Was die Bundesliga von Schalke 04 Esport lernen kann

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Im Vorfeld zur DIGITAL SPORTS & ENTERTAINMENT am 16. & 17. Oktober in Berlin hatte ich die Gelegenheit mit Tim Reichert von Schalke 04 Esport zu sprechen.

Tim ist einer der wenigen Esport-Funktionäre in der Bundesliga und verantwortet die Aktivitäten der Königsblauen in League of Legends, FIFA & PES (Pro Evolution Soccer).

Anders als bei anderen Interviews – wie bspw. mit Sponsoo, Bolzplatzhelden oder Emotionum – möchte ich das Interview nicht eins zu eins wiedergeben. Du erfährst hier in leicht verdaulicher Form die Highlights unseres Gesprächs.

Typ Esport-Funktionär

Mit Esport-Funktionären habe ich bisher noch nicht allzu häufig gesprochen, das gebe ich zu. In der Bundesliga sind diese aber auch noch nicht so breit vertreten.

Stand jetzt (September 2017) sind neben Schalke 04 der VfL Wolfsburg, VfB Stuttgart und RB Leipzig aktiv. Trotzdem kommt den Königsblauen auch in diesem Viergespann aufgrund des sehr frühen Eintritts in den Esport eine Vorreiterrolle zu.

Schalke 04 Esport: Bundesligisten im Esport
Bundesligisten im Esport [Stand: September 2017]
Tim Reichert leitet den Schalke 04 Esport und ist von Anfang an mit dabei. Seine Familie bezeichnet er selbst als Fußballer- & Gamer-Familie.

Da ist es nur authentisch, dass er auch heute noch regelmäßig mit seinen damaligen Freunden Dota 2 spielt. Er nutzt es als Ausgleich zu seinem intensiven Job.

Im Fußball sind auch heute noch viele Manager ehemalige Spieler. Der Weg zum Leiter bei Schalke 04 Esport war nicht immer vorgezeichnet. Schauen wir uns deshalb an, wie Tim dorthin gekommen ist, wo er heute steht.

Weg zum Leiter bei Schalke 04 Esport

Als Nachwuchs einer Fußballer- & Gamer-Familie gehörten Gameboys, jegliche Spielekonsolen und natürlich Computer zur Standardausrüstung im hauseigenen Gamer-Zimmer.

In der Zeit der LAN-Parties konnten begeisterte Gamer sich erstmals mit Freund und Feind über ein Netzwerk untereinander messen. Auf den offiziellen Turnieren, die ebenfalls als LAN-Parties organisiert wurden, spielten Tim und seine Freunde unter dem Clan-Namen Schröt Kommando.

In dem Spiel Quake war das Team schnell an Deutschlands Spitze. Tim zog es allerdings immer mehr in den Fußball. Auch dort legte er eine beeindruckende Karriere hin und schaffte es als Spieler bis in die 2. Bundesliga.

Zu dieser Zeit wurde Schröt Kommando in SK Gaming umbenannt und gehört mittlerweile zu den erfolgreichsten Esport-Clans weltweit.

Nach seiner aktiven Karriere studierte Tim u.a. Sportmanagement. Während dieser Zeit sammelte er eine Menge praktische Erfahrung. So absolvierte er beispielsweise ein Praktikum in der Firma seines Bruders – einer Spielerberater-Firma – und machte ein Traineeship in einer Media-Agentur.

Die Frage, wie er es zu seiner Position bei Schalke 04 Esport geschafft hat, beantwortet dieser Werdegang immer noch nicht. Schauen wir uns deshalb an, wie das Thema des elektronischen Sports beim Traditionsclub aus Gelsenkirchen angegangen wurde.

Start von Schalke 04 Esport

Aus zahlreichen Gesprächen weiß ich, dass viele Bundesligisten sich aktuell die Frage stellen: Wie groß wird dieses Esport und brauchen wir das auch? Diese Frage sollte typischerweise von einer Strategie-Abteilung oder ähnlichem aufgegriffen und für den jeweiligen Club beantwortet werden.

Ich weiß das, weil ich in meinem Hauptberuf ständig Fragestellungen dieser Art beantworten darf. Diese Ungewissheit und der Pioniergeist in diesen Fragen reizt mich. Deshalb werde ich mich an dieser Stelle auch mal einer dieser Fragestellungen widmen.

Bei Schalke 04 war es ähnlich. Die Abteilung Strategische Unternehmensentwicklung hat sich der obigen Frage gewidmet und sich für den Aufbau von Schalke 04 Esport ausgesprochen. Dafür sicherten sich die Königsblauen die Unterstützung der anerkannten Privat-Hochschule WHU in Vallendar.

Die Königsblauen handeln dabei immer nach der Devise, neue Bereiche intern aufzubauen und sich nicht über externe Agenturen zu verlängern.

Aus diesem Grund machte man sich auf die Suche nach einem Esport- & Fußball-Kenner und fand Tim Reichert schlussendlich über seinen Bruder.

Dieses Vorgehen zeigt aber, was ich an anderer Stelle schon häufig betont habe. Um über Esport – und weitere Themen im Hinblick auf die Digitalisierung nachzudenken – muss ein Club über die Grenzen einzelner Saisons hinaus denken.

Dafür bietet sich ein eigenständiger Bereich an.

Tim über die Esport-Entwicklung

Ich konnte es mir natürlich nicht nehmen lassen mit dem Leiter von Schalke 04 Esport über die generelle Entwicklung des Marktes zu sprechen.

Tim würde unseren Großeltern Esport als Computerspiele erklären. Sobald Computerspiele in einem professionellen Rahmen gespielt werden, handelt es sich seiner Meinung nach um Esport.

Genau wie viele Fußballfunktionäre bezeichnet Tim den Status Quo als eine Art Hype. Dabei spricht er jedoch keinesfalls von einer Blase und sieht Esport in 10 bis 15 Jahren als klassische Sportart. Stand jetzt sagt er aber auch, dass der Esport noch nicht im Massenmarkt angekommen ist.

Fußball und Esport bei Schalke

Viele Clubs machen sich Gedanken, ob Esport zum eigentlichen Kerngeschäft Fußball passt. Schalke 04 sagt selbst ganz klar, dass Fußball das Kerngeschäft ist und bleibt. Esport erweitert dieses nur.

Als größte Gemeinsamkeit bzw. Überschneidung nennt Tim das Spiel FIFA. Der Großteil aller Fußballfans hat sicher mindestens eines der letzten FIFA-Spiele im Haus. Da liegt es nahe, auch als Proficlub mindestens einen FIFA-Spieler zu stellen.

Ein Ziel des Esport-Engagements ist jedoch beispielsweise die Ansprache neuer Fan-Gruppen. Das ist nur mit FIFA nicht möglich, da viele FIFA-Fans sicher schon einen Lieblingsclub haben.

Anders sieht es mit dem Computerspiel League of Legends aus. Die Überschneidung mit dem Fußball in diesem Spiel ist gleich null. Als größten Unterschied zwischen Fußball- und League of Legends-Fan nennt Tim das viel jüngere Durchschnittsalter im Esport.

Die Ansprache neuer Fan-Gruppen gelingt also mit League of Legends. Ich habe ihn ganz offen gefragt, ob es für den Fußball nicht gefährlich sein könnte, wenn die jungen Fans sich dem Esport näher fühlen als dem Fußball.

Diese Frage hat Tim nicht bejaht und sieht den Status des Fußballs nicht in Gefahr.

Gehälter & Einnahmen im Esport

Im Vorfeld zu meinem Gespräch mit Tim habe ich Euch eingeladen, mir Eure Fragen mitzugeben, die ich Tim stelle. Viele Eurer Vorschläge für Fragen bezogen sich dabei auf monetäre Aspekte.

Mein Facebook-Aufruf für Fragen an Tim - Leiter Schalke 04 Esport
Facebook-Aufruf für Fragen an Tim – Leiter Schalke 04 Esport

Genaue Zahlen nannte Tim mir nicht – das habe ich auch nicht erwartet. Trotzdem hat er die Fragen größtenteils beantwortet.

Gehälter bei Schalke 04 Esport

Eine Eurer Fragen zielte darauf ab, wie viel Geld Schalke 04 Esport seinen Spielern zahlt. Dazu sagte Tim nur.

„Ein League of Legends-Team kann von dem Gehalt sehr gut leben ohne reich zu werden“.

Das gilt teilweise auch für FIFA-Spieler, wobei diese im Schnitt noch weniger verdienen, als Spieler des Spiels League of Legends. Dafür wachsen die Gehälter der FIFA-Spieler aktuell schneller, was mit dem großen Erfolg von FIFA 17 zusammenhängt. Es bleibt also spannend abzuwarten, wie und ob FIFA 18 einschlägt.

Einnahmen bei Schalke 04 Esport

Erneut möchte ich ein Zitat von Tim bringen.

„Fakt ist, dass Erlösquellen erschlossen wurden.“

Dabei nannte er vor allem Sponsoring & die Erlöse aus den zentral vermarkteten Streaming-Rechten als Einnahmequellen.

Die Vermarktung der Rechte läuft hierbei ähnlich ab, wie beim Fußball. Der Rechteinhaber Riot verkaufte die Streaming-Rechte bis 2023 für 300 Millionen US-Dollar an das Unternehmen BAMTech. Diese Einnahmen werden wie im Fußball an die einzelnen Clans verteilt.

Weitere Erlösquellen wie Preisgelder, Merchandising & Co lassen sich entweder schwer planen oder stehen aktuell noch nicht im Fokus von Schalke 04 Esport.

Zur Frage, ob Schalke 04 Esport bereits Gewinne abwirft, konnte Tim mir leider keine Auskunft geben. Das zeigt aber meiner Meinung nach, dass hierauf aktuell noch kein großer Fokus gelegt wird.

Esport in der Bundesliga

Das Zögern der anderen Bundesligisten zur Einführung einer Esport-Abteilung kann Tim sehr gut nachvollziehen. Außenstehende stellen es sich demnach einfacher vor, Esport in einem Club zu etablieren, als es ist.

Handelnde Personen & Agenturen

Nach der Entscheidung für die Einführung stellt sich die Frage nach dem richtigen Vorgehen. Während Schalke 04 diesen Weg eigenständig gehen wollte, müssen andere Clubs sich erst ihre bevorzugten Agenturen aussuchen.

Darüber hinaus gibt es im Markt nicht allzu viele Tim Reicherts, die das Fußballgeschäft kennen und nebenbei passionierte Gamer sind. Demnach dürfte es weiterhin so zögerlich zugehen, wie bisher.

FIFA als Einstieg

Wie sind beide der Meinung, dass der Einstieg in den Esport über FIFA für viele Bundesligisten nahe liegend scheint. Trotzdem werden hierdurch wie bereits oben beschrieben keine neuen Fan-Gruppierungen angesprochen, was ja das eigentliche Ziel von Schalke 04 Esport ist.

Fürs Testen könnte FIFA dennoch geeignet sein. So kamen wir zwangsläufig auch auf die eBundesliga in Österreich zu sprechen. Dieses Jahr wird es in unserem Nachbarland erstmals eine elektronische Bundesliga geben.

Dabei sind alle Clubs verpflichtet, einen Spieler zu stellen. Dieses Format hält Tim allerdings nur bedingt für übertragbar. Voraussetzung ist seiner Meinung nach, dass alle Clubs die eBundesliga wirklich wollen. Ansonsten verpufft der an sich innovative Effekt.

Ich werde auf jeden Fall zu geeigneter Zeit immer mal wieder nach Österreich schauen und Euch auf dem Laufenden zahlten.

Tipps für alle Bundesligisten

Natürlich konnte ich es mir nicht nehmen lassen, Tim auf die turbulente erste Saison des League of Legends-Teams anzusprechen. Man startete in der höchsten Spielklasse (Championsship Series) und stieg in der ersten Saison sofort ab.

Nach einem Jahr der Zweitklassigkeit sicherte sich das Team vor wenigen Wochen den Wiederaufstieg ins Oberhaus. Tims Erklärung für dieses Auf und Ab ist einfach.

„Wir haben am Anfang Dinge unterschätzt und Fehler in der Struktur gemacht“

Beispielsweise wurde das Team nicht in Gelsenkirchen sondern in Berlin aufgebaut. Dort findet nämlich die Championship Series statt. Ein großer Nachteil dieser Konstellation ist allerdings der geminderte Einfluss, den das Team aus Gelsenkirchen auf die jungen Spieler hatte.

Genau wie beim Aufbau eines Startups mussten Tim und sein Team demnach Lehren aus einem Test ziehen und die Schlussfolgerungen daraus umsetzen.


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