Ist es richtig, dass Corona die Marktwerte der Spieler beeinflusst?

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Nach einer kurzen Pause melde ich mich mit einem Beitrag über die Anpassung der Marktwerte der Spieler durch Corona wieder zurück.

Ich hatte in der Zwischenzeit den Eindruck, dass Inhalte ohne Corona auf kein großes Interesse stoßen. Gleichzeitig wollte ich nicht alle zwei Wochen über das Thema schreiben, weil schon genug Inhalte darüber erstellt wurden.

Nach dieser schöpferischen Pause habe ich jedoch wieder ein Thema die identifiziert, über das ich unbedingt schreiben möchte: Marktwerte der Spieler während Corona.

Meine beiden Lieblingsquellen haben die Spielerwerte massiv reduziert. Ich frage mich, ob das richtig ist.

Wirtschaftlicher Rückblick

Mitte März stellten die Europäischen Top-Ligen den Spielbetrieb ein. Während in der Bundesliga der Ball wieder rollt, bereiten sich die anderen Länder noch darauf vor, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen.

Die wirtschaftlichen Folgen sind immens. Neben den ausbleibenden Ticketverkäufen stehen auch die TV-Gelder nicht komplett zur Verfügung. In Deutschland kam es aufgrund von Liquiditätsengpässen zu einer Vorauszahlung eines niedrigeren Betrags.

Die Französische Liga beendete den Spielbetrieb sogar vorzeitig. Hinzu kommen möglicherweise Ausfälle durch Sponsoren, die durch das fehlende Spieltagserlebnis im Stadion weniger präsent sind.

Der Fokus der Bundesliga liegt aktuell vor allem auf der sportlichen Beendigung der Saison und weniger auf der Realisierung von Chancen durch die aktuelle Situation oder die Monopolstellung im weltweiten Spitzensport.

In Summe müssen also alle Ligen mit Einnahmeausfällen rechnen. Die Ungewissheit über die Zukunft tut ihr Übriges. Keiner weiß, ab wann es wieder zur Normalität wird, dass sich 80.000 Fans in einem Fußballstadion aufhalten und ihr Team anfeuern.

Für mich persönlich wirkt dieses Ziel noch in weiter Ferne.

Anpassung der Marktwerte der Spieler

Viele Experten sind sich einig, dass die Marktwerte der Spieler aufgrund von Corona angepasst werden müssen / mussten. Deshalb gingen Transfmarkt und der KPMG Football Benchmarkt wie folgt vor.

Marktwerte der Spieler bei Transfermarkt

Transfermarkt passte die Marktwerte der Spieler bereits Anfang April an. Die ursprünglich von der Community gemeinsam vergebenen Marktwerte wurden pauschal angepasst:

  • Abwertung von 20% für alle Spieler, die vor 1998 geboren wurden.
  • Abwertung von 10% für alle Spieler, die 1998 oder später geboren wurden.

Diese Herangehensweise ist sicherlich pragmatisch und verdeutlicht, dass die Auswirkungen der Pandemie ältere Spieler härter trifft als jüngere. Das liegt vor allem daran, dass diese Spieler noch weniger Karriere-Jahre zur Verfügung haben – die Marktwerte dieser Spieler leiden entsprechend stärker.

Weltweit führte dies zu einem Minus von 9,22 Milliarden Euro. Der Großteil hiervon wird mit Sicherheit auf die Europäischen Top-Ligen zurückfallen.

In etwa zur selben Zeit führte das Transfermarkt-Team ein Interview mit dem Spielerberater Jörg Neblung, der sagte:

In den nächsten zwei Jahren wird es tendenziell keinen 300-Millionen-Transfer geben

Auszug auf dem Interview mit Transfermarkt.

Marktwerte der Spieler bei KPMG

Einen Monat später nahm auch KPMG Football Benchmark eine Abwertung der Marktwerte der Spieler vor, die sogar in einem kompletten Report dokumentiert wurden.

Wie immer ist der Ansatz dabei wesentlich rationaler und datengetriebener als bei Transfermarkt.

Dabei definierte das Team zwei Szenarien für die Anpassung der Marktwerte der Spieler durch Corona.

  • Szenario 1: Abbruch der zehn analysierten Ligen (darunter auch die Europäischen Top-Ligen) mit massivem Umsatzrückgang.
  • Szenario 2: Fortführung der zehn analysierten Ligen mit Geisterspielen und mäßigem Umsatzrückgang.

Aufgrund der zwei Szenarien ergibt sich anschließend eine Bandbreite an Abwertungen für die Marktwerte der Spieler.

Im schlimmen Szenario (1) rechnen die KPMG-Experten mit einem Marktwert-Minus von 9,9 Milliarden Euro. Davon entfielen 8,5 Milliarden Euro übrigens auf die Europäischen Top 5-Ligen.

Das etwas optimistischere Szenario (2) würde zu einem Marktwert-Verlust von 6,6 (5,6 in Top 5) Milliarden Euro führen.

In Summe sind sich somit meine beiden Lieblings-Tools durchaus einig. Über die genauen Werte lässt sich natürlich noch streiten.

Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass zwischen der Anpassung der Marktwerte der Spieler beider Anbieter ein Monat liegt. In Zeiten von Corona änderte sich die Situation gefühlt jeden Tag.

Ich stelle mir jedoch folgende Frage:

Ist die Abwertung angemessen?

Leitfrage für diesen Beitrag.

Diskussion der Marktwert-Anpassungen

Welchen Zweck soll der Marktwert eines Spielers erfüllen? In meinen Augen sollte er angeben, wie viel ein Spieler für einen Club wert sein kann.

Würden wir Spieler als Investitionen in der klassischen Betriebswirtschaftslehre sehen, müssten wir die zukünftigen Einnahmen aufführen und auf den heutigen Tag abzinsen. So viel zur Theorie.

Wir Menschen neigen dazu, die Gegenwart zu stark zu bewerten. Insofern ist es absolut verständlich, dass die gegenwärtige Situation zur Annahme führt die Marktwerte müssten sinken.

Die Frage, die ich mir jedoch stelle, ist, ob die Einnahmen die einzelne Spieler ihren Clubs bescheren können in Zukunft geringer sind.

Ich spreche nicht von dieser Saison, sondern von den darauffolgenden fünf Jahren – das ist schließlich die maximale Länge eines Spielervertrags.

In den letzten Jahren haben wir einen massiven Anstieg der Marktwerte erlebt. 2008 war Lionel Messi mit einem Marktwert von 55 Millionen Euro der wertvollste Spieler. Im Laufe seiner Karriere sollte dieser Wert sich mehr als verdreifachen (auf 180 Millionen Euro).

Instagram Post von Transfermarkt zu wertvollsten Spielern 2008

Der Grund für diese hohen Marktwerte ist nicht, dass die Spieler viel besser sind als früher, sondern dass mehr Geld im Markt ist. Die eigentliche Frage, die wir uns stellen müssen, ist also: Wie viel Geld ist zukünftig im (deutschen) Fußballmarkt?

Durch Geisterspiele entfallen natürlich wie oben erwähnt die Spieltagserlöse. In der Saison 2018/19 waren das in der Bundesliga immerhin 520 Millionen Euro – allerdings „nur“ 13% der Gesamtumsätze.

Den größten Anteil daran haben weiterhin die TV-Einnahmen aus der medialen Verwertung (1,5 Milliarden Euro und somit 37%). Durch die aktuelle Ausschreibung, die ab kommendem Jahr in Kraft tritt, wird weiterhin Wachstum erwartet.

Sollte dieses Wachstum eintreten, dürfte es den Ausfall von Spieltagserlösen durch Geisterspiele (zumindest teilweise) kompensieren können. In einem solchen Fall würde die theoretische Bewertung der Marktwerte der Spieler nicht groß leiden.

Schauen wir also rational und theoretisch auf die Marktwerte der Spieler, könnten wir uns fast zu der Aussage hinreißen lassen, dass die Spieler im Vergleich zu vorher unterbewertet sind – theoretisch.

Ablösesummen und Marktwerte

Wir haben bereits häufiger festgestellt, dass die Ablösesummen nicht den Marktwerten entsprechen. Neben dem theoretischen Wert für etwas (Marktwert) gibt es nämlich immer noch den Preis, den jemand zu zahlen bereit ist (Ablösesumme).

Die Ablösesumme wiederum ergibt sich aus Angebot und Nachfrage. Viele Clubs haben in den letzten Monaten jeden Cent zwei Mal umdrehen müssen. Ich spiele damit auf die Liquiditätsengpässe an.

Wer wenig Geld hat, kann auch nur wenig Geld ausgeben. Für diese Schlussfolgerung muss man nicht einmal ein BWL-Buch aufgeschlagen haben :-).

Das wiederum wird dazu führen, dass die angebotenen Ablösesummen fallen. Außerdem gehe ich davon aus, dass abgebende Clubs weniger hohe Erwartungen an die Ablösesummen stellen, weil sie dringender Geld benötigen.

In der Konsequenz werden die Ablösesummen also fallen während ich die Marktwerte nicht groß beeinflusst sehe.

Aufmerksame Leser könnten hieraus ableiten, dass jetzt der richtige Zeitpunkt zum Investieren gekommen ist. Ein Club, der keine Finanzprobleme hat, könnte sich jetzt vermeintlich günstig einen Kader zusammenstellen, der nächstes Jahr schon wieder viel mehr kosten könnte.


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