien sind voll. Und vor allem: Die Nachfolgegenerationen werden sich diesem Thema zunehmend intensiver widmen. Hier stellt sich für mich die Frage, in wie weit die Vereine in dieses Geschäft mit einsteigen können oder ob es hier andere Wettbewerber geben wird …, schaun mer mal!

    In diesem Sinne, passgenaue Grüße nach Hamburg

    Holger Schmitz

    Antwort
  • 23. Februar 2018 um 11:10
    Permalink

    Lieber Ralf,

    eine sehr starke Zusammenfassung, die den gesamten Report extrem gut wiedergibt. Danke – dadurch hast Du mir ca. 30Min meiner Zeit erspart, von der ich nun gerne etwas wieder zurückgebe, indem ich das hier schreibe.

    Im Allgemeinen finde ich deine Vorgehensweise sehr gut, denn Du schaffst durch deine Präsenz einen sehr wertvollen Mehrwert.

    Bis bald auf dem nächsten Event

    Antwort
    • 23. Februar 2018 um 15:21
      Permalink

      Lieber Andreas,

      vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, um einen Kommentar zu schreiben. Das bedeutet mir sehr viel!

      Ich freue mich auf unser nächstes Treffen und schicke Dir sonnige Grüße aus Hamburg
      Ralf

      Antwort

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