Transfergeschichten 2016

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In der vergangenen Woche widmeten wir uns einer stark quantitativen Analyse der → Sommer-Transferperiode 2016. Wie jedes Jahr, schrieb auch diese Wechselfrist ihre eigenen Geschichten. Von diesen wollen wir uns ausgewählte anschauen und sie kritisch beleuchten.

In diesem Beitrag setzen wir uns mit dem Verdienst von Mino Raiola, der Verpflichtung von Serge Gnabry sowie dem Kühne-Engagement beim Hamburger SV auseinander.

Raiola verdient 43 Mio. €

Bei den Transfergeschichten 2016 darf Mino Raiola nicht fehlen. Er ist mit Sicherheit der Top-Verdiener der abgelaufenen Transferperiode. Mino Raiola ist zwar kein Spieler und macht auf den ersten Blick auch nicht den Eindruck eines Sportlers. Er ist professioneller Spielerberater oder Spielervermittler.

Aufgaben eines Spielerberaters

Die Haupttätigkeit dieses Berufszweigs teilt sich in zwei Aufgaben.

  1. Transfers: Vermittlung von Spielern zwischen zwei Fußballclubs
  2. Schließen von Arbeitsverträgen: Verhandlungen des Arbeitsvertrags eines Spielers mit einem einzelnen Fußballclub

Bedarf an Spielervermittlern

Spielerberater sollen die Spieler vertreten, die sie engagieren. In der Regel bindet sich ein Profispieler längerfristig an eine Berateragentur bzw. einzelne Berater. Während sich die Fußballer auf ihre sportliche Karriere fokussieren, sollen die Spielervermittler die finanzielle Situation im Auge behalten.

Ein kleines Beispiel: Bei Transfers und in Arbeitsverträgen können einzelne Klauseln – wie beispielsweise eine Ausstiegsklausel – entscheidend sein. Die Berater achten darauf, dass ihre Schützlinge ein faires Angebot erhalten.

Kommen wir nun aber zu dem Verdienst von Mino Raiola. Wie verdient man als Spielerberater Geld?

Einnahmequellen eines Spielerberaters

Spielervermittler haben im Wesentlichen zwei Einnahmequellen.

  1. Partizipation an Ablösesummen: Wenn ein Spieler unter Zahlung einer Ablösesumme den Fußballclub wechselt, partizipiert der Spielerberater mit einem bestimmten Prozentsatz an der gezahlten Summe. In der Regel liegt diese bei etwa 10 %, kann jedoch in Extremfällen und je nach Höhe der Beteiligung am Spieler höher ausfallen. Diese Einnahmequelle ist sehr unregelmäßig, dafür aber relativ hoch.
  2. Partizipation am Gehalt: Damit die Spielerberater nicht auf teure Transfers ihrer Schützlinge angewiesen sind, partizipieren sie zu ähnlichen Prozentsätzen zusätzlich am Grundgehalt ihrer Schützlinge. Diese Einnahmequelle ist konstant und dafür – verglichen mit den Transfererlösen – niedriger.

Selbstverständlich ist es denkbar, dass Spielerberater bei Transfers in einen Interessenskonflikt geraten. Bedenken wir zwei unterschiedliche Alternativen:

  1. Ein Spieler könnte seinen aktuellen Club für eine hohe Ablösesumme verlassen und kassiert bei seinem neuen Arbeitgeber ein geringes Grundgehalt.
  2. Alternativ könnte der Schützling für eine niedrige Ablösesumme (evtl. gar ablösefrei) wechseln und ein hohes Gehalt kassieren.

Je nach der Perspektive des Beraters ist entweder das erste (kurzfristige Planung) oder das zweite (langfristige Planung) Angebot attraktiver. In jedem Fall ist es denkbar, dass die Berater nicht ausschließlich im Interesse ihrer Schützlinge agieren.

Darüber hinaus ist es möglich, dass ein Spielervermittler eine Art Signing-Fee für die Unterschrift eines Arbeitsvertrags vom jeweiligen Fußballclub erhält.

43 Mio. € in einer Transferperiode

Mino Raiola verdiente 43 Millionen € innerhalb einer Transferperiode mit drei Spielerwechseln:

  1. Paul Pogba wechselte für 105 Millionen € von Juventus Turin zu Manchester United
  2. Zlatan Ibrahimovic  wechselte ablösefrei von PSG zu Manchester United
  3. Henrikh Mkhitaryan wechselte für 42 Millionen € von Borussia Dortmund zu Manchester United

Besonders spannend ist, dass Raiola alle drei Schützlinge zu einem Club transferierte. Dies deutet eine enge Zusammenarbeit zwischen der Clubführung und dem Berater an. Außerdem verdeutlicht dieser Umstand die zunehmende Wichtigkeit von Spielerberatern – sowohl für Clubs, als auch für die Spieler.

Serge Gnabry wechselt an die Weser

ebenfalls eine meiner Lieblings-Transfergeschichten 2016 ist der Transfer von Serge Gnabry. Der Olympia-Zweite wechselt für 5 Millionen € von Arsenal London zu Werder Bremen. Soweit ist an diesem Transfer noch nichts Besonderes.

Deal mit Bayern München

Am Tag der Vollzugsmeldung des Transfers wurde in den Medien eine Involviertheit des FC Bayern München ins Spiel gebracht. Laut diesen Gerüchten soll es zwischen den Münchnern und den Norddeutschen eine Abmachung über ein Vorkaufsrecht für den 21-Jährigen geben.

Einige Quellen sprechen sogar davon, dass die Münchner die Ablösesumme gezahlt hätten. In diesem Fall käme der Transfer einer Leihe gleich.

Bis heute ist der Fall nicht abschließend geklärt. Während das Aufsichtsrat-Mitglied Willi Lemke den Deal indirekt bestätigte, wehrt sich Werder-Chef Frank Baumann dagegen. Er beteuert, dass Werder Bremen den Transfer ohne die Beteiligung der Münchner durchgeführt hat.

„Ich finde es sehr clever und kreativ, was Frank Baumann (Bremens Geschäftsführer, Anm. d. Red.) hinbekommen hat. So wie es gelaufen ist, finde ich es prima“
[Willi Lemke im Volkswagen Doppelpass auf Sport1]

Meiner Meinung nach liegt die Wahrheit in der Mitte zwischen: Der FC Bayern zahlt die Ablösesumme und Werder Bremen vollzieht den Transfer ohne Hilfe.

Ausstiegsklauseln

Bereits im Beitrag zu den → Arten von Spielerverpflichtungen habe ich Ausstiegsklauseln erläutert. Aus der Sicht des Talents Serge Gnabry ist es empfehlenswert, sich eine Ausstiegsklausel zu sichern.

Somit kann ein Top-Club den Spieler im Falle einer positiven Entwicklung einfacher verpflichten. Genau das wird das Ziel des jungen Deutsch-Ivorers sein.

Ich vermute, dass die Bayern für diese Ausstiegsklausel ein Vorkaufsrecht besitzen, sollten sich in der Zukunft mehrere Top-Clubs um die Dienste des 21-Jährigen bemühen.

Kühne leiht HSV Geld für Transfers

Der Mäzen und Logistik-Milliardär Klaus-Michael Kühne investiert erneut in den Hamburger SV. Bereits in der Vergangenheit hatte er Anteile erworben und Darlehen zur Verfügung gestellt. Die aktuelle Übereinkunft mit dem Namen Rahmenvereinbarung zur Qualitätsverbesserung enthält jedoch mindestens eine besondere Komponente.

Rückzahlung an Bedingungen geknüpft

Die Rückzahlung der Kredite für die Ablösesummen (~ 30 Millionen €) und Gehälter (vermutlich ein hoher einstellige Millionen-Betrag pro Jahr) neuer Spieler (u.a. Filip Kostic, Alen Halilovic, Douglas Santos) ist an den sportlichen Erfolg geknüpft.

Sollten die Hanseaten sich nicht für die internationalen Wettbewerbe (Europa League oder Champions League) qualifizieren, verzichtet der Geldgeber auf eine Rückzahlung.

„Verfehlen wir die Ziele, erlöschen die Forderungen“
[HSV-Finanzvorstand Frank Wettstein aus dem Abendblatt vom 10./11.September]

Leider konnte ich keinen zeitlichen Rahmen dafür ausfindig machen, halte es jedoch für sehr unwahrscheinlich, dass die Hanseaten in dieser Saison um die internationalen Ränge mitspielen.

„Risikokapital“ für den HSV

Der Hamburger Finanzvorstand – Frank Wettstein – bezeichnete das Darlehen von Herrn Kühne als Risikokapital. Dieser Ausdruck wird für Startup-Finanzierungen verwendet und beschreibt die Investition in junge Unternehmen, deren Geschäftsmodelle sich noch beweisen müssen.

Lohnend sind diese Investitionen nur dann, wenn das Startup sich positiv entwickelt und sich etablieren kann. Ich finde den Vergleich zum Hamburger SV und der angestrebten Qualifikation für die internationalen Wettbewerbe sehr treffend.

Fazit

Auch wenn die Sommer-Transferperiode 2016 bereits zwei Wochen vorüber ist, gibt es spannende Geschichten, die darüber hinausgehen.

Die Geschicke von Mino Raiola sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Nicht nur deswegen werden wir uns noch ausgiebiger mit dem Thema Spielerberater beschäftigen.

Sowohl Werder Bremen, als auch der Hamburger SV haben in der abgelaufenen Transferperiode kreative Wege gefunden, ihren aktuellen Kader zu verbessern. Ich vermute, dass wir solche Regelungen in Zukunft häufiger und bei mehreren Clubs beobachten werden.

Ausblick

Nach drei Beiträgen in Folge zur Sommer-Transferperiode 2016 widmen wir uns im kommenden Beitrag der Serie zu den Personalkostenquoten ausgewählter Bundesligisten.

Gestartet sind wir mit einer → Einführung in das Konzept der Personalkostenquote und der → Analyse für die gesamte Bundesliga. Anschließend folgte eine → vergleichende Untersuchung des FCB & BVB. Im kommenden Beitrag widmen wir uns → Schalke 04 und dem Hamburger SV. Ausstehend sind dann noch Borussia Mönchengladbach und die TSG Hoffenheim.


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