Hohe Spielergehälter im Profifußball sind gerechtfertigt oder?

Hohe Spielergehälter im Profifußball sind gerechtfertigt oder?

Spielergehälter sind ein sehr emotionales Thema. Fußballprofis wechseln den Club für höhere Gehälter.

Fans verurteilen die Spieler dafür, freuen sich aber selbst über jede Gehaltserhöhung von der sie wiederum die steigenden Eintrittspreise sowie Stadionwurst und -Bier zahlen können.

„Über Geld spricht man nicht“

Leitsatz der deutschen Kultur

Unbewusst lernen wir alle, dass wir über Geld nicht sprechen sollen. Trotzdem wird die Höhe der Spielergehälter diskutiert und ich finde das gut.

In diesem Beitrag möchte ich keine genauen Zahlen aus einzelnen Verträgen nennen. Ich möchte vielmehr verschiedene Perspektiven aufzeigen, mit Hilfe derer wir die Höhe der Spielergehälter einordnen können.

Spielergehälter in der Bundesliga

Bevor wir uns die Perspektiven zur Diskussion der Spielergehälter anschauen, sollten wir wissen, worüber wir überhaupt sprechen.

Deshalb findest Du nachfolgend die Entwicklung der Zahlungen für Spielergehälter aller 18 Bundesligaclubs kumuliert je Saison bis 2016/17.

Spielergehälter
Entwicklung der Personalkosten in der Bundesliga für den Spielbetrieb zur Ableitung der Spielergehälter

Die Kosten für Spielergehälter sind laut DFL Report der mit Abstand größte Aufwandstreiber für die Bundesligisten.

Außerdem sind sie in jedem Jahr seit der Veröffentlichung des Reports gewachsen. Im Durchschnitt sogar um 8% pro Jahr über einen Zeitraum von 13 Saisons.

In dem zuletzt für die Saison 2016/17 veröffentlichten Bericht wurden 1,185 Milliarden Euro an Spielergehältern ausgewiesen.

Die Bundesligisten gaben in der Saison 2016/17 in etwa 35% ihrer Einnahmen für Spielergehälter aus – mehr als ein Drittel.

Aktuell sind laut Transfermarkt insgesamt 532 Spieler in der Bundesliga unter Vertrag. Das sind etwas unter 30 Spieler pro Club.

Wenn wir davon ausgehen, dass das schon immer so war, ergibt sich ein durchschnittliches Spielergehalt zwischen 932.000 Euro (2004/05) und 2,27 Millionen Euro (2016/17).

Daran schließt sich die Frage an, die ich mit Dir in diesem Beitrag beleuchten möchte:

Ist das ein fairer Wert für Spielergehälter?

Gehälter in der Wirtschaft

In der Uni lernen wir, dass Preise sich durch Angebot und Nachfrage ergeben. Das gilt auch für Spielergehälter. Schließlich geben sie den Preis an, die ein Club einem bestimmten Spieler zahlen muss.

Es gibt in der Wirtschaftstheorie einen Mann, der davon ausgeht, dass dieses Prinzip des Angebots und Nachfrages so perfekt ist, dass es keinerlei Regulierung bedarf.

Dieser Mann hieß Adam Smith und hat dieses Prinzip die unsichtbare Hand genannt.

Wenn wir dieses Bild nun auf den Fußball übertragen, würde es bedeuten, dass jeder Wert für Spielergehälter gerechtfertigt ist, solange er ohne Regulierung entstanden ist. Sehen wir von den Tricks der Presse und Spielerberater einmal ab.

Der Fußball ist nun wirklich nicht stark reguliert. Adam Smith wäre somit zufrieden. Trotzdem klappt sein Bild nicht überall.

Wenn es nach Adam Smith ginge, bräuchten wir keinen Mindestlohn. Gebe es diesen allerdings nicht, wäre der Arbeitsmarkt noch unfairer als er es jetzt schon ist.

Insofern hat das Prinzip der unsichtbaren Hand seine Schwächen. Auch wenn natürlich kein Fußballprofi in der Bundesliga hungern muss.

Hohe Verantwortung

In der freien Wirtschaft werden die hohen Gehälter von Managern dadurch gerechtfertigt, dass diese eine hohe Verantwortung tragen.

Ohne die Höhe der Verantwortung genau bemessen zu können, bin ich der Meinung, dass das bis zu einem gewissen Grad richtig ist.

Gerade Geschäftsführer und Aufsichtsräte sind teilweise persönlich für mögliche Vergehen eines Unternehmens haftbar. Außerdem ist ihr Job bei Weitem nicht so sicher wie der eines klassischen Angestellten.

Aber haben Fußballprofis in der Bundesliga eine so hohe Verantwortung, dass diese die Höhe der Spielergehälter rechtfertigt?

Fußballprofis haben eine große Verantwortung. Diese sehe ich aber eher in ihrer Vorbildfunktion. Bereits im letzten Beitrag zur Medienarbeit im Fußball haben wir gesehen, dass nicht alle Profis mit dieser Verantwortung umzugehen wissen.

Auf dem Platz bei der eigentlichen Leistungserbringung hat ein Fußballer lediglich Verantwortung gegenüber dem eigenen Team beziehungsweise den Fans.

Beide erwarten natürlich die beste Leistung. Kann diese nicht erbracht werden wird ein Spieler ausgewechselt.

Es ist dabei natürlich klar, dass nicht jeder der durchschnittlich 32 Spieler eines Teams regelmäßig Verantwortung übernimmt.

Somit ist auch die Begründung durch die hohe Verantwortung nur bedingt zutreffend. Wir müssen also weiter schauen.

Erfolgschancen im Fußball

Auf einem Vortrag von HSV-Finanzvorstand Frank Wettstein sagte er einmal, dass in kaum einem Bereich so viel Nachwuchsarbeit betrieben wird, wie im Fußball.

Und trotzdem sind die Erfolgschancen für die jungen Talente verschwindend gering. Selbst die besten können an einfachen Dingen scheitern: Verletzungen, schlechte Beziehung zum Trainer oder einer Erkältung im entscheidenden Moment.

Nichtsdestotrotz begeben sich Millionen von Jungs auf diesen so unsicheren Weg. Wir könnten uns fragen:


Würden die Jungs den Weg auch einschlagen, wenn die Spielergehälter geringer wären?

Viele mit Sicherheit ja. Andere wiederum nicht. Am Ende muss der Erwartungswert hoch genug sein. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs multipliziert mit dem Ergebnis bei Erfolg attraktiv genug sein muss.

Hinzu kommt die Tatsache, dass eine aktive Karriere im Fußball wesentlich kürzer ist, als die eines klassischen Angestellten.

So sagt es zumindest die Theorie. Natürlich gibt es auch unzählige andere Gründe, warum Jungs sich auf diesen Weg begeben: Ruhm, Bekanntheit und das Hobby zum Beruf machen.

Deshalb rechtfertigt auch die Perspektive der geringen Erfolgschancen in meinen Augen die Höhe der Spielergehälter in der Bundesliga nur bedingt.

Kommen wir zur letzten Perspektive.

Fußballspieler als Produktionsfaktor

Zugegeben, es klingt nicht wirklich romantisch, wenn wir Fußballspieler als Produktionsfaktoren bezeichnen. Schließlich sind sie ja immer noch Menschen.

Aber auch uns normale Menschen bezeichnet man als Produktionsfaktoren in unseren klassischen Unternehmen. Deshalb finde ich den Begriff in Ordnung.

Die Frage, die sich jeder Manager bei einem Produktionsfaktor stellen muss, ist:

Wie viel bin ich bereit für einen Produktionsfaktor zu bezahlen?

Gehen wir mal davon aus, dass es nicht um Fußballer und Spielergehälter, sondern um Maschinen geht. Auch diese haben Anschaffungskosten (Ablösesummen bei Transfers) und laufende Kosten (Spielergehälter).

Eine Maschine sollte nun nur so viel Geld kosten, wie sie auch wieder einbringen kann. Wenn ich also eine Maschine habe, die im Jahr 100 Fußbälle produziert, die für je 100 Euro verkauft werden, ergibt sich ein Umsatz von:

100 Bälle x 100 Euro = 10.000 Euro

Besagte Maschine dürfte also pro Jahr nicht mehr als 10.000 Euro kosten, sonst würde der Kauf wirtschaftlich keinen Sinn ergeben.

Bei Fußballern ist es etwas komplizierter. Kaum ein Spieler ist für sich alleine genommen von großem Wert für einen Club. Erst im Kollektiv mit seinen Mitspielern wird er zu einem wettbewerbsfähigen Team.

Am Ende muss sich aber auch jeder Sportmanager die Frage beantworten, wie viel er für einen Kader bereit ist zu zahlen. Dabei muss er berücksichtigen, wie viel Umsatz er mit dem Kader machen kann.

Die Bundesliga ist insgesamt mit einer Personalkostenquote von ungefähr 35% sehr konservativ unterwegs. Clubs und Ligen in anderen Ländern geben prozentual viel mehr Geld für ihre Spieler aus.

Im kürzlich veröffentlichten European Champions Report vom KPMG Football Benchmark wurde beispielsweise angegeben, dass der spanische Meister FC Barcelona 81 % seiner Einnahmen für Spielergehälter ausgibt.

Der deutsche Rekordmeister aus München ist unter den analysierten Clubs mit 51 % der vermeintlich konservativste Club im Hinblick auf die Personalkostenquote.

Fazit zum Thema Spielergehälter

Jeder Club zahlt unterschiedlich hohe Spielergehälter. Als Bemessungsgrundlage für das maximal zu zahlende Gehalt sollte sich jeder Sportmanager fragen, wie viel Umsatz der Kader erwirtschaften kann.

Dabei habe ich in anderen Beiträgen bereits erwähnt, dass eine Personalkostenquote von 50 % als durchaus nachhaltig gesehen werden kann.

Ein Club, der sich daran hält, würde demnach 50 Cent eines jeden verdienten Euros in Spielergehälter investieren. Es ist wichtig, dass danach noch Geld übrig bleibt, weil jeder Club noch weitere Ausgaben hat, die er decken muss.

Welche das sind, erfährst Du in meinem Beitrag zu den Aufwendungen der Bundesliga. Da beantworte ich die Frage, wofür Fußballclubs Geld ausgeben.

2 thoughts on “Hohe Spielergehälter im Profifußball sind gerechtfertigt oder?

  • 24. Januar 2019 at 2:19
    Permalink

    Hallo Ralf,
    guter Artikel. Ich stimme Dir zu. Je mehr Umsatz erwirtschaftet wird, desto höher können die Aufwendungen für Gehälter sein. Das heißt auch, dass je mehr Geld im Fußball-Kreislauf ist (z. B. durch immer weiter steigende TV-Erlöse) auch die Gehälter in Zukunft weiter steigen werden. Die Klubs sollten jedoch auf die, von Dir beschriebene, Personalkostenquote achten, damit diese nicht aus dem Ruder läuft (Beispiel FC Barcelona).

    Noch eine kleine Anmerkung zum Thema Produktionsfaktoren:
    Menschen bezeichnet man nicht als Produktionsfaktor, sondern „Arbeit“ ist ein Produktionsfaktor. Arbeit kann von z. B. Menschen (menschliche Arbeit), von Maschinen (maschinelle Arbeit) und in Zukunft in Teilen auch von Künstlicher Intelligenz (KI) übernommen werden. Fußballprofis bieten ihre Arbeitskraft als Fußballspieler an.

    Grüße Sebastian

    Reply
    • 24. Januar 2019 at 10:04
      Permalink

      Hallo Sebastian,

      vielen Dank für Deine Zustimmung sowie die Mini-Ergänzung.

      Liebe Grüße und einen schönen Tag
      Ralf

      Reply

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