Vier Thesen von Joachim Hilke

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Wie im → Interview zum Thema → Zufall im Profifußball bereits angekündigt, hatte ich die Gelegenheit einen Vortrag von Joachim Hilke zu besuchen. Der Marketingvorstand der HSV Fußball AG war zu Gast beim Alumni-Treffen der Hamburg School of Business Administration (HSBA) & Bucerius Law School (BLS) in Hamburg.

Neben der authentischen Vortragsweise waren Joachim Hilkes Thesen höchst interessant. Mit seiner Zustimmung möchte ich Euch aus diesem Grund an den spannenden Aussagen teilhaben lassen.

Lediglich eine seiner Thesen bezieht sich konkret auf den Hamburger SV. Die anderen sind von allgemeiner Gültigkeit.

Joachim Hilke
Impressionen von der offenen Stimmung im HKIC Handelskammer InnovationsCampus (Fotos bereitgestellt durch die HSBA)

Geografisches Einzugsgebiet des HSV

Unabhängig von der aktuellen sportlichen Leistung hat der Hamburger SV durch seine geografische Lage einen enormen Wettbewerbsvorteil.

Die Stadt Hamburg gehört zu den kaufkräftigsten und größten Städten in Deutschland. Hinzu kommt, dass im Umkreis von 95 Kilometern (dann beginnt die Stadt Bremen) kein weiterer Bundesligist vorzufinden ist. In Richtung Norden, Osten & Westen müssten wir uns sogar noch weiter von der Hansestadt entfernen.

Auch wenn die Bremer und Wolfsburger dies womöglich nicht unterschreiben, führt dies dazu, dass der Hamburger SV als Club des Nordens bezeichnet werden kann.

In anderen Regionen ist der geografische Konkurrenzkampf dagegen viel größer. Beispielsweise muss man sich im Ruhrgebiet entscheiden, ob man Anhänger von Borussia Dortmund oder Schalke 04 ist. Gelsenkirchen und Dortmund liegen hierbei nur gute 25 Kilometer auseinander. Nach Köln, Gladbach und Leverkusen ist es von dort aus auch nicht weit.

Soziologischer Einfluss des Fußballs

Gleich zu Beginn des Vortrags wurden wir Zuhörer von Joachim Hilkes Einstellung zum Einfluss des Fußballs in der Gesellschaft überrascht. Seiner Meinung nach hat der beliebteste Breitensport der Deutschen in der Gesellschaft eine viel zu große Bedeutung.

Dies geht weit über die regelmäßigen Ausnahmezustände an den jeweiligen Austragungsorten während der Spieltage hinaus. Es sei kritisch zu sehen, wenn der Fußball den (emotionalen) Lebensmittelpunkt der Fans einnehme und aus diesem Grund andere Dinge vernachlässigt würden.

Mit dem großen Interesse der Fans gehen hohe Summen einher, die im Profifußball bewegt werden. Für neue Leser empfehle ich an dieser Stelle die Beiträge zur → Gründung der Bundesliga sowie → Kommerzialisierung der Bundesliga.

Zusätzlich zu den zahlreichen Möglichkeiten, die sich für die Clubs, die gesamte Liga (DFL) sowie die Verbände (FIFA, UEFA & DFB) daraus bieten, folgt eine große Verantwortung. Trotz des Hypes und der regelmäßigen Umsatz- & Transfer-Rekorde dürfe man nicht vergessen, nachhaltige Strukturen über alle Ebenen zu implementieren.

Diese Strukturen sind Joachim Hilkes Meinung nach unabdingbar, damit die Institutionen eine ihrer wichtigsten Aufgaben wahrnehmen können. Und damit kommen wir zu These drei und der Gleichberechtigung der Fußballclubs.

Gleichberechtigung als eine Hauptaufgabe

Joachim Hilke sieht die Gefahr, dass die Top-Clubs ihren Erfolg & Status zementieren. Dies bedeutet, dass die exklusive Gruppe der derzeit am höchsten erfolgreichen Clubs Regelungen anstößt, die diese langfristig bevorzugen.

Als aktuelles Beispiel gilt die → Champions League Reform. Wie bereits erläutert werden die Top-Clubs hierbei sowohl hinsichtlich der Vergabe der Startplätze, als auch bei der Verteilung der Gelder profitieren.

Langfristig führen diese Effekte dazu, dass die Schere zwischen den Top-Clubs und den restlichen Vereinen immer weiter auseinander geht. Man müsse demnach anstreben, einen Weg zwischen der Honorierung aktueller Erfolge und der Wahrung einer Chance für weniger erfolgreiche Clubs zu finden.

Es dürfe nicht sein, dass nahezu die gesamte Bundesliga nach München fahre und unter normalen Umständen keine Chance auf einen Sieg habe.

Wo wir gerade über Top-Clubs sprechen: Schauen wir uns abschließend den FC Barcelona etwas näher an.

Barcelona als Paradebeispiel für Ausbildung

La Masia – die Jugendakademie des FC Barcelona – sieht Joachim Hilke als Vorzeigebeispiel für die gesamte Fußballwelt. Von der U11 bis hin zur Mannschaft der Profis wird den Spielern dieselbe Fußball-Identität beigebracht.

Diese fängt beim Spielsystem an und geht über die Rollen einer jeden einzelnen Position bis hin zu Spielzügen und Taktiken. Dadurch werden die Fußballer von klein auf in eine bestimmte Richtung geschult. Auf diese Art und Weise können sie langfristig Weltklasse-Niveau erreichen.

Die Etablierung dieser Zustände ist hierbei komplizierter als zuerst angenommen. Die gesamte Organisation muss sich der gelehrten Philosophie unterordnen. Es dürfen beispielsweise nur Trainer und Spieler verpflichtet werden, die diese Identität ebenfalls verfolgen wollen und können.

In der Realität sieht es leider häufig ganz anders aus. Der Großteil der Trainerwechsel in der Bundesliga ist nicht geplant, sondern erfolgt aus einer Notsituation heraus. Jeder neue Kandidat für die Trainerposition bringt nun sein eigenes Konzept mit und stößt umgehend Veränderungen an. Genau das wird auch von ihm erwartet, schließlich musste der alte Trainer gehen, weil er offensichtlich nicht alles richtig gemacht hat.

Auf diese Art und Weise ist die erforderliche Konstanz und Weitsichtigkeit, wie sie seit vielen Jahren in Barcelona gelebt wird, kaum zu erreichen.

Fazit

Die Unterschiedlichkeit der angesprochenen Themen sowie die insgesamt sehr angenehme Atmosphäre führten zu einem kurzweiligen Abend. Zum Abschluss gibt es die Thesen von Joachim Hilke im Überblick:

  • Fußballclubs können aus ihrer geografischen Lage einen Wettbewerbsvorteil ziehen.
  • Unabhängig von einer bestimmten Region hat der Fußball flächendeckend einen (zu) großen soziologischen Einfluss.
  • Eine der größten Verantwortungen für die Institutionen des Profifußballs ist es, trotz des Hypes für Chancengleichheit zu sorgen.
  • Die Jugendarbeit des FC Barcelona dient als Vorbild für viele Fußballclubs, die sich mit der Implementierung einer Philosophie schwer tun.

Ausblick

Im kommenden Beitrag schließen wir die Serie zu den Personalkostenquoten der Bundesligisten ab. Nach → Bayern München & Borussia Dortmund sowie → Schalke 04 & dem Hamburger SV folgen Borussia Mönchengladbach & die TSG Hoffenheim.


Digitalisierung des Fußballs

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3 thoughts on “Vier Thesen von Joachim Hilke

  • 19. Oktober 2016 um 21:13
    Permalink

    Beachtlich finde ich lediglich, dass die Feststellung zum Einfluss des Fußballs auf die Gesellschaft von ihm kommt. Inhaltlich stimmt das schon seit etlichen Jahren. Stichwort mediale Aufmerksamkeit und Vermarktung im Stadion sowie in Funk und Fernsehen. Hast du ja in deinem Artikel zur Kommerzialisierung super aufgezeigt. Eine riesige Maschine, wovon jeder einen Teil haben möchte. Macht es für viele andere Leistungssportler und sehenswerte Sportarten zum echten Überlebenskampf. Nimmt man sich das Beispiel Sportstudio am Samstag, so sieht der Zuschauer inhaltlich 90-95 % Fußball. Mich stört das als Sportfan doch sehr und wird dem Titel der Sendung viel zu selten gerecht.

    Antwort
    • 19. Oktober 2016 um 22:30
      Permalink

      Da sprichst Du etwas Wahres an, Andreas. Insbesondere zu Olympia werden solche Stimmen immer wieder laut, verschwinden aber auch genauso schnell wieder.

      Es scheint so, als sei in den meisten anderen Sportarten einfach nicht genug Geld (= nicht genug Aufmerksamkeit) für eine ausgiebigere Berichterstattung. Somit kommt bei den Sportlern viel weniger an.

      Bleibt abzuwarten, ob das in Zukunft so bleibt, wenn man bspw. aufgrund der Digitalisierung und über soziale Netzwerke einfacher Sportarten vermarkten kann.

      Ich wünsche Dir einen schönen (Champions League-) Abend :-)!

      Antwort
  • 19. Oktober 2016 um 22:41
    Permalink

    Die Vermarktung über die sozialen Netzwerke ist noch recht jung, aber von vielen weit verbreitet und effizient genutzt. Felix Neureuther macht das beispielsweise ultra-geschickt und sehr sympathisch. So erfährt der Zuschauer auch etwas über den Menschen hinter dem Zirkus. Gibt noch viele weitere Beispiele. Beim letzten Besuch eines Alba-Spiels wurde auf insgesamt 6 soziale Kanäle angezeigt, 3 oder 4 davon kannte ich noch nicht einmal. Irre und auch da muss man anscheinend immer up to Date sein, als Verein und Sportler stets auch diesen Markt und seine Tendenzen beobachten/nutzen.

    Bei mir gab es heute Basketball den ganzen Abend, Eurocup. In der Halbzeit hab ich aber kurz rüber gezappt ;p

    Antwort

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