Wie die Dreifachbestrafung abgeschafft werden könnte

Wie die Dreifachbestrafung abgeschafft werden könnte

LINKEDIN
SOCIALICON
Facebook
YOUTUBE

Die sogenannte „Dreifachbestrafung“ gehört im Fußball zu den am meist diskutierten und umstrittensten Regeln, da sie einen erheblichen Einfluss auf den weiteren Verlauf eines Spiels hat.

Der erste Gastautor auf FussballWirtschaft – Stefan – hat einen spannenden Vorschlag zur Minderung des Einflusses dieser Regelung. Dies sorgt im Umkehrschluss wiederum zu mehr Spannung.


Ich habe Stefan Thiem bei der → Konferenz zum Thema „Wachstumsmarkt Fußball“ kennen gelernt. Seitdem haben wir uns regelmäßig ausgetauscht. Dieser Austausch mündet heute im ersten von hoffentlich mehreren Gastbeiträgen.

Stefan ist seit 2014 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Finanzwissenschaft II an der Universität Münster. Das Thema seiner Dissertation ist Sportökonomie, mit Schwerpunkt Fußball. Fokus seiner Forschung sind der DFB-Pokal, Messung von Spielstärken einzelner Spieler, Ticketpreise und deren Auswirkung auf Gewalt & Hooligans.


Elfmeter + Rote Karte + Sperre = Dreifachbestrafung

Die Regel der „Dreifachbestrafung“ sieht im Falle der Verhinderung einer klaren Torchance im Strafraum vor, dass ein Elfmeter sowie eine rote Karte gegen den Spieler verhängt werden, der das Foul verübt hat.

Anschließend wird dieser Spieler in der Regel für ein bis zwei weitere Spiele gesperrt. Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit, wie die Pokalspiele VfL Bochum gegen Bayern München oder Bayer Leverkusen gegen Werder Bremen, zeigen, dass Spiele oftmals durch diese Bestrafungsform (Elfmeter plus rote Karte) stark beeinflusst werden.

Bisherige Lösung verbesserungswürdig

Auf der Jahresversammlung des International Football Association Board (IFAB) im letzten Jahr wurde daher beschlossen, dass „diese Bestrafung zu hart ist und eine Lösung gefunden werden muss“.

Die UEFA reichte dazu einen Vorschlag ein, bei dem in einzelnen Fällen statt einer roten Karte nur eine gelbe Karte gegeben werden soll und kam damit einer Forderung einiger Experten nach.

Auf der diesjährigen Tagung des IFAB wurde dem Antrag stattgegeben, sodass ein Schiedsrichter dem Abwehrspieler nun auch nur eine gelbe Karte geben kann, falls der Angriff des Verteidigers dem Ball galt.

Keine Anreize für Notbremsen schaffen

Die Regel mit der roten Karte hat allerdings durchaus ihre Daseinsberechtigung, da die zusätzlich verhängte rote Karte dafür sorgt, dass die gefoulte Mannschaft auf jeden Fall nicht schlechter gestellt wird, falls der Elfmeter verschossen wird.

Im Falle einer Regel, bei der nur eine gelbe Karte verhängt wird, kann es passieren, dass die Mannschaft, die gefoult hat, durch die Vereitelung einer klaren Torchance besser gestellt wird als ohne das Foul (Verhinderung der Chance, gelbe Karte und verschossener Elfmeter).

Dies würde den Anreiz einer Notbremse im Strafraum für die verteidigende Mannschaft erhöhen. Dies steht jedoch im Widerspruch zu den Grundsätzen des Fairplays im Fußball.

Vorschlag: Verlängerter Vorteil

Eine sinnvolle Alternative zu der bisherigen Praxis ist daher der „verlängerte Vorteil“. Im Falle einer Vereitelung einer Torchance im Strafraum durch ein Foul wird dabei der gefoulten Mannschaft weiterhin ein Elfmeter zugesprochen, aber vorerst nur die gelbe Karte gezeigt (ein bereits verwarnten Spielers erhält direkt die gelb-rote Karte).

Diese wird jedoch in eine rote Karte umgewandelt, falls der anschließende Elfmeter verschossen wird. Dadurch ist zum einen sichergestellt, dass die gefoulte Mannschaft auf jeden Fall besser gestellt ist (Tor bei einem erfolgreichem Elfmeter oder rote Karte für den Gegner bei einem verschossenen Elfmeter), sodass der Anreiz einer Notbremse stark sinkt.

Zum anderen erfolgt für die andere Mannschaft keine doppelte Bestrafung, da entweder der Gegner ein Tor erzielt oder ein Mitspieler des Feldes verwiesen wird. Jedoch kann mit der Ausnahme einer gelb-roten Karte nie beides geschehen.

Der „verlängerte Vorteil“ wartet also das Ergebnis des Elfmeters ab, bevor ein individuelles und abschließendes Strafmaß für den Spieler gefällt wird, der das Foul begangen hat.

Vergleich zur klassischen Vorteilsregelung

Die Sinnhaftigkeit des „`verlängerten Vorteils“‚ zeigt sich zum Beispiel auch in einer Situation, in der ein Stürmer zwar durch eine Notbremse im Strafraum gefoult wird, durch eine Vorteilsauslegung des Schiedsrichters es dennoch schafft, ein Tor zu erzielen.

In diesem Fall wäre das Foul des Verteidigers nur mit gelb zu ahnden, da durch das Entstehen einer weiteren Chance (in diesem Fall das Erzielen des Tores) das Verhindern einer klaren Torchance nicht mehr zum Tragen kommt.

Genau das gleiche Resultat (Tor plus gelbe Karte) liefert die Regelauslegung im Sinne des „`verlängerten Vorteils“‚, falls der Elfmeter verwandelt wird.

Hätte der Schiedsrichter den Vorteil hingegen nicht abgewartet, hätte es bei derzeitiger Regelauslegung einen Elfmeter und eine rote Karte geben müssen, wodurch ein anderes Resultat erreicht wird.

Gefoulte Mannschaft kann entscheiden

Diese Regeländerung würde dazu führen, dass eine gefoulte Mannschaft sich nun strategisch verhalten kann, da sie freiwillig den Elfmeter verschießen könnte, wenn sie glaubt, durch die Überzahl höhere Erfolgschancen zu haben als durch ein zusätzliches Tor.

Dies ist aus einer Gerechtigkeitsperspektive allerdings als fair zu bewerten, da die gefoulte Mannschaft durch die Verhinderung der Torchance benachteiligt wurde und jetzt „wählen“ kann, wie dies kompensiert werden soll.

Auswirkungen auf die Sperrzeit

Abschließend soll noch die Sperre als weiteres Strafmaß diskutiert werden. Da zur Zeit die gelb-rote Karte mit einem Spiel Sperre geahndet wird, bietet sich hier an, das gleiche Strafmaß für die Notbremse zu verwenden.

Es ist jedoch wichtig, dass die Länge der Sperre unabhängig vom Ausgang des Elfmeters ist. Die aktuelle Praxis variiert zur Zeit noch das Strafmaß in Abhängigkeit, ob der Elfmeter erfolgreich war.

Ein Spieler, der durch den „verlängerten Vorteil“ nur die gelbe Karte bekommen hat anstatt einer roten, sollte demnach trotzdem für das nächste Spiel gesperrt werden. Dies folgt dem Grundsatz, dass das gleiche Foul (Verhindern einer klaren Torchance) auch gleich bestraft werden sollte.

Fazit

In Zeiten, in denen im Fußball vermehrt über die Einführung eines Videobeweises bzw. technische Hilfsmittel diskutiert wird, könnte die Regel mit dem „verlängerten Vorteil“ die bestehende Problematik mit der Dreifachbestrafung vergleichsweise leicht lösen.

Zusätzlich würde mit der Entscheidungswahl (Elfmeter oder rote Karte) durch den jeweiligen Trainer ein neues, strategisches Element in den Fußball gebracht werden.


Digitalisierung des Fußballs

 

LINKEDIN
SOCIALICON
Facebook
YOUTUBE

7 thoughts on “Wie die Dreifachbestrafung abgeschafft werden könnte

  • 21. Dezember 2016 um 21:05
    Permalink

    Sorry Leute, das mag theoretisch noch ganz nett sein, praktisch ist es nicht praktikabel, um es mal höflich auszudrücken. Fußball ist ein einfaches Spiel und sollte es auch bleiben. Den Mannschaften durch Regeländerungen an den persönlichen Strafen Möglichkeiten zur taktischen Ausrichtung an die Hand zu geben ist weder klug noch hilft es wirklich der Gerechtigkeit. Letztendlich ist es ja auch bei der klaren Torchance die verhindert wird nur wahrscheinlich, aber keineswegs sicher, dass er Ball ins Tor geht. Warum sollte es also gerecht sein, dass ein Spieler einen Feldverweis erhält, nur weil der Gegner den Strafstoß nicht verwandeln kann oder will? Und wo bleibt die Gerechtigkeit, wenn der Schiedsrichter sich irrt? Außerdem ist die klare Torchance nirgendwo richtig definiert, denn was in der Bundesliga noch funktioniert, sieht im Amateurfußball schon ganz anders aus. Ich leite Spiele bis A-Jugend Bezirksliga und bei mir ist z.B. der Anspruch an eine klare Torchance schon sehr hoch, einfach weil Amateurfußball, den es j auch betreffen würde, klare körperliche Defizite ausweist. Die aktuelle Regeländerung bringt schon Probleme genug, jedenfalls unterhalb des Profi-Fußball, ganz ehrlich, da helfen komplexe Regeländerungen wenig.
    Zusätzlich ist es auch aus weiterhin ungerecht, denn man stelle sich mal vor der Trainer würde sich entscheiden, dass der Strafstoß normal ausgeführt werden soll und der Spieler verschießt den Strafstoß. Dann bekommt er als Trost einen Feldverweis für den Gegner. Der Trainer, der sich dagegen für das Verschießen entscheidet, der bekommt zu 100% was er will (außer der Schütze ist ganz dämlich). Bleibt abschließend noch die Frage, wann der Spieler, wenn der Strafstoß verschossen wird und der Ball im Spiel bleibt, den Feldverweis bekommen soll? Sofort? Evtl. kann nur wenige Sekunden später ein Tor erzielt werden? Bei der nächsten Unterbrechung? Der fehlbare Spieler startet nach dem abgewehrten Strafstoß einen Konter und erzielt ein Tor? Nee, ich bleibe dabei, echt keine gute Idee.

    Antwort
  • 22. Dezember 2016 um 9:55
    Permalink

    Ich sehe das sehr ähnlich wie Jürgen, in seinem Beitrag unter dem Blog: Fußball sollte einfache Regeln haben und fair sein. Die dreifach Bestrafung ist kompliziert und unfair! Letzteres, weil entweder die Folgesituation Auswirkung auf das Strafmaß hat (je nach verwandeltem oder verschossenem Elfmeter wird die Sperre entschieden) oder im Falle einer Fehlentscheidung des Schiedsrichters (siehe Naldo gegen RB Leipzig), kein Freispruch erfolgt!

    Mein Vorschlag für die Regeländerung: rot und Elfmeter bleiben bestehen. Ja nach Art des Fouls, folgt die Bestrafung, also Blutgrätsche hohe Sperre, „Berührung“ kleine Sperre, Schwalbe (Naldo) Freispruch! Alternativ könnte man darüber nachdenken, dass die rote Karte beim Verhindern einer Torchance automatisch nur zu einer Minderung für das laufende Spiel führt und keine Sperre nach sich zieht. Sieht man mal von richtig bösen Fouls ab, wäre das Strafmaß aus meiner Sicht mehr als ausreichend!

    Was aus dem Elfer wird ist irrelevant, denn das foulende Team ist durch rot für das laufende Spiel und den Elfer ausreichend bestraft! Vor allem diese „Willkür“ muss aus meiner Sicht abgeschafft werden! Fehlentscheidungen lassen sich so nicht verhindern, aber die Auswirkung für das bestrafte Team bei einer Fehlentscheidung, sind nicht zumutbar! Naldo hätte einen Freispruch bekommen MÜSSEN!

    Der Umgang mit Fehlentscheidungen ist für mich einer, an dem massiv gearbeitet werden muss, denn die Auswirkung die diese auf die bestraften Teams haben, sind unfair! Aber das ist ein anderes Thema.

    Antwort
  • 22. Dezember 2016 um 16:07
    Permalink

    Es freut mich, dass es hier zu einer kleinen Diskussion gekommen ist und ich kann einige Punkte von euch nachvollziehen. Ich möchte jedoch anmerken, dass in meinem Artikel lediglich Spielsituationen betrachtet werden, in denen nach aktueller Regelauslegung eine rote Karte wegen Notbremse bzw. Verhindern einer klaren Torchance und ein Elfmeter verhängt werden. Wann jetzt genau ein Foul rotwürdig ist, liegt weiterhin im Ermessen des Schiedsrichters. Genauso kann es natürlich weiterhin Fehlentscheidungen geben, die jedoch in meinem Fall sogar weniger gewichtig sind, falls der Schiedsrichter auf eine Schwalbe hereinfällt, da die Mannschaft nur noch einfach bestraft wird.

    @Jürgen. „Zusätzlich ist es auch aus weiterhin ungerecht, denn man stelle sich mal vor der Trainer würde sich entscheiden, dass der Strafstoß normal ausgeführt werden soll und der Spieler verschießt den Strafstoß. Dann bekommt er als Trost einen Feldverweis für den Gegner. Der Trainer, der sich dagegen für das Verschießen entscheidet, der bekommt zu 100% was er will (außer der Schütze ist ganz dämlich).“ Ich verstehe nicht genau, was darin ungerecht ist. Selbst die beste Taktik bringt in einem normalen Spiel ja auch nicht, wenn die Spieler sie nicht richtig ausführen bzw. nicht die nötige W

    Ich möchte ein kleines Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit geben, die mich auf die Idee dieser Regel gebracht hat. Es geht um das Viertelfinale Leverkusen gegen Bremen im DFB-Pokal: https://www.youtube.com/watch?v=iChbyHWBJWI

    Beide Mannschaften bekommen im Laufe des Spiels zurecht einen Elfmeter zugesprochen und verwandeln diesen. Im Gegensatz zum Bremer Spieler (der zurecht Gelb bekommt) wird der Leverkusener Spieler (nach aktueller Regelauslegung völlig korrekt) mit Rot bestraft. Dies ist in meinen Augen unfair, da ja beide Fouls mit dem verwandelten Elfmeter belohnt und entschädigt wurden. Warum wird Leverkusen nun härter bestraft?

    @Jürgen „Zusätzlich ist es auch aus weiterhin ungerecht, denn man stelle sich mal vor der Trainer würde sich entscheiden, dass der Strafstoß normal ausgeführt werden soll und der Spieler verschießt den Strafstoß. Dann bekommt er als Trost einen Feldverweis für den Gegner. Der Trainer, der sich dagegen für das Verschießen entscheidet, der bekommt zu 100% was er will (außer der Schütze ist ganz dämlich).“

    Ich verstehe nicht genau, was daran ungerecht ist. Der gleiche Tatbestand (verschossener Elfmeter) führt zum gleichen Ergebnis (rote Karte für den Gegner). Das nicht jede Taktik zum gewünschten Erfolg liegt in dem Fall am Unvermögen des Spielers und nicht an der Regel.

    „Bleibt abschließend noch die Frage, wann der Spieler, wenn der Strafstoß verschossen wird und der Ball im Spiel bleibt, den Feldverweis bekommen soll? Sofort? Evtl. kann nur wenige Sekunden später ein Tor erzielt werden? Bei der nächsten Unterbrechung? Der fehlbare Spieler startet nach dem abgewehrten Strafstoß einen Konter und erzielt ein Tor?“

    Das ist ein guter Punkt. Ich denke, der Spieler müsste erst einmal das Spielfeld verlassen und dürfte das Spielfeld erst wieder betreten, wenn der Elfmeter (und die nachfolgenden Spielsituationen) zu keinem Torerfolg geführt haben. Hier beitet sich an, bis zur nächsten Spielunterbrechung (Einwurf, Ecke etc.) zu warten.

    Antwort
    • 24. Dezember 2016 um 12:16
      Permalink

      Ich freue mich auch sehr, dass wir hier ins Diskutieren kommen.

      Deinen Vorschlag, Stefan, finde ich wie bereits gesagt höchst spannend. Mir geht es dabei vor allem darum, die Spannung im Spiel hoch zu halten.

      Natürlich gebe ich Euch, Britta & Jürgen, Recht. Mit dieser Regel würde das Spiel komplizierter werden. Nichts desto trotz ist es das teilweise heute schon: Aktives / passives Abseits, die Frage, wann ein Handspiel „angeschossen“ ist, taktische Fouls etc.

      Insbesondere bei letztgenannten können die Spieler „strategisch“ entscheiden. Sie müssen immer zwischen dem Schaden einer gelben oder gelb-roten Karte und dem Gewähren des Angreifers abwägen.

      Ich bin mir sicher, dass die Zuschauer sich schnell an die neue Regelung gewöhnen würden.

      Im DFB-Pokal ist es mittlerweile in der Verlängerung gestattet, ein viertes Mal zu wechseln. Das ist auch komplexer, tut dem Spiel (und den Spielern) aber sicher gut.

      Meiner Ansicht nach wären es die zusätzliche Spannung und Gerechtigkeit wert, das Spiel etwas komplexer zu gestalten.

      Ich wünsche Euch frohe Weihnachten und hoffe, dass Ihr fleißig weiter kommentiert!

      Euer Ralf

      Antwort
  • 28. Dezember 2016 um 15:55
    Permalink

    Hallo Ralf,

    zur Ungerechtigkeit: Bis heute richten sich taktische Elemente nicht an Wahlmöglichkeiten bei den Regeln aus. Das sollte aus meiner Sicht auch so bleiben, denn ich sehe hier nicht die höhere Gerechtigkeit. Dazu müsste man erst einmal einvernehmlich festlegen was denn Gerechtigkeit im Fußball überhaupt bedeutet. Mir ist auch nicht klar, wie das Element die Spannung erhöhen soll.

    zu anderen komplexen Regeln: Bei Abseits und Handspiel entscheidet der Schiedsrichter in Bruchteilen. Aus meiner Sicht ist die Auslegung hier klar, Hand bzw. Abseits ist, wenn der Schiedsrichter pfeift. Das meine ich auch nicht flapsig, sondern so, wie es dort steht. Das macht die Angelegenheit einfach für den Zuschauer und bietet außerdem den Stoff für die Kneipendiskussion. Gerechtigkeit wird es hier nie geben und das ist auch ok für mich. Ich finde z.B, das Gräfes Pfiff in Karlsruhe korrekt war, der Arm war nicht am Körper, der Ball hat den Arm eindeutig berührt. Ob es dann ein strafbares Handspiel war entscheidet ausschließlich der Schiedsrichter.
    Zum Vorschlag selber: Hier möchte ich noch ergänzen, dass man durch eine gewählte rote Karte bzw. den absichtlich verschossenen Strafstoß, zum einen auch die weiteren Spieltage beeinflusst, da eine Sperre herbei geführt wird und es auch nie der Geist der Regel war einen Strafstoß absichtlich zu verschießen.

    Ich bleibe dabei, zu theoretisch, zu kompliziert, kein echter Effekt und für den Amateurfußball wäre es eine Katastrophe.

    Grüße

    Jürgen

    Antwort
  • 29. Dezember 2016 um 16:48
    Permalink

    Drei Dinge möchte ich noch kurz ergänzen:

    1.) zum Thema Gerechtigkeit: diese ist eine subjektive Wahrnehmung, sodass jeder dort eine andere Empfindung hat. Für mich ist es zum Beispiel ungerecht, dass ein Vergehen (in diesem Fall die Notbremse) doppelt bestraft (Tor + rote Karte) werden kann. Daher kam mir die Idee mit dem „verlängerten Vorteil“, die diese Aktion nur einfach bestraft (entweder Tor oder rote Karte). Somit haben einzelne Spielsituationen einen geringeren Einfluss auf das Ergebnis, was zusätzlich für mehr Spannung sorgt.

    2.) zum Thema Sperre: Hier gebe ich dir, Jürgen, komplett Recht. Die Sperre muss unabhängig vom Ausgang des Elfmeters sein (wie im drittletzten Absatz im Text beschrieben). Es kann also passieren, dass ein Spieler, der gemäß des „verlängerten Vorteils“ nur eine gelbe Karte bekommen hat, trotzdem für das nächste Spiel gesperrt wird. Leider sieht selbst die aktuelle Regelauslegung dies nicht vor und verteilt nach einer roten Karte unterschiedliche Sperren, je nach Erfolg bzw. Misserfolg des Elfmeteres. Dies sollte schnellstmöglich geändert werden.

    3.) zum Thema Kompliziertheit: auch hier gebe ich dir Recht, aber nur bedingt 🙂 Andere Sportarten (wie z.B. American Football) benutzen diese Regel auch und zwar ohne Probleme für die Spieler oder Zuschauer. Selbst im Futsal, dessen Regeln bei fast allen Fußball-Hallenturnieren auch auf Kreisebene angewandt werden, gibt es eine Art „verlängerten Vorteil“. Ein Spieler, der gerade eine zwei Minuten-Strafe absitzt, kann das Spielfeld in dem Moment wieder betreten, in dem die gegnerische Mannschaft ein Tor erzielt hat. Die Strafe verfällt also durch das Erzielen des Tores ab diesem Zeitpunkt. Dies ist fast analog zum „verlängerten Vorteil“ und im Futsal (wie auch im Eishockey) gibt es weder bei der Theorie noch bei der Kompliziertheit irgendwelche Probleme mit dieser Regel. Gerade im Fußball gibt es deutlich komplizierte Regeln (Handspiel, Abseits (aktiv, passiv), Rückpassregel (kontrolliert oder nicht), etc.). Leider ist mir deshalb nicht klar, wo genau die „Katastrope“ für den Amateurfußball liegen soll.

    Antwort
  • 4. Januar 2017 um 19:35
    Permalink

    Stefan, das ist recht einfach mit der Katastrophe. Wir reden hier über die Kreisklasse, hier haben sich bei nicht so wenigen Leuten noch nicht einmal Regeln herumgesprochen, die schon vor Jahren geändert wurden. Wenn ich mir also mal vorstelle, es kommt zu einer klaren Vereitelung einer klaren Torchance – das ist an sich schon schwierig bei den Amateuren, Thema Ballkontrolle, Technik, Geschwindigkeit. Ich z.B. ahnde ein Vergehen als Vereitelung einer klaren Torchance abhängig vom Können der Mannschaften. Das ist im Übrigen mein Beitrag zur Gerechtigkeit – und es gibt einen Strafstoß. Jetzt muss der Spieler vom Platz gehen, ohne eine rote Karte gesehen zu haben. Das sorgt schon für Irritationen. Dann muss der Schütze sich ggf. mit dem Trainer abstimmen, diskutiert vielleicht noch. kannst Du Dir vorstellen, was da auf manchen Plätzen los ist? Jetzt wird der Strafstoß verschossen, nehmen wir mal an, der Ball bleibt im Spiel und geht erst eine Minute später ins Aus. Jetzt müsste ich formal zum Spieler, der ja noch draußen steht, gehen und ihm die rote Karte zeigen. Und das soll der durchschnittliche Amateurfußball-Zuschauer bzw. Spieler verstehen? No way, die Prügel kassieren dann die Schiedsrichter, evtl. sogar echte Prügel.
    Schau Dir mal ein Spiel in der 3.Kreisklasse an. Geh mal auf Fussball.de und schau mal in die Fairnesstabelle bei Vereinen in dem Landkreis. Das Spiel es Vereins, der dort Letzter ist, siehst Du Dir an. Beobachte nur das Verhalten von Zuschauern, Bank und Spielern und dann sag mir nochmal, ob die Regeländerung kein Problem wäre.

    Noch zwei Worte zum Handspiel und Abseits – natürlich kompliziert, aber hier gilt: Abseits bzw. Handspiel ist, wenn der Schiedsrichter pfeift und das Spiel geht sofort weiter. Die Komplexität liegt also vollständig beim Schiedsrichter. Und so sollte es meiner Meinung nach auch bleiben. Und noch am Rande, ich verabscheue Futsal 😉

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.