Wie ein eSports-Turnier Gänsehaut auslöst

Wie ein eSports-Turnier Gänsehaut auslöst

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Worum geht es, wenn die Unicorns of Love antreten? Richtig, um ein eSports-Turnier.

Ich hatte dieses Wochenende die Gelegenheit mein erstes eSports-Turnier live mit zu erleben. Die zuständigen Agenturen haben FussballWirtschaft als Medienpartner eingeladen. Da habe ich natürlich nicht nein gesagt und so viel sei verraten: Es hat sich gelohnt!

Auf den ersten Blick wirkt es, als würden wir die Serie zur Digitalisierung im Fußball beenden. Dem ist jedoch nicht so. Häufiger habe ich eSports als möglichen Disrupter vorgestellt, der die Digitalisierung besser versteht und dem Fußball die Fans wegnimmt.

Ich möchte Euch ein Gefühl dafür geben, wie sich ein eSports-Turnier anfühlt.

Das Drumherum

Das eSports-Turnier Kürzel war EULCS Spring Finals 2017. Dahinter verbirgt sich nichts anderes, als der Kampf um die Krone Europas im Spiel League of Legends. Vier Teams mit je 5 Spielern traten gegeneinander an. Zwei davon spielten am Samstag (22.04.) den Dritten Platz aus. Der Sieger wurde am Sonntag ausgespielt und FussballWirtschaft war live dabei.

Das Turnier fand in der Barclaycard Arena in Hamburg statt. Hier war ich vor nicht mal einem Monat noch auf dem Konzert des weltweiten Megastars Ed Sheeran. Ich hatte zwar schon das ein oder andere Mal über eSports geschrieben.

eSports-Turnier: Vor der Arena
eSports-Turnier: Meine Freundin Nina & Ich vor der Arena

Neben → 8 Fragen zu eSports, die Du beantworten können solltest, schauten wir uns an, → wie im eSports Geld verdient wird.

Da hat es mich nicht verwundert, dass die Adresse der Einladung die Barclaycard Arena war.

Bereits von draußen war zu erkennen: Heute geht es nicht um Handball, Eishockey oder ein Konzert, sondern um ein eSports-Turnier. Das lag einerseits an den zahlreichen Aufstellern und Plakaten. Beeindruckt haben mich aber vor allem die komplett verkleideten Fans, die im Kostüm ihres Lieblingscharakters in die Arena marschierten.

Erstes Fazit: Das Thema eSports könnte doch etwas größer und beliebter sein, als ich dachte.

 

Über 7.000 Fans in der Arena

Bereits nach der Sicherheitskontrolle waren laute Rufe aus dem Inneren der Arena zu hören. Ich schaute auf die Uhr, da die Spiele offiziell noch nicht angefangen hatten. Anscheinend kam die Menge nur schon einmal in Stimmung.

eSports-Turnier: Die Arena [@Riot Games]
eSports-Turnier: Die Arena [@Riot Games]
Sobald ich den ersten Fuß in die volle & abgedunkelte Arena gesetzt hatte, konnte ich die Spannung spüren, die in der Luft lag. Auf den großen Video-Würfel in der Mitte der Arena wurden die Stimmen einiger Reporter übertragen, die ebenfalls in der Arena saßen. Natürlich fand das alles auf Englisch statt.

Obwohl ich eigentlich keine Problem mit der englischen Sprache habe, musste ich mich erst etwas „einhören“.

Ehrlich gesagt fiel mir das überhaupt nicht leicht, da ich mit einer gewissen Reizüberflutung zu kämpfen hatte. Neben den Stimmen der Kommentatoren, versuchte ich auch die Rufe der Menge aufzunehmen, wenn einer der Stars auf dem Video-Würfel gezeigt wurde.

Außerdem funkelte die ganze Arena in blau und rot, da nahezu jeder Zuschauer zwei Bangsticks (aufblasbare Stäbe zum „Klatschen“) in den Händen hielt.

Unter dem Video-Würfel war das „Spielfeld“ der 10 professionellen eSportler. Was auf den ersten Blick Ähnlichkeiten mit einem Boxring hat, waren zehn Computer, die in jeweils zwei gegenüberstehenden, halbmondförmigen Fünferreihen angeordnet waren.

Mein persönliches Highlight vor Beginn der Show war die Laola-Welle, die mindestens 5 Runden durch die Arena drehte, bevor sie abklang.

Zweites Fazit: Akustik, Lichteffekte und Engagement der Fans waren beeindruckend!

Die Show beginnt

Das Auftauchen der Kommentatoren und Maskottchen, der Trophäe des Abends und der Teams wird zelebriert. Nebelmaschine lautet hierbei das Zauberwort.

eSports-Turnier: Vorstellung der Teams [@Riot Games]
eSports-Turnier: Vorstellung der Teams [@Riot Games]
Schnell outet sich die Menge als Fan der Unicorns of Love. Neben dem etwas verrückten Image, das das Team laut einiger Artikel aus der Presse hat, liegt das vermutlich vor allem an dem deutschen Teammitglied Fabian aka „Exileh“. Er lief mit Deutschland-Hut & -Fahne auf die Bühne. Sympathisch!

Die Zusammensetzung der beiden Teams zeigt nochmals gut die Internationalität des eSports-Turniers auf. Die zehn Spieler (übrigens alles Jungs bzw. junge Männer) vertraten neun unterschiedliche Nationen. Das einzige Land, was doppel vertreten wurde, war übrigens Südkorea.

Für den Nicht-Kenner des Spiels League of Legends (mich 100% eingeschlossen) wird es anschließend unübersichtlich. Es beginnt eine Pick-Phase. Hierbei müssen die Spieler ihre Champions (Charaktere) & Bans (Banne) auswählen, mit denen sie die anstehende Runde spielen.

Ohne die Details zu verstehen, ist sofort erkennbar, dass es hier sehr strategisch zugeht. Im Gegensatz zu mir kann das Publikum jeden Draft sehr gut einschätzen und reagiert mit Applaus. So ähnlich stelle ich mir Schach live vor.

Drittes Fazit: Das Publikum – mich eingeschlossen – kann das Spiel kaum erwarten.

Game 1 beginnt

Der Sieger wird aus Best of 5 ermittelt. Das bedeutet, dass drei Spiel-Siege zum Gesamtsieg reichen.

Alle Spieler befinden sich nun auf einer quadratischen Karte, die einem Wald ähnelt. Ziel des Spiels ist es, die gegnerische Basis zu zerstören. Dabei gibt es jedoch zahlreiche Hindernisse wie Türme oder Inkubatoren, die kleine Mini-Gegner ausstoßen.

Auf der Karte verbergen sich verschiedene Ungeheuer, die alleine oder im Team besiegt werden müssen. Dadurch kann man seinen Champion leveln also besser machen. Gelegentlich kommt es auch zu Kämpfen zwischen den gegnerischen Teams. Diese nehmen mit zunehmender Spielzeit ebenfalls zu.

Was mich überrascht hat ist, dass es während des Spiel größtenteils eher ruhig war. Auch hier geht es strategisch zu. Aber: Je unübersichtlicher es auf dem Video-Würfel wurde, desto lauter war das Publikum. Wenn ein gegnerischer Spieler ausgeschaltet wurde, glichen die Reaktionen dem Schießen bzw. Kassieren eines Tores beim Fußball.

Ohne genau gestoppt oder die mitlaufende Uhr am Video-Würfel fotografiert zu haben, dauerte das erste Spiel ca. 45 Minuten. Für mich der ideale Zeitpunkt für eine kurze Pause :-).

Viertes Fazit: Dass ein Computerspiel solche intensiven Emotionen auslösen kann, hat mich nochmals überrascht. 

Gesamtfazit zum ersten eSports-Turnier

eSports-Turnier: Fröhliche Sieger von G2 [@Riot Games]
eSports-Turnier: Fröhliche Sieger von G2 [@Riot Games]
Von vorne bis hinten war ich von der Professionalität, der Aufmachung und der Einbindung der Fans absolut begeistert. Obwohl ich das Spiel (noch) nicht verstehe, konnte ich mitfiebern und war enttäuscht, dass die Unicorns of Love am Ende nach vier Spielen 3-1 verloren haben.

Meine Erwartungen wurden definitiv übertroffen. Trotzdem würde ich jetzt nicht sagen, dass der HSV bald vor leeren Rängen spielt, da alle Fans lieber eSports in der Barclaycard Arena gegenüber gucken :-). Unabhängig davon, habe ich dennoch in der Nacht danach sofort vom League of Legends Spielen geträumt.

Trotzdem hatte ich einen absolut fantastischen Nachmittag und würde sofort wieder kommen, wenn man mich fragt.


Digitalisierung des Fußballs

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6 thoughts on “Wie ein eSports-Turnier Gänsehaut auslöst

  • 26. April 2017 um 21:46
    Permalink

    Tolle Eindrücke und Erlebnisse.

    Antwort
  • 17. Mai 2017 um 18:38
    Permalink

    Ich selbst war auch am Final Tag das erste mal bei einem Live Event. Zwar verfolge ich die Szene über Streams schon seid langem, doch ist das mit einem Live Auftritt kaum zu vergleichen.

    Die Stimmung war absolut bombastisch und ich als eingefleischter UOL-Fan, war auch dementsprechend traurig das sie es nicht gewinnen konnten.

    Doch was mir sehr positiv auffällt ist, dass trotz Rivalitäten der Fans die die jeweils andere Mannschaft anfeuerte, kein Streit entstand. Im Fussball gibt es immer eine Konfrontation zwischen Holligans, Ultras oder anderen Personen.

    Dies kann und wird im eSport niemals passieren. Leute gucken Fussball weil es ihnen gefällt, spielen es aber in vielen fällen nicht. Während beim eSport oftmals die Zuschauer selber Spielen und daher auch ein gewisses Grundwissen besitzen und meißt wissen das Verlieren teil des Spiels ist und das gute „Plays“ auch mit Applaus belohnt werden, selbst wenn es von der Gegnermannschaft kam.

    eSport ist für mich die Zukunft. (HSV-Fan und UOL-Fan (beide aus Hamburg)). Ich wünschte es würde regelmäßig hier stattfinden.

    Antwort
    • 17. Mai 2017 um 18:54
      Permalink

      Hi Marius

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Es freut mich, dass Du als eingefleischter eSports-Fan auf meine Seite gekommen bist!

      Ich hatte auch den Eindruck, dass die Fans in der Arena eine eSports-Gemeinde war. Stichwort: Loala-Welle(n).

      Beim nächsten Turnier wäre ich auf jeden Fall auch wieder dabei!

      Liebe Grüße
      Ralf

      Antwort

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