Wie schnell dreht sich das Trainerkarussell bei Deinem Lieblingsclub?

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Bereits in der vergangenen Woche ging es um die Trainerwechsel in der Bundesliga. Der Beitrag war noch etwas theoretisch. Das gebe ich zu. Deshalb wird es diese Woche etwas praktischer und wir schauen uns das Trainerkarussell bei Deinem Lieblingsclub etwas genauer an.

Unter dem Trainerkarussell verstehe ich den Wechsel auf dem Trainerposten. Die Schnelligkeit, mit der sich das Karussell dreht, gibt an, wie sicher der Arbeitsplatz des Trainers bei Deinem Lieblingsclub ist. Wie Du Dir sicher vorstellen kannst, finden wir in der Bundesliga eine große Bandbreite an Antworten auf diese Frage.

Es folgt also nach einer kurzen Durststrecke endlich mal wieder eine Analyse.

Methodik & Datenerhebung fürs Trainerkarussell

Bevor wir auf die Ergebnisse schauen, möchte ich noch ein paar Worte über die Quelle sowie meine Methodik zur Datenerhebung verlieren.

Alle gleich gezeigten Zahlen basieren auf dem Portal weltfussball.de. Dort findest Du viele historische Daten zu Deinem Lieblingsclub. Unter anderem eben auch die Antwort auf die Frage, wie schnell sich das Trainerkarussell dreht.

Besonders spannend wird es allerdings erst, wenn wir die Daten aller Bundesligisten miteinander vergleichen. Genau das habe ich vor. Das heißt, ich habe mir die vergangenen Daten der in der Saison 2017/18 in der Bundesliga spielenden Fußballclubs angeschaut.

Zusätzlich zu dem bloßen Vergleich der Clubs untereinander habe ich mir auch die Trendentwicklung angesehen. Dementsprechend enthalten alle Diagramme, die Du gleich sehen wirst, drei Zeit-Angaben je Bundesligist.

  • Langfristig: 25 Jahre
  • Mittelfristig: 10 Jahre
  • Kurzfristig: 5 Jahre

Dadurch können wir uns anschauen, ob der Trainerjob bei Deinem Lieblingsclub in der jüngsten Vergangenheit (un-)sicherer geworden ist.

Als Stichtag habe ich mir hierbei – wie beim Beitrag aus der vorherigen Woche – meinen Geburtstag (13.03.) ausgesucht. Natürlich hätte man genauso gut jedes andere Datum wählen können.

Genug Vorgeplänkel. Schauen wir uns die Ergebnisse an.

Schnelligkeit vom Trainerkarussell

In der nachfolgenden Abbildung findest Du die Anzahl der Trainer, die Dein Lieblingsclub (und alle anderen Bundesligisten) in den drei Zeithorizonten beschäftigt hat.

Trainerkarussell: Anzahl der Trainer bei allen Bundesligisten (kurz-, mittel- & langfristig)
Trainerkarussell: Anzahl der Trainer bei allen Bundesligisten (kurz-, mittel- & langfristig)

Vielleicht wunderst Du Dich, warum RB Leipzig und die TSG Hoffenheim keinen dunkelblauen (langfristigen) Balken haben. Leider lagen für beide Clubs die Daten erst ab einem späteren Zeitpunkt vor. Für alle anderen Bundesligisten haben wir jedoch konsistente Daten.

Schnellstes Trainerkarussell

Das schnellste Trainerkarussell finden wir (auf Basis der langfristigen Perspektive) beim VfB Stuttgart. Die Schwaben haben innerhalb von 25 Jahren 26 Mal den Trainer ausgetauscht. Pro Jahr kam es also zu mindestens einem Trainerwechsel – im Durchschnitt.

Auf genau einen Trainer pro Jahr kommt der Hamburger SV. Innerhalb der 25 Jahre saßen ganze 25 verschiedene Trainer an der Seitenlinie der Rothosen.

Noch extremer wird die Betrachtung der Norddeutschen in der mittelfristigen Perspektive: Innerhalb von 10 Jahren kommt der HSV auf 17 verschiedene Trainer. Das sind 1,7 Trainer pro Jahr. Einen höheren Wert erzielt in der mittelfristigen Perspektive (10 Jahre) kein anderer Bundesligist.

Im kurzfristigen Bereich (5 Jahre) können die eben bereits erwähnten Stuttgarter den Wert von 1,7 Trainern pro Jahr dennoch übertreffen. Innerhalb von 5 Jahren wurden die Spieler des VfB von 10 verschiedenen Übungsleitern trainiert. Das macht genau 2 Trainer pro Jahr.

Zum Vergleich: Der HSV kommt auf 9 Trainer und somit 1,8 pro Jahr.

Jetzt haben wir die beiden wackeligsten Trainerstühle miteinander verglichen. Schauen wir einmal auf das Trainerkarussell, das sich am langsamsten dreht.

Langsamstes Trainerkarussell

Der SC Freiburg kommt in allen drei Zeitperspektiven mit der geringsten Anzahl an Trainern aus. Langfristig sind es 3, mittelfristig 2 und kurzfristig nur ein einziger Trainer (Christian Streich).

Auch an dieser Seite des Rankings möchte ich auf einen zweiten Club eingehen: Auf Werder Bremen.

Der Club von der Weser ist der einzige Bundesligist, der sowohl kurz-, als auch mittelfristig dieselbe Anzahl Trainer beschäftigt. Nämlich 5.

Dieses Phänomen können wir an einem Mann festmachen. Thomas Schaaf hat die grün weißen insgesamt 14 Jahre trainiert und sorgt dafür, dass die Zahl der Trainer gleichbleibt.

Trotzdem ist der Anstieg in dem durchschnittlichen Wert für die Trainer pro Jahr massiv. Mittelfristig beschäftigte Werder Bremen 5 Übungsleiter in 10 Jahren. Das sind 0,5 Trainer pro Jahr.

Kurzfristig waren es wie gesagt ebenfalls 5 Trainer. Diesmal allerdings in 5 Jahren. Das führt zu einem Durchschnittswert von einem Trainer pro Jahr und somit einer Verdopplung.

Zwischenfazit zum Trainerkarussell

Auf Basis dieser sehr oberflächlichen Betrachtung lassen sich schon ein paar Ableitungen treffen. Je weiter rechts Dein Club in dem obigen Schaubild steht, desto konstanter ist die Trainerposition besetzt.

Die Clubs auf der linken Seite haben durch häufige Trainerwechsel vermutlich eine gewisse Unsicherheit auf dieser Position, die sich auf die Mannschaft übertragen kann. Außerdem deuten häufige Trainerwechsel darauf hin, dass die sportlichen Erwartungen der Vereinsführung nicht erfüllt wurden.

Hinzu kommt, dass Trainerwechsel grundsätzlich aufgrund der Abfindung oder Fortzahlung des Gehaltes durchaus teuer sind. Je weiter links Dein Lieblingsclub in dem oben aufgeführten Bild ist, desto stärker dürfte dieser Effekt sein.

Ganz sicher können wir uns jedoch erst sein, wenn wir uns anschauen, ob die Trainerwechsel planmäßig oder außerplanmäßig waren.

Außerplanmäßiges Trainerkarussell

Ob ein Trainerwechsel geplant war oder eine ad-hoc Maßnahme darstellt, ist auf Basis der bloßen Daten durchaus schwierig abzulesen. Ich habe mich an folgender Maxime orientiert:

Ist ein neuer Trainer zu Saisonbeginn gestartet, wurde der Trainerwechsel planmäßig durchgeführt.

Daraus ergibt sich folgendes Bild. Die Reihenfolge der Bundesligisten ist dabei analog zur ersten Abbildung.

Trainerkarussell: Außerplanmäßige Entlassungen der Trainer (kurz-, mittel- & langfristig)
Trainerkarussell: Außerplanmäßige Entlassungen der Trainer (kurz-, mittel- & langfristig)

Planungs(un-)sicherheit beim Trainerkarussell

Die größte Unsicherheit in der Planung sehen wir wieder bei den beiden bereits angesprochenen Clubs aus Stuttgart und Hamburg. 20 Trainer wurden innerhalb von 25 Jahren außerplanmäßig entlassen.

Auf der anderen Seite profitiert der SC Freiburg natürlich von seiner geringen Anzahl an Trainern überhaupt. Dementsprechend können auch insgesamt nicht viele Trainer außerplanmäßig entlassen worden sein.

Planungssicherheit als Erfolgsfaktor

In der langfristigen Perspektive folgen auf die Freiburger sowohl der deutsche Rekordmeister FC Bayern München, als auch einer der Rivalen aus NRW – Borussia Dortmund. Beide Clubs kommen innerhalb von 25 Jahren auf nur 6 außerplanmäßige Entlassungen.

Ich erinnere mich gut daran, wie Trainerwechsel bei den Münchener Bayern teilweise zelebriert werden. Von vornherein ist klar, wann der Trainer den Club verlässt. Das finde ich wirklich beeindruckend.

Lediglich in Ausnahmefällen (Carlo Ancelotti, Jürgen Klinsmann etc.) kommt es zu einem außerplanmäßigen Trainerwechsel. Der Erfolg gibt beiden Clubs recht.

Interimstrainer im Trainerkarussell

Zum Abschluss möchte ich noch eine letzte Abbildung mit Dir teilen. Diese zeigt die Anzahl der Interimstrainer, die auf der Bank Platz genommen haben.

Sollte es zu einem außerplanmäßigen Trainerwechsel kommen, steht der nächste Kandidat nicht in jedem Fall direkt vor der Tür. Häufig dauert die Trainersuche ein paar Wochen. In dieser Zeit übernimmt dann häufig ein Trainer aus dem Jugendbereich oder der Sportdirektor selbst.

Aufgrund dieser Kurzeinsätze werden diese Übungsleiter auch als Interimstrainer bezeichnet. Ähnlich wie bei den außerplanmäßigen Trainerwechseln ist jedoch auch ein Interimstrainer aufgrund der bloßen Datenlage nicht sofort zu erkennen.

Deshalb habe ich mich an folgende Regel gehalten:

Ein Trainer, der weniger als 4 Wochen im Amt ist, ist ein Interimstrainer.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass jeder Trainer, der länger als 4 Wochen im Amt ist, kein Interimstrainer ist. Natürlich ist die Welt in Wirklichkeit nicht schwarz weiß. Ich habe in den Daten auch einige Trainer gesehen, von denen ich weiß, dass sie den Posten lediglich übergangsmäßig innehaben werden.

Trotzdem habe ich mich für die Grenze von 4 Wochen entschieden. Der Grund ist ganz einfach: Innerhalb von 4 Wochen können 5 Spieltage fallen. Das sind immerhin knapp 15 % aller Spieltage einer Saison.

Nachfolgend siehst Du nun die Anzahl der Interimstrainer für Deinen Lieblingsclub. Die Reihenfolge ist dabei wieder analog zu den beiden vorherigen Grafiken.

Trainerkarussell: Anzahl der Interimstrainer (kürzer 4 Wochen) kurz-, mittel- & langfristig
Trainerkarussell: Anzahl der Interimstrainer (kürzer 4 Wochen) kurz-, mittel- & langfristig

Nicht alle Clubs nutzen Interimstrainer

Auf den ersten Blick wirkt das Bild etwas durcheinander. Das liegt daran, dass nicht alle Bundesligisten Interimstrainer nutzen. Mit Eintracht Frankfurt, FC Augsburg, Borussia Dortmund, SC Freiburg und RB Leipzig verzichten gleich fünf Bundesligisten auf Übergangslösungen.

Anscheinend schaffen es diese Clubs auch im Falle einer Entlassung des Trainers sofort die nächste langfristige Lösung einzustellen. Auch das ist ein Anzeichen von Planungssicherheit.

Schalke, Hertha & Hamburg „ganz vorne“

Auf der anderen Seite des Rankings stehen Schalke 04, Hertha BSC und der Hamburger SV. Diese drei Clubs sind kurz-, mittel- & langfristig die Bundesligisten, die die meisten Interimstrainer einsetzen.

Bei Schalke und Hamburg kommt es durchaus häufig zu Trainerwechseln. Einerseits macht es dies schwierig, immer direkt einen nächsten Kandidaten vorstellen zu können.

Andererseits wissen die Verantwortlichen mittlerweile auch, dass es recht regelmäßig zu einem Trainerwechsel kommt. Dementsprechend sollten sie die Augen immer offen halten.

Fazit zum Trainerkarussell

Mir persönlich hat es sehr viel Spaß gemacht, das Trainerkarussell der Bundesligisten anzuschauen. Eine ähnliche Analyse habe ich in meiner Bachelorarbeit ebenfalls durchgeführt. Dabei wollte ich zeigen, wie schnelllebig die Bundesliga insgesamt ist.

Innerhalb von 25 Jahren kamen alle Bundesligisten zusammen auf immerhin 276 Trainerwechsel. Das sind immerhin knapp 11 pro Jahr und somit fast ein Trainer pro Monat.

Trotzdem dreht sich kein Trainerkarussell wie das andere. Alle Bundesligisten unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Konstanz beziehungsweise Planungssicherheit auf dem Trainerposten. Wir können jedoch festhalten, dass wenig Trainer tendenziell ein beruhigendes Signal senden.

Geplante Trainerwechsel scheinen im Falle von Dortmund und Bayern jedoch auch kein Ausschlusskriterium für Erfolg darzustellen.


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2 thoughts on “Wie schnell dreht sich das Trainerkarussell bei Deinem Lieblingsclub?

  • 23. April 2018 um 10:39
    Permalink

    Hallo Herr Leister,

    mal wieder eine sehr interessante Analyse! Den VFB Stuttgart hätte ich bei dem ranking des Trainerkarussels vom Gefühl her nicht auf dem Spitzenplatz getippt …! Den HSV hätte ich dagegen ganz vorne gesehen . Diese Wahrnehmung dürfte wohl auf die Trainerentlassungen der letzten 10 Jahre beim HSV zurückzuführen sein. Hier erkennt man dann den Einfluss der eher kurzfristig wirkenden Eindrücke …

    Viele Grüße

    Holger Schmitz

    Antwort
    • 24. April 2018 um 6:17
      Permalink

      Guten Morgen Herr Dr. Schmitz, vielen Dank für den Kommentar! Bzgl. des Abschneidens vom VfB war ich ebenfalls sehr überrascht. Mal schauen, wie lange die dieses Ranking noch „anführen“.

      Liebe Grüße
      Ralf Leister

      Antwort

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