Ist die Österreichische eBundesliga auch was für Deutschland?

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In letzter Zeit war ich häufiger mal für FussballWirtschaft unterwegs. Am vergangenen Wochenende hat es mich das allererste Mal ins Ausland verschlagen. Ich war zu Gast beim Finale der Österreichischen eBundesliga in Wien.

Bisher war ich erst bei zwei eSports-Turnieren. Bei den EU LCS Spring Finals 2017 (League of Legends) und der ESL One (Dota 2). Beide Events fanden in Hamburg statt. Aller guten Dinge sind ja bekanntlich drei. Und dieses Mal ging es das erste Mal um FIFA 18 (auf der Playstation 4).

Am Ende des Turniers wurde hierbei neben dem Siegerteam (Sturm Graz) auch der beste Spieler (Sercan Kara vom LASK aus Linz) gekürt.

Genau wie bei meinen bisherigen Events sowie den zahlreichen Konferenzen, die ich besuche, möchte ich Dir das Gefühl geben, live dabei gewesen zu sein.

Wie kam es zur eBundesliga?

Das Thema eSports ist in aller Munde. Auch in der Deutschen Bundesliga wird viel über die Einführung einer eigenen eSports-Abteilung gesprochen.

Bis auf die Engagements einzelner Clubs ist bisher aber im Deutschen Profifußball noch nicht viel passiert.

Diese Bundesligisten haben eine eigene eSports-Abteilung
Diese Bundesligisten haben eine eigene eSports-Abteilung [Stand: Dezember 2017]
In Österreich ist das anders. Die Vereinigung der zwanzig Proficlubs hat sich dem Thema im Sommer 2016 angenommen. Wenige Monate später stand fest: 2017 startet die eBundesliga, die neben der Tipico-Bundesliga (höchste Spielklasse) und der Sky Go Erste Liga (zweithöchste Spielklasse) etabliert werden soll.

Ich finde dieses Tempo beeindruckend. Wie gesagt. In der Deutschen Bundesliga wird noch viel hin und her überlegt. In Österreich hingegen wird einfach mal gemacht. Mutig.

Was ist das Ziel der eBundesliga?

Man könnte nun vermuten, dass es bei der eBundesliga lediglich um die verstärkte Vermarktung des eigentlichen Fußballs geht. Dem ist aber nicht so.

Die eBundesliga soll neben den beiden Profiligen als dritter Wettbewerb etabliert werden und dabei vor allem die jüngere Zielgruppe ansprechen.

Obwohl es bei eSports häufig um das Thema Internationalisierung geht, ist diese nicht das Ziel der Verantwortlichen. Dafür ist der Österreichische Fußball aber auch zu klein.

Zum Vergleich: Alle 20 Proficlubs aus Österreich haben zusammen gerade einmal eine Millionen Facebook-Fans. Der FC Bayern München hat 43 Millionen Fans bei Facebook. Und auch der Bundesliga-Schnitt liegt mit ungefähr 4 Millionen Facebook-Fans wesentlich höher.

Vielleicht ist genau diese vergleichsweise geringe Größe des Österreichischen Profifußballs ein Grund für die Schnelligkeit der Entscheidungswege.

Dieses Phänomen beobachten wir ja auch außerhalb des Fußballs. Je größer das Unternehmen desto höher die Gefahr von langsamen Entscheidungen. Das ist aber ein anderes Thema :-).

Wie lief die eBundesliga ab?

An der eBundesliga haben alle Teams der Tipico-Bundesliga (höchste Spielklasse) teilgenommen. Jedes der zehn Teams hat dabei vier Spieler gestellt.

Diese vier Spieler wurden nach einer Online-Qualifikation bei live stattfindenden Club-Events ausgespielt. Während dieser Events wurde sehr emotionaler Video-Content produziert, den Du zum Beispiel bei YouTube wiederfindest.

Zurück zum eigentlichen Finale der eBundesliga: Innerhalb von „neun Spieltagen“ traten die Teams im 1 gegen 1 gegeneinander an. Am Ende stand somit automatisch das Siegerteam (Sturm Graz) fest.

eBundesliga: Um diesen Pokal ging es
eBundesliga: Um diesen Pokal ging es

Anschließend wurde mittels K.O.-Modus aus den jeweils besten Einzelspielern der beste FIFA 18 Spieler Österreichs gekürt. Das hat bis spätabends (ca. 23:30 Uhr) gedauert.

Wie war die Atmosphäre bei der eBundesliga?

Das Finale der eBundesliga ging von 13 Uhr bis fast in den nächsten Tag hinein. Als ich in der Event-Location Studio 44 in Wien eingetroffen bin, war der erste Spieltag schon im Gange.

Das bedeutet, dass alle vier Vertreter eines jeden Teams gerade in einem eins zu eins Spiel gegen Gegner aus derselben Mannschaft waren.

Bei zehn Teams mit je vier Spielern und zwei Spielern je Partie führt das zu 20 Einzelspielerduellen. Diese wurden an je 5 separaten Stationen durchgeführt, wobei ein Spiel der zentralen Station auf der Bühne auf zwei Großleinwänden übertragen wurde.

Anders als bei der ESL One und den EU LCS Spring Finals 2017 war die Location beim Finale der eBundesliga (Studio 44) wesentlich kleiner als die Barclaycard Arena in Hamburg.

Die Atmosphäre war dementsprechend nicht so aufgeladen, wie in einer großen Arena. Das hat neben dem Setup natürlich auch mit der vergleichsweise kleineren Zuschauerzahl (ich schätze 200-400) zu tun.

Atmosphäre bei der eBundesliga
Atmosphäre bei der eBundesliga

Dafür wirkte die gesamte Veranstaltung sehr persönlich und familiär. Hätte ich es drauf angelegt, hätte ich problemlos mit einzelnen Spielern ins Gespräch kommen können. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die Fans bzw. Zuschauer den Spielern auch während des Spiels ganz nah sein konnten.

Während der Partien war es in der Regel sehr ruhig. Ab und zu waren lediglich einzelne Jubelschreie, Klatscher oder Frustrationsrufe zu hören. Bei spannenden Aktionen auf der Leinwand wurde es durchaus schon mal etwas lauter.

Was für Zuschauer waren bei der eBundesliga?

Wie bereits beschrieben, unterschied sich das Finale der eBundesliga schon aufgrund der Zuschauerzahl von meinen bisherigen eSports-Erfahrungen.

Genau wie bei meinen beiden vorigen eSports-Erfahrungen war die Zielgruppe jedoch vor allem männlich. Anders als bei den beiden Veranstaltungen in der Barclaycard Arena waren die Zuschauer vor allem deutschsprachig.

Ein FIFA 18 Turnier mit Mannschaften der Tipico-Bundesliga zieht somit vermutlich hauptsächlich Österreichische Fans an. Wenig überraschend, wie ich finde.

Wie wurde die eBundesliga vermarktet?

Events sind heutzutage ohne passende Vermarktung undenkbar. Die eBundesliga hatte sechs sehr präsente Sponsoring-Partner. Fünf davon stellten je eine der Spielstationen, wobei KRONE die zentrale Bühne stellte und sogar im Logo mit aufgenommen wurde.

Sponsoren bei der eBundesliga
Sponsoren bei der eBundesliga

Neben dem Live-Event konnten begeisterte Fans das Spiel auf der zentralen Bühne natürlich auch bei twitch.tv verfolgen. Ich habe mir den Stream parallel einmal angeschaut.

Mit mir schauten ca. 400 weitere Fans den Stream. Auch hier waren die Sponsoring-Partner durchaus präsent, wie der nachfolgende Screenshot zeigt.

Screenshot von der Übertragung der eBundesliga bei twitch.tv
Screenshot von der Übertragung der eBundesliga bei twitch.tv

Darüber hinaus gab es natürlich noch Sponsoring hinsichtlich verschiedener Snacks und Getränke. Außer auf die Tatsache, dass Red Bull zumindest in dieser Kategorie auch vertreten war, möchte ich hierauf nicht näher eingehen.

Ist dieses Format auch was für Deutschland?

Kurze Antwort: Ja!

Ich weiß, dass es schon mal eine virtuelle Bundesliga gab. Diese hat mich damals nicht wirklich erreicht. Vielleicht war dieser Modus damals seiner Zeit voraus. Eventuell war die fehlende Einbindung der Clubs aber auch ein Problem. Ich kann es nicht genau sagen.

Was ich aber weiß, ist, dass der Markt sich seitdem enorm weiterentwickelt hat. Darüber habe ich an dieser Stelle bereits berichtet. Außerdem gibt es heute über twitch & Co ganz neue Möglichkeiten der Vermarktung.

Ich würde zwar selbst nicht versuchen bei einem von der Deutschen Bundesliga organisierten Turnier teilzunehmen, aber ich würde es garantiert verfolgen.

Fazit zur eBundesliga

Ich gebe zu, dass ich mir das Finale der eBundesliga etwas größer vorgestellt habe. Für das erste Mal war die vergleichsweise kleine Location mit familiärer Atmosphäre aber vermutlich passend.

So wie ich den Österreichischen Profifußball bisher – hauptsächlich aus der Ferne – wahrgenommen habe, hat das Event aber 100%ig gepasst.

Es war familiär, nahbar und emotional. Natürlich habe ich zu keinem der Clubs eine wirklich enge Bindung. Trotzdem habe ich bei den Spielen auf der Großleinwand mitgefiebert.

Wie es für mich üblich ist, habe ich meistens mit den Außenseitern sympathisiert. Da kam wohl der HSV-Fan in mir durch :-).

Ich würde mich freuen, ähnliche Formate auch bald in der Deutschen Bundesliga bestaunen zu dürfen.


Schreibe jetzt einen Kommentar: Würdest Du ein von der Bundesliga organisiertes FIFA Turnier mit Interesse verfolgen?

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