Endlich die erste Konferenz zu Nachhaltigkeit und Governance im Fußball

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Vorgestern fand in Frankfurt die erste Konferenz zu Nachhaltigkeit und Governance im Fußball statt.

Das erste Mal habe ich hierbei Erfahrungen auf Seiten der Veranstalter sammeln können.

Operativ habe ich die Konferenz zwar nicht mit organisiert, habe aber über mein Netzwerk bei der Zusammenstellung des Programms geholfen.

Außerdem habe ich drei der vier Diskussionen bei der Konferenz zu Nachhaltigkeit und Governance im Fußball moderiert.

Wie immer möchte ich Dir hier das Gefühl geben, live dabei gewesen zu sein.

Anlass zur Konferenz

Wenn Du meine Beiträge schon länger verfolgst, hast Du sicher mitbekommen, wie ich in die Fußball-Branche „gerutscht“ bin.

Angefangen hat alles mit meiner Abschlussarbeit zur Ausgliederung beim HSV sowie der dazugehörigen wissenschaftlichen Forschung zu Corporate Governance im Profifußball.

Aufgrund des positiven Feedbacks zu der Veröffentlichung der Neuauflage dieser Studie, haben wir Autoren uns dazu entschlossen, eine Konferenz zum Thema Nachhaltigkeit und Governance im Fußball zu initiieren.

Im Anschluss daran haben wir unsere Netzwerke durchforstet und nahezu von jedem unserer Wunsch-Redner eine Zusage bekommen.

Nachdem das Programm stand, haben wir uns um die Vermarktung des Events gekümmert, was hauptsächlich auf einer persönlichen Ebene ablief.

Zudem haben wir einen eigenen Verein gegründet, um diese Themen in der Bundesliga schlagkräftig und mit allen Beteiligten voranzutreiben.

Nun aber erstmal zu der Konferenz vom vergangenen Montag.

Keynotes zeigen Veränderungsdruck

Einige plakative Beispiele machen deutlich, dass ein ein größeres Bewusstsein für die Themen Nachhaltigkeit und Governance im Fußball erforderlich ist.

Beispielsweise wurde vor kurzem beim FC Bayern München die Satzung nach Beschluss durch die Mitglieder angepasst.

Ziel dieser Anpassung ist es, zukünftig auch Mitglieder mit Vorstrafen zuzulassen. Einerseits könnten wir daraus schließen, dass der Rekordmeister ein sehr toleranter Verein ist.

Andererseits wirft diese Anpassung ein ganz anderes Licht auf Uli Hoeneß als wegen Steuerhinterziehung vorbestraften Präsidenten beziehungsweise Vorsitzenden des Aufsichtsrats.

Darüber hinaus habe ich gelernt, dass Kunstrasenplätze in Deutschland den größten Markt für Mikro-Plastik darstellen.

Das ist besonders brisant, wenn wir die aktuelle Diskussion rund um Plastik in den Weltmeeren berücksichtigen.

Diskussionen bei der Konferenz zu Nachhaltigkeit und Governance im Fußball
Diskussionen bei der Konferenz zu Nachhaltigkeit und Governance im Fußball

In den vier Panels (siehe Bild) lernte ich zudem noch viele weitere Dinge. Deshalb gehe ich jede Diskussionsrunde der Konferenz zu Nachhaltigkeit und Governance im Fußball einmal in diesem Beitrag durch.

Nachhaltigkeit & soziale Verantwortung

In der Diskussion rund um Nachhaltigkeit im Fußball ging es unter anderem um die Initiativen vom FC Schalke 04 und Hertha BSC. Von beiden Clubs waren Vertreter auf dem Podium.

Neben dem Kerngeschäft haben die Bundesligisten Initiativen gestartet, um ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden. Dabei werden Projekte im sozialen Rahmen finanziert.

Der Fokus liegt in beiden Fällen vor allem auf regionalen Initiativen.

Zudem saß Stefan Wagner, der bereits zu einem meiner Beiträge Input gegeben hat, auf der Bühne.

Diskussion zu sozialer Verantwortung bei der Konferenz zu Nachhaltigkeit und Governance im Fußball
Diskussion zu sozialer Verantwortung bei der Konferenz zu Nachhaltigkeit und Governance im Fußball

Alle Beteiligten – auch die beiden sportfremden Nachhaltigkeits-Experten – waren sich einig:

Der Fußball hängt klassischen Wirtschaftsunternehmen in Bezug auf die Nachhaltigkeit des Kerngeschäfts Jahre hinterher.

Fazit der Diskussion zu Nachhaltigkeit im Fußball

Dabei hatte ich vor allem den Eindruck, dass Nachhaltigkeit bisher vorwiegend separat und losgelöst vom eigentlichen Fußball gedacht wird.

Wir waren uns jedoch in dem Wunsch einig, dass zukünftig auch die Bereiche Merchandising, Sponsoring sowie Spieltag und Stadion zur Nachhaltigkeit beitragen sollten.

Außerdem stimmten sich alle Diskutanten gegenseitig dabei zu, dass ein Club sich derzeit über eine nachhaltige Ausrichtung von anderen Teams abheben und somit Fans gewinnen und binden kann.

Das sollte zwar nicht der oberste Anreiz für Nachhaltigkeit sein, erhöht aber die Lukrativität.

Zukunft der 50+1-Regel

Wenn es um Nachhaltigkeit und Governance im Fußball geht, darf ein Thema natürlich nicht fehlen: Die 50+1-Regel.

Ich habe bereits Beiträge zu den objektiven Vor- & Nachteilen sowie den Gründen und dem Weg eines möglichen Wegfalls verfasst.

Das hochkarätig besetzte Panel (u.a. Andreas Rettig vom FC St. Pauli) diskutierte dabei sehr leidenschaftlich.

In der Diskussion zu 50+1 bei der Konferenz zu Nachhaltigkeit und Governance im Fußball wurden die Emotionen sichtbar
In der Diskussion zu 50+1 bei der Konferenz zu Nachhaltigkeit und Governance im Fußball wurden die Emotionen sichtbar

So ist beispielsweise der sehr Premier League erfahrene Prof. Dr. Chris Anderson (ehemals Coventry City FC) der Meinung, dass die 50+1-Regel über kurz oder lang fällt.

Nicht nur Andreas Rettig stellte sich auf die Seite der Befürworter von 50+1. Er bekam große Unterstützung von Markus Rejek (Geschäftsführung von Arminia Bielefeld).

Dieser hat unter anderem bei seiner Station bei 1860 München erlebt, wie ein Club unter der Riege eines Investors leiden kann.

Deshalb wurde nicht nur über die Abschaffung oder Beibehaltung der umstrittenen 50+1-Regel diskutiert.

Darüber hinaus wurde mehrfach der Vorschlag geäußert, die jetzigen Ausnahmen (z.B. RB Leipzig & Co) zu zwingen, die 50+1-Regel einzuhalten.

Ich habe mich in der Diskussion mit meiner These wieder einmal bestätigt gefühlt:

„Ganz gleich, ob 50+1 bleibt, modifiziert oder abgeschafft wird: Der offene Dialog ist unausweichlich.“

Mein Fazit nach der diskussion zur zukunft von 50+1

Ideale Strukturen

Anschließend ging es bei der Konferenz zu Nachhaltigkeit und Governance im Fußball um die Frage nach der idealen Struktur.

An dieser Diskussionsrunde nahmen unter anderem Klaus Filbry von Werder Bremen und Stefan Ludwig von Deloitte Sports teil.

Gleich zu Beginn wurde klargestellt, dass jede Rechtsform eine gute Struktur beinhalten kann. Trotzdem spielen momentan in der Bundesliga 13 Kapitalgesellschaften gegen fünf eingetragene Vereine (e.V.).

Einerseits ist eine Ausgliederung unerlässlich, wenn ein Club Anteile veräußern und externe Investoren aufnehmen möchte. Andererseits zwingt die Rechtsform einer Kapitalgesellschaft gegenüber der Öffentlichkeit zu Transparenz.

Bei dieser Diskussion ging es um die ideale Struktur eines Clubs
Bei dieser Diskussion ging es um die ideale Struktur eines Clubs

Dieser Zwang diszipliniert alle Mitarbeiter in einer Kapitalgesellschaft. In einem Verein hingegen kann auf eine Veröffentlichung verzichtet werden, wenn etwas verheimlicht werden soll.

Trotz der ganzen Diskussionen um die ideale Struktur waren sich am Ende alle Teilnehmer einig:

Die beste Struktur bringt nichts, wenn darin nicht die besten Mitarbeiter arbeiten.

Geschlossenes Fazit bei der diskussion zur idealen struktur

Mitbestimmung der Mitglieder

Abschließend ging es bei der Konferenz zu Nachhaltigkeit und Governance im Fußball um die Frage nach der Mitbestimmung der Mitglieder. Dabei sollte folgende Frage beantwortet werden:

Kapitalgesellschaft oder Fankultur – wer bestimmt den Kurs?

Übergeordnete frage zur Mitbestimmung

Für diese Diskussion hatten wir uns sowohl Vertreter von Club-Seite (u.a. Frank Wettstein vom Hamburger SV und Michael Meeske vom VfL Wolfsburg) sowie den Fan-Vertreter im Aufsichtsrat vom FSV Mainz 05 eingeladen.

Auch die Diskussionsrunde zur Mitbestimmung bei der Konferenz zu Nachhaltigkeit und Governance im Fußball war hochkarätig besetzt
Auch die Diskussionsrunde zur Mitbestimmung bei der Konferenz zu Nachhaltigkeit und Governance im Fußball war hochkarätig besetzt

Alle Diskutanten waren sich dabei einig, dass die Entscheidung am Ende natürlich vom Management der Kapitalgesellschaft (sofern denn ausgegliedert wurde) getroffen wird.

Trotzdem wurde berechtigterweise eingewendet, dass eine Club-Führung, die die Mitglieder-Interessen missachtet, sich nicht lange halten kann.

Deshalb muss neben den Interessen aller weiteren Interessensgruppen der Clubs vor allem die Meinung der Fans bei wichtigen Entscheidungen berücksichtigt werden.

Fazit zu Nachhaltigkeit und Governance im Fußball

Ich habe nicht nur das erste Mal mitbekommen, was es heißt, die Organisation einer Konferenz zu begleiten.

Bei der Konferenz zu Nachhaltigkeit und Governance im Fußball habe ich zudem viel über die Themen gelernt, die bei den großen Konferenzen häufig in den Hintergrund geraten.

  • Die Rolle von Nachhaltigkeit im Fußball wird aller Voraussicht nach in der Zukunft zunehmen – hoffentlich auch im Kerngeschäft
  • Diskussionen über die 50+1-Regel werden auch in Zukunft weitergehen – hoffentlich ergebnisoffen
  • Eine ideale Struktur gibt es nicht – von mehr Transparenz würde aber jede Struktur profitieren
  • Mitbestimmung der Mitglieder ist wichtig – am Ende entscheidet aber das Management

Genau deshalb freue ich mich jetzt schon auf die nächste Konferenz zu Nachhaltigkeit und Governance im Fußball.

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2 thoughts on “Endlich die erste Konferenz zu Nachhaltigkeit und Governance im Fußball

  • 30. März 2019 at 1:15
    Permalink

    Gratulation zum neuen Format sowie weiterhin erfolgreiches Gelingen für zukünftige Treffen in ähnlicher Runde!

    Greetz =)

    Reply

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